Der in aller Welt geschätzte Schauspieler Robert Downey Jr. spielt in „Kiss Kiss, Bang Bang“ den Helden/Erzähler Harry Lockhart, einen nicht ganz astreinen, aber im Grunde anständigen Kleinganoven. Er verbindet das Charisma der Arbeiterklasse mit einem an Frank Capra erinnernden Optimismus. Shane Black beschreibt ihn: „Er schmiedet ewig neue Pläne, aber seine Projekte verlaufen immer schnell im Sande, weil er ständig ins Fettnäpfchen tritt. Harry wird vom Pech verfolgt, aber trotzig besteht er auf seinem Optimismus. Er kapiert einfach nicht, dass er wohl nie weiterkommt, wenn er immer wieder denselben Mist baut. Harry rennt also immer wieder gegen dieselbe Wand, erhält sich dabei aber seine jugendliche Begeisterung. Sogar in der Stadt der Zyniker, Verlorenen und Gauner – Los Angeles – bewahrt er sich seine fast kindliche Naivität.“
„Harry hat etwas, was ihn sympathisch macht – wir fiebern mit ihm, obwohl er sich selbst Knüppel zwischen die Beine wirft“, meint Produzent Joel Silver. „Also brauchten wir einen Schauspieler, der diese Mischung aus Optimismus, Rücksichtslosigkeit, sinnloser Beharrlichkeit und einnehmendem Wesen ausdrücken kann. Neben seinem offensichtlichen Talent als Schauspieler strahlt Robert Downey Jr. einen jungenhaften Charme aus – als Harry ist er einfach perfekt.“
Downey ist für seine Vielseitigkeit, grenzenlose Begabung und mitreißende Leinwandpräsenz bekannt. In denkwürdigen Rollen zeigte er eine große Bandbreite: von seinen Auftritten in den Meilensteinen der 80er-Jahre, „Weird Science“ (L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn) und „Less Than Zero“ (Unter Null) bis zu seiner für den Oscar nominierten Titelrolle in „Chaplin“ (Chaplin), der packenden Darstellung des Boulevard-Reporters in „Natural Born Killers“ (Natural Born Killers) sowie aktuell seinem widersprüchlichen Psychiater in Silvers erfolgreichem Grusel-Thriller „Gothika“ (Gothika).
„Robert taucht völlig in Harry ein“, sagt Black. „Er gestaltet die Figur sehr verletzlich und zärtlich, aber auch jungenhaft sympathisch, und sein subtiles komödiantisches Timing drückt sich allein schon in einer einfachen Geste, in einem Blick aus. Er engagiert sich hundertprozentig in dieser Rolle, sein Spiel wirkt dadurch völlig mühelos, was aber eine Täuschung ist, denn was er leistet, ist extrem kompliziert.“
„Harry gehört zu den Typen, die aufwachen, wenn die Neonlichter angehen“, sinniert Downey. „Und als Nachteule habe ich selbst einige Erfahrung. Wie die meisten Menschen möchte Harry eigentlich immer den richtigen Weg einschlagen, aber er weiß eben nicht recht, wie er das anstellen soll.“
Als Harry und sein krimineller Kumpel den Cops nach einem nächtlichen Weihnachts-„Einkauf“ in einem New Yorker Spielzeugladen nur knapp entkommen, landet er auf seiner tollpatschigen Flucht unversehens bei einem Casting-Termin für einen Hollywood-Krimi. Schnitt: Harry fliegt nach L.A., um dort Probeaufnahmen zu machen. Auftritt Perry van Shrike, der „schwule Perry“, ein hartgesottener, offen schwuler Privatdetektiv, der dem Dieb-der-ein-Schauspieler-werden-will beibringen soll, sich wie ein Detektiv zu benehmen.
Irgendwie ist es doch passend, dass gerade die Filmemacher, die dem Action-Genre eine reichliche Dosis Machismo eingeimpft haben, dieses Klischee nun auf den Kopf stellen und die traditionell eindeutigste Macho-Figur der Geschichte als Schwulen auftreten lassen. „Das ist typisch Shane“, sagt Silver. „Er spielt sehr gern mit der Erwartungshaltung des Publikums.“
Der ruppige, skrupel- und gnadenlose Perry bildet einen deutlichen Kontrast zum liebenswert naiven Harry. Jede seiner Kugeln trifft, er verzieht nie sein Pokerface, und er lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er seinen neuen Schützling verachtet.
„Perry ist ein ausgeschlafener Typ, er kapiert sofort, dass er mit Harry Probleme bekommt“, sagt Val Kilmer, der den zynischen Schnüffler spielt. „Er will nichts mit ihm zu tun haben.“
„Der schwule Perry ist ein kaltschnäuziges Arschloch. Er würde jedem sofort die Fresse einschlagen, ist aber unter bestimmten Umständen reichlich pingelig“, sagt Black über Jonny Gossamers postmodernes Gegenstück. „Seine Kunden werden durch seine direkte Art sehr nervös, aber dennoch hat Perry das Zeug zum mythischen Helden – er dominiert den Raum, sobald er ihn betritt, und Val spielt ihn ganz überragend.“
„Val hat ein unglaubliches Charisma, das wunderbar zu Perry passt“, stimmt Executive Producer Susan Levin zu. „In letzter Zeit hat er vor allem in düsteren, dramatischen Filmen mitgewirkt, aber er ist ein sehr guter Komiker, wie seine Fans aus früheren Filmen wissen.“
„Ich setze mich gern mal über alle Konventionen hinweg, aber leider bekomme ich auf der Leinwand nur selten Gelegenheit dazu“, kommentiert Kilmer, der seine Karriere mit der abgedrehten, erfolgreichen Spionage-Thriller-Parodie „Top Secret!“ (Top Secret!) und der Komödie „Real Genius“ (Was für ein Genie) begann, bevor er immer öfter dramatische, legendäre Rollen übernahm: „The Doors“ (The Doors), „Heat“ (Heat) sowie aktuell „Wonderland“ und „Alexander“ (Alexander). „Seit Jahren suche ich nach einer guten Komödienrolle. Doch Hollywood bewegt sich auf eingefahrenen Wegen: Wer lustig sein will, muss gerade eine Komödie gemacht haben. Wenn man ein paar Jahre lang nicht komisch gewesen ist, bekommt man solche Rollen einfach nicht.“
„Val hat den Ruf, so stoisch zu sein, dass jedermann fast Angst vor ihm hat, weil er so beeindruckend wirkt“, sagt Black. „Dabei kann er wunderbar auch über sich selbst lachen, und diese Fähigkeit kommt in seiner Rolle voll zum Tragen. Gleichzeitig geht er die Darstellung des Perry sehr zurückhaltend an, stellt das klassische Raubein überzeugend als Schwulen dar, ohne auf Stereotype auszuweichen oder in die Karikatur zu verfallen.“
Kilmer fühlte sich von der Rolle des schwulen Perry herausgefordert, vor allem aber überzeugte ihn Blacks vielschichtiges Drehbuch. „Ich schätze Shane Blacks Stil sehr. Er hat ein gewisses Flair, und diese Art Kino mag ich besonders gern: Der Film behandelt ein ernsthaftes Thema, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen. Das ist pure Unterhaltung, ein großer Spaß.“
Außerdem freute sich Kilmer auf seine erste Gelegenheit, mit dem legendären Produzenten Silver zu arbeiten. „Joel ist ein passionierter Filmemacher und kümmert sich wie kein anderer um jedes Detail“, sagt Kilmer. „Viele erfolgreiche Produzenten haben einen besonderen Schwerpunkt bei der Filmarbeit, doch Joel beherrscht alle Aspekte. Mit seinem Geschmack und seinem Gespür ähnelt er den Gründern Hollywoods.“
„Ich würde buchstäblich alles für ihn machen“, sagt Downey in Bezug auf Silver. „Joel nimmt das Filmemachen wirklich verdammt ernst, und seine Leidenschaft wirkt ansteckend. Er kennt das Medium, das Geschäft in- und auswändig. Bei den Dreharbeiten reagiert er besonnen auf jedes auftretende Problem, und das kann man wirklich nur von den wenigsten Produzenten behaupten.“
Laut Silver wird es in „Kiss Kiss, Bang Bang“ besonders lustig, als Harry und der schwule Perry aneinander geraten: „Ohne zwei charismatische Schauspieler hätte das nicht funktioniert, denn die Chemie zwischen den beiden Figuren muss hundertprozentig stimmen. Das Val und Robert hervorragende Schauspieler sind, ist hinlänglich bekannt. Wenn man sie dann aber zusammen erlebt, wie sie sich gegenseitig anzicken, eins auswischen und zanken, merkt man erst, welche Begabung wirklich in ihnen steckt.“
„Ich sehe Harry und den schwulen Perry als zwei grantige Typen vor mir – wie Bären im Anzug“, sinniert Black. „Sie zerren sich ständig am Kragen, gewöhnen sich einfach nicht an die Zivilisation, im Grunde sind sie Menschenfeinde. Dass wir Robert und Val für diese Rollen verpflichten konnten, war ein echter Coup. Robert unterstützt Vals Stärken, indem er die Schwächen und Fehler seiner eigenen Figur auf unnachahmliche Weise betont. Es funkt echt zwischen den beiden, sie liefern makellose Leistungen. Ich finde, ich habe riesiges Glück gehabt.“
„Robert spielt einen Typen, den man nicht gerade als Genie bezeichnen kann“, stellt Kilmer fest. „Doch ich habe Robert im Lauf der Jahre immer wieder als Schauspielergenie erlebt, und sein Timing, seine Darstellung in diesem Film sind einfach überragend. Bei unseren gemeinsamen Szenen haben wir immer nur gelacht. Es war traumhaft.“
„Ich weiß gar nicht, welche optimale Energie uns eigentlich angetrieben hat“, fügt Downey hinzu. „Aber eins weiß ich: Meine Freundschaft mit Val wird bis an mein Lebensende halten. Und dabei kannten wir uns vorher überhaupt nicht – ich hatte ihn bisher nur im Kino erlebt.“
Irgendwo zwischen Harrys chaotischem Charme und der ausgebufften Arroganz des abgeklärten schwulen Perry steckt Harmony Faith Lane, das Landei aus Indiana. Schon als Kind träumte sie davon, nach Hollywood zu ziehen und Schauspielerin zu werden. Aber es hat nicht ganz so geklappt, wie sie sich das beim Lesen der Jonny-Gossamer-Thriller vorgestellt hat. Jetzt ist sie 34, zwar schön, klug und attraktiv, muss sich aber dennoch klarmachen, dass sie hier keine Zukunft mehr hat.
„Im Wesentlichen zeigt unser Film Menschen, die nie aufgeben: ,Eines Tages werde ich es allen zeigen‘“, erklärt Black. „Harmony gehört dazu. Andere hätten an ihrer Stelle längst das Handtuch geworfen. ,Ich wollte Schauspielerin werden, es hat nicht geklappt; ich bringe es nie zu etwas.‘ Sie hat zwar einen gesunden Zynismus entwickelt, aber dennoch glaubt sie nach wie vor daran, dass eines Tages alles gut wird. Sie versucht sich mit dem Umstand zu arrangieren, dass man auch mit 40 noch träumen darf: ,Eines Tages werde ich es allen zeigen.‘“
Die aufstrebende Schauspielerin Michelle Monaghan war bereits in „The Bourne Supremacy“ (Die Bourne-Verschwörung) und „Mr. & Mrs. Smith“ (Mr. & Mrs. Smith) zu sehen und trat im festen Ensemble der TV-Serie „Boston Public“ (Boston Public) auf. Ihre erste Hauptrolle ergatterte sie, weil sie „uns beim Vorsprechen absolut überzeugt hat“, sagt Black. Es spielte dabei keine Rolle, dass Monaghan relativ wenig Erfahrung hat und für ihre Rolle um einige Jahre zu jung ist. „Sie hat alles, was dazu gehört“, weiß Downey.
„Michelle ist eine echte Sensation“, sagt Silver. „Sie verfügt über ein unglaubliches Timing und fühlt sich vollständig in die Rolle ein. Sie hat sich von den Superstars Robert und Val überhaupt nicht einschüchtern lassen.“
„Das Tolle an Michelle: Sie hat keine Angst, sich selbst einzubringen“, berichtet Black begeistert. „Sie ist intelligent, spontan, hat ein wunderbares Gespür für Humor. Zögern ist für Michelle ein Fremdwort. Sie engagiert sich mit Haut und Haar, kennt beim Spielen keine Angst. Es war traumhaft zu beobachten, wie diese erfrischende junge Schauspielerin am Set meines Films aufblühte. Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und dachte nur: „So viel Glück habe ich gar nicht verdient.“
„Wenn Shane mich als unerschrocken erlebt, liegt das daran, dass er Harmony genau so geschrieben hat“, sagt Monaghan, die aus Iowa stammt, also wie Harmony im Mittelwesten geboren wurde. „Jonny Gossamer ist ihr Vorbild, diese Bücher haben in ihr den Hollywood-Traum geweckt. Der Erfolg bleibt ihr versagt, aber in Harry findet sie einen neuen Helden.“
„Michelle passt in keine Schublade“, sagt Downey. „Irgendwie ist es doch deprimierend, die sehr realistische Story einer typischen jungen Schauspielerin zu sehen, die nach Hollywood kommt und sich im Lauf der Zeit verbittert und wehleidig völlig in sich selbst zurückzieht. Was ich gerade sage, bezieht sich übrigens nur auf das erste Jahr. Doch Michelle ist eine sehr angenehme Überraschung. Als wir die Szene drehten, in der Harmony im Regen auftritt und Harry um Hilfe bittet, war Michelle mit Recht nervös, denn diese Szene bedeutete für sie: Jetzt oder nie. Den Tag vergesse ich nie – am Ende der Szene war mir ganz klar: Sie ist ein Filmstar.“
Auch Kilmer zeigt sich sehr beeindruckt von Monaghan, was er so zusammenfasst: „Einmal habe ich doch tatsächlich vergessen, dass ich einen Schwulen spiele, als ich zusah, wie sie durch die Szene läuft.“
„Ich bin echt begeistert, dass ich an diesem Projekt mitarbeiten darf, vor allem als Partnerin von Val und Robert“, sagt Monaghan. „Ehrfürchtig habe ich ihnen jeden Tag zugeschaut, aber eingeschüchtert war ich nie, weil sie mir ständig geholfen und Mut gemacht haben. Sie ermunterten mich, etwas zu riskieren. Für mich ist ein Traum wahr geworden.“
Monaghan und ihre Kollegen äußern sich einhellig begeistert über Black, denn mit Engagement und Leidenschaft inspirierte er seine Schauspieler und sein Team dazu, bei dieser romantischen Variante des Buddy-Movies und Film noir ihr Bestes zu geben. „Als Regisseur verblüfft er uns durch seine Mischung aus Humor und Demut, ohne dabei auf klar formulierte Aussagen zu verzichten“, sagt Kilmer.
„Ich könnte 30 Dinge aufzählen, warum Shane ein großartiger Typ ist – abgesehen von seinem erstaunlich effektiven, irre komischen und komplex strukturierten Drehbuch. Vor allem ist er sogar noch schlauer, als er uns zeigt“, sagt Downey, der Eigenschaften aller drei der schillernden Filmhelden in seinem Regisseur/Autor wiedererkennt. „Manchmal fragte ich ihn beim Drehen: Was würdest du selbst machen? Denn in mancher Hinsicht erlebe ich diese Story als seine Autobiografie. Shane hat ein kriminelles Hirn wie Harry, aber er versucht das zu überwinden und ehrlich zu leben. Wie Harmony gibt er seine Träume nie auf. Obwohl er in Hollywood, wo man uns ständig nach unserem letzten Film beurteilt, unter Schreibblockade gelitten hat, bewahrt er sich seinen gesunden Optimismus. Und wie der schwule Perry passt er in keine Klischee-Schublade. Er ist keiner der typisch angesagten Hollywood-Autoren. Ein cooler Typ, gleichzeitig verschroben – überhaupt nicht so, wie man erwarten würde.“
„Mit Hollywood verbindet mich eine Hassliebe“, gibt Black zu. „Das ist wie bei einem Zugunglück: Beim Vorbeifahren tritt man auf die Bremse, um zuzuschauen. Und schließlich schaut man 15 Jahre lang zu. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Atmosphäre in Hollywood von Angst und Verzweiflung geprägt ist. Man kann das leicht ins Lächerliche ziehen, was übrigens sehr wichtig ist, weil man der Angst sonst unterliegt. Man muss sich seinen Humor bewahren.“