„Kiss Kiss, Bang Bang“-Autor/Regisseur Shane Black war bei der Gestaltung der Atmosphäre eines heutigen Film-noir-Krimis besonders auf seinen Kameramann Michael Barrett („CSI“/CSI – Den Tätern auf der Spur) und Produktions-Designer Aaron Osborne („Without a Trace“/Without a Trace – Spurlos verschwunden) angewiesen.
„Unsere Optik soll dem Prototyp L.A. gerecht werden, aber gleichzeitig wollen wir auch die Unmittelbarkeit der Detektivromane und des Noir-Genre, das ich so schätze, einfließen lassen“, sagt Black, der Barrett und Osborne zahlreiche Noir-Klassiker aus den 60er-Jahren vorführte, zum Beispiel den Paul-Newman-Krimi „Harper“ (Ein Fall für Harper) und den in Los Angeles angesiedelten Thriller „Point Blank“ (Point Blank) mit Lee Marvin.
„Shane hat ein unglaubliches Gespür fürs Optische und kann das in seinen Büchern auch formulieren. Was den Look, den Stil seines Films angeht, weiß er ganz genau, was er will“, bestätigt Osborne. „Eine romantische Version von Los Angeles interessiert ihn nicht. Er möchte, dass die Schauplätze so real wirken wie die Figuren und die Story.“
Wie Black schätzt auch Osborne gerade die Bildwelt der Groschenromane, und für den Look von „Kiss Kiss, Bang Bang“ ließ er sich von den Bildern des berühmten Illustrators Robert McGuinness inspirieren, dessen Titelbilder für die Detektivromane der 1960er-Jahre berühmt geworden sind. Black und Osborne baten McGuinness, all die Titelblätter der Jonny- Gossamer-Romane zu zeichnen, die im Film zu sehen sind. Black dachte sich die Buchtitel dazu aus, unter anderem „Straighten Up and Die Right“ (Nur aufrecht stirbt man richtig), „Small Town Boy Makes Dead“ (Von der Kleinstadt ins große Grab) und „Die Job“ (Ein Job zum Verrecken), und er verfasste auch die Inhaltsangabe für den jeweiligen Einband.
„McGuinness gab mit seinem Stil den Maßstab für den Look des Films vor“, sagt Osborne, der McGuinness’ Bildwelt in die Sets übersetzte: zum Beispiel in Harry Lockharts Hotelzimmer, in dem gewaltige gerahmte Reproduktionen von McGuinness-Bildern hängen, um das Film-noir-Thema des Films zu unterstreichen.
McGuinness inspirierte aber auch die Art, in der Black und Barrett den Film aufnahmen. Dazu Black: „Wir orientierten uns beim Aufbau der Kamerabilder an den Noir-Filmen und an den Titelbildern der alten Groschenromane: Da schaut man oft durch das Dreieck, das sich aus einem angewinkelten Ellbogen ergibt, wenn jemand eine Zigarette raucht. Oder man sieht an einer Laterne vorbei und entdeckt, dass jemand in einer dunklen Ecke lauert.“
Wichtig für Blacks Ziel, eine aktuelle Noir-Atmosphäre zu kreieren, war auch seine Absprache mit Barrett, „schwarzweiß in Farbe zu drehen“.
„Dabei geht es um eine Landschaft, die einer Film-noir-Stimmung entspricht, obwohl man vordergründig knallige Farben einsetzt“, erklärt Black. „Wir haben in jeder Einstellung Farben verwendet, sie dann aber in der Endfertigung blasser kopiert. Dadurch entsteht ein sehr farbintensiver Film, der aber nicht so bunt wirkt, wie wir es von einer Komödie gewohnt sind. Das sieht eher aufgeraut aus. Es entsteht das Flair ungehobelter Männlichkeit.“
Black schwärmt von Barretts kongenialer Mitarbeit: „Michael leistet ganz Erstaunliches. Ich habe ihm gezeigt, was mich beeinflusst hat, wir schauten uns die Filme an, die ich mag, und er hat das sofort begriffen. Er wusste genau, was ich im Kopf hatte, und gestaltete die Einstellungen sogar noch opulenter und besser, als ich sie mir je hätte vorstellen können.“
„Das muss man Michael lassen: Es gelingt ihm, den von Shane gewünschten Look zu kreieren, ohne dass wir unsere Spontaneität opfern müssen“, fügt Robert Downey Jr. hinzu.
„Im Film noir geht es vor allem um die Manipulation von Licht und Schatten, die eine bestimmte Atmosphäre, Stimmung und Struktur hervorrufen“, sagt Produzent Joel Silver. „Mit diesem Film beginnen Shane und Michael ein neues Kapitel in der Geschichte des Detektiv-Genres. Und damit beweisen sie, dass auch ein Farbfilm das klassische Noir-Ambiente kreieren und dabei sehr eigenständig und originell sein kann.“
Zu dieser originellen Atmosphäre trägt nicht zuletzt auch der jazzige Soundtrack des Komponisten John Ottman bei. Er ist der einzige Filmkünstler, der nicht nur Scores schreibt, sondern auch als Cutter erfolgreich ist. Er schrieb die Musik zu „The Usual Suspects“ (Die üblichen Verdächtigen), „X-Men 2: X-Men United“ (X-Men 2) sowie zu den Silver-Produktionen „Gothika“ und „House of Wax“ (House of Wax). „Johns Musik zu ,Kiss Kiss, Bang Bang‘ illustriert perfekt jene ausgeklügelte Genre-Mischung, die den Film so besonders machen – Comedy, Lovestory, Suspense, im Stil und mit dem Drive eines modernen Film noir“, sagt Silver.
„Kiss Kiss, Bang Bang“ entstand an Schauplätzen in und um Los Angeles, von Silverlake über den MacArthur Park bis nach Long Beach, von den heruntergekommenen Gassen bis zu dem eleganten Standard Hotel und dem angesagten Nachtlokal The Falcon Room am Sunset Boulevard. Eine wichtige Szene, die gespenstische Weihnachtsparty mit Burlesk-Tänzern aus dem edlen Hollywood-Club 40 Deuce, die mit bemalten Körpern und Weihnachtskostümen auftreten, wurde in Blacks großem viktorianischen Haus in Hancock Park gedreht.
Die meisten Szenen entstanden an Originalschauplätzen – Ausnahmen waren Sets, die im berühmten Ambassador Hotel gebaut wurden, zum Beispiel die Innenräume der Dexter-Klinik und das schäbige Hotelzimmer, in dem Harmonys Schwester viel zu früh das Zeitliche segnet.
Osborne will das heutige Los Angeles mit „der Patina eines verblichenen Jahrmarkts“ überziehen. „Wir zeigen im Film durchaus das heutige Los Angeles“, sagt er. „Durch die authentischen Bilder entsteht der unmittelbare Eindruck, den Shane sich wünscht – er bildet einen neuen Orientierungspunkt für das Noir-Genre.“
Osborne sollte aber nicht nur Los Angeles mit all seinen prächtigen, wenn auch falschen Fassaden ins Bild bringen, sondern er musste bei seinem Konzept auch in jedem Fall bedenken, dass der Film zur Weihnachtszeit spielt. „Am meisten fühlte ich mich von dem Anspruch herausgefordert, die Weihnachtszeit in Los Angeles ins Lächerliche zu ziehen und auch den 50er-Jahre-Stil und den modernistischen Trend mit einzubauen, der gerade so angesagt ist“, erklärt Osborne. „Ich kann mir keine Stadt vorstellen, in der die Weihnachtsatmosphäre deplatzierter wirkt als in Los Angeles – das wollten wir bis ins Lächerliche übertreiben. Ein Beispiel: Statt für die Weihnachtsparty ein knisterndes Kaminfeuer zu entfachen, zeigen wir ein riesiges Holzscheit auf einem 60-Zoll-Fernsehbildschirm. Aufgehängte, glänzende Glasperlen sollen Schnee darstellen, und außerdem haben wir Op-Art-Weihnachtsbäume kreiert.“
Die Dreharbeiten dauerten 37 Nächte, die dem Team manche schwierige Bewährungsprobe abverlangten, zum Beispiel ein in den Lake Castaic stürzendes Auto, eine Massenkarambolage und eine Schießerei im MacArthur Park und nicht zuletzt einen Robert Downey Jr., der an einer Sicherheitsleine über dem Long Beach Freeway baumelt.