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    Thriller, Science Fiction | Frankreich / USA 2008
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      • | Interview mit Mathieu Kassovitz (Regie)

      • Wann haben Sie den Roman „Babylon Babies“ von Maurice Dantec entdeckt?

        Das war 2002. Zukunftsromane fand ich immer schon interessanter als reine Science-Fiction. „Babylon Babies“ gilt als bedeutender Zukunftsroman, deshalb habe ich ihn gelesen. Dafür brauchte ich gerade mal zwei, drei Nächte. Ich war sofort überzeugt, dass es der Stoff für einen tollen Film ist, der ... mindestens sechs Stunden dauert. Und 500 Millionen Euro kostet.


        Sie haben sich eines Romans angenommen, der als unverfilmbar galt. Warum?

        Sein Ruf, unverfilmbar zu sein, machte die Sache für mich erst recht spannend. Wer ein Buch liest, liest es immer anders als der nächste Leser. Man liest dieselben Wörter, doch jedes Hirn funktioniert auf seine individuelle Art. Im Kino hingegen sehen wir alle dasselbe. Meine Arbeit bestand also darin, meine Vision des Buches zu erschaffen. Es war eine echte Herausforderung, 600 Seiten auf 90 Minuten Film zu verdichten. Deshalb sind auf Anhieb bestimmte Dinge im Papierkorb gelandet. Das erklärt auch, warum wir den Titel in „Babylon A.D.“ abgeändert haben. Beim Schreiben des Drehbuchs entwickelte sich das Ganze immer mehr zu einem „Film inspiriert von ...“ als zu einer waschechten Adaption des Romans. Wir haben ganze Szenen dazu erfunden, viele kleine Details. Andererseits haben wir die Reise und die Grundzüge von Maries Geschichte beibehalten, dieser jungen Frau, die Toorop beschützen muss, und die sehr mysteriös bleibt. Auch wenn wir die Figur an sich verändert haben: Ich habe aus ihr ein Mädchen gemacht, das von einem Computer geschaffen wurde, und die das gesamte Wissen der Menschheit besitzt, aber schizophren ist, weil sie nicht weiß, woher dieses Wissen stammt, dass ihr Gehirn auffrisst. Wir haben ihren Namen in Aurora abgeändert. Marie, das war einfach zu offensichtlich. Ich habe auch Toorops Hintergrund verändert. In Dantecs Roman engagiert er sich mit 17 Jahren für einen Einsatz im Kosovo. Ich habe aus ihm eine Art Kindersoldaten gemacht, ein Opfer all der Kriege der vergangenen 30 Jahre. Im Buch kommen viele Dinge vor, die man im Kino einfach nicht erklären kann. Etwa, dass das Trio in Montreal eintrifft und dann sechs Monate lang dort festsitzt. Was ich als unlogisch empfinde. Logischer ist für mich, dass Toorop sofort nach der Ankunft am Ziel, im Film handelt es sich um New York, das Mädchen ausliefert. Wir haben also sechs Monate auf drei Minuten verkürzt.


        Was bedeutet „Babylon A.D.“?

        Der Titel steht für das babylonische Zeitalter und jene Stadt, die als Hort der Sünde und Dekadenz galt. Außerdem konnte ich mit den Initialen das schöne Logo B.A.D. gestalten (lacht). Der Originaltitel hätte bei den Amerikanern eine doppelte Bedeutung gehabt, denn Babies steht sowohl für Babys als auch für hübsche junge Mädchen. Außerdem störte mich das Wort „Babies“ im Titel: Es verrät zuviel über das, was Aurora mit sich trägt.


        Wie hat Dantec auf die zahlreichen Änderungen reagiert?

        Was das angeht, war er sehr offen. Er sagte zu mir: „Nimm mein Buch und mach daraus, was du willst. Dass ich bereit war, die Filmrechte an dich zu verkaufen, heißt doch, dass ich deine Vision und deine Filme mag. Mein Vertrauen in dich ist grenzenlos.“ Er wusste, dass ich die Philosophie des Buches respektieren würde, das Thema sowie die Handlung in ihren groben Zügen. Er fand die Änderungen, die Eric Besnard, mein Co-Autor, und ich vorgenommen haben, eher ganz interessant. Jetzt warte ich gespannt, dass er den fertigen Film sieht, damit er mir dasselbe noch mal sagt.


        Ihre ersten drei Regiearbeiten beruhten auf Originaldrehbüchern. Zwei Ihrer letzten drei Filme sind Adaptionen. Macht das für Sie einen Unterschied?

        Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Mein erster Film „Lola liebt's schwarzweiß“ war unmittelbar von meinem damaligen Alltag inspiriert. Und ein wenig auch von Spike Lees „She's Gotta Have It“. „Hass“, mein zweiter Film, ist von Martin Scorsese inspiriert. Alles, was ich bisher gemacht habe, wurde von Dingen inspiriert, die ich selbst erlebt, gesehen oder gelesen habe. Was mich an einem Film interessiert, ist das Endprodukt, nicht das Drehbuch. Wenn ich Stephen King lese, möchte ich sofort sein gesamtes Oeuvre verfilmen! Jean-Christophe Grangé, der Autor von „Die purpurnen Flüsse“, besitzt das Talent, Geschichten fürs Kino zu erfinden, die mir niemals einfallen würden. Ich habe überhaupt kein Problem damit, mich von Romanen inspirieren zu lassen. In dem Moment, wo ich ein Buch adaptiere, eigne ich mir seine Geschichte an. Wenn ich etwas lese, und es gelingt mir, über die ersten zehn Seiten hinauszukommen, dann handelt es sich in der Regel um ein Buch, dass ich gern fürs Kino adaptieren würde (lacht).


        Zwischen der Lektüre des Romans und dem Beginn der Dreharbeiten vergingen fünf Jahre. War die Finanzierung so schwierig?

        Ja, sie stellte sich als sehr schwierig heraus, weil die Amerikaner in Geschäftsdingen extrem kompliziert sind. Zu Beginn des Projekts gab es nur Christophe Rossignon, der meine drei ersten Filme produziert hat. Das erste Drehbuch von Eric Besnard und mir war auf etwa 90 Millionen Dollar budgetiert. Christophe meinte daraufhin: „Mathieu, die Sache nehme ich nicht in Angriff, denn ich glaube nicht daran.“ Also haben wir uns getrennt, und dann habe ich erstmal in den USA „Gothika“ inszeniert. Allmählich wurde mir klar, dass ich einen Hollywoodstar brauchte, um einen Film wie „Babylon A.D.“ machen zu können. Und dass ich ihn dergestalt inszenieren musste, dass er in den USA Erfolg an den Kinokassen haben könnte. Joel Silver, der Produzent der „Matrix“-Filme, hatte mir die Regie von „Gothika“ angeboten, mit Halle Berry, die gerade einen Oscar gewonnen hatte, Penélope Cruz und Robert Downey Jr. Der Film war ein Erfolg, und das hat es mir wiederum ermöglicht, die Produktion von „Babylon A.D.“ auf die Beine zu stellen, ohne mit meinem Drehbuch nach Hollywood pilgern und es an ein Studio verkaufen zu müssen. Was ich dringend brauchte, war ein europäischer Co-Produzent, damit sich die Amerikaner damit begnügten, die Verleihrechte zu erwerben. Unser Ziel war, das Budget auf 60 Millionen Dollar zu reduzieren: 30 aus Europa und 30 aus den USA.


        Hatte Hollywood Angst vor dem Sujet des Films?

        Nein, denn es versteckt sich prima hinter einer großartigen Optik, grandiosen Actionsequenzen und einer ausgeklügelten Geschichte. Das Thema Religion wurde zwar sehr schnell von den Amerikanern angesprochen, aber es lag uns ja auch wirklich daran, gemeinsam eine Reihe von Fragen zu klären. „Blade Runner“ ist einer der Filme, auf denen meiner aufbaut. Weniger was die Form angeht als den Kern. Wenn man sich „Blade Runner“ anschaut, sieht man zunächst einen Science-Fiction- bzw. Actionfilm. Aber eigentlich handelt er von Gott, unserer Existenz auf diesem Planeten, von der Schöpfung ... Spielberg hat etwas Ähnliches mit „E.T. – Der Außerirdische“ gemacht, der im Grunde ein Film über den Rassismus ist. Ich sagte mir: „Ich will einen Genrefilm drehen, einen Actionfilm, einen Jungsfilm, der echt Hardcore ist ... aber trotzdem die Gesellschaft wiederspiegelt, in der wir leben.“ Dennoch sollte der religiöse Aspekt nicht zu sehr im Vordergrund stehen, deshalb spielt die Action eine deutlich größere Rolle. Aus den religiösen Fanatikern haben wir eine Sekte gemacht. Jetzt steht es jedem Kritiker und jedem Zuschauer frei, in der Geschichte etwas für sich zu entdecken.


        Wie sind Sie bei der Besetzung von Toorop vorgegangen?

        Ich wusste sofort, dass ich Vin Diesel für diese Rolle haben wollte. Auch wenn er nicht die erste Wahl der Studios war. Ich musste wirklich um ihn kämpfen. Ich kannte ihn aus verschiedenen Filmen und war der Meinung, dass er ein guter Schauspieler ist. Man darf nicht vergessen, dass er immerhin mit Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ bekannt wurde. Dann sah ich ihn in „Boiler Room“, in dem er einen Börsenmakler spielt. Außerdem ist Vin Diesel der letzte starke Mann des US-Kinos, es gibt sonst keine echten Helden mehr, jedenfalls keine unter 60 Jahren. Mir gefällt seine bäuerliche Seite, und mir gefällt diese Vorstellung, dass sich so ein Typ am Ende der Geschichte als Vater von zwei Kindern des 22. Jahrhunderts wieder findet.


        Wie sind Sie auf Mélanie Thierry gekommen?

        Ich kannte Mélanie von ihrer Arbeit als Model. Getroffen habe ich sie zum ersten Mal, als sie in dem Theaterstück „Le vieux juif blonde“ spielte. Darin verkörperte sie 90 Minuten lang zwei verschiedene Figuren. Sie überstrahlte alles. Und ich wusste: „Das ist meine Aurora!“ Ich brauchte ein Mädchen, das die Reinheit verkörpert. Mélanie könnte tatsächlich von einem Computer entworfen worden sein: Sie hat ein perfektes Gesicht, der Blick aus ihren Augen ist wunderbar. Sie wirkt beinahe wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Darüber hinaus ist sie eine sehr gute Schauspielerin. Ich machte zunächst bei mir zu Hause Probeaufnahmen mit einer kleinen Videokamera. Ich musste heulen, so bewegend spielte sie, und das hat mich darin bestätigt, meine Aurora gefunden zu haben. Mir war viel daran gelegen, ein französisches Element im Film zu haben. Zunächst waren die Amerikaner dagegen. Als sie begriffen, dass Aurora unbedingt von einer Unbekannten gespielt werden musste, gaben sie ihren Widerstand gegen Mélanie auf. Womit sie allerdings ein Problem hatten, war ihr französischer Akzent. Mélanie hat viel an ihrer Aussprache arbeiten müssen, denn ich bat sie, in einem einzigen Satz ganze viele Akzente zu vermischen, damit man ihre Herkunft nicht sofort heraushört, und das hat wiederum das Universelle ihrer Figur betont.


        Für die Rolle ihrer Beschützerin haben Sie Michelle Yeoh engagiert.

        Neben der weißen Unschuld, die Mélanie verkörpert, brauchte ich unbedingt eine asiatische Schönheit. Und Michelle ist nun mal die schönste Frau der Welt (lacht). Als Schauspielerin hat sie außerdem Filmgeschichte geschrieben. Am Anfang hatte ich die Nonne so skizziert, wie man sich Nonnen vorstellt, klein und dick und streng. Aber eigentlich wollte ich doch einen Actionfilm drehen, mit einer kämpferischen Nonne. Bei den jungen Schauspielerinnen kommen nur wenige für so eine Rolle in Frage, bei den erwachsenen Frauen eine einzige. Michelle hat unter anderem mit Jackie Chan gearbeitet, und für mich war es eine große Ehre und Freude, sie am Set zu haben. Ihre Präsenz hat es mir ermöglicht, aus dem Trio eine noch kämpferische kleine Truppe zu machen und Mélanie in die Action einzubinden. Kaum hatte Michelle zugesagt, war es im Übrigen viel leichter, französische Stars mit internationalem Ruf durchzusetzen. Gérard Depardieu in der Rolle des Gorsky war eine Vorstellung, die alle amüsierte. Und ich wollte unbedingt mal mit ihm arbeiten. Für die Rolle des ersten Bösen im Film brauchte es unbedingt eine Ikone. Depardieu hat ihn absolut ungebremst gespielt. Danach musste ich an Lambert Wilson denken, den Bösewicht aus „Matrix“. Ehe ich ihn darin sah, erschien er mir immer wie der Playboy des französischen Kinos, und ich hätte ihm niemals diese Rolle angeboten. Als ich erfuhr, dass er mit Marc Caro den Science-Fiction-Film „Dante 01“ gedreht hatte, wusste ich, dass er mein Mann war. Wir haben uns intensiv mit seiner Figur beschäftigt, die wie ein Superheld der 80er Jahre wirken sollte, irgendwie überlebensgroß, aber nicht lächerlich. Die Figur könnte dem Science-Fiction-Comic-Magazin „Métal Hurlant“ entsprungen sein. Im Übrigen ist dieses Magazin aus den 80er Jahren eine der Referenzen des Films: „Babylon A.D.“ ist für mich eine Art Konzentrat von „Métal Hurlant“.



        Die Besetzungsliste wird von Charlotte Rampling vervollständigt.

        Ich brauchte eine charismatische Böse, die Symbolcharakter besitzt, eine Frau, die bei allen Männern und Frauen, die ihren Weg gekreuzt haben, Rachegefühle und Hass auslöst. Ich brauchte eine Frau mit diesem ganz gewissen Blick, eine Frau, von der man nicht weiß, ob man ihr seine Kinder anvertrauen würde, und von der man annehmen darf, dass sie sich immer noch wie in „Der Nachtportier“ kleidet. Ist es also ein Wunder, dass ich keine andere als Charlotte Rampling für diese Rolle wollte?


        Erzählen Sie uns von den Dreharbeiten.

        Es waren anstrengende Dreharbeiten, die von Dezember 2006 bis April 2007 dauerten. Und ja, es gab am Set eine Menge Probleme. Einen solchen Film ohne Zwischenfälle zu drehen, ist schier unmöglich. Um „Babylon A.D.“ ohne Blut, Schweiß und Tränen hinter uns zu bringen, hätten wir ein Budget von 150 Millionen Euro gebraucht. Ohne dieses Geld hieß es: Kampf. Und wir haben gekämpft! Ich würde es sogar als Guerilla-Filmemachen bezeichnen. Es war wirklich nicht einfach. Andererseits habe ich noch nie einen einfachen Film gemacht (lacht). Da war zum Beispiel der Schnee, der nicht zu dem Zeitpunkt fallen wollte, als wir ihn brauchten – da hatten wir wirklich ein gewaltiges Problem! Deshalb entstanden auch all diese Gerüchte, die sich um die Dreharbeiten rankten, und die bis nach Frankreich drangen.


        Wie war die Zusammenarbeit mit Vin Diesel?

        Wir mussten uns zusammenraufen, mussten uns daran gewöhnen, dass wir unterschiedlich arbeiten und unterschiedlich an die Geschichte und die Figur herangehen. Aber das ist ein Problem, das sich in der Zusammenarbeit mit den meisten Schauspielern ergibt. Ganz gleich, ob man sich vor Drehbeginn jede Menge Zeit genommen hat – ist man erst einmal am Set und schuftet 15, 16 Stunden täglich, sieht alles plötzlich ganz anders aus. Es kann einem passieren, dass man mit bestimmten Leuten anfängt zu arbeiten, und plötzlich, nach ein paar Wochen, sagt man sich: „Scheiße, das funktioniert nicht!“ Dann muss man Ersatz finden. Aber Schauspieler kannst du nicht so einfach feuern. Was man am Set für sie empfindet, ist häufig eine Art Hassliebe. Ich mochte an ihm, dass er sehr viel vor der Kamera gegeben hat und finde, dass er in diesem Film seine bislang beste Schauspielerleistung zeigt. Andererseits ist Vin ein Hollywoodstar und daran gewöhnt, wie ein Hollywoodstar behandelt zu werden. Ich hingegen behandle alle Leute gleich, nämlich wie menschliche Wesen.


        In „Babylon A.D.“ lassen sich einige der Anliegen entdecken, die Sie als Bürger und Künstler beschäftigen. Würden Sie sich als sozial engagierten Filmemacher bezeichnen?

        Was ich auch mache, es hat immer einen politischen Hintergrund. Für mich ist das die Basis eines jeden guten Films. Je bedeutsamer das Thema, desto stärker der Film. Ich möchte das Publikum mit starken Geschichten bewegen.


        Der Film ist Ihren beiden Töchtern gewidmet ...

        Ich habe vor sechs Jahren mit der Arbeit an dem Film begonnen. Meine ältere Tochter ist sechs Jahre alt. Und meine zweite Tochter ist vor kurzem zur Welt gekommen ist. Meine Frau war während der Dreharbeiten schwanger, es ist also ein Film, der um die Kinder herum gemacht wurde, und es geht darin auch um Erziehung. Wie sagt Toorop am Ende des Films: „Lasst uns die Welt retten, ein Kind nach dem anderen.“


        Fällt es Ihnen leicht, sich die Welt der Zukunft optisch vorzustellen?

        Wir wollten ein plausibles Zukunftsszenario entwerfen, keine Science-Fiction machen. Drohnen und elektromagnetisches Papier, das Bilder senden kann, existieren bereits (auch wenn es sich noch um Prototypen handelt). Man muss sich immer wieder fragen, wie man die Zukunft darstellt, ohne übertrieben futuristisch zu werden – damit meine ich zum Beispiel fliegende Autos. Die Frage lautet doch viel eher, wie ein Elektro-Smart in zehn Jahren aussehen könnte.


        Hätte sich der junge Kurzfilmregisseur, der Sie einmal waren, träumen lassen, dass er eines Tages einen Film wie „Babylon A.D.“ inszenieren würde?

        Nein, bestimmt nicht. Mein ganzer Ehrgeiz bestand darin, irgendwann überhaupt einen Langfilm drehen zu können. Und wenn du das gepackt hast, besteht dein Problem darin, den nächsten abendfüllenden Spielfilm auf die Beine zu stellen. Aber ich bin zufrieden. Was ich vor ungefähr zehn Jahre in die Wege geleitet habe, hat sich realisiert. Bildlich gesprochen, arbeite ich jenseits aller Grenzen, und deshalb kann ich die unterschiedlichsten Themen aufgreifen, bin ich irgendwie freier. Wenn ich ausschließlich innerhalb des französischen Kinos arbeiten müsste, würde ich ersticken. Aber eigentlich bin ich nur froh, überhaupt zu arbeiten.


        Sind Sie zufrieden mit „Babylon A.D.“?

        Doch, das bin ich. Wie ich schon sagte, es handelt sich um einen Guerilla-Film. Wir mussten kämpfen. Die Energie, die wir in die Dreharbeiten investierten, habe ich im Film wiederentdeckt. Demnächst werde ich ihn Maurice Dantec zeigen. Ich bin gespannt, wie er reagieren wird - obwohl ich ja weiß, dass er das Drehbuch mochte. Genauso gespannt bin ich auf die Reaktion der Fans des Romans. Was sie begreifen müssen, ist, dass es sich nicht um eine buchstabengetreue Verfilmung handelt, sondern dass wir uns viele Freiheiten erlaubt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass der Film viele Zuschauer zur Romanvorlage greifen lässt. So können sie die ursprüngliche Version entdecken, Dantecs unverfälschte Worte. „Babylon A.D.“ ist meine ganz persönliche Lesart seines Buchs. Nun existieren also zwei Versionen, die beide vom selben Geist regiert werden.

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