Wann haben Sie zum ersten Mal mit Mathieu Kassovitz zusammengearbeitet?
Das war bei „Die purpurnen Flüsse“. Der Film war für uns alle ein echter Meilenstein, denn wir hatten damit den ersten französischen Thriller gedreht. Ich erinnere mich an die ersten Gespräche mit Mathieu. Wir hatten überlegt, den Film in den USA und auf Englisch zu drehen. Doch wir spürten instinktiv, dass es eine größere Leistung wäre, den Film auf Französisch zu drehen, weil wir dem französischen Kino damit einen Quantensprung ermöglichen würden: vom Kriminalfilm hin zum Thriller. In „Die purpurnen Flüsse“ waren alle Zutaten für eine künstlerische Revolution vereint. Dieser Film hat unsere Zusammenarbeit intensiviert. Denn wir hatten weltweit großen Erfolg mit dem Film. Damals fiel dem Chef von Twentieth Century Fox unsere Arbeit zum ersten Mal auf. Der Film hat nicht mal 15 Millionen Euro gekostet. Wäre er in den USA produziert worden, hätte er die dreifache Summe verschlungen.
Wie kam es zu Ihrer erneuten Zusammenarbeit bei „Babylon A.D.“?
Mathieus Begeisterung für das Buch von Dantec ist ja nicht neu. Ich wusste, dass er die Absicht hatte, den Roman zu verfilmen. Mathieu bat mich, den Film zu produzieren und ihm zu helfen, dafür eine Produktionsfirma zu gründen. Wir beschlossen, den Film unter dem Dach eines Unternehmens zu finanzieren, dessen Präsident ich bin und das zur Hälfte MNP und zur anderen Hälfte Légende gehört. Zusammen mit meiner Mannschaft habe ich alles in die Wege geleitet, damit „Babylon A.D.“ gedreht werden konnte – immerhin ein internationaler Film mit einem Budget von mehr als 60 Millionen Euro. Unterstützt wurden wir von Studio Canal und den Sendern Canal+ und M6, hinzu kam ein Abkommen, das unser britischer Co-Produzent mit der Fox erzielte, die den Film außerhalb von Europa verleiht. Wir gehören zu den wenigen französischen Produktionsfirmen, die eine solche Finanzierung auf die Beine stellen können – das war auch schon bei „1492“ der Fall. Einen engagierten Filmemacher wie Mathieu Kassovitz bei der Verwirklichung seines Projekts zu begleiten und zu unterstützen, war eine großartige Erfahrung.
Was hat Sie an „Babylon A.D.“ begeistert?
Da gab es eine Reihe von Themen, die mich faszinierten. Aber in erster Linie war es das Thema Glauben. Viele Menschen haben das tiefe Bedürfnis, an etwas zu glauben. Dieser Umstand veranlasst manche, auf das Seelenheil ihrer Nächsten einzuwirken, andere wiederum missbrauchen die Religion, um auf ihrem Rücken Geschäfte zu machen. Ich fand es spannend, einen Film zu produzieren, der dieses Phänomen anprangert.
Hat Sie die Wahl von Vin Diesel für die Hauptrolle überrascht?
Ja, aber sie hat sich als gute Wahl herausgestellt. Vin Diesel ist mir wirklich nicht als erster für diese Rolle in den Sinn gekommen. Aber in dem Moment, wo ein Regisseur sich von einem Schauspieler inspirieren lässt, steht man als Produzent immer an seiner Seite, um seine Entscheidungen zu verteidigen. Vin Diesel stellte sich als gute Wahl heraus, weil er sich für das Autorenkino öffnen wollte. Das hat es ihm ermöglicht, als Schauspieler neue Seiten zu zeigen. Die Figur, die er spielt, ist anfangs in sich gekehrt, sehr widerborstig, aber ganz allmählich wird dieser Mann weicher und öffnet sich ...
Wie haben Sie die schwierigen Dreharbeiten erlebt?
Das Glück war tatsächlich nicht auf unserer Seite. Wir haben den wärmsten Winter seit zweihundert Jahren in Prag erlebt, deshalb gab es auch keinen Schnee. Und ja, es stimmt, wir hatten Verständnis- und Harmonie-Probleme.
Mathieu Kassovitz, Olivier Dahan („La vie en rose“), Jan Kounen („39,90“) – was gefällt Ihnen an dieser Generation von Filmemachern?
Unsere Marschrichtung ist eigentlich ganz einfach: Wir wollen Autorenfilme fürs große Publikum drehen. Die genannten Regisseure haben etwas zu sagen, richten sich aber an das größtmögliche Publikum. Bestes Beispiel dafür ist „La vie en rose“, mit dem Olivier Dahan ein sehr intimes, persönliches und einzigartiges Porträt einer Künstlerin geschaffen hat. Meine Produktionsfirma Légende ist ein Sammelbecken für Autorenfilmer, die wissen, dass wir ihre Filme nicht nur finanzieren können, sondern dass wir uns auch für den Inhalt dieser Filme interessieren. Wenn Autorenfilmer mit einer Idee zu uns kommen, gehen sie mit einem Filmprojekt wieder nach Hause – und wir unterstützen sie dabei bis zur Endproduktion.
Wie beurteilen Sie den fertigen Film „Babylon A.D.“?
Es handelt sich um einen Film, dem es gelingt, sich mit wichtigen Themen zu beschäftigen und dennoch äußerst effektiv zu unterhalten. Ich hoffe, dass er ein großes Publikum findet.