„Die Geschichte ist episch angelegt, eine urbane Oper für die große Leinwand“, sagt Regisseur Reto Salimbeni. „One Way‘ spielt in der Welt sehr erfolgreicher Menschen in New York, die nach der Maxime leben: ,Recht ist, was ich will.‘ Sie haben eine gesellschaftliche Spitzenposition erreicht und schrecken auch vor den übelsten Mitteln nicht zurück, um diese Position zu halten. Ihnen kommt gar nicht in den Sinn, dass sie vielleicht eines Tages für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden.“
„In One Way geht es um emotionale Gerechtigkeit – um das Wissen, das jeder in sich trägt - was rechtens und was falsch ist. Leider sind aber Recht haben und Recht bekommen zwei verschiedene Dinge. Mich interessieren die Themen ,Freundschaft‘ und ,Gerechtigkeit‘ im gesellschaftlichen Zusammenhang“, fährt Salimbeni fort. „Ich beobachte einen stetigen Werteverfall, der sich in den letzten 15 Jahren sehr verstärkt hat. Man muss sich vor Augen führen, dass pro Jahr in Deutschland etwa 15.000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt werden. Das heißt, während der 114 Minuten Laufzeit von ,One Way‘ kommt es statistisch zu 2,3 Übergriffen auf Frauen. Und die Dunkelziffer ist hoch. Ich bin allerdings nicht der Typ, der in die Politik geht, um die Welt zu verändern. Stattdessen möchte ich Unterhaltungsfilme drehen und darin solche Themen ansprechen – anhand einer packenden Geschichte. Also ein Arthouse-Thema in einer Mainstream-Verpackung. Denn ich erreiche lieber ein großes Publikum mit einem populären Stoff als mit einem künstlerisch-schwierigen Film nur eine kleine Festival-Gemeinde.“
Die zwischenmenschlichen Momente liegen dem Regisseur am Herzen, weil sie uns alle betreffen: „Theoretisieren kann jeder. Aber was passiert in einer konkreten Situation? Wie viel ist Eddie die Freundschaft zu Angelina wert, wenn seine berufliche Existenz auf dem Spiel steht?“
„Eddie liebt seine Frau, kann aber nicht monogam leben“, sagt Produzent Til Schweiger, der den Werbefachmann Eddie Schneider spielt. „Seine beste Freundin ist Kollegin Angelina – die Einzige, mit der er kein Verhältnis hatte. Das Tragische: Um seine Karriere nicht zu gefährden, verrät er die Frau, mit der ihn seine intensivste Freundschaft verbindet. Dadurch verliert er nicht nur diese Freundin, sondern auch seine Braut und seine Karriere. Diese eine falsche Entscheidung bestimmt sein Schicksal.“
Eddie verrät Angelina in einer Situation, in der sie auf seine Unterstützung dringend angewiesen ist, denn sie ist im Büro brutal vergewaltigt worden. In „One Way“ stellt Angelinas Geschichte den zweiten wichtigen Handlungsstrang dar.
„Vergewaltigung ist für mich die übelste Form der Machtausübung“, sagt Regisseur Salimbeni. „Es erstaunt mich immer wieder, wie stereotyp weibliche Opfer in Kino- und Fernsehfilmen gezeichnet werden: Passiv, nach Eigenverschulden suchend – und ohne jegliches Racheverhalten. Was passiert aber, wenn sich eine Frau nicht an das von der Gesellschaft vorgegebene Verhaltensmuster hält und zu einem archaischen Auge-um-Auge-Muster greift? Unser Film geht in diesem Punkt so weit wie kein Film davor. Gerade deshalb ist ,One Way‘ ein Frauenfilm.
Als Schauplatz kam nur Amerika infrage, denn in Europa ist die Fallhöhe für einen gestrauchelten Helden nicht so dramatisch, die Gesellschaft fängt ihn eher auf. „Einerseits hat Eddie es bis ganz nach oben geschafft, und ich wollte ihn im freien Fall bis ganz nach unten stürzen lassen“, sagt Salimbeni. „Das lässt sich vor dem Hintergrund der amerikanischen Kultur leichter erzählen. Zudem laufen auch die Gerichtsverfahren in den USA anders ab. Ohne eine Jury hätten die Szenen der Gerichtverhandlung nicht als große PR-Maßnahme eines einflussreichen Geschäftsmannes wie Agentur-Chef Birk vermittelt werden können. Dies ist so nur in den USA machbar.“
„Der Umgang mit vergewaltigten Frauen, ihre Demütigung vor Gericht erlebt man vor europäischen Gerichten aber leider sehr ähnlich – das ist ein globales Thema“, weiß der Regisseur. „Aber in den USA wirkt das doch noch plakativer. Bei den Mechanismen, wie sie von Gerichten angewendet werden, erreicht eine betroffene Frau nur selten, dass begangenes Unrecht gesühnt wird. Wer die Abläufe solcher Prozesse kennt, kann nur wütend werden. Viele Horror-Urteile ,im Namen des Volkes‘ sind schlicht hanebüchen, vor allem wenn man weiss, dass für viele Übergriffe vorbestrafte Wiederholungstäter verantwortlich sind, die wegen mangelnder Gesetzesanwendung wieder auf freien Fuß kommen. Die extrem hohe Zahl der Übergriffe belegt: Das ist keine Randerscheinung, sondern eine Epidemie. Man erwartet von Frauen, dass sie sich attraktiv und sexy kleiden, aber im Zweifelsfall wird es ihnen dann vorgeworfen nach dem Motto: ,Sie hat es ja so gewollt.‘ Das kann ich nicht akzeptieren. Es bringt aber nichts, nach neuen Gesetzen zu schreien, denn die Gesetze existieren – sie müssten nur rigoros angewandt werden.“
Vor Angelinas Odyssee durch die Gerichte zeigt der Film die Vergewaltigung mit schockierender Intensität. „Ich habe beim gesamten Schnitt eng mit dem Cutter Charlie Ladmiral zusammengearbeitet – aber die Vergewaltigungsszene immer vor mir hergeschoben, weil mir das sehr schwer fiel“, berichtet Til Schweiger. „Doch dann habe ich mich überwunden und mich ganz auf das rein Handwerkliche konzentriert. Die Szene ist sehr hart und wichtig für die Story, aber keinesfalls voyeuristisch, viel eher erregt sie Ekel. Gerade weibliche Zuschauer halten die Szene in dieser Form für angemessen, weil sie ja Angelinas Motivation für das Folgende vorgibt.“
Über das Konzept, sein gesellschaftliches Engagement in eine erzählerische Form zu gießen, sagt Regisseur Salimbeni: „Wer Geld hat, verfügt über gute Anwälte, die sich mit den Gesetzeslücken auskennen. Ich wollte Eddie aber auch büßen lassen nach dem Motto: Egal, was man anstellt – früher oder später bekommt man die Rechnung präsentiert. Ich kenne Leute, die sich in der Wirtschaft, in der Kunstszene durchlaviert haben, ohne sich um moralische Werte zu scheren. Doch für alle kommt irgendwann der Tag X, an dem sie über ein kleines Detail stolpern. Ich glaube also an eine universelle Gerechtigkeit. Idi Amin ist dafür zwar ein schlechtes Beispiel, aber grundsätzlich bin ich überzeugt, dass man in irgendeiner Form für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird.“
Dieses Konzept geht für Schweiger in Salimbenis Geschichte voll auf: „One Way“ ist ein intensiver Film, der von Gewalt gegen Frauen, von Verrat, von ständigen Lügen geprägt ist. In dieser Hinsicht ist es ein kleines Wunder, wie uns der Film am Schluss entlässt. Eine völlig unvorhersehbare Geschichte.“