Donnerstag | 31. Mai 2012 | 12:23 Uhr
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    Thriller, Drama, Krimi | Deutschland 2006
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      • | Ein Regisseur im Paradies

      • „Ich habe mit der Entwicklung der Story vor etwa sechs Jahren begonnen,“ berichtet Regisseur Salimbeni. „Damals arbeitete ich als Werbefilmer, habe fürs Fernsehen und fürs Kino jeweils eine Komödie gedreht. Von Anfang an wollte ich das Drehbuch für einen konkreten Schauspieler schreiben, brauchte ein Gesicht, eine Person, an der ich mich beim Schreiben orientierten konnte. Die Hauptfigur in ,One Way‘ ist kein 08/15-Held, der am Schluss in den Sonnenuntergang reitet. Eddie Schneider ist ein sehr komplexer Charakter, innerlich zerrissen zwischen seinem öffentlichen Image und seiner eigentlichen Persönlichkeit. Er ist eine äußerst sperrige Figur, die einen überragenden Schauspieler verlangt. Denn er muss auch den Mut haben, das Risiko einzugehen, einen derart ungewöhnlichen Helden zu spielen. Deshalb habe ich mich schon sehr früh auf Til Schweiger festgelegt.“

        „Ich hatte damals als Ghostwriter einen Auftrag von Disney übernommen und wurde von den Produzenten gefragt, woran ich derzeit arbeite“, fährt der Regisseur fort. „Ich erzählte von ,One Way‘. Die nächste Frage war, wer die Hauptrolle übernimmt. Meine Antwort: ,Til Schweiger, denn für ihn schreibe ich das Buch.‘ Dann musste ich allerdings zugeben, dass ich Til nicht einmal persönlich kannte, geschweige denn seine Zusage hatte. Das fanden meine Gesprächspartner ziemlich unvernünftig. Ich überlegte also einen Moment lang und antwortete: ,Gandhi und Mutter Teresa waren auch unvernünftig, aber sie haben es ziemlich weit gebracht.‘ Ich habe mich daraufhin jedermann von meinem, Deal‘ erzählt: ,Entweder mit Til oder gar nicht!‘ Komischerweise zweifelte ich nie daran, dass er zusagen würde. Ich hatte Til bei Premierenfeiern erlebt und wusste einfach, dass er die nötige Sensibilität und den Mut mitbringt, eine solche Rolle zu spielen.“

        „Ich saß im Januar 2005 in München im Bavaria-Studio und mischte den Ton von ,Barfuss‘, erinnert sich Til Schweiger. „Da erreichte mich per E-Mail Reto Salimbenis Drehbuch – ich kannte ihn damals nicht. Weil bei der Mischung ein technisches Problem auftrat, ergab sich für mich eine längere Pause. Ich öffnete das PDF-Dokument, las ein paar Seiten und wurde wie von einem Sog gepackt – ich las es in einer Sitzung durch und rief Reto noch am selben Tag an: Ich wollte diesen Film unbedingt machen – nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Produzent.“

        „Til hat die Techniker sogar warten lassen, um das Skript zu Ende zu lesen“, erinnert sich Produzent Tom Zickler, mit dem Schweiger seit zehn Jahren zusammenarbeitet. „Als Til dann Reto anrief, fühlte der sich natürlich wie im Paradies.“

        „Ich war tatsächlich sehr erleichtert“, bestätigt Salimbeni. „Nach unserem ersten Gespräch hatte ich sofort den Eindruck, in Til den idealen Partner gefunden zu haben. Ich war sehr froh, dass Til in der Doppelfunktion des Stars und Produzenten einstieg – damit waren auch die Hindernisse der Finanzierung überwunden.“

        „Ich erlebe so etwas ganz selten“, sagt Schweiger. „Meist wirft man Drehbücher schnell gelangweilt in die Ecke. Doch dieses hielt das Niveau von vorn bis hinten, in einem unglaublichen Tempo. Das war ein Elfmeter! Ein Drehbuch muss mich emotional berühren – das betrifft Komödien wie Tragödien, das Genre ist zweitrangig. Besonders gern mag ich Geschichten, bei denen man lachen und weinen kann. Wenn das dann noch mit guten Dialogen präsentiert wird, dann bin ich überzeugt.“

        Wenige Tage später trafen sich die Filmemacher in Hamburg. „Reto konnte als Regisseur bereits einen TV-Film und einen Spielfilm vorweisen. Aber wir ließen uns vorwiegend von dem ,One Way‘-Drehbuch überzeugen“, sagt Zickler. „Wir merkten, dass die Chemie zwischen uns stimmt, und daraufhin gaben wir grünes Licht.“

        „Für uns war diese internationale Produktion ein großes Abenteuer, vor allem, weil wir uns den Respekt der Amerikaner erst verdienen mussten“, fährt Zickler fort. „Wir konnten es uns nicht leisten, den potenziellen Darstellern zunächst eine gewisse Summe zu überweisen, damit sie das Drehbuch überhaupt lesen, denn europäische Banken machen diese amerikanische Geschäftspraktik nicht mit.“

        Es gab zwar einen Drehplan, der jedoch nicht hundertprozentig sicher war, und in diesem Fall waren ungewöhnlich viele Vorinvestitionen nötig: Erstmals musste Barefoot Films eine Fertigstellungsgarantie geben und eine entsprechende Versicherung abschließen. „Zum Glück hatten wir eine deutsche Bank, die sich vorbildlich auf die anderen Zahlungsmodalitäten in Amerika einstellte: Bei uns in Deutschland werden Leistungen im Anschluss bezahlt, in Amerika leistet man Vorkasse und bekommt dann die Leistung“, berichtet Zickler.

        Wenn man den kanadischen Mitarbeitern nicht am Mittwoch den Scheck aushändigt, erscheint am Donnerstag niemand am Set. Also nicht die Finanzierung des Films an sich war das Problem, sondern eher, für den nötigen Cashflow zu sorgen. Es erwies sich als ganz entscheidend, dass die Gelder rechtzeitig auf dem Konto in Toronto eintrafen – was Zickler reichlich Nerven kostete: „Manchmal ging es buchstäblich um fünf Minuten, damit die Termine eingehalten wurden. Denn egal wie groß der Druck ist – Verträge werden immer erst in letzter Minute fertig, das lässt sich nicht ändern. Und eine Woche vor Drehstart stieg einer unserer Hauptfinanziers aus – Til und mir blieben effektiv 48 Stunden Zeit, um das fehlende Geld aufzutreiben.“

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