„Ich war von der Professionalität der kanadischen Schauspieler beeindruckt“, sagt Produzent Zickler. „Natürlich haben wir auch in Deutschland großartige Darsteller, aber die namhaften lassen sich selten dazu herab, eine Gastrolle mit nur ein, zwei Drehtagen zu übernehmen. Wir hatten zwar schon mal Glück – Armin Rohde zum Beispiel hat das früher für uns gemacht. Aber das ist nicht die Regel. Doch in Kanada kann man auch die kleinste Rolle mit Spitzenleuten besetzen – sie sehen das als Job an, sie sind Profis.“
Lauren Lee Smith („Der letzte Kuss“) ist laut Regisseur Salimbeni „eine moderne, unprätentiöse Frau. Denn mir lag daran, forcierte Jugendlichkeit zu vermeiden.“
„Lauren ist wunderbar“, findet auch Til Schweiger. „Unkompliziert. Erstklassig. In Kanada fanden wir jede Menge hervorragender Darsteller, und wir haben sehr viele gecastet. Einige Investoren fanden Lauren zu unbekannt, bestanden auf einem etablierten Star. Ich habe mich dann sehr für Lauren stark gemacht. Ich rief sie an und bat sie, zum Casting von Vancouver nach Toronto zu kommen, ohne ihr eine Zusage geben zu können – es ging nur darum, allen Beteiligten durch eine komplette Leseprobe zu beweisen, dass Lauren die geeignetste Kandidatin ist. Lauren musste die Rolle einfach bekommen, und letztlich habe ich mich im Team durchgesetzt.“
„Ich habe Lauren vorher gewarnt: In manchen Szenen geht es ans Eingemachte, und sie hat ganz in meinem Sinne reagiert“, berichtet Salimbeni. „Wenn ich Theaterregisseur wäre, lautet mein Credo: Ich will nur mit Rampenschweinen arbeiten: Leuten, die einfach spielen müssen und keine Angst kennen. Deswegen schätze ich auch Til so sehr: Obwohl er schon lange ein Star ist, traut er sich, etwas Neues auszuprobieren, vom üblichen bequemen Weg abzuweichen, auf dem ein Star einfach nur gut aussehen muss, damit die Leute ihn mögen.“
„Die Vergewaltigung brachte natürlich einige harte Drehtage mit sich, aber Lauren hat nicht ein einziges Mal mit der Wimper gezuckt“, fährt Salimbeni fort. „Schon als wir uns kennen lernten, habe ich ihr und ihrem Szenenpartner Sebastien Roberts ganz klar gesagt: ,Wenn ihr ein Problem mit dieser Szene habt, dann macht den Film nicht. Denn wenn wir drehen, gibt es keine Kompromisse. Der Film ist radikal und verlangt einen radikalen Einsatz der Darsteller. Ihr müsst nicht nur bis an die Grenze gehen, sondern darüber hinaus.‘ Interessanterweise waren beide nicht nur bereit dazu, sondern wären sogar noch weiter gegangen als das, was wir im Film zeigen. Beide haben sich hervorragend vorbereitet. Dadurch konnten wir sehr konzentriert, sogar fast entspannt arbeiten. Meine Aufgabe dabei: Ich muss wissen, welche Bilder ich brauche, um dann für eine gute Atmosphäre zu sorgen, in der sich diese Bilder herstellen lassen. Lauren hat sich unter diesen Voraussetzungen sehr wohl gefühlt.“
Die Besetzung des Anthony erwies sich als kompliziert – 80 Schauspieler sprachen vor. Dazu Schweiger: „Wir fanden zehn fantastische Kandidaten – es fiel uns sehr schwer, unter ihnen jemanden auszuwählen, der sich in dieser Gruppe besonders auszeichnete. Dass Sebastien Roberts die Rolle dann bekam, war an sich schon eine sensationelle Leistung. Ich sagte ihm anschließend: ,Darauf kannst du dir wirklich etwas einbilden, denn du hast dich gegen eine sehr starke Konkurrenz durchgesetzt.‘ Als Eric Roberts dann Muster des Films sah, meinte er anerkennend: ,Der Typ ist gut, echt spitze – genau wie ich!‘“
„Mir gefällt an Sebastien, dass er eine permanente Unruhe ausstrahlt“, sagt Salimbeni. „Genau das schwebte mir für Anthony vor – er entspannt sich nie richtig. Selbst wenn er lacht, wirkt er wie eine Zeitbombe.“
Der mysteriöse General, der Angelina in ihrer Bedrängnis hilft, wird von Hollywood-Star Michael Clarke Duncan dargestellt. Salimbeni: „Ich schätze ihn seit seinem Auftritt als Todeskandidat in ,The Green Mile‘ und wollte ihm die überlebensgroße Figur in unserem Film unbedingt anvertrauen.“ Und über das für Duncans Auftritt erforderliche Charisma sagt er: „Persönlichkeiten wie Til Schweiger gibt es nur eine Hand voll auf der Welt, Typen wie Brad Pitt, die sympathisch wirken – das Publikum liebt sie schon, wenn sie auftreten. Schauspieler gibt es viele, aber bei nur ganz wenigen streuen die Götter die entscheidende Prise Magie darüber, die ihnen diese besondere Gabe verleiht. Beim General brauche ich das auch. Er muss das Publikum gleich in der ersten Szene deutlich für sich einnehmen: Er setzt das um, was die Zuschauer empfinden, auch wenn sie sich nicht trauen würden, es zu tun oder auch nur daran zu denken. Es muss trotz seiner Nicht-Existenz sehr menschlich wirken. Diese ultimative Autorität nimmt man Michael Clarke Duncan sofort ab.“
Eric Roberts war der Grund, warum Til Schweiger ursprünglich Schauspieler geworden ist. „Für mich war es also ein echtes Highlight, als ich Roberts für die Rolle von Eddies Anwalt gewinnen konnte“, sagt Schweiger. „Denn er ist durch seine Leistungen zum Beispiel in ,Star 80‘, ,Der Pate von Greenwich Village‘ oder ,Runaway Train‘ immer schon mein Idol gewesen. Als ich die Schauspielschule besuchte, war er ein angesagter Star, hatte Broadway-Preise gewonnen, wurde für den Oscar und dreimal für den Golden Globe nominiert. Natürlich war ich sehr froh, dass er die Rolle des Nick Swell akzeptierte, und er liefert wie gewohnt eine hervorragende Leistung.“ Um diese Wertschätzung für Roberts zu unterstreichen, verpflichtete Schweiger für die deutsche Synchronfassung des Films einen hochkarätigen Kollegen: Den Nick Swell spricht Heiner Lauterbach.
„Stefanie von Pfetten wohnt genau wie Lauren Lee Smith nur fünf Minuten von meiner Wohnung in Vancouver entfernt, ohne dass ich davon wusste“, sagt Salimbeni über die Darstellerin von Eddie Schneiders Verlobte Judy. „Entdeckt habe ich sie beim Casting in Toronto. Ausschlaggebend für ihre Besetzung war, dass sie sehr gut zu Til passt. Sie wirkt passiv-aggressiv. Sie teilt nicht durch Taten aus, sonder durch passives Verhalten, durch Unterlassungssünden...‘. Durch Judy kommt der Beziehungsprüfstein ,Treue‘ ins Spiel. Das kulminiert in der Szene in ihrer Boutique, als sie Eddie mit der Frage konfrontiert, mit wie vielen Frauen er geschlafen habe. Judy vertritt das, was die weiblichen Zuschauer fühlen. Stefanie hat ein ganz besonderes ,gewisses Etwas‘, denn obwohl sie blond und schön ist, können sich andere Frauen neidlos mit ihr identifizieren.“
Dazu Schweiger: „Stefanie spielt trotz ihrer Zurückhaltung völlig überzeugend – das gefällt mir an ihr.“ Und Salimbeni fügt hinzu: „Die Testvorführungen haben gezeigt, dass gerade Zuschauerinnen sie als starke Persönlichkeit wahrnehmen und sich mit ihrer Situation identifizieren können.“