Thriller,
Abenteuer,
Drama
| Deutschland / USA 2006
WERBUNG
| Afrika
„Blood Diamond“ entstand fast ausschließlich an Schauplätzen in Afrika – Ed Zwick hielt das für notwendig, auch wenn er die Gründe dafür nicht genau benennen kann: „Afrika lebt von seinen ungeheuren Kontrasten: Wohin man sich auch wendet, erlebt man Bilder von atemberaubender Schönheit und herzergreifendem Elend, tiefer Spiritualität und unsäglichen Entbehrungen. Alles springt uns ins Gesicht und kann keinen von uns kalt lassen. Allerdings ist es schwer, die Auswirkungen zu beschreiben… es muss einfach reichen, wenn ich sage: Wenn wir anderswo gedreht hätten, könnte der Film nicht von dieser schwer beschreibbaren, authentischen Atmosphäre vor Ort profitieren.“
Das Filmteam drehte auch in Sierra Leone, obwohl der Regisseur zugibt: „Im äquatorialen Westafrika gibt es einfach nicht die Infrastruktur, die wir für eine Produktion dieser Größenordnung brauchen. Wir mussten also auch an anderen Schauplätzen drehen.“
Bei der Motivsuche an der südafrikanischen Küste im Gebiet um Port Edward in der Provinz KwaZulu Natal fanden die Filmemacher die ideale Umgebung. Die üppige Dschungellandschaft bot die Kulisse für drei wichtige Sets: die Diamantenmine, das Flüchtlingslager und Benjamins Schule. Vor dem Bau der Sets recherchierte Produktionsdesigner Dan Weil selbst, konnte sich aber auch auf Samuras Erfahrungen und Beschreibungen stützen.
Leider spielte das Wetter nicht immer mit. „Zum dritten Mal habe ich an einem Drehort gearbeitet, für den man mir hervorragendes Wetter versprochen hatte, und trotzdem ziehe ich irgendwie immer wieder die ergiebigsten Regenfälle der modernen Zeitrechnung an“, lacht Zwick. „Tatsächlich erlebten wir Niederschlagsmengen, die sogar die Rekorde der Regenzeit übertrafen. Deshalb mussten wir uns ständig umorientieren – Kameramann Eduardo Serra und ich mussten das Konzept für unsere Einstellungen immer wieder ändern, um die Wetterlage zu berücksichtigen.“
Dazu Paula Weinstein: „Der Kontinent ist sehr spannend, sehr lebendig“ – mit Schwerpunkt auf „lebendig“, wie sie zugibt. „Jeden Morgen kamen die Jungs an den Set und erzählten, welches Ungeziefer sie in der Nacht wieder in ihrem Zimmer gefunden hatten. Jeden Morgen hieß es: ,Na, was hast du denn letzte Nacht wieder entdeckt? Eine Eidechse? Oder eine Schlange?‘ Das konnte man nur mit Humor ertragen – verwöhnte Hollywoodtypen waren hier einfach fehl am Platz. Die Gewöhnung fiel schwer, aber es machte Spaß, die anderen mit eigenen Erlebnissen zu übertreffen.“
Doch auch abgesehen vom Wetter und der Tierwelt waren sich die Filmemacher sehr bewusst, dass sie in einer ökologisch sehr empfindlichen Umgebung arbeiteten – sie achteten peinlich darauf, jeden Set in genau dem Zustand zurückzulassen, in dem sie ihn vorgefunden hatten – manchmal sogar in besserem Zustand. Executive Producer Kevin De La Noy berichtet: „Bevor wir ins Tal kamen, ließen wir umfassend untersuchen, wie sich unsere Arbeit auf die Umwelt auswirken würde. Und beim Dreh mussten wir uns an den Umweltplan halten. Beamte der Raumnutzungsbehörde der Provinz waren jeden Tag am Set dabei und passten auf, dass wir einheimische Pflanzen, die wir entnahmen, korrekt umpflanzten. Diese Pflanzen wurden während des Drehs in einer Art Baumschule gepflegt und am Ende am Originalstandort wieder eingepflanzt.“ Während man genau darauf achtete, dass die vorhandene Pflanzenwelt keinen Schaden nahm, brachten die Filmemacher auch Pflanzen und Bäume aus Sierra Leone mit, um den Schauplatz authentisch zu gestalten.
Damit die Lastwagen den Drehort erreichen konnten, musste man zunächst ein Straßensystem anlegen, wo vorher nur Fußpfade gewesen waren. Die Straßen mussten auch für große Fahrzeuge ausgelegt sein, aber man achtete darauf, die Bäume und Büsche am Weg möglichst wenig zu beeinträchtigen. Die Straße selbst wurde auf einem dicken Drahtgitter verlegt, sodass sie sich nach Ende der Dreharbeiten leicht wieder abreißen ließ, um den Weg wie zuvor der natürlichen Vegetation zu überlassen.
Zwick berichtet: „Kevin ist kürzlich von einer weiteren Reise nach Port Edward zurückgekehrt und sagt, dass nicht nur Gras über unseren Drehort gewachsen ist: Auch neues Wild hat sich in großen Mengen eingefunden, was die Wildhüter und Umweltschützer richtig begeistert. Wir haben genau darauf geachtet, das Gelände in den vorherigen Zustand zurückzuversetzen, und ich kann stolz behaupten, dass uns das gelungen ist.“
Von Port Edward reiste das Filmteam nach Mosambik, wo die Stadt Maputo als Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone, diente. Der explosive Einmarsch in Freetown stellte die Crew vor eine ganze Reihe logistischer Probleme. Der Regisseur berichtet, wie sorgfältig die Vorbereitung sein musste, um den Eindruck des völligen Chaos zu erzielen: „Wir wollten völliges Durcheinander zeigen, aber dabei kann man nicht chaotisch vorgehen. Im Gegenteil: Wir planten alles sehr genau und konzentriert. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir durch die Straßen gegangen sind und über die exakten Standpunkte der Kameras, Darsteller, Stuntleute und Statisten diskutiert haben…“
Auch mit dem für die Spezialeffekte zuständigen Neil Corbould arbeitete Zwick bei der Choreografie des Timing und der Platzierung der Explosionen zusammen. „Das Verfahren ufert leicht aus, man muss alles sehr akkurat koordinieren“, sagt Zwick. „Das funktioniert aber nur, wenn man geduldig und hartnäckig am Ball bleibt. Trotzdem muss man immer auch den Faktor X einkalkulieren, den unerwarteten Zwischenfall.“
In den Schlachtsequenzen kamen zahlreiche Einwohner des Ortes zum Einsatz. Um sie angemessen einzukleiden, schickte Kostümbildnerin Ngila Dickson, die für Zwick bereits die Kostüme zu „The Last Samurai“ (Last Samurai) betreut hatte, Stoffe aus Sierra Leone, die in ihren Farben und Mustern laut Dickson ganz unverwechselbar sind. „Sie benutzen dort kräftige Farben und viele Blumenmuster. Man kommt sich vor wie auf einer Südseeinsel. Wir kauften in zahlreichen Secondhandläden ein und besorgten uns Kleidungsstücke, die Zeit und Ort der Handlung entsprechen.“
Immer behielten die Filmemacher im Auge, welche Auswirkungen die Aufnahmen der Kriegsszenen auf die Bewohner von Maputo haben könnten, denn etlichen von ihnen war der eigene Bürgerkrieg in Mosambik noch sehr gegenwärtig. Um unnötige Schocks zu vermeiden, verteilte das Filmteam Handzettel und wandte sich auch an die Medien, um die Bevölkerung darüber zu informieren, dass alles, was man während des Drehs hören und sehen würde, ausschließlich für die Filmkameras inszeniert wurde.
Ironischerweise waren es die einheimischen Komparsen, die die angereisten Filmemacher und Darsteller zwischen den Einstellungen trösteten. Dazu Weinstein: „Nach einer besonders komplizierten Sequenz stellten sie sich manchmal in eine Ecke und stimmten ein Lied an. Dadurch löste sich die Spannung am Set, wir fühlten uns willkommen und waren froh, dass wir diese Geschichte erzählen dürfen. Wir hatten es beim Dreh wirklich mit den denkbar freundlichsten Gastgebern und wunderbarsten Mitwirkenden zu tun.“
Dennoch rief der Realismus des Films in manchem Beteiligten schlimme Erinnerungen wach. Alfred Lavalie, der als Lehrer für den Mende-Dialekt engagiert worden war, hielt es nur einen Tag am Set aus, und auch Samura gibt zu: „Traurige Erinnerungen stiegen in mir hoch, und ich muss gestehen, dass ich mir klar darüber wurde, wie viel Glück ich damals hatte, mit dem Leben davongekommen zu sein. Ich hoffe, dass die Zuschauer des Films diesen Wahnsinn wenigstens ansatzweise mitbekommen.“
Ein Vorort von Maputo, das kleine Fischerdorf Costa du Sol, wurde in das Dorf umfunktioniert, in dem das friedliche Leben der Vandy-Familie durch die Attacke der brutalen Rebellen abrupt unterbrochen wird.
„Man kann sich kaum vorstellen, dass solche Dinge auch heute ständig passieren“, meint Zwick. „Wir haben uns in unserem ruhigen und bequemen Leben in Amerika eingerichtet. Aber nachdem wir vor Ort gewesen sind, kann ich sagen, dass die Erfahrung niemanden von uns kalt gelassen hat. Wir müssen die Welt heute mit anderen Augen sehen.“