Donnerstag | 31. Mai 2012 | 12:26 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Blood Diamond
  • Blood Diamond

    Thriller, Abenteuer, Drama | Deutschland / USA 2006
    WERBUNG
      • | Kostbare Steine

      • „Für mich geht es in diesem Film um Werte“, sagt Regisseur/Produzent Edward Zwick. „Einer findet einen Stein wertvoll, ein anderer vielleicht einen Zeitschriftenartikel; einem weiteren geht es um ein Kind. Im Zentrum dieses Films steht die Konfrontation zweier Männer: Einer ist von der Suche nach einem wertvollen Diamanten besessen, der andere riskiert sein Leben, um seinen Sohn zu finden.“

        „Beide Männer machen sich gemeinsam auf die Reise“, berichtet Leonardo DiCaprio, der die Rolle des Danny Archer übernimmt. „Der eine will den Kontinent verlassen, der andere will seine Familie zusammenführen. Beide stehen moralisch am Scheideweg.“

        Djimon Hounsou, der den Solomon Vandy spielt, bringt es auf den Punkt: „Archer will den Diamanten, doch für Solomon ist der Diamant sein Sohn.“

        In unserer Welt sind wunderschön funkelnde Diamanten eine Menge wert. Sie gelten als Symbol für Liebe und Treue, Wohlstand und Glamour. Doch im afrikanischen Sierra Leone, wo ein Großteil der weltweit vorhandenen Rohdiamanten gefunden und abgebaut werden, sieht die Realität durchaus nicht so glamourös aus.

        Dazu Zwick: „Steine, die aus kriegführenden Ländern herausgeschmuggelt werden, nennt man ,Konflikt-Diamanten‘. Sie dienen dazu, weitere Waffen zu kaufen, die Todesrate zu erhöhen und das Land noch mehr zu zerstören. Was die Weltwirtschaft angeht, spielen Diamanten vielleicht nur eine untergeordnete Rolle, aber dennoch macht die Branche Milliardenumsätze – was bedeutet, dass auch schon eine kleine prozentuale Beteiligung viele Millionen abwirft und zahllose Handfeuerwaffen finanziert. Die Mitarbeiter nichtstaatlicher Organisationen wie Global Witness, Partnership Africa-Canada und Amnesty International gaben den Steinen in den 1990er-Jahren einen Namen, um in der Öffentlichkeit Bewusstsein für die Krise zu schaffen: Sie nannten sie ,Blutdiamanten‘.“
        Zwick wusste nur vom Hörensagen, was mit diesem Begriff gemeint ist, als Produzentin Paula Weinstein ihm das Drehbuch schickte. „Ich kannte den Ausdruck zwar, wusste aber nicht genau, was damit gemeint ist“, berichtet er. „Je mehr ich darüber las, desto faszinierter reagierte ich, aber ich war auch entsetzt – und mir wurde klar, dass diese Geschichte unbedingt erzählt werden muss.“

        Weinstein entwickelte das Drehbuch zusammen mit Autor Charles Leavitt und Executive Producer Len Amato. Produzentin Gillian Gorfil hatte das Projekt zusammen mit C. Gaby Mitchell angeschoben, die neben Leavitt als Co-Autorin genannt wird. Als Zwick und Produzent Marshall Herskovitz an Bord kamen, beteiligten sie sich mit Weinstein an der weiteren Entwicklung des Stoffs.

        Weinstein erinnert sich: „Vor vielen Jahren habe ich einen Anti-Apartheid-Film namens ,A Dry White Season‘ (Weiße Zeit der Dürre) gemacht – damals hielt ich mich einige Zeit in Südafrika auf. Ich wusste von den Konflikt-Diamanten, entsprechend lag mir daran, einen Film zu machen, der die Auswirkungen auf die Menschen in Afrika aufzeigt. Wir hatten bereits mit großartigen Autoren angefangen, und als das Skript vorlag, wollte ich es Ed Zwick anbieten. Ed und sein Partner Marshall Herskovitz gehen bei ihren Projekten mit der gleichen Sensibilität vor wie ich. Sie sind an Storys über die reale Welt interessiert und wollen sie wahrheitsgemäß erzählen. Also war mir von vornherein klar, dass sie nicht nur auf den Stoff anspringen, sondern ihn auch schonunglos ehrlich umsetzen würden. Bei einem Projekt wie diesem brauchen wir Kreative, die den aufrechten Gang nicht scheuen, sonst funktioniert das nicht.“

        Herskovitz arbeitet schon fast 30 Jahre mit Zwick zusammen. Er gibt gern zu, dass die Filmemacher bei einem Projekt wie „Blood Diamond“ vor dem Problem stehen, eine Balance zwischen Unterhaltung und Konfrontation des Publikums zu finden. Aber für diese Art Gratwanderung gibt es eine Menge Präzedenzfälle. „Es war wirklich schwierig: Wir schauten uns das Archivmaterial über Sierra Leone an, die wirklich grausige Situation dort, und sollten uns nun ausdenken, wie man das in einen Hollywoodfilm umsetzen kann. Doch die Filmgeschichte beweist ja, dass oft genug Filme entstehen, die schwierige Themen fürs große Publikum aufbereiten, wenn die Story unbedingt erzählt werden muss.“

        Zwick stimmt ihm zu: „Ich finde, Filme können gar nicht heftig genug sein – aber die Zuschauer müssen verstehen, warum wir ihnen die Dinge auf der Leinwand zeigen. Im Fall von ,Blood Diamond‘ sind das brutale Wahrheiten, aber es gibt auch wunderschöne Passagen und gefühlvolle Momente, die das Leben all jener bestimmen, die in diese Wirren geraten.“

        Dazu Leonardo DiCaprio: „Mich beeindruckt an Ed vor allem, dass er einen unterhaltsamen Abenteuerfilm machen will, der aber eine komplexe, kontroverse politische Botschaft vermittelt. Genau das finde ich an diesem Film so spannend.“

        „Ich glaube fest daran, dass man politisches Bewusstsein durch Unterhaltung ebenso schärfen kann wie durch Rhetorik“, behauptet Zwick. „Anspruchsvolle Themen und ansprechende Storys müssen sich nicht ausschließen – tatsächlich ergänzen sie einander. Als Filmemacher möchte ich die Leute vor allem unterhalten. Wenn man dadurch auch aufklären kann und ein größeres Verständnis für die Zeit und die Umstände schafft, dann besteht die Hoffnung, dass sich etwas ändern lässt. Natürlich kann man mit einem isolierten Werk nicht die Welt verändern, aber ich versuche mich damit in den großen Chor einzubringen.“

        Während der Arbeit am Drehbuch informierten sich die Filmemacher zunächst selbst über ihr Thema. Dazu Zwick: „Es scheint sich fast regelmäßig zu wiederholen: Wenn ein wertvoller Rohstoff entdeckt wird – ob nun Diamanten, Gummi, Gold, Öl oder sonstwas –, bedeutet das eine Tragödie für das Land, in dem er gefunden wird. Noch schlimmer wird das Ganze durch die Tatsache, dass die Einwohner selten von dem Reichtum profitieren, den die Ressourcen darstellen.“

        Die Produzentin Gillian Gorfil stammt selbst aus Südafrika und betont, dass der Film durchaus nicht die gesamte Diamantenindustrie anschwärzen will, wenn er das Thema der Blutdiamanten behandelt: „Ich lege Wert darauf, dass der Film sich nicht gegen Diamanten an sich richtet. Es geht hier um die Blutdiamanten, die aus ganz spezifischen Quellen stammen.“

        Auch Zwick betont, dass sich die in „Blood Diamond“ geschilderte Situation durchaus nicht auf einen bestimmten Winkel des Globus beschränkt: „Das Thema ist zeitlos: Ein Mann will angesichts der schrecklichen Umstände seine Familie retten. Das beschränkt sich durchaus nicht auf Sierra Leone. So etwas könnte auch in vielen anderen Regionen passieren, wo normale Menschen in politische Wirren hineingezogen werden, ohne sie beeinflussen zu können. Es gibt unzählige unschuldige Opfer.“

        Als sich die Filmemacher in die Tragödie der Blutdiamanten einarbeiteten, stießen sie auf eine Krisensituation, die noch gewaltigere Auswirkungen hat. „Es ist schon erstaunlich, wenn ein Film ein regelrechtes Eigenleben entwickelt und selbst die Richtung vorgibt“, sagt Zwick. „Während der Arbeit an unserem Film drängte sich das furchtbare Thema der Kindersoldaten und der Erniedrigung von Kindern immer mehr in den Vordergrund. Die Ausbeutung der Bodenschätze in der Dritten Welt ist nicht von der Ausbeutung der Kinder zu trennen. Ich schrieb mir einen Satz auf das Titelblatt meines Skriptexemplars – den habe ich beim Drehen jeden Morgen vor Augen gehabt. Er lautet: ,Das Kind ist der Edelstein.‘“

      • | Userwertung

      Wertung: 7.5/10 (16 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN