Thriller,
Science Fiction,
Horror
| Australien / USA 2007
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| Über die Produktion
Seit seinem Erscheinen im Jahr 1955 gilt Jack Finneys Romanklassiker „The Body Snatchers“ (Die Körperfresser kommen) als Beispiel dafür, wie wirkungsvoll Science-Fiction die soziale und politische Situation einer bestimmten Epoche auf den Punkt bringen kann. 1956 lieferte die erste Verfilmung des Buches einen unterschwelligen Kommentar zur damals gefürchteten „roten Gefahr“.
Das Remake von 1978 kam wenige Jahre nach dem Vietnam-Krieg und dem Watergate-Skandal in die Kinos und formulierte die Angst einer Bevölkerung, die das Vertrauen in ihre Führung verloren hatte.
Die neueste Verfilmung gewinnt der Vorstellung einer Alien-Invasion laut Joel Silver eine weitere Variante ab – es geht um Probleme unserer Gegenwart, um die Angst vor einer Pandemie, vor sozialem und politischem Aufruhr. „Der Film entwickelt die Idee, dass für eine Invasion nicht unbedingt Raumschiffe nötig sind – die Aliens selbst müssen physisch gar nicht in Erscheinung treten. Heutzutage erscheint uns die Vorstellung einer Pandemie sehr real und akut. Was würde geschehen, wenn die Invasoren uns gar nicht mit Vernichtungswaffen angreifen, sondern Mikroben einführen? Gruselig wird dieser Gedanke, wenn man sich überlegt, dass die Gefahr eindringt, ohne dass wir das mitbekommen – bis es fast zu spät ist.“
Was würde heute passieren, wenn genau die Leute als Erste mutieren, die für den Schutz der Bevölkerung verantwortlich sind? „Wenn man ahnt, dass irgendetwas nicht stimmt, während die Regierung, die Nachrichtensprecher, die für die Seuchenbekämpfung zuständigen Wissenschaftler allesamt behaupten, alles sei in bester Ordnung, dann werden solche Ahnungen oft als Verfolgungswahn abgetan“, sagt Silver. „So kann die Macht aufgeweicht werden – die Macht, der Gefahr Einhalt zu gebieten und die Menschen umfassend und effektiv zu warnen. Die Hauptfiguren unserer Geschichte müssen zunächst lernen, nur an das zu glauben, was sie mit eigenen Augen sehen, bevor es zu spät ist und sie nichts mehr dagegen unternehmen können.“
Wir erleben den Thriller „Invasion“ mit den Augen der Psychiaterin Carol Bennell, die in Washington/DC ihren Sohn in dem Moment verliert, als sich die Welt praktisch über Nacht völlig verändert. „Für mich besteht der Kern der Story aus der Beziehung dieser Frau zu ihrem Kind“, sagt Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman, die Carol spielt. „Das interessierte mich: der Adrenalinschub, den sie braucht, um den Sohn zu retten, den sie geboren hat, den Menschen, den sie über alles in der Welt liebt. So setzt sie Gefühle frei, die ihr bisher fremd waren. Ich habe selbst zwei Kinder, weiß also, was es bedeutet, so kleine Wesen bedingungslos zu lieben und beschützen zu wollen.“
Drehbuchautor David Kajganich berichtet: „In Finneys Roman will die außerirdische Lebensform einfach nur überleben. Doch das Überleben kann man auf verschiedene Art sichern. Wir müssen uns heute doch nur umschauen, um festzustellen, dass Macht vor allem eines bewirkt: den Drang, diese Macht zu sichern und alles aus dem Weg zu räumen, was sie bedrohen könnte. Es ist kein Zufall, dass diese Invasion vom Machtzentrum der USA in Washington/DC ausgeht.“
„Der Thriller ,Invasion‘ spielt in unserer Gegenwart“, sagt Produzent Joel Silver. „Wir leben in einer Epoche enormer politischer, sozialer und ökologischer Paranoia – wir hatten das starke Gefühl, dass die Zeit für die Produktion dieses Films gekommen ist. David Kajganich lieferte ein originelles Drehbuch, das den Ideen des Romans neue Seiten abgewinnt. So spannend und mitreißend der Film auch ist, behandelt er doch auch eine Reihe ganz wesentlicher, subtil präsentierter Themen.“
Um die Story absolut realistisch und zeitgemäß umzusetzen, engagierte Silver den deutschen Regisseur Oliver Hirschbiegel, der mit seiner intimen, verstörenden Schilderung von Hitlers letzten Tagen in „Der Untergang“ gerade zahlreiche Preise gewonnen hatte. „,Der Untergang‘ hat mich völlig überwältigt“, sagt der Produzent. „Oliver gestaltet diesen historischen Moment hautnah, intensiv und klaustrophobisch, ohne dabei auf seinen unglaublichen Realismus zu verzichten. Als Kreativer legt er Wert auf äußerste Authentizität – also genau das, was uns bei unserem Science-Fiction-Thriller vorschwebte: Wir wollen vermitteln, dass es mitten unter uns, in der uns bekannten Welt zu dieser Invasion kommt.“
Regisseur Oliver Hirschbiegel erkennt den Realismus selbst in einer solchen Science-Fiction-Story als wesentlichstes Element: „Wenn ich mir beim Dreh mal unschlüssig bin, versuche ich mir vorzustellen, wie die Szene im richtigen Leben ablaufen würde. Ich versuche alle unechten, übertriebenen Filmemacher-Effekte zu vermeiden.“
Kidman hat bereits mit den unterschiedlichsten Filmemachern gearbeitet, zum Beispiel mit Lars von Trier, Baz Luhrmann, Jane Campion und dem inzwischen verstorbenen Stanley Kubrick. Sie freute sich besonders darauf, nach Hirschbiegels „Untergang“-Erfolg nun in seinem amerikanischen Debüt mitzuwirken. „Ich schätze Olivers Spontaneität beim Drehen“, kommentiert sie. „Er legt größten Wert auf die Leistungen seiner Darsteller. Und er mag Frauen. Ihn fasziniert die weibliche Psychologie – was Frauen fühlen, was sie stark macht, was sie reifen lässt.“
„Niemand rührt mein Kind an.“
Vor dem gewaltigen Panorama einer heimtückischen Invasion entwickelt sich die sehr persönliche Geschichte einer Handvoll Menschen, die näher zusammenrücken, als sich der unheimliche Verdacht als sehr reale, grauenhafte Gefahr entpuppt. Im Zentrum steht Carol Bennell, die ihren Namen in Anlehnung an den Romanhelden Miles Bennell trägt. Kidman übernimmt die Rolle der in Washington/DC arbeitenden Psychiaterin, die ins Auge des Sturms gerät, als eine Patientin ihre Angst äußert, dass „ihr Mann nicht mehr ihr Mann ist“.
Die Schauspielerin Veronica Cartwright, die 1978 bereits in dem Klassiker „Invasion of the Body Snatchers“ (Die Körperfresser kommen) aufgetreten ist, spielt Carols panische Patientin Wendy Lenk, die überzeugt ist, dass sich die Persönlichkeit ihres Ehemanns total verändert hat.
„Carol sieht keine Verbindung zwischen dem Bericht ihrer Patientin und dem Absturz des Shuttles“, berichtet Silver. „Wenn jemand fürchtet, ein Verwandter habe sich verändert, würde natürlich niemand auf die Idee kommen, dass er von Aliens infiziert wurde – und eine Psychiaterin erst recht nicht. Stattdessen reagiert Carol als Ärztin – sie fragt sich: Handelt es sich um eine Wahnvorstellung? Die Wahrheit ist jedoch derart unvorstellbar, dass niemand die Vorfälle korrekt analysiert, bis es viel zu spät ist.“
Hirschbiegel beschreibt Carol als das Objektiv, durch das wir die Geschichte erleben: „Alles passiert um sie herum, wir erleben es mit ihren Augen. Nicole bringt sich selbst sehr konzentriert in die Rolle ein – ihre Stärke, ihr Urbedürfnis, das Kind zu schützen“, sagt der Regisseur. „Es war faszinierend mitzuerleben und zu filmen, wie sie sich in diese Welt hineinversetzt. Sie reagiert völlig natürlich, was den Tatendrang in Carols Situation nur noch intensiviert.“
Während Carol die Ängste ihrer Patientin analysiert, merkt sie, dass überall im Land Betroffene ähnliche Befürchtungen äußern. Könnte es sich um eine kollektive Wahnvorstellung handeln? Oder ist es ein sehr konkretes Phänomen, das irgendwie mit dem Absturz des Spaceshuttles zu tun hat? Carol diskutiert ihren Verdacht mit ihrem besten Freund, dem Krankenhausarzt Ben Driscoll. Bens Rolle übernimmt Daniel Craig, der berichtet: „Ihre Beziehung ist platonisch, aber natürlich ist er wahnsinnig in sie verliebt. Er möchte für sie sorgen. Er beobachtet Carols unschöne Situation mit ihrem Ex-Mann und dem gemeinsamen Sohn und hält sich deswegen im Hintergrund, aber er träumt von einer Beziehung mit ihr.“
„Ich hatte wirklich Glück, dass Daniel Bens Rolle akzeptierte“, sagt Hirschbiegel. „Er verkörpert von Natur aus alle Facetten dieser Figur: Er ist unerschrocken, intelligent, zärtlich – wir verstehen sofort, warum sich Carol so bedingungslos auf Ben verlässt. Außerdem hat Daniel einen ausgeprägten Sinn für schwarzen Humor. Ich arbeite sehr gern mit ihm.“
Erstmals drehte Craig auch mit Nicole Kidman – er war von ihrer ernsthaften Verkörperung der Carol ebenso beeindruckt wie von ihrer fröhlichen Stimmung am Set. „Sie ist eine fantastische Schauspielerin“, sagt er. „Sie geht wirklich in die Tiefe – es war ein reines Vergnügen, mit ihr zu arbeiten.“
Umgekehrt bestätigt das auch Kidman: „Daniel versteht sein Handwerk wirklich. Er ist enorm begabt. Ich wünsche mir natürlich immer Partner, die mich anregen, die ihren Beruf beherrschen, denn dann geht man jeden Tag gern zur Arbeit. Vor allem mag ich die Momente vor der Kamera, wenn buchstäblich alles passieren kann – wenn man sich ganz in der Situation, in der Szene verliert. Deshalb arbeite ich gern in diesem Metier.“
„Du bleibst du selbst – jeder Gedanke, jede Erinnerung, jede Gewohnheit.
Wehr dich nicht. Tu einfach gar nichts.“
Am Wochenende des Shuttle-Absturzes meldet sich zufällig und unerwartet Carols getrennt lebender Ehemann Tucker bei ihr – diese Rolle übernimmt Jeremy Northam. Er arbeitet in einer hohen Position für das Centers for Disease Control (CDC; Seuchenzentrum) und kommt nach Washington, um die Rückstände auf den Wrackteilen des Spaceshuttles zu untersuchen – deswegen gehört er zu den ersten Infizierten. Ganz gegen seine Gewohnheit besteht er plötzlich darauf, von seinem Besuchsrecht Gebrauch zu machen und sich mit dem gemeinsamen Sohn Oliver zu treffen. Schon das allein macht Carol misstrauisch. „Die Trennung der beiden ist sehr unschön verlaufen – die Zuschauer sind also von vornherein gegen Tucker eingenommen“, sagt Northam. „Er bekleidet im CDC einen wichtigen Posten und arbeitet daher schon lange in Atlanta. Doch jetzt kehrt er nach Washington zurück. Dass er sich mitten in diesem Chaos plötzlich so sehr für seinen Sohn interessiert, lässt seine Ex-Frau aufhorchen, und tatsächlich führt er Böses im Schilde.“
Die Seuche, die mit dem Shuttle auf die Erde gelangt ist, breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus, denn die infizierten Opfer kennen nur noch ein Ziel: andere anzustecken. „Die Körperfresser bringen keine Menschen um“, kommentiert Hirschbiegel. „Vielmehr verwandeln sie die Opfer nach der Infektion radikal von innen. Normale Menschen mutieren auf diese Weise in eine andere Lebensform.“
„Nachdem man infiziert ist, vollendet sich der Krankheitsverlauf im Schlaf“, fügt Craig hinzu. „In der REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement), in der man schnelle Augenbewegungen beobachten kann, vollzieht sich die Verwandlung, die sich im Erbgut über den ganzen Körper ausbreitet.“
Das CDC startet ein Notfall-Impfprogramm, um die sogenannte intensive Grippe zu bekämpfen, doch in Wahrheit bewirkt das Serum das genaue Gegenteil. „In einer Szene informiert Tucker etliche Regierungsbeamte über das Virus und die Notwendigkeit, es einzudämmen. Tatsächlich aber missbraucht er diese Konferenz, um alle Anwesenden zu infizieren“, erklärt Silver. „Da wird also eine groß angelegte Kampagne organisiert, doch schon bald vermehren sich die Körperfresser exponentiell.“
„Wer den Körperfressern zum Opfer gefallen ist, wirkt etwas gesünder und kräftiger“, berichtet Hirschbiegel. „Das Erbmaterial wird manipuliert. Die Körperfresser sind ordentliche Leute – zwar keine Roboter, aber nicht mehr fähig, emotional zu reagieren. Sie sinken in eine unheimliche Gelassenheit.“
„Tief im Innern weißt du genau: Wer sich gegen uns wehrt, kämpft erwiesenermaßen für die falschen Dinge.“
Praktisch über Nacht verwandelt sich unser differenzierter, chaotischer Alltag in eine stille, gedämpfte Welt – das beginnt mit den Ordnungshütern. „Die Körperfresser sind nicht blöd“, berichtet David Kajganich. „Gleich zu Anfang infizieren sie die Menschen, die ihnen bei ihrem Vorhaben am nützlichsten sein können, also Leute, die hohe Positionen in der Regierung, Verwaltung und in der Geschäftswelt bekleiden, um der ungestörten, schnellen Invasion der restlichen Bevölkerung den Weg zu ebnen. Man kann die Körperfresser am besten als extrem effizient beschreiben.“
Zunehmend sieht sich Carol von Leuten umzingelt, die auch sie umwandeln wollen – deswegen kennt sie nur noch ein Ziel: Sie muss ihren Sohn Oliver retten, der das Wochenende mit seinem Vater verbringt: Ihr ist inzwischen klar, dass der Junge in höchster Gefahr schwebt.
Mit der Rolle des Oliver gibt der kleine Jackson Bond sein Spielfilmdebüt. „Er ist ein ganz lieber Kerl“, kommentiert Kidman. „Unglaublich nett und zuvorkommend. Manchmal wirkt er sehr erwachsen, und dann reagiert er auch wieder ganz kindlich auf bestimmte Situationen. Das ist eine wunderbare Mischung. Er hat großartige Eltern – man merkt, dass sie ihn gut vorbereitet haben. Wir hatten mit dieser Besetzung sehr großes Glück, denn er hat noch nie in einem Film mitgewirkt.“
Oliver bildet die große Ausnahme, weil er nach seiner Ansteckung einschläft, sich aber trotzdem nicht verwandelt. „Er ist gegen den Infekt immun und spielt somit eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Impfstoffs“, erklärt Jackson Bond. Doch um nicht entdeckt zu werden, müssen sich Oliver und seine Mutter als Körperfresser ausgeben. „Wir dürfen keinerlei Gefühle zeigen, denn dann merken sie, dass wir nicht dazugehören, und machen Jagd auf uns“, sagt er. „Also tun wir so, als ob. Aber wir haben natürlich wahnsinnige Angst und wissen nicht, was wir anstellen sollen.“
Dass Oliver immun gegen den Alien-Infekt ist, erweist sich als bahnbrechende Entdeckung für das Wissenschaftlerteam, das hektisch nach einem Heilmittel sucht. Jeffrey Wright spielt Bens Freund und Kollegen Dr. Stephen Galeano, der die grassierende Epidemie erforscht, seit ihm Carol und Ben eine Probe der geheimnisvollen außerirdischen Substanz zur Verfügung gestellt haben. In sicherer Quarantäne hat sich Galeano heimlich mit anderen Wissenschaftlern beraten, um eine Strategie gegen die heimtückische Seuche zu entwickeln. Dazu Daniel Craig: „Schon als er die Symptome kennenlernt, untersucht er sie sofort auf molekularer Ebene, was ihn zu der richtigen Schlussfolgerung bringt, dass die Probe nicht von der Erde stammt. Galeano ist also ein Hoffnungsträger in dieser scheinbar nicht aufzuhaltenden Invasion.“
Kajganich schrieb zwar die Filmfassung der Story, konnte sich aber dennoch nicht vorstellen, wie brutal sie in der lebendigen Umsetzung der Schauspieler wirken würde: „Eine unserer Hauptfiguren wird am helllichten Tag in einem Privathaus infiziert“, erinnert er sich. „Und auf mich wirkt das viel unheimlicher als eine explizit gewalttätige Szene. Als die Darsteller das spielten, konnte ich einfach nicht hinschauen. Ich konnte es nicht fassen, wie sehr mir das unter die Haut ging. Man spürt die menschliche Dimension dieser Situation, weil derart hochkarätige Darsteller mitwirken – alles erscheint unglaublich real und unmittelbar. Das spielt sich direkt vor meinen Augen ab, und langsam glaube ich selbst daran, obwohl ich mich auf einem Filmset befinde.“
Silver berichtet, dass er sich keine perfektere Besetzung vorstellen könnte – so intensiv verkörpern seine Darsteller die tiefen Ängste der Filmhelden. „Alle Beteiligten haben sich hervorragend in den Stoff eingelebt. Alle Schauspieler zogen an einem Strang, um unter Olivers Regie das Gruselige, das Unheimliche der Invasion zu vermitteln – allen voran Nicole, die praktisch in jeder Szene des Films zu sehen ist und die Story mit ihrer emotionalen Präsenz zusammenhält.“
Carol erlebt die Invasion aus der Sicht einer Psychaterin. Also sprach Nicole Kidman mit Ärztinnen, um zu erfahren, wie ein Psychiater in solch einem Fall vorgehen würde. „Mein Vater ist Psychologe – ich bin also in diesem Umfeld aufgewachsen“, erklärt sie. „Aber ich fand es höchst interessant, mit einer Psychiaterin aus New York zu sprechen. Sie hat mir sehr geholfen, schon allein mit ihrer Körpersprache und mit ihrem Umgang mit äußerst extremen Gefühlsregungen. Dennoch geht es im Film natürlich nicht um Therapiesitzungen.“
Die wichigsten technischen Beraterinnen der Produktion waren die Ärztin Ana Krieger, Mitglied des American College of Chest Physicians und Direktorin des Schlafstörungszentrums unter dem Dach der New York University, und die Ärztin und Klinikdozentin Linda Chuang, die am Bellevue Hospital der New York University in der Psychiatrie als Konsultationsexpertin tätig ist.
„Menschen sterben. Die Leute stehen Schlange, als ob das eine Pockenschutzimpfung wäre. Wogegen impft ihr die Leute wirklich?“
Um die Welt der „Invasion“ zu erschaffen, arbeitete der berühmte Produktionsdesigner Jack Fisk eng mit Regisseur Hirschbiegel zusammen und fand dessen realistischen Ansatz sehr erfrischend. „Obwohl wir hier einen großen Studiofilm machen, ging er weitgehend wie ein europäischer Filmemacher oder wie ein Dokumentarfilmer vor“, berichtet Fisk. „Sein Konzept war, die Drehorte einzurichten und die Szenen dann sehr schnell mit minimaler Ausleuchtung zu drehen. Oliver ist es gewohnt, während der Arbeit umzudisponieren und sich immer mehrere Möglichkeiten offen zu halten – wir gewöhnten uns also schnell daran, von einem Moment zum anderen alles zu besorgen, was er brauchte.“ Und er fügt hinzu: „Die Schauplätze des Films stehen ganz im Zeichen von Olivers hohem Realitätsanspruch.“
„,Der Untergang‘ wurde sehr schnell und ökonomisch gedreht“, kommentiert Jeremy Northam. „Zeitvergeudung gab es nicht. Oliver weiß genau, wann die Kamera richtig steht und wann er sie umstellen muss. Ich habe die Arbeit mit ihm als höchst interessant erlebt.“
Ein vorherrschendes optisches Motiv des Films ist das allmähliche Verblassen der Farben, als sich die Körperfresser die Welt untertan machen. „Die Körperfresser mögen Farben nicht so wie wir Menschen – der Mangel der Farben ist also ein Merkmal, an dem man sie erkennen kann“, sagt Fisk.
Hirschbiegel und Fisk stimmten sich mit der Kostümbildnerin und Oscar-Kandidatin Jacqueline West („Quills“) ab, um dieses Motiv auch auf die Kleidung zu übertragen. „Den Körperfresser-Look verdanken wir vor allem Oliver“, stellt West fest. „Schon beim ersten Treffen fragte er mich: ,Wie beurteilst du die Körperfresser?‘ Ich stellte mir vor, dass sie nicht nur ihrer Menschlichkeit beraubt werden, sondern dabei auch ihre Farbigkeit, ihre Persönlichkeit und Individualität verlieren. Ihre Kleidung ist daher meist einfarbig und praktisch. Die Farben rangieren zwischen stets einheitlichem Grau, Braun oder Marineblau. Dadurch entsteht eine neue Ordnung.“
Im Gegensatz dazu bewahrt sich Kidman als Carol während der gesamten Handlung ihre Individualität. „Oliver schätzt klassische Kostüme – und Nicole wirkt in ihrer Rolle absolut klassisch und zeitlos“, sagt West. „Ihre Kleidung ist ebenso einfach wie geschmeidig.“
„Alle Mitarbeiter gestalten die Rolle und damit auch meine Darstellung mit – vom Frisör über den Maskenbildner bis zur Kostümbildnerin“, sagt Kidman. „Ich finde das immer sehr spannend, denn allein schafft man das nicht. Eine filmische Leistung setzt sich immer aus den Beiträgen des gesamten Teams zusammen.“
„Schlaf nicht ein. Ich suche dich. Schick mir eine SMS. Ich liebe dich. Mom“
Die Wahl der Drehorte wurde durch Hirschbiegels Realismus-Konzept praktisch vorgegeben. Er verzichtete daher auf Studiobauten und drehte den Film vorwiegend an Originalschauplätzen – wenn irgend möglich sogar dort, wo sich die Story laut Drehbuch zuträgt.
Die Dreharbeiten zu „Invasion“ begannen im Zentrum und am Hafen von Baltimore – dort entstanden nicht nur die Baltimore-Szenen, sondern teilweise auch Sequenzen, die im nahen Washington/DC spielen. Dann zog das Team in die Hauptstadt der USA um, wo ein Großteil der Handlung angesiedelt ist. Dabei filmten die Filmemacher die weltberühmten Wahrzeichen wie die National Mall (die Prachtstraße zwischen Capitol und Lincoln Memorial), das George Washington University Hospital im Stadtviertel Foggy Bottom, die U-Bahnstation Cleveland Park, Georgetown und den historischen Bahnhof Union Station.
Die Dreharbeiten in Washington fand Daniel Craig besonders spannend: „Es brachte echt Spaß, die Pennsylvania Avenue hinunterzufahren: vor uns das Capitol, hinter uns sechs Streifenwagen mit Blaulicht“, erinnert er sich. „Plötzlich dachte ich: ,Einfach fantastisch!‘“
Die Aufnahmen auf der National Mall wurden durch weitere Einstellungen ergänzt, die auf einer privaten Weizenfarm gedreht wurden – dort befand sich die Absturzstelle des Spaceshuttles Patriot, die Tucker Kaufman vom CDC untersucht. Der Drehort liegt neben dem Fort Howard Medical Center in Virginia. „Für diese größere Absturzstelle bauten wir eine Tragfläche des Shuttles und vergruben sie in einem Graben, so dass nur Teile herausragen“, sagt Fisk.
Die abschließenden sechs Drehtage in Washington verbrachte das Team im Haus des chilenischen Botschafters – es liegt an der Massachusetts Avenue mitten im Viertel mit zahlreichen Botschaften in der Nähe des Sheridan Circle. Die dreigeschossige Villa des Botschafters ist ein Baudenkmal, 1909 von dem berühmten Architekten Nathan Wyeth entworfen, der auch den Westflügel des Weißen Hauses mit dem Oval Office gestaltete. Im Film dient das Haus als tschechische Botschaft.
Obwohl viele Drehorte in Washington besondere Schwierigkeiten mit sich brachten, stellten Fisk und Aufnahmeleiter Todd Christensen fest, dass sie sehr hilfsbereit aufgenommen wurden, weil das Projekt und die beteiligten Stars auf großes Interesse stießen. „Wahrscheinlich öffneten sich uns viele Türen nur, weil Oliver und Nicole mitmachten“, stellt Fisk fest. „Deswegen wollten alle Leute dabei sein. Der U.S. Park Service in Washington hat uns unglaublich zuvorkommend unterstützt. Sie müssen sehr viele solcher Anfragen regeln, ließen sich aber sehr gern auf unsere Vorstellungen ein. Natürlich gibt es Einschränkungen – zum Beispiel bei der Dauer der Dreharbeiten in der Mall –, aber alles ließ sich durchaus praktisch umsetzen, und insgesamt lief alles völlig problemlos.“
Nach Abschluss der Aufnahmen in Washington/DC kehrte das Team nach Baltimore zurück und filmte dort weitere vier Wochen lang: in den Türmen am Harbor Court, im Baltimore Hospital, im Kongresszentrum, im Legg Mason Building und in der Abteilung für Molekularbiologie in der Mudd Hall der Johns Hopkins University – es handelt sich dabei um das Zentralgebäude des dreiteiligen Biologie-Komplexes der Universität. Weil am Drehort die tatsächliche Laborarbeit an lebenden Organismen fortgesetzt wurde, bekam die Crew die Auflage, keinen der übrigen Räume zu betreten und keinen der Laborgegenstände zu berühren – was wunderbar zum Filmthema passte.
Eine der Schlüsselszenen des Films entstand auf dem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Baltimore Police Department. In dieser Sequenz kamen ein Black Hawk Helicopter und die Kamera-Helikopter zum Einsatz, die von den erfahrenen Filmhelikopter-Piloten Ben Skorstad („Air Force One“) und David Paris („Black Hawk Down“) gesteuert wurden.
„Wir hatten großes Glück, denn die United States Army stellte uns einen ihrer Special-Forces-Helikopter mitsamt dem Piloten zur Verfügung“, erinnert sich Silver. „Natürlich erforderte das eine umfangreiche Logistik, aber wir sind dem Militär sehr dankbar für die Unterstützung, ohne die die Landung eines Black Hawk auf dem Polizeipräsidium mitten in Baltimore nicht möglich gewesen wäre – ich muss sagen: Das war sehr spektakulär.“
„Es ist gefährlich geworden, den Mund aufzumachen oder sonstwie aufzufallen.
Ihre entscheidende Waffe ist unsere Angst.“
Zwar beruft sich „Invasion“ auf einen klassischen Science-Fiction-Stoff, aber laut Silver formuliert der Film durchaus sehr aktuelle Kollektivängste: „Wer weiß, worin die Schwachstelle unserer Gesellschaft heute zu suchen ist? Vielleicht besteht die Gefahr gar nicht in gewaltigen Zerstörungsorgien oder Explosionen? Möglicherweise genügt schon eine einfache Mikrobe – solch eine Vorstellung kann uns heutzutage wirklich Angst einjagen. Wir wissen einfach nicht, woher Gefahr droht und wie das abläuft.“
„Der Mythos des Buches ,Die Körperfresser kommen‘ und jetzt unser Film ,Invasion‘ gehen von außerirdischen Eindringlingen aus, die uns im Schlaf überraschen – eines Tages wachen wir auf, und die Welt hat sich total verändert“, kommentiert Kajganich. „Plötzlich gehören die Filmhelden zu einer Minderheit, die die alten Zustände wiederherstellen will. Dieser Ausgangspunkt der Story wirkt noch viel gruseliger und zeitgemäßer, wenn man sich klarmacht, dass die Bevölkerung heute politisch völlig desinteressiert ist und sich nicht darum schert, was in der Welt vorgeht. Denn diese Welt könnte von einem Moment zum anderen verschwinden.“
„Wir alle sollten unsere Existenz überdenken“, meint Craig. „Das muss ja nicht ständig sein. Natürlich müssen wir arbeiten und unser eigenes Leben führen, aber wir sollten uns auf unser persönliches Urteil verlassen und das infrage stellen, was man uns als Wahrheit verkauft.“
Und Silver sagt abschließend: „Es ist kein Zufall, dass die Invasion auf der Führungsebene beginnt.
Denn anschließend geht es nur noch darum, die Ängste der Menschen zu instrumentalisieren, um die gesamte Bevölkerung zu infizieren. Angst ist immer schon ein sehr effektives Werkzeug gewesen, um den Menschen die Wahrheit vorzuenthalten. Doch wenn die Leute den Körperfressern zum Opfer gefallen sind und jede menschliche Regung verlieren, passiert etwas ganz anderes: Durch Eliminierung unserer intensivsten Gefühle radiert diese Invasion auch das aus, was uns am meisten entzweit: Wut, Eifersucht, Hass, Vorurteile – das führt zu einem künstlichen Frieden. Tucker und andere versuchen Carol davon zu überzeugen, dass ihre Alternative tatsächlich die bessere Welt ist… und man könnte durchaus der Meinung sein, dass sie gar nicht so unrecht haben.“