Donnerstag | 31. Mai 2012 | 12:41 Uhr
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  • Ein gutes Jahr

    Drama | USA 2006
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      • | Produktionsnotizen - 3

      • „Um den Zauber der Provence zu beschreiben, betont Autor Peter Mayle, dass die Region 300 Sonnentage pro Jahr, eine beeindruckend schöne Landschaft, eine bemerkenswert wenig zerstörte Umwelt und ein außergewöhnliches Licht aufzuweisen hat. „Ein solches Licht findet man nicht oft auf der Welt. Und ich liebe das Tempo dort unten. Es zwingt dir einen gewissen Rhythmus auf, der – einmal daran gewöhnt – sehr angenehm ist. Ich fühle mich hier zuhause."

        „Es war ein großartiges Gefühl, in der Provence aufzuwachen”, er-
        gänzt Russell Crowe, der während der Produktion zwei Monate dort verbrachte. Das Luberon ist eine ganz einzigartige Gegend. Das hat wahrscheinlich mit der Fruchtbarkeit dieses Landstrichs zu tun. Das Licht ähnelt dem in Australien, das Blau, das Pink und das Orange des Himmels. Ich habe mich dort ausgesprochen wohl gefühlt.“
        „Ich war begeistert, in der Provence drehen zu können … es war einfach wunderschön“, ergänzt Ridley Scott, der seit fünfzehn Jahren ein Ferienhaus und einen Weinberg in der Gegend hat, aber seit seinem Regiedebüt THE DUELLISTS („Die Duellisten“, 1977) nicht mehr in Frankreich gedreht hatte. „Diese Dreharbeiten gehören zu meinen erinnerungswürdigsten Erlebnissen.“
        Die Geschichte der Provence lässt sich bis ins Jahr 600 vor Christus zurück verfolgen, als Griechen sich in Massalia, dem heutigen Marseilles an der Küste des Mittelmeers niederließen. Auch die Entstehung des Weinbaus in dieser Region lässt sich 2600 Jahre zurück datieren. Diese ältesten nachweisbaren Weine Frankreichs wurden später von den Römern und im Mittelalter in den Klöstern von Mönchen kultiviert.
        Die Provence, zu der ca. 700 Dörfer gehören, darf auf mehr als 27.000 Hektar Fläche diverse regionale geschützte Herkunftsbezeichnungen benutzen, die alle zu dem Sammelbegriff der von der Regierung in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführten Schutzmarke A.O.C. (appellation d’origine controlee) gehören, die französische Qualitätsweine von Tafelweinen unterscheidet. Die Region bietet außergewöhnlich gute Wachstums- und Umweltbedingungen, die der Franzose terroir nennt.
        Das mediterrane Klima (ganzjähriger Sonnenschein, perfekte Belüftung durch den Mistral-Wind und ausreichende Regenfälle) in Kombination mit den kieselsäurehaltigen Böden, bringt hervorragende rote Trauben wie Grenache, Syrah, Carignan, Cinsault und Mourvèdre hervor, von denen der überwiegende Teil zur Herstellung des für die Gegend typischen Rosé genutzt wird.
        Insgesamt werden in der Provence jährlich um die 140 Millionen Flaschen Wein produziert. Zu den weißen Trauben, die in der Region angebaut werden, gehören Grenache Blanc, Clairette, Ugni Blanc und Rolle.

        Scott siedelte die Produktion in der Cotes du Luberon an (wo sich auch seine eigenen 11 Hektar Weinbaufläche befinden), die Gegend zwischen Cavaillon und Apt, wo 70% Rotwein hergestellt werden. 80% der Winzer (darunter Scott) verkaufen ihren Ertrag an Kooperativen, die daraus Tafelwein (vin de pays) keltern. Für den Film suchte Scott jedoch zwei unabhängige Weinproduzenten aus, die ihren Wein selbst abfüllen.
        „Ich besichtigte etwa ein Dutzend Weingüter in der Gegend zwischen Roussillon und Bonnieux, bevor ich mich für La Canorgue entschied, das erste, das wir besucht hatten“, sagt der Regisseur zu dem Drehort, an dem sein 125-köpfiges Team die meiste Zeit der neunwöchigen Dreharbeiten in der Provence verbrachte – eine Zeit, die mitten in die Weinlese des neuen Jahrgangs fiel. Scott wählte La Canorgue wegen des überwältigenden Blicks in westlicher Richtung über das gesamte Luberon und wegen des geheimnisvollen Dämmerungslichts, das das Herrenhaus am späten Nachmittag einhüllt. Die Filmcrew besetzte mehr oder weniger die Weinberge und das Schloss für die neun Monate der Dreharbeiten in Südfrankreich – überwacht von dem altgedienten Location-Supervisor Marco Giacalone, der zuvor mit Regisseur Scott bei KINGDOM OF HEAVEN („Königreich der Himmel“, 2005) zusammen gearbeitet hatte, und dem französischen Location-Manager Thierry Zemmour.
        Nathalie Margan, die das Gut La Canorgue gemeinsam mit ihrem Vater Jean-Pierre Margan führt, erzählt, dass die Familie anfangs sehr zurückhaltend auf die Anfrage der Produktion reagierte, da die Drehzeit genau mit der Weinlese zusammenfiel. „Aber wir wussten, dass die Dreharbeiten ein großes Abenteuer werden würden“, erinnert sich Nathalie, „und so nahmen wir die Herausforderung gerne an.“
        Margan beschreibt die Erfahrung von riesigen Trucks, Bergen von Ausrüstung sowie 125 Teammitgliedern, die auf ihrem Gelände herumwirbelten als „anfangs befremdlich, aber dann immer aufregender. Es war spannend mitzumachen und wir wurden oft um Rat gefragt, wie ein echter Winzer bestimmte Dinge gemacht hätte oder wie manche Fachausdrücke hießen. Sie machten ihren Film, ohne uns sonderlich zu stören und wir ernteten unseren Wein, ohne die Dreharbeiten zu stören.“
        „La Canorgue war interessant“, sagt Produktions-Designerin Sonja Klaus und betont, dass die Produktion erheblichen Aufwand betrieb, um das Schloss für den Dreh herzurichten. „Wir gestalteten die ganzen Außenanlagen neu und versahen sie mit Statuen und Verzierungen. Innen wollten wir eine etwas heruntergekommene, abgewohnte aber gemütliche Atmosphäre erzeugen, ein Gefühl von verarmtem Chic. Man sollte sich im Haus fühlen, als ob man bei seinem Lieblingsonkel oder der Lieblingstante zu Besuch wäre.“
        Außerhalb des Hauses, inmitten der Weinberge, kam eine Herausforderung auf Sonja Klaus zu, mit der sie nie gerechnet hatte. „Als er mich engagierte sagte Ridley zu mir: ,Wir sind hier in Südfrankreich und verteilen nur noch ein paar Requisiten‘, erzählt sie mit einem vielsagenden Lächeln. Das gefiel mir ganz gut, aber dann fügte er hinzu: ‚Ach ja, wir brauchen noch einen Tennisplatz. Und dann müssen wir den Swimming-Pool umbauen, oder vielleicht bauen wir für die ganzen Stunts lieber gleich einen neuen.‘“
        „Hinter dem Haus gab es eine Wiese, die sich geradezu perfekt für einen Tennisplatz anbot“, erzählt die Produktions-Designerin. Der Haken daran war, dass die Wiese einfach zu klein war. Also mussten wir mogeln und den Platz etwas kleiner bauen. Aber im Film fällt das niemandem auf.“ Eine weitere wichtige Location war der leere Pool, in dem Crowe gefordert war, sowohl sein physisches wie sein komödiantisches Talent zur vollen Entfaltung zu bringen. „Es gibt diesen Running-Gag, dass Max in den relativ tiefen Pool fällt und nur nackte Wände um sich herum findet“, sagt der Schauspieler. „Es ist kein Wasser im Pool und er hat keine Chance, alleine rauszukommen.“
        Neben den vielen Wochen, die in La Canorgue gedreht wurden, verbrachten Scott und sein französischer Kameramann Philippe Le Sourd einige Zeit damit, die Schönheit der Landschaft in Postkarten-Schnappschüssen verschiedener malerischer Dörfer einzufangen, die kreuz und quer über Hügel und Täler des Luberon verstreut sind. Darunter das Örtchen Gordes mit dem anheimelnden Café Renaissance (das zu Fannys Café im Film wurde) sowie die Städte Cucuron, Lacoste, Avignon und Menerbes (wo Autor Peter Mayle
        früher wohnte und dessen ehemaliges Haus noch immer ein beliebter Stop für Reisegruppen ist, die den Ort erkunden). Die Crew drehte weitere drei Tage auf einem anderen Weingut, dem Chateau Les Eydins, das im Film als Heim des ruppigen Winzers Duflot dient. Nach den zwei Drehmonaten in der Provence versammelte Scott die Crew für die letzten acht Drehtage der Produktion in London an so pittoresken Orten wie Piccadilly Circus, dem architektonisch beeindruckenden Gebäude von Lloyds of London im Finanz-Distrikt und in der schicken Knightsbridge-Gegend.
        Wie Mayles Buch, beginnt der Film in der Finanz-Welt. Scott gefiel der Gegensatz und der Vergleich zwischen London und der Provence. „Ein Ort ist so attraktiv wie der andere. London ist ein großartiger Ort zum Leben. Die Provence ist eine großartige Gegend zum Leben. Ist sie besser? Nein, nur anders. Ich für mein Teil lebe in der Provence ...
        weil ich in London lebe. Ich brauche das eine, um das andere haben zu können.“ Und Peter Mayle ergänzt: „Da ich Ridleys Auge für Landschaft, Farbe und Komposition kenne, bin ich mir sicher, dass er das Luberon genau so wunderschön zeigt, wie es ist. Ich kann es nicht abwarten, endlich den Film zu sehen.“

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