Donnerstag | 31. Mai 2012 | 12:41 Uhr
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  • Ein gutes Jahr

    Drama | USA 2006
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      • | Die Figuren und ihre Darsteller

      • "Als Geschichtenerzähler oder Romanautor kann man sich wohl nie restlos von seinen Hauptfiguren lösen“, sagt Peter Mayle. „Teile von dir selbst schleichen sich ein, ob du willst
        oder nicht, ob vorsätzlich oder unplanmäßig. Deine Figuren reflektieren oftmals deine eigenen Gefühle und Max repräsentiert ein starkes Gefühl, das ich hatte, als ich in seinem Alter war – ich wollte raus aus London und versuchen, etwas ganz anderes zu machen. Natürlich macht Max das alles etwas dramatischer durch, als ich das erlebt habe."

        „Die ganze Zeit lebst Du mit diesen Figuren im Kopf“, versucht Autor Klein die Kunst des Drehbuchschreibens zu erklären. „Dann arbeitest Du mit jemandem wie Russell Crowe, der einfach ein Genie ist. Zwischen den Takes kam er zu mir und erzählte mir seine Ideen zu
        seiner Rolle. Er hatte sich viel tiefer in die Figur Max hineingearbeitet, als ich je zu hoffen gewagt hatte.“
        Auf der Suche nach einer Möglichkeit, wieder mit Ridley Scott zusammenarbeiten zu können, sprach er bereits während der Dreharbeiten zu ‚Gladiator’ mit dem Regisseur über neue Projekte. „Ich arbeite besonders gerne mit Ridley, weil wir einen gemeinsamen Rhythmus haben. Wir sprachen darüber, was das nächste Projekt sein könnte und wollten, dass es etwas komplett anderes sein sollte als ‚Gladiator‘. Also beschlossen wir, dass es eine Komödie sein sollte.“
        „Ich wusste, dass Russell die Idealbesetzung für Max sein würde“, ergänzt Scott. „Russell und Max sind sich sehr ähnlich, Russell trägt im Kern viel von der unschuldigen Persönlichkeit in sich, die auch Max auszeichnet.“
        Als Crowe die Rolle annahm, fand er sich mit einem wahren Forschungsprojekt konfrontiert. „Max hatte eine glückliche Kindheit und dieser wundervolle Lebenskünstler von einem Onkel fütterte ihn zudem mit allen Informationen, die er brauchte, um ein guter Kerl zu werden. Aber er hat die falschen Schlüsse daraus gezogen und Konkurrenz zu seinem Lebens-Mantra gemacht. Und dabei den Bogen überspannt, bis er den Spaß daran verlor.“„ Einer der ersten Merksätze, die Ridley mir auf den Weg gab, als wir das erste Mal über den Film redeten, war: ‚Es gibt eine provenzalische Redensart, nach der nicht du das Schloss besitzt, sondern das Schloss dich‘“, fährt Crowe fort. „Daran haben wir gearbeitet. Max reist in die Provence, um sein Erbe anzutreten. Kaum ist er angekommen, geschehen Dinge, die seine Abreise immer wieder verhindern. Es ist eine sehr menschliche Komödie über das Erwachsenwerden dabei herausgekommen, die dabei sehr realistisch ist.“
        War EIN GUTES JAHR die zweite Zusammenarbeit zwischen Scott und Crowe, arbeiteten Scott und der fünfmal für den Oscar® nominierte Albert Finney bei diesem Film bereits zum vierten Mal zusammen. Die Bühnen- und Leinwandlegende porträtiert den alten Onkel Henry, der im Roman nur als Name auftaucht, im Film jedoch wie ein Roter Faden die Geschichte durchzieht.
        Finney musste keine große Historie für die Figur entwickeln, erwähnt aber eine lang zurückliegende, schicksalhafte Reise Henrys an die Westküste der USA, ein Ereignis, das im Film diskutiert, aber nicht gezeigt wird, letztlich aber einen bleibenden Einfluss auf Henry hatte.
        Wie ihr guter Bekannter Crowe stammt auch die Schauspielerin Abbie Cornish aus Australien. Sie spielt die Rolle der jungen Kalifornierin Christie Roberts, deren überraschende Ankunft auf dem Weingut zu großen Verwicklungen bezüglich Max’ Erbschaft und seiner möglichen Zukunft im Schloss führt.
        Die Schauspielerin, die den Regisseur erst wenige Wochen vor den Dreharbeiten mit einem Probeaufnahmen-Video überzeugte, ist in ihrer Heimat sehr populär. Sie erhielt Kritikerlob für ihre Rollen in den Filmen THE MONKEY’S MASK („Die Affenmaske“, 2000) und SOMERSAULT, dem einzigen australischen Film, der 2004 auf dem Film-Festival in Cannes gezeigt wurde. Das verwöhnte Publikum feierte die junge Schauspielerin mit Standing Ovations.
        „Christie ist ein 21jähriges amerikanisches Mädchen aus der berühmten Weinregion Napa Valley in Kalifornien“, sagt Cornish, die selbst aus der australischen Weinregion Hunter Valley nahe Sydney stammt. „Sie erfährt, dass sie einen leiblichen Vater hat, der in Frankreich lebt. Also macht sie sich auf die Suche und steht schließlich vor der Tür des Schlosses (und hat damit ihren ersten Auftritt im Film). Sie muss die traurige Nachricht von Henrys Tod zur Kenntnis nehmen und lernt dafür ihren Cousin Max kennen, von dessen Existenz sie bis dahin keine Ahnung hatte. Argwöhnisch bezweifelt Max ihre Geschichte anfangs, aber schließlich entdecken die beiden Seiten aneinander, mit denen sie etwas anfangen können.“
        Marion Cotillard (UN LONG DIMANCHE DE FINANCAILLES „Mathilde – Eine große Liebe“, 2004) bereichert das Ensemble als Fanny Chenal, eine provenzalische Schönheit, der das Café des Ortes gehört – und die sofort Max‘ Aufmerksamkeit weckt. „Mir gefiel Max’ Entwicklung“, sagt die schöne Pariserin, „denn dort in dem provenzalischen Schloss begreift er, was wirklich wichtig für ihn ist.“
        „Fanny besitzt ein Restaurant“, fährt sie fort. „Sie ist eine Frau mit gebrochenem Herzen, die für sich beschlossen hat, dass das Leben ohne Liebe einfacher und weniger schmerzhaft sei. Sie hat ihr Leben so organisiert, dass sie nicht wieder verletzt werden kann. Ihr Café heißt La Renaissance, was soviel wie Wiedergeburt bedeutet. Aber glücklicherweise beschert einem das Leben manchmal genau das, was man braucht, ohne dass man weiß, wie wichtig es ist. Auch wenn Fanny niemals zugeben würde, wie sehr sie geliebt werden möchte, vermisst sie nichts mehr als Liebe. Und sie verdient auch geliebt zu werden!“
        Die Rolle von Max‘ bestem Freund Charlie Willis besetzte Scott mit dem britischen Schauspieler Tom Hollander (PIRATES OF THE CARIBBEAN: DEAD MAN’S CHEST „Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2“, 2006), seine zuverlässige Londoner Assistentin Gemma spielt Archie Panjabi (BEND IT LIKE BECKHAM „Kick It Like Beckham“, 2002) und in Rückblenden ist Freddie Highmore (FINDING NEVERLAND „Wenn Träume fliegen lernen“, 2004) als der junge Max mit Onkel Henry im Chateau zu sehen.
        „Ich spiele den jungen Max, der dem älteren natürlich sehr ähnlich ist, schließlich sind sie ein und dieselbe Person“, meint Highmore.
        „Ich habe Russell bei der Arbeit beobachtet und wir haben uns darüber unterhalten, wie wir die Figur sehen. Das war’s. Und es hat einfach von der ersten Klappe an einen Riesenspaß gemacht, mit Ridley und Albert und Russell am Set zu sein."
        Scott engagierte auch eine Reihe populärer französischer Darsteller für seinen Film. Didier Bourdon porträtiert Francis Duflot, den erfahrenen Weinhändler, der die Produkte von La Siroque seit drei Jahrzehnten verkauft und wohl wie kein anderer das geheime Potential des Weingutes einschätzen kann. „Francis Duflot ist ein echter Weinfachmann. Vinyo, wie wir in Frankreich sagen“, erklärt Bourdon. „Er hat eine eigene Geschichte mit Max, den er schon als Kind kannte. Ihr Verhältnis schwankt zwischen Freundschaft und Misstrauen. Als Max nach vielen Jahren der Abwesenheit auf Henrys Anwesen zurückkehrt, befürchtet Duflot, er würde das Gut verkaufen.“
        Duflots argwöhnischer Umgang mit Max findet seinen Höhepunkt in einem Tennismatch zwischen den beiden, das eher an Kriegsspiele als an ein sportliches Kräftemessen unter Freunden erinnert. „Die Tennis-Szene ist im Film, weil Ridley diesen Sport über alles liebt“, sagt Crowe. „Bei einem Glas Rotwein beklagte er sich, dass es nicht eine einzige Kampfsequenz im Film gebe. Das gab mir zu denken und führte zu der Sequenz am Tennisplatz und einem weiteren Tennisspiel in der Rückblende. Ich fand es nur konsequent, die beiden Männer auf dem Hartplatz gegeneinander kämpfen zu lassen.“
        Valeria Bruni Tedeschi (MON HOMME „Mein Mann“, 1996) spielt Nathalie Auzet, die Notarin, die Max‘ juristische Interessen vertritt, der altgediente Charakterdarsteller Jacques Herlin (GIULIETTA DEGLI SPIRITI „Julia und die Geister“, 1965) gibt den jähzornigen Papa Duflot und dessen Gattin spielt die französische Komödien-Darstellerin Isabelle Candelier (ANDRE LE MAGNIFIQUE, 2000), von Regisseur Scott liebevoll „die französische Lucille Ball“ genannt.

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