Gerard Butler erfuhr von dem Projekt bei einem Treffen mit Warner-Bros.-Managern. „Sie erwähnten den Titel ,300‘, und sofort merkte ich, dass es sich um etwas ganz Neues, Originelles handeln muss“, erinnert er sich. „Als ich Zack Snyder kennen lernte, begriff ich auf der Stelle, dass er so tief in die Story eingedrungen ist, wie man es anderen gar nicht mehr erklären kann. Er wusste genau, worauf er sich einließ. Ich müsste sechs Bücher vollschreiben, um seinem Talent, seiner Intelligenz, seiner Leidenschaft und seinem zwischenmenschlichen Engagement gerecht zu werden.“
Jeffrey Silver berichtet, welche Eigenschaften Butler zum optimalen Darsteller des spartanischen Königs machen: „Er hat Charisma, ist der geborene Führer – mit dieser Fähigkeit schafft er Kameradschaft unter den Schauspielern. Er hat das Team der Spartaner-Darsteller zusammengeschweißt.“
Butler nahm jede Gelegenheit wahr, um möglichst viel über diese beeindruckende Kultur zu erfahren. „Die Existenz der Spartaner ist von ständigem Schmerz geprägt, damit sie sich Ausdauer und Furchtlosigkeit antrainieren. Sie lernen, ihren Gegnern absolut gnadenlos gegenüberzutreten“, sagt er. „Das setzt einen stahlharten, starken Charakter voraus – was die Ausbildung der Männer angeht, aber auch in Bezug auf die Frauen, die ihre Kinder im Namen der Kriegskunst hergeben müssen.“
Dazu Drehbuchautor Kurt Johnstad: „Der Wettbewerb ist brutal. Der Pflichtenkanon – Ehre und Treue – wird ihnen eingeprügelt, entwickelt sich zum Lebensgefühl, geht ihnen in Fleisch und Blut über… er bestimmt ihr Handeln, ihre Reaktionen.“
Leonidas, König des griechischen Stadtstaates Sparta, wird gefürchtet und verehrt. Er herrscht unter Anleitung und mit Unterstützung seiner Königin Gorgo. „Gorgo wird in allen Beschreibungen als brillant charakterisiert“, sagt Miller. „Sie und Leonidas halten einander den Rücken frei, und sie ergänzt ihn hervorragend mit ihrem strategischen Verstand. Ihre Beziehung ist durch die enge emotionale und intellektuelle Bindung gefestigt. Auch die Spartanerinnen sind Kriegerinnen. Sie schicken die Männer zwar vor, aber im Film werden wir sehen, dass sie auch selbst reichlich ruppig auftreten können.“
Lena Headey stammt aus Englands wildem Norden – mit ihrer angeborenen Kraft und Anmut brachte sie die entscheidenden Qualitäten für die Rolle der Gorgo mit. „Lena ist echt tough, sehr stark und pragmatisch. Und ihre weisen Augen machen sie wunderschön“, sagt Butler. „Lena bringt ihr unglaubliches Charisma, ihre Intelligenz und Leidenschaft in Gorgo ein.“
Headey bezeichnet den Film als „Geschichte über Ehre, Furchtlosigkeit, Leidenschaft, Blut und Glauben“. Begeistert stürzte sie sich auf die Rolle der spartanischen Königin. In Millers Buchversion spielt Gorgo keine große Rolle – Headey konnte sie also eigenständig ausgestalten, wobei ihr die Gespräche mit Snyder halfen. „Im Film tritt sie als ausgesprochen starke Figur auf, weil sie sehr viel durchmacht und große Opferbereitschaft aufbringt. Ihren Mann hat sie bereits verloren, kann das aber nicht zugeben, also engagiert sie sich aus ganzem Herzen auf der politischen Ebene. Ich empfinde Gorgo als Herz und Instinkt von Sparta – richtige Entscheidungen treffen wir nämlich meistens instinktiv.“
Was für ein König und Mensch Leonidas ist, stellt sich heraus, als ein Bote in die Stadt kommt und berichtet, dass ein Heer aus tausend eroberten Völkern bereits auf Sparta zumarschiert. Xerxes, dargestellt von Rodrigo Santoro, hat die Welt des Altertums vor allem durch seine verblüffende Unverfrorenheit in die Knie gezwungen. „Er ist wohlhabend, eingebildet, unberechenbar und größenwahnsinnig“, beschreibt ihn der brasilianische Schauspieler, der den selbsternannten Gott-König spielt. „Er will ganz einfach die gesamte Welt erobern. Sein Ehrgeiz kennt keine Grenzen. Er ist ruhmsüchtig, will siegen und auf ewig in die Geschichte eingehen. Doch hinter dieser Willenskraft steckt letztlich ein schwacher, sehr unsicherer Charakter.“
Santoro sprach beim Regisseur zunächst für die Rolle eines Spartaners vor, doch nachdem er gegangen war, „meinte ich: ,Rodrigo könnte bestimmt den Xerxes spielen‘“, erinnert sich Snyder.
Xerxes ist ein zwielichtiger Hüne, der exotischen Schmuck trägt und seinen Thron von buckelnden Sklaven schleppen lässt. „Er spricht mit sanfter, verführerischer Stimme und wirkt genauso, wie man sich einen Gott-König vorstellt“, sagt Bernie Goldmann. „Man spürt sofort, dass er Menschen manipulieren kann… er erobert nicht nur, sondern verführt sie auch.“
Leonidas zeigt den Persern, was er von ihrer Drohung hält, indem er die Boten tötet. Doch die Politiker in Sparta halten nichts vom Kampf. Theron, dargestellt von Dominic West, repräsentiert einen neuen Schlag Spartaner, die ihre Macht lieber durch Verhandlungen erhalten als für ihre Freiheit kämpfen wollen. „Man kann Theron wirklich nicht als ehrlichen Politiker bezeichnen, und seine Doppelzüngigkeit wird dadurch deutlich, dass er die persische Gefahr auf verräterische Weise herunterspielt“, sagt West. „Er ist ein Taktiker, kein Krieger. Bösewichte ergeben immer gute Rollen – normalerweise bekommen sie die besten Dialoge“, grinst der Schauspieler.
Der spartanische Rat beauftragt Leonidas, das Orakel zu befragen: Diese junge Wahrsagerin haben die Ephoren fest im Griff, eine Gruppe von Ältesten, die die Zeichen des Orakels interpretieren. „Leonidas hat eine ausgereifte Vorstellungskraft und weiß ganz genau, was der Perser vorhat und wie man ihn aufhalten kann“, sagt Frank Miller. „Doch seine Chancen stehen denkbar schlecht. Der Rat will die Schlacht aus bestimmten Gründen vermeiden, also benutzt man das karneische Mondfest als Vorwand, um den Kriegszug zu unterbinden.“
Leonidas würde in jedem Fall eher kämpfen, als sich vor einem Eroberer zu beugen. Doch wenn er sich Xerxes stellen will, muss er das ohne die Unterstützung des spartanischen Heeres tun. „Ich habe noch nie einen so entschlussfreudigen Mann wie Leonidas gespielt“, sagt Butler. „Aber wenn er doch einmal zögert, wenn er Beistand für seinen Entschluss braucht, holt er sich immer Rat bei seiner Frau. Und sie formuliert ganz überzeugend, warum er in den Krieg ziehen muss: ,Geh und stirb. Ich werde dich nie wiedersehen, doch du tust es als freier Mann. Triff diese Entscheidung nicht als König oder spartanischer Bürger, sondern als freier Mann.‘ Das bringt die Haltung der spartanischen Frauen auf den Punkt.“
Königin Gorgo begleitet Leonidas zwar nicht zum Pass, muss sich aber zu Hause ebenfalls einem Kampf stellen und genau wie Leonidas das größte Opfer bringen: Sie muss ihren Sohn, den künftigen König, für Sparta in den Krieg ziehen lassen. „Gorgo ist Kriegerin – genau wie Leonidas. Sie muss ihre Stadt, ihr Land auf die Ziele ihres Königs einschwören“, bestätigt Johnstad. „Gleichzeitig ist sie vollkommen damit beschäftigt, auf Therons politische Winkelzüge zu reagieren.“
Dazu Deborah Snyder: „Sie opfert sich selbst, aber für sie bedeutet das gar nichts im Vergleich zu dem, was auf dem Spiel steht. Dagegen ist das bedeutungslos.“
Gorgos Worte fordern jeden spartanischen Krieger heraus. „Leonidas’ Untertanen werden aufgefordert, etwas zu tun, was ihnen unmöglich ist: Sie sollen sich einem anderen Herrscher unterwerfen“, berichtet Butler. „Zu bestimmten Zeiten muss man innehalten und Widerstand leisten, zu anderen Zeiten selbst aktiv werden. Wie kein anderer begreift der König, wie wichtig seine Mission ist. Es geht nicht nur um die Rettung Spartas – in diesem Moment kann Leonidas nicht nur Xerxes, sondern der gesamten Welt – auch den folgenden Generationen – beweisen, aus welchem Holz die Spartaner geschnitzt sind.“
Um Leonidas versammelt sich seine persönliche Leibgarde – 300 Freiwillige der fähigsten und tapfersten spartanischen Krieger. Den Krieg darf er nicht erklären, aber er kann Xerxes einen nachhaltigen Schock versetzen. Wenn Spartaner kämpfen, gibt es kein Pardon. „Leonidas hat keine Chance, aber das ist genau die Situation, wie sie einem spartanischen König gut zu Gesicht steht“, stellt Butler fest. „Also führt er seine Elitetruppe zu den Thermopylen, um sich dort den Persern zu stellen.“
Der spartanische Krieger Dilios übernimmt im Comic-Roman die Funktion des Erzählers. Ihn spielt der australische Schauspieler David Wenham, der mit der Trilogie „The Lord of the Rings“ (Der Herr der Ringe) weltweit bekannt wurde.
Mit Dilios war auch Snyders Problem gelöst, wie er Millers unverwechselbaren Schreibstil in den Film einbringen sollte. „Dadurch, dass wir die Geschichte von einem Erzähler berichten lassen, wird Franks fantastische Welt lebendig“, sagt Snyder. „Das gibt den Ausschlag, wenn Dilios’ Story mit der Handlung verwoben wird – denn der Erzähler bringt Franks Prosa in den Film ein.“
„Ich erzähle selbst gern Geschichten und empfinde es als großes Geschenk, hier als Geschichtenerzähler aufzutreten“, kommentiert Wenham. „Dilios unterhält die Truppen immer dann, wenn sie Zeit totschlagen müssen, er erzählt von den ersten Olympischen Spielen und andere Geschichten. Wahrscheinlich zählt er zu Leonidas’ engsten Freunden, und auch als Krieger verschafft er sich unter den Männern großen Respekt.“
Dilios führt uns durch den Film – seine Version der Ereignisse prägt also die Geschichte, wie sie an die nächsten Generationen weitergegeben wird. „Natürlich weiß Dilios, wie man vermeidet, eine gute Story durch die Wahrheit zu ruinieren“, sagt Snyder. „Wenn er aufschneiden muss, dann schneidet er auf – er unternimmt alles, um die Spartaner zu motivieren und in die richtige Stimmung zu bringen. Seine Stimme verleiht dem Film die poetische Dynamik.“
Das Trio an der Spitze der 300 Spartaner besteht aus Leonidas, Dilios und einem rätselhaften Krieger, der nur Hauptmann genannt wird. Diese Rolle übernimmt Vincent Regan. „Der Hauptmann zählt neben Leonidas sicher zu den unerbittlichsten der 300 Spartaner“, sagt Regan. „Historisch gesehen würde er zu den drei Hauptmännern gehören, die die Leibwache des Königs befehligen.“
Der Hauptmann wird im Kampf von seinem ältesten Sohn Astinos begleitet, den Tom Wisdom spielt. „Natürlich bringt der Hauptmann auch ein großes Opfer, indem er seinen Sohn mit auf den Kriegszug nimmt, der klar als Himmelfahrtskommando bezeichnet wird“, sagt Regan. „Denn immerhin kämpfen nur 300 Spartaner gegen eine Million Soldaten des persischen Imperiums. Doch er glaubt derart fest an seinen König und seine Stadt, dass er alles opfert, was er besitzt – sein eigenes Leben und das seines Sohnes. Er opfert es für die Freiheit seiner Stadt und seinen König, der auch sein enger persönlicher Freund ist.“
Als Astinos gibt Wisdom sein Spielfilmdebüt – was bei seiner Besetzung vielleicht den Ausschlag gab. „Wahrscheinlich hat man mich ausgesucht, weil ich Astinos darin ähnlich bin, dass wir auf dem Schlachtfeld blutige Anfänger sind“, sagt er.
Astinos und sein Kamerad Stelios, gespielt von Michael Fassbender, verkörpern den ungebrochenen Enthusiasmus der jungen spartanischen Krieger. „Stelios reagiert sehr spontan und leidenschaftlich“, sagt Fassbender. „Er erlebt den Feldzug als Chance zur Bewährung auf dem Schlachtfeld, auf dem er den glorreichen Tod stirbt, den er sich als Vollendung seines spartanischen Kriegerschicksals wünscht.“´
Xerxes’ Heer erweist sich endlich als würdiger Gegner für die Spartaner. Xerxes’ Wille hat eine exotische, außergewöhnliche Truppe zusammengebracht, die schon rein physisch sehr seltsam wirkt, mit brutaler Gewalt auftritt, wilde afrikanische Tiere und Zauberer einsetzt – nicht zuletzt auch seine als „Die Unsterblichen“ bezeichnete Leibwache. „Die Unsterblichen sind seine Eliteeinheit“, sagt Santoro. „Sie sind bestens ausgebildet, sehr furchteinflößend mit ihren grimmigen Masken. Das sind seine besten Männer.“
„Leonidas bildet den Gegenpol zu Xerxes, der in seinem Elfenbeinturm sitzt, Bestechungsgelder zahlt, verführt und seine eigenen Männer umbringt, wenn ihm das den Sieg verspricht“, berichtet Butler. „Es kommt zu einem wunderbaren Dialog, als Xerxes fragt: ,Wie kannst du jemals gegen mich bestehen, wo ich doch mit Freuden jeden meiner Männer für den Sieg opfern würde?‘ Darauf antwortet Leonidas: ,Und ich würde für jeden der Meinen in den Tod gehen.‘ Das bringt Leonidas’ Wesen auf den Punkt.“
Leonidas will die landschaftlichen Gegebenheiten gegen die Perser nutzen und führt seine 300 zum „Heißen Tor“ der Thermopylen – einem schmalen Passweg zwischen zwei turmhohen Felsen hoch über dem Ägäischen Meer, den die Perser auf jeden Fall passieren müssen. Diese natürliche Barriere gibt den 300 Spartanern den dringend benötigten strategischen Vorteil. Allerdings ist der Engpass nicht unüberwindlich, wie Leonidas von dem grässlich entstellten Zuschauer Ephialtes erfährt, der ihm von einem verborgenen Ziegenpfad hinter den Felsen berichtet. Den von Andrew Tiernan dargestellten Ephialtes beschreibt Deborah Snyder als „eine bemitleidenswerte Figur. Bei seiner Geburt wurde er aus der spartanischen Gesellschaft ausgestoßen, und dennoch möchte er nichts lieber sein als ein Spartaner.“
Als sich der Horizont durch den überwältigenden Aufmarsch der persischen Truppen verdunkelt, kommt es zur Schlacht. „In der Geschichte der 300 Spartaner geht es um weit mehr als um die Schlacht“, sagt Miller. „Natürlich weiß Leonidas, dass er die Perser mit den 300 Männern nicht besiegen kann. Es geht in ,300‘ um einen Kampf, der unmöglich zu gewinnen ist. Doch in dem Versuch konzentriert sich mehr Kraft als in allen Pfeilen, die von den 300 Kriegern abgeschossen werden. Diese Männer am Heißen Tor sind bereit zu sterben. Tatsächlich führt Leonidas sie bewusst in den Tod, denn er weiß, dass sie keine Überlebenschance haben. Aber das ist ihm egal, weil er damit dennoch etwas erreicht. Ich persönlich halte die Spartaner für die wahren Sieger bei den Thermopylen. Auch die Niederlage kann ein Sieg sein.“