Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:15 Uhr
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  • FILMDETAILS | Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
  • Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

    Drama, Western, Krimi | USA 2007
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      • | Der Wilde Western

      • Die Landschaft des Wilden Westens und die Landschaft der Seele
        Um der Story und ihren historischen, oft majestätischen Schauplätzen gerecht zu werden, wollten die Filmemacher ein Ambiente schaffen, das „gleichzeitig karg und opulent wirkt“, wie Pitt sagt.

        Sie engagierten den berühmten Kameramann Roger Deakins, der fünfmal für den Oscar nominiert war. Er sagt: „In kaum einem meiner Filme hat die Atmosphäre eine derart große Rolle gespielt. Er beruft sich auf ein sehr poetisches Buch mit tiefgründig melancholischen Momenten, und wir bemühen uns, diese Stimmung in den Film zu übertragen. Er setzt sich optisch deutlich von herkömmlichen Western ab. Das Land veränderte sich in jener Epoche, und dem wollen wir Rechnung tragen.“

        „Das war nicht mehr der Wilde Westen, sondern eher die viktorianische Epoche nach dem Bürgerkrieg“, erklärt Dominik und berichtet, wie das kreative Team all die typischen Western-Klischees vermied, weil sie einfach nicht authentisch sind: „Niemand trug Cowboy-Hüte. Jesse schenkt Robert eine Waffe mit einem Bakelitgriff, der sehr modern aussieht. Tatsächlich trug sich die Geschichte nicht im Wilden Westen, nicht im Grenzgebiet zu. Man wohnt in Kansas City und St. Joseph/Missouri, beides Wirtschaftszentren jener Zeit, den 1880er-Jahren. Das Telefon war gerade erfunden worden.“

        Deakins’ Kamera schaut gelegentlich durch fehlerhafte, geriffelte Glasscheiben, wie sie damals üblich waren. In einer Szene beobachtet Robert Ford, der bei der James-Familie zu Gast ist, heimlich und aufmerksam durch ein Fenster, wie sich Jesse im Garten ausruht. Dazu Deakins: „In mancher Hinsicht belegt die Story, wie flüchtig die Realität ist: ein Film über Oberflächen. Was wir wahrnehmen und worauf wir im Leben reagieren, sind nur Oberflächen.“

        Während eines nächtlichen Überfalls auf die Eisenbahn taucht Jesse plötzlich sehr theatralisch aus einer schneeweißen Dampfwolke auf, „als ob er aus einer anderen Welt, vielleicht sogar aus der Hölle emporsteigt“, sagt Deakins. „Jesse wirkt in diesem Moment bereits wie ein Gespenst. Glas oder Dampf nehmen den Dingen ihre feste Konsistenz – man bekommt das Gefühl, als ob alles nur aus Spiegelungen besteht.“

        In einer anderen Szene zeigt die Kameratotale Jesse James allein auf einem Feld – eine kleine Gestalt in einer ungeheuren Landschaft – genau das Gegenteil seines überlebensgroßen Images. Damit will Deakins ausdrücken, „dass der Mensch nur ein kleiner Teil der Natur ist – egal für wie bedeutend er sich hält.“

        Die dafür erforderliche Landschaft fanden die Filmemacher in der Prärie und der Region McKinnon Flats im südlichen Alberta sowie an anderen Schauplätzen in Kanada, wo die scheinbar unbewohnten Weiten viel von ihrem ursprünglichen Charakter behalten haben – sie sind ein wunderbarer Ersatz für Kansas, Kentucky, Missouri und Colorado um 1881.

        Fort Edmonton und der Heritage Park in Calgary sind Touristenparks, in denen authentische Häuser aus dem ganzen Land gesammelt und originalgetreu wiederaufgebaut wurden – damit bieten sie die perfekte Kulisse für Jesse James’ Geschichte. Dazu Produzent David Valdes: „Andrew war begeistert. Diese Ansammlung historischer Gebäude war genau das, was wir suchten – wir brauchten also keine ganze Stadt für den Film nachzubauen.“
        Die Dreharbeiten in Fort Edmonton boten den zusätzlichen Vorteil, eine funktionierende Bahnstrecke mit einer historischen Eisenbahn verwenden zu können – sie kommt beim spannenden Blue-Cut-Überfall zum Einsatz. Valdes bringt nach „Pale Rider“ (Pale Rider – Der namenlose Reiter), „Unforgiven“ (Erbarmungslos) und „Open Range“ (Open Range – Weites Land) bereits umfangreiche Western-Erfahrungen mit. Er gesteht: „Immer wenn eine historische Eisenbahn ins Bild kommen soll, ergeben sich große logistische Probleme, weil es nur sehr wenige private Bahnstrecken mit alten Zügen gibt. Sammler oder Museen pflegen zwar durchaus noch vorhandene alte Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen, aber es bedeutet einen gewaltigen Aufwand, sie per Tieflader oder Schiene zu einem angemessenen Schauplatz zu transportieren. Wenn die Bahnstrecke noch in Betrieb ist, wird man beim Dreh zeitlich eingeschränkt. Das Tolle an Fort Edmonton: Der historische Zug ist vorhanden, auch eine genügend lange Bahnstrecke steht zur Verfügung, und sie führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft.“

        Durch die freundliche Unterstützung des Filmteams sah der als Touristenattraktion genutzte Zug „nach dem Dreh noch authentischer aus als bei unserer Ankunft“, sagt Valdes. „Wir verpassten ihm einen neuen Anstrich, bauten Schlafwagenabteile ein und fügten einen Gepäckwagen hinzu – alles exakt nach historischen Vorlagen.“
        Dann baute das Team das verschneite Creede/Colorado in Calgary am Goat Creek im Kananaskis Provincial Park nach, wo ein sehr frisches Lüftchen wehte, um es vorsichtig auszudrücken. Casey Affleck stammt aus Boston und ist Minus-Temperaturen durchaus gewohnt, aber auch er musste zugeben, dass er eine derartige Kälte noch nie erlebt hatte: „Der Drehort im Norden wurde jeden Morgen und jeden Abend wie von einem Polarsturm heimgesucht“, lacht er.

        „Glücklicherweise gehörten lange Unterhosen zum Kostüm dazu. Ich hätte gern 15 Paar übereinander gezogen.“

        Nach den Dreharbeiten recycelte das Filmteam die verwendeten Utensilien und übergab sie örtlichen Projekten, vor allem im benachbarten Städtchen Canmore. Die Zelte überließ man einem örtlichen Reiseausstatter, der Angeltouren in die Rocky Mountains anbietet, und der Besitzer des Crazy Weed Café verwendete einige Gestelle in seinem neuen Restaurant, worauf Valdes sagte: „Creede lebt in Canmore weiter.“

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