Was macht den Erfolg Ihrer Filme aus?
Meines Erachtens gefällt es den Kindern, dass ihre Fantasien ernst genommen werden. In Wirklichkeit besteht ihr Baumhaus oft nur aus einem Brett, das sich über zwei Astgabeln spannt. Doch in ihrer Fantasie ist es das schönste Baumhaus der Welt. Ja, und genau dieses Baumhaus zeigt ihnen der Film.
Herrscht nach dem Erfolg des zweiten Teils noch mehr Leistungsdruck?
Na klar. Ich kenne das schon von den Büchern, denn ich habe immer versucht, die neuen noch besser zu schreiben als die alten. Beim Film geht es mir jetzt allerdings weniger darum, den dritten besser zu machen als den zweiten. Ich achte darauf, dass ich die Geschichte wieder gut und stimmig erzähle und es wieder Spaß macht.
Gab es eine lange Vorbereitungszeit?
Nein, die war in etwa wie bei Teil 1, es wurde alles sehr kurzfristig beschlossen. Ich habe sogar noch während des Drehens jeden Tag am Drehbuch geschrieben, denn durch die neuen Figuren hat sich vieles geändert. Ich hatte den Kindern außerdem zugesichert, dass sie sich diesmal selbst spielen dürfen, deshalb ergaben sich ständig neue Situationen, die eine Anpassung des Drehbuchs erforderten. Für die Vorbereitung war es also sehr eng, die Ausstattung hat Unmögliches geleistet, um alles fertig zu bekommen. Selbst kurz vor den Dreharbeiten des Endspiels in der Natternhöhle waren die Kostüme noch nicht fertig genäht.
Inwieweit spielt sich Nick Romeo Reimann selbst?
Ein siebenjähriger Junge kann einfach noch nicht jemand anderen spielen. Wir coachen ihn und sagen „Mach es so oder so“, aber eigentlich ist er er selber. Ein Grund für den Erfolg des Films liegt ja eben darin, dass wir immer das erzählt haben, was die Kinder gut fanden.
Warum ist es eigentlich so erniedrigend, gegen eine Mädchenmannschaft zu verlieren?
Vom Sportlichen her gesehen ist es kein Kompliment, von Mädels geschlagen zu werden, insbesondere in dem Alter. Außerdem werden Mädchen in der reinen Männerwelt der Wilden Kerle immer sehr argwöhnisch betrachtet, die Jungs müssen sich ihnen gegenüber erst öffnen.
Wie wichtig ist Ihnen die Meinung Ihrer Söhne?
Mein älterer Sohn liest jedes Buch, bevor es rauskommt, und sagt, was er gut oder schlecht findet. Das ist schwierig, denn in den Geschichten ist es wichtig, dass der Held auch Fehler macht und ihm peinliche Sachen passieren. Wenn es um Liebesgeschichten geht, sagt er kategorisch nein, aber da weiß ich dann schon, was richtig ist. Aber es gibt auch wirklich Sachen, die er völlig uncool findet und die er nie so machen würde.
Die Filme sind ja mittlerweile eine Art Familienprojekt. Haben alle gleich wieder zugesagt?
Nicht zuletzt wegen des Erfolgs der Vorgänger ist jeder froh und glücklich, dabei zu sein. Unter anderem weil in diesem Film Sachen möglich sind, die man sonst nicht darf und bei denen jeder seine Fantasie einbringen kann. Die Kostümbildnerinnen zum Beispiel müssen unglaublich viel arbeiten, aber sie tun es gern, weil sie hier Ungewöhnliches umsetzen können. Dasselbe gilt für die Ausstattung und die Schauspieler. Uwe etwa musste sich diesmal als Biene Maja verkleiden und das hat ihm schon Spaß gemacht. Außerdem kennen wir uns alle schon, dadurch arbeitet man viel leichter zusammen. Die Mädels und die Jungs verstehen sich auch ganz toll. Es ist schon ein bisschen wie eine große Familie.
Was ist das Besondere an Nervs Mutter?
Die Idee zur Mutter kam auf, als man mir von einer Frau erzählt hat, die ihren Sohn in Kleidern in die Schule schickt, in der Annahme, Frauen seien per se die besseren Menschen. Außerdem werden die Jungs hauptsächlich von Frauen großgezogen und für Frauen ist es anstrengender, wenn ihre Söhne immer größer, stärker, schneller, besser, wilder werden. Das versuchen Frauen ganz oft zu verhindern und einzudämmen. Nervs Mutter ist so eine, die behauptet, ihr Sohn sei zart und sensibel, und dabei will er ein Wilder Kerl sein. Der Junge rebelliert dagegen, versucht auszubrechen und sie will das mit allen Mitteln verhindern. Dabei ist sie aber keine überzeichnete Figur, sondern eine attraktive, gutaussehende Frau.
Wie kam es zu Claudia Michelsens Besetzung als Nervs Mutter?
Claudia hat die Produzentin Ewa Karlström angerufen und gesagt, sie möchte unbedingt mitspielen. Ich war unsicher, denn sie hatte bis jetzt keine komischen Sachen gespielt. Aber sie hat solch einen Enthusiasmus gezeigt und uns davon überzeugt, am besten doch jemanden mit richtigem Spaß an der Sache zu nehmen.
Auch Adnan Maral als Hadschi Ben Hadschi ist neu dabei …
Die Figur des Obsthändlers entstand im ersten Teil und wurde erst dann in die Bücher übernommen. Wir brauchten eine Erklärung, woher die ganzen Gimmicks der Wilden Kerle kommen, die sich Kinder nicht selbst bauen können. Und da habe ich behauptet, dass unter dem Obststand eine geheime Erfinderwerkstatt ist und dass der Obsthändler in Wirklichkeit das Geheimerfinder-Phantom ist. So ist die Figur des als Obsthändler getarnten Hadschi Ben Hadschi entstanden.
Was waren die Besonderheiten bei diesen Dreharbeiten?
Der Dreh war sehr anstrengend, weil ich immer auch am Buch arbeiten musste und alles unter großem Zeitdruck entstand. Besonders schön ist aber, dass die Kinder um Welten besser spielen als vorher. Es hat plötzlich Spaß gemacht und die Anwesenheit der Mädchen hat viel verändert. Ich habe ja nur Söhne und war eigentlich immer froh, dass ich mit den Jungs mit Rittern und Autos spielen konnte und keine Mädchen hatte, die mit Barbies spielen. Außergewöhnlich war aber auch die absolute Freiheit in meinen Handlungen, in meinem Drehbuch, aber auch der Ausstattung. Es ist ein unwahrscheinliches Vertrauen da, es fließt alles, und das macht die Arbeit so schön und trotz der Anstrengung so erträglich.
Worin bestanden die größten Schwierigkeiten?
Bei allen drei Filmen hatten wir immer zu wenig Zeit für all das, was wir erzählen wollten. Wir mussten manchmal Szenen, für die wir eigentlich eine Woche gebraucht hätten, in zwei oder drei Tagen drehen. Das ist gelungen, aber unter unwahrscheinlichen Anstrengungen. Es gab zum Beispiel Szenen mit 18 Kindern und da dauerte es allein zwei bis drei Stunden, um alles für die Kamera fertig aufzustellen. Da spürt man, wie einem die Zeit durch die Finger rinnt.
Haben sich die Kinder verändert?
Charaktere haben sich verändert. Leon in der Rolle des Markus war im ersten Teil unwahrscheinlich cool und ist mittlerweile viel weicher geworden. Marlon, der Maxi spielt, ist viel souveräner, selbstbewusster. Auch Sarah als Vanessa ist jetzt beim Drehen viel professioneller. Jimi ist ebenfalls sehr souverän geworden, in Wirklichkeit ist er ein ganz anderer Typ als Leon, den er spielt, aber er schafft es.
Was sollen die Kinder aus dem dritten Teil mit nach Hause nehmen?
Es geht ums Stärkerwerden, ums Erwachsenwerden und um Freundschaft. Vor allem geht es darum, dass man nicht stark und erwachsen werden kann, wenn man vor etwas davonläuft. Man reift nur, wenn man sich Niederlagen stellt und an seine Grenzen geht. Man muss seine Schwächen erkennen und nicht davor die Augen verschließen, sondern versuchen, es besser zu machen. Oder man muss sich eben die Wahrheit eingestehen. Nicht alle Kinder, die Fußball spielen, kommen in die Bundesliga. Und es wäre traurig, wenn Kinder das mit zehn oder elf erkennen und sofort aufhören würden zu spielen oder sich für Fußball zu interessieren. Man muss weitermachen, und es geht nicht darum, der Beste zu sein, sondern so gut zu sein, wie man es kann.