Was macht denn „Die Wilden Kerle“ so erfolgreich?
Ich glaube, wir haben mittlerweile eine ganz eingefleischte Fantruppe, es ist quasi ein Schulhofthema. Die Filme treffen den Nerv der Kinder, denn sie werden auf Augenhöhe der Kinder erzählt und nicht von oben herab. Deshalb fühlen sich die Kinder ernst genommen. Es geht um Kindersehnsüchte und
–träume, Themen wie „gegen Ältere bestehen“ und „zusammenhalten“. Damit können sich Kinder identifizieren. Weil Fußball im zweiten Teil auch etwas kürzer gekommen ist, interessieren sich jetzt genauso viele Mädchen wie Jungs dafür.
Wurde der neue Film durch die gestiegene Förderung aufwändiger?
Ja, schon allein wegen der 18 Kinder inklusive der zusätzlichen Mädchengruppe. Außerdem waren die Kinder ziemlich lange nicht in der Schule, das heißt, wir brauchten viele verschiedene Lehrer für die Altersgruppe zwischen sieben und 15 Jahren. Weil wir die Kinder auch getrennt untergebracht haben, mussten wir mehr Betreuer engagieren, abgesehen von der actionreicheren Geschichte.
Wie sind Sie auf die zum Teil sehr abseits gelegenen Drehorte in Niederbayern gekommen?
Wie bei jeder Produktion gibt es einen Location-Scout, der die Orte sucht und den Ausstattern und Szenenbildnern zeigt. Dann kommen einige Orte in die engere Auswahl und man fährt mit Regie und Kamera hin und sucht die Orte aus, die alle erforderlichen Parameter erfüllen. Zu versteckt dürfen sie auch nicht sein, denn wir müssen ja mit den ganzen LKWs hinkommen können.
Wie liefen die Dreharbeiten?
Es lief ganz toll, die Kinder waren wunderbar, sie sind ja auch mittlerweile älter, disziplinierter, professioneller. Die bekommen mit jedem Teil mehr Routine. Das ist ein großer Vorteil und wir sind fast so etwas wie eine Familie geworden. Jeder weiß, wie er den anderen zu nehmen hat, und das macht es natürlich einfacher. Wir hatten wie beim ersten Teil in Prag Hochwasser, das scheint uns zu verfolgen. Aber diesmal sind dadurch keine größeren Katastrophen entstanden.
Inwiefern sind die Kinder erwachsener geworden?
Sie wissen jetzt auch, worauf es ankommt, machen zwischendurch natürlich Quatsch, das gehört ja dazu, aber wenn die Kamera an ist, dann sind sie voll da und sehr professionell.
Wie verlief das Casting für die Biestigen Biester?
Wir haben deutschlandweit gesucht und auch über die Zeitschrift „Sport BILD“ zum Casting aufgerufen. Ich glaube, wir hatten über 500 Bewerbungen, teils sogar mit Video. Nach dem ersten Casting hatten wir doppelt so viele eingeladen wie wir brauchten. Dann kam das Schluss-Casting. An zwei Tagen Intensiv-Workshop haben wir ganz tolle Mädchen gefunden, die spielen und improvisieren können – alles Laien, aber man merkt schnell, wer was kann und wo Spielfreude da ist. Wir haben mit allen Mädchen Fußball gespielt, um zu sehen, wie sie sich bewegen. Viele Mädchen spielten vorher nicht Fußball, sind aber sportlich und mit ein bisschen Übung bekamen sie es so hin, dass es so aussieht, als würden sie schon ihr Leben lang spielen.
Wie haben Sie den kleinen Nick gefunden?
Wir haben viele gecastet und haben uns schon die Haare gerauft, weil keiner so war, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Eines Tages lief mir dann bei ARRI Caroline Link über den Weg und empfahl mir einen ganz tollen Jungen, der noch dazu ein ganz großer Wilde-Kerle-Fan sei. Er kam und wir haben alle Gänsehaut bekommen, denn das war Nerv, der da vor uns stand.
Hatte Uwe Ochsenknecht angesichts dieser Familienproduktion überhaupt eine Chance, „Nein“ zu seiner Besetzung zu sagen?
Ich denke, wir sind jetzt so zusammengewachsen, dass es schade wäre, wenn er nicht mehr dabei wäre. Ich hoffe, dass er das auch so sieht. Es ist toll, mit ihm zu arbeiten und es tut dem Film gut. Ihn als durchgehende Rolle in allen Teilen dabeizuhaben, ist sehr schön.
Wie kam es zur Entscheidung, ihm eine Partnerin zu geben?
Es war schon vom Buch her klar, dass Nerv eine Mutter hat, die einen ganz braven kleinen Jungen haben will. Es hat auch ins Gesamtkonzept gepasst, dass sie eben zu zweit hinter der Bande her sind, und wir empfanden das als eine sehr schöne Variante.
Inwieweit merkt man bei Joachim Masannek mehr Routine bei der Arbeit?
Er hat es schon immer super gemacht und niemand anderes könnte die „Wilden Kerle“ so realisieren. Er weiß genau, was er will, bis hin zur Ausstattung – selbst die kleinsten Details hat er im Kopf.
Wie kam die Zusammenarbeit mit den „Bananafishbones“ zustande?
Wir kennen die Band schon länger und haben mit einem der Brüder, Hans Horn, zusammen an der Filmhochschule studiert. Die Bandmitglieder haben selbst kleine „Wilde Kerle“ und haben Spaß daran mitzumachen. Sie gehören mittlerweile auch zur Familie. Es ist auch schön, dass die Band deutsch singt, denn einen Großteil des Films machen natürlich auch die Musik aus und das Feeling, das sie bringt.
Was macht den dritten Teil so besonders?
Das wissen die Kinder selbst, den darf man nicht verpassen, um zu wissen, wie es weitergeht. Es gibt eine große Fangemeinde, die darauf wartet, und wir werden sie nicht enttäuschen.