Als Emilio Estevez’ Drehbuch in Hollywood die Runde machte, waren die Themen und sein offenkundiges Engagement für das Projekt überzeugend genug, eine überaus bemerkenswerte Besetzung für die 22 Hauptfiguren des Films zu gewinnen. Koproduzentin Lisa Niedenthal sagt: „Es ist selten, ein Drehbuch zu finden, das mit so unglaublich saftigen Rollen strotzt. Die Schauspieler wurden aber nicht nur von den großartigen Figuren angezogen, sondern wollten einfach mit Gleichgesinnten an einem Projekt arbeiten, das allen sehr viel bedeutete.“ Um ihrer Loyalität Ausdruck zu verleihen, erklärten sich sämtliche Darsteller bereit, für den gewerkschaftlich vereinbarten Mindestlohn zu arbeiten.
Der erste Schauspieler, der besetzt werden konnte, setzte den Ball in Bewegung: Oscar-Gewinner Anthony Hopkins. Selbst Jahrzehnte danach hat der Schauspieler eine beeindruckend intensive Erinnerung an den Tag, an dem Robert F. Kennedy ermordet wurde. „Ich weiß noch genau, wo ich damals war“, erzählt er. „Ich saß in einem Schminkstuhl in einem Studio in London, als ich die Nachricht hörte. Ich sagte: ,Sie sind verrückt geworden. Die Welt ist verrückt geworden.’ Zuerst JFK, Malcolm X, Dr. King – und jetzt Robert Kennedy. Ich dachte, dass alles aus den Fugen gerät. Und mein Gefühl war richtig.“
Indem er die Rolle des pensionierten Portiers des Ambassador, John Casey, annahm, erhielt Hopkins zudem die Gelegenheit, an der Seite der Schauspiellegende Harry Belafonte zu spielen. „Es war einfach wunderbar, mit einer derart ehrenwerten Figur aus der Geschichte Hollywoods vor der Kamera zu stehen“, sagt Hopkins über seine Szenen mit Belafonte. „Harry ist an Dynamik nicht zu überbieten, eine echte Naturgewalt, eine revolutionäre Kraft. Der Umstand, dass er persönlich Bobby Kennedy sehr nah gestanden war, machte die Arbeit für mich noch eine Stufe bedeutsamer.“
In der Tat hatte Belafonte ein Treffen mit Kennedy verabredet, das aber wegen seines tragischen Todes nicht stattfinden konnte. „Ich hatte für ihn gearbeitet, und ich kannte ihn ziemlich gut“, sagt Belafonte. „Unser Leben kreuzte sich auf höchst ungewöhnliche und nachhaltige Weise.“ Die persönliche Perspektive, wer Bobby Kennedy war und was er für das Land hätte bedeuten können, war der Grund, warum Belafonte die Rolle des Nelson annahm. „Der Zeitausschnitt, den der Film gewählt hat, hat den Weg nicht nur unserer Nation, sondern der gesamten Menschheitsgeschichte für immer und ewig geändert“, merkt er an.
Belafonte freute sich auch auf die Arbeit mit Hopkins: „Es gab nicht einen Moment in seiner Gegenwart, in der ich mich nicht herausgefordert gefühlt hätte, weil er mit kleinsten Gesten Möglichkeiten eröffnet, die man sich im Vorfeld niemals gedacht hätte“, sagt er.
Hopkins als ersten Schauspieler unter Dach und Fach zu haben, erwies sich als Glücksgriff für die Produktion: Sein Name wirkte beinahe magisch auf seine Kollegen. „Er war einer der Gründe, warum ich bei dem Film mitspielen wollte“, gesteht William H. Macy, der Oscar- und Golden-Globe-nominierte Schauspieler, der als Hotelmanager Paul Ebbers zu sehen ist. Ebbers ist ein Mann, auf den im Verlauf dieses einen historischen Tags eine Vielzahl von persönlichen und professionellen Krisen niederprasseln. „Ich würde auch bei der Verfilmung des Branchenbuchs mitmachen, wenn ich mit Anthony Hopkins vor der Kamera stehen dürfte.“
Aber auch die komplexe Ausarbeitung der Figuren erwies sich für die Schauspieler als absolutes Plus. Die Oscar- und Golden-Globe-nominierte Sharon Stone, die man als Ebbers’ gehörnte Ehefrau sehen kann, liebte die Idee, eine Friseurin in den 60er Jahren spielen zu können. „Mir sagte der Part zu, weil ich glaube, dass der Schönheitssalon in den 60er Jahren so etwas wie die Praxis eines Psychiaters war. Alle Kunden nutzten die Zeit, um über ihre persönlichen Probleme zu sprechen“, berichtet Stone. „Mir gefällt außerdem, wie das Drehbuch damit umgeht, dass Miriam von ihrem Ehemann betrogen wurde. Der Ansatz fühlt sich für die abgebildete Zeit einfach absolut richtig an.“
Sharon Stone findet außerdem, dass am Set von BOBBY eine Atmosphäre herrschte, wie sie das in ihrer vielfältigen und beeindruckenden Laufbahn noch nicht erlebt hatte. „Es war ein ganz poetisches Feeling“, erzählt sie. „Im Ambassador zu sein und all diese mächtigen Momente Revue passieren zu lassen und sich wieder mit dieser Zeit zu befassen... das war etwas wirklich Besonderes.“
Viele Schauspieler merken auch sofort an, dass der Film zwar in der Vergangenheit spielen mag, aber für die heutige Zeit mehr als relevant ist – wo Amerika so entzweit ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Es gibt immer noch ein starkes Bedürfnis, die Menschen wieder zusammen zu bringen“, sagt Demi Moore. „Die Ermordung Bobby Kennedys bewirkte, dass das Land seine Unschuld verlor. Und mit diesem Verlust verband sich auch ein unglückseliger Verlust von Leidenschaft und ein Gefühl der Hilflosigkeit, das bis heute andauert.
Moore spielt eine der traurigsten Figuren des Films, die Sängerin Virginia Fallon, eine einstmals glamouröse Sängerin, die kurz vor ihren letzten Auftritten im Ambassador auf dem Tiefpunkt angekommen ist. „Dies war das erste Mal, dass ich eine Frau spielen konnte, die viel zu viel trinkt“, merkt Moore an. „Das ist anstrengend und aufregend zur gleichen Zeit, weil man sich nicht wirklich darum kümmern muss, wie man aussieht. Das ist in diesem Moment irrelevant. Es ist sehr ursprünglich, sehr roh, wenn man sich an einen derart ursprünglichen Ort in der Seele begibt, wenn man dem Körper die Erlaubnis gibt, wirklich alles zu machen. Man muss sich nicht selbst zensieren. Man kann sein und sagen, was immer man will.“
Moore war ganz besonders angetan davon, mit ihrem langjährigen Freund Emilio Estevez arbeiten zu können, für den sie bereits in dessen Regiedebüt, Wisdom – Dynamit und kühles Blut (1986), vor der Kamera gestanden har. „Obwohl er selbst auch der Autor ist, betrachtete er sein Geschriebenes nicht als etwas Heiliges“, sagt sie. „Er gibt viel, aber er kontrolliert nicht. Er ist offen für Improvisationen von Seiten der Schauspieler, weil er ihnen absolut vertraut. Er erlaubte es uns, zu erschaffen und zu teilen. Und gleichzeitig war er auch stets der Anführer, der uns leitete.“
Laurence Fishburne spielt einen Küchenchef, der ganz eigene Vorstellungen davon hat, wie man mit einer rassistischen Gesellschaft umgeht. Fishburne kann ebenfalls auf eine lange zurückreichende Verbindungen mit Estevez verweisen. Die beiden sind befreundet, seitdem sie 14 Jahre alt sind. Auf das Drehbuch wäre Fishburne aber auch angesprungen, wenn es von einem völlig Fremden verfasst gewesen wäre. „Ich wusste einfach, dass wir mit diesem Film Menschen aus allen Generationen ansprechen würden“, sagt er.
Für Martin Sheen, den Vater von Emilio Estevez, handelte es bei dem Projekt auf vielen verschiedenen Ebenen um ein Werk, in dem viel Liebe steckt. Zunächst war er natürlich stolz darauf, seinen Sohn als Regisseur eines derart ambitionierten Werkes zu sehen. Gleichzeitig bedeutete BOBBY für ihn die Fortsetzung seiner lange währenden Beziehung mit der Kennedy-Familie. 1974 hatte der Emmy-prämierte Schauspieler selbst Robert Kennedy gespielt, in dem Fernsehfilm „The Missiles of October“. In BOBBY sieht man ihn in einer anderen Rolle, als wohlhabenden Mann von der Ostküste, der eine Therapie begonnen hat, um seinen privaten Problemen auf den Grund zu gehen – was seine jüngere Ehefrau Samantha, gespielt von der Oscar- und Golden-Globe-Gewinnerin Helen Hunt, nur ungern sieht.
„Robert Kennedy war einer meiner großen persönlichen Helden“, sagt Sheen. „Bis zum heutigen Tag ist er ein steter Quell der Inspiration für mich geblieben. Ich habe das Privileg, für die Robert F. Kennedy Memorial Foundation zu arbeiten. In jedem der letzten Jahre habe ich als Sprecher von Filmen gewirkt, die sich mit dem Engagement der Foundation für soziale Gerechtigkeit befassen und das Werk von Robert Kennedy fördern.“
Sheen fährt fort: „Ich halte es für wichtig, unsere Helden zu feiern und zu versuchen, andere Menschen dazu zu inspirieren, höhere und menschlichere Ziele für unsere Mitmenschen zu verfolgen. Dieser Film macht genau das, weil er im Geiste von Robert Francis Kennedy gedreht ist. Dass mein Sohn die Verantwortung dafür trägt, macht mich hoffnungslos stolz.
Einige der jüngeren Stars wurden durch den Film überhaupt erst mit dem Idealismus vertraut gemacht, der die Zeit vor der Wahl 1968 bestimmt hatte. Joshua Jackson, den man als jungen Kennedy-Helfer sieht, meint: „Was mich für meine Figur einnahm, war, dass ich es für wahnsinnig cool halte, wirklich an etwas glauben zu können, ohne gleich eine extreme Position zu beziehen. Die Kids, die für Kennedy arbeiteten, gaben alles, was sie geben konnten, denn das war eine Zeit, in der man sich noch nicht von der Politik abgewandt hatte.““
Das Studium der Reden Kennedys hatte eine profunde Wirkung auf Elijah Wood, den jungen Filmstar, der mit seiner Darstellung des Hobbits Frodo in den Herr der Ringe-Filmen weltberühmt wurde und hier als William Avary zu sehen ist, der heiraten will, um nicht mehr nach Vietnam eingezogen werden zu können.
„Kennedys Worte sind so unglaublich kraftvoll und sprachen mich wirklich an“, findet Wood. „Speziell wenn man sieht, was uns in unserer heutigen Welt fehlt. Seit seinem Tod hatten wir keinen wirklichen politischen Führer mehr, der für so viele Menschen spricht und den Menschen ein Gefühl vermittelt, dass sich im Land die Dinge wirklich zum Besseren wenden könnten. Es ist unglaublich traurig, wenn man realisiert, dass mit den tödlichen Schüssen auf Bobby auch die Hoffnung für das Land getroffen wurde.“
Andere in der Besetzung sehen den Film als Aufruf an eine neue Generation, die die Dinge im Land in eine neue Richtung lenken könnte. „Ich glaube, dass viele Dinge, die sich 1968 abspielten – der Vietnamkrieg, Armut, Bürgerrechte – ihre direkte Entsprechung in der heutigen Zeit finden“, sagt die ehemalige Yale-Studentin Joy Bryant, die man als Telefonfrau des Hotels sehen kann. „Ich denke, dass man manche der Ideale der 60er Jahre übernehmen und etwas modernisieren könnte. Wir können das nicht wieder einfangen, was damals passiert ist. Wir können uns nicht mehr vollständig davon erholen. Aber wir können nach vorne schauen.“
Die russische Schauspielerin Svetlana Metkina sieht man als hartnäckige tschechische Journalistin. Als jemand, der aus einem Land kommt, das einst zum Eisernen Vorhang gehörte, hat sie eine ganz eigene Perspektive. Sie sagt: „Für mich geht es in diesem Film um mehr als nur eine Einzelperson. Es geht um uns alle – damals und heute. Bobby Kennedy wusste, wie wichtig Freiheit für alle Menschen auf der Welt ist. Das bedeutet jemandem viel, der in einem kommunistischen Land groß geworden ist.“
Selbstverständlich teilen nicht alle Figuren des Films diese inspirierende Sichtweise. Christian Slater stand vor der Aufgabe, den Küchenmanager Timmons zu spielen, der seinen Hass und Wut auf die in erster Linie hispanischen Angestellten kaum unterdrücken kann. Slater erklärt: „Timmons steht für die Menschen, die die Vorstellung von Veränderung und die Richtung, die Robert Kennedy für das Land vorgesehen hat, einfach nicht gut finden. Er entstammt einer ganz alten Denkschule. Und – ganz ehrlich – er ist ein Rassist.“
Timmons Zorn entlädt sich in besonderer Weise auf den Küchenarbeiter Jose Rosas, der es einfach nicht fassen kann, dass er an dem Abend, an dem Dodgers-Werfer Don Drysdale womöglich seine rekordverdächtige Serie fortsetzt, eine Doppelschicht arbeiten muss. Jose wird von Freddy Rodriguez gespielt, den man vor allem als künstlerisch begabten Leichenbestatter aus der gefeierten TV-Serie „Six Feet Under“ kennt.