1966, drei Jahre nach der Ermordung seines Bruders John F. Kennedy und zwei Jahre bevor sein eigenes Streben nach der Präsidentschaft abrupt durch einen blutigen Anschlag beendet wurde, hielt Robert F. Kennedy eine Rede in Südafrika. Seine damals gewählten Worte fassen seine Weltsicht perfekt zusammen. Er sagte: „Immer, wenn sich ein Mensch für ein Ideal einsetzt, wenn er das Leben eines Anderen zu verbessern versucht, wenn er sich gegen Ungerechtigkeit erhebt, schickt er eine kleine Woge der Hoffnung los. Wenn sich diese kleinen Wogen, ausgehend von Millionen verschiedener Energiezentren, kreuzen, werden sie einen Strom ergeben, der jeden noch so mächtigen Wall der Unterdrückung und des Widerstands hinwegfegen kann.“ Kennedys eigenes Leben war so eine Woge der Hoffnung, zumindest für einen kurzen und bedeutenden Augenblick.
Robert F. Kennedy war der dritte Sohn von Joseph P. Kennedy und das siebente von insgesamt neun Kindern. Den ersten Teil seines Lebens verbrachte er im Schatten seines älteren Bruders. Nach dem Tod des ältesten Kennedy-Sohns Joe Jr. im Jahr 1944 wurde John F. Kennedy die große Hoffnung der Familie. Bobbys Bestimmung war es, den politischen Aufstieg seines Bruders zu unterstützen. 1952 leitete Bobby den Wahlkampf seines Bruders um den Senatsposten. 1960 half er ihm, von den Demokraten als Kandidat für den Präsidentschaftswahlkampf nominiert und schließlich zum Präsidenten der USA gewählt zu werden. JFK ernannte seinen Bruder zum Justizminister, der Beginn einer der engsten und intimsten Beziehungen, die ein Präsident in der amerikanischen Geschichte jemals mit einem seiner Berater hatte. Bobby Kennedy war aus der kurzen Kennedy-Administration nicht wegzudenken und spielte eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Kubakrise und bei Fragen der Bürgerrechte. Die Administration hatte gerade ihren Rhythmus gefunden, als John F. Kennedy ermordet wurde. Er hinterließ eine traumatisierte Nation – und einen Bruder, der untröstbar war und in sich ging, um seine Weltsicht zu hinterfragen.
Nach dem Tod des Bruders durchlief Robert F. Kennedy eine sichtbare Veränderung, die einen entscheidenden Einfluss auf seine eigene ursprüngliche politische Vision hatte. Der einstmals rücksichtslose Kreuzzügler war durch die Zeit des Leidens und der Trauer wie ausgetauscht, viel verletzlicher und empfindsamer als zuvor. Er begann von der Veränderung einer Gesellschaft zu reden, die sich auf moralische Handlungen und Mitgefühl aufbauen sollte. Er sprach in einer sehr einfachen, emotionalen Sprache über eine große Bandbreite an Themen wie Bürgerrechte, Freiheit, Demokratie, Armut, Menschenrechte, Bildung, Gesundheitswesen, Krieg und Frieden. Aber er ließ es nicht bei Worten bewenden – er blieb bis zu seinem Tod ein Mann der Tat, besuchte Lager von Wanderarbeitern, städtische Ghettos und das Mississippi Delta, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, wie die Armen wirklich leben. Er traf sich mit afroamerikanischen Aktivisten, um ihre Belange besser zu verstehen. Und er ließ keine Gelegenheit ungenutzt, mit Menschen am Rand der Gesellschaft, mit Benachteiligten zu sprechen. Er wurde die Stimme für all die Amerikaner, die zuvor keine Stimme gehabt hatten.
1968 eskalierte der Krieg in Vietnam, die Unruhen im eigenen Land nahmen zu, die Administration von Lyndon B. Johnson geriet ins Wanken. Robert F. Kennedy steckte in einer Zwickmühle. Obwohl er nach dem Tod seines Bruders eigentlich nicht für das Präsidentschaftsamt kandidieren hatte wollen, wurde er von der schieren Kraft von Millionen von einfachen Amerikanern, die sich von ihm vertreten lassen wollten, förmlich in den Wahlkampf gezwungen. Kennedy ging mit einer völlig anderen Agenda als die anderen Kandidaten ins Rennen. Er wollte nicht nur den Krieg in Vietnam beenden. Er wollte die Struktur des ganzen Landes verändern und die Leidenschaft neu erwecken, nicht nur die USA, sondern die ganze Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sein persönlicher Stil war nicht minder einzigartig: Er brachte radikalste kreative Ideen mit im Grunde konservativen Werten wie Selbstaufopferung, Moral und harter Arbeit unter einen Hut.
Während sein Rivale bei den Demokraten, Eugene McCarthy, vor allem bei Jugendlichen und Intellektuellen punktete, sprach Kennedy eine breitere Masse an, die Jungen und Alten, die Reichen und die Arbeiter, alle Hautfarben. Journalisten verglichen den Eindruck, den er bei den Massen hinterließ, mit dem eines Rockstars. Die Menschen kreischten, wenn sie ihn kommen sahen, und drängten sich in seine Nähe, um ihn berühren zu können, als ging von seiner bloßen Anwesenheit Magie aus. Kennedy schien mit seiner Art die größten Hoffnungen und Träume der Menschen direkt anzusprechen.
In der Nacht, in der Bobby Kennedy erschossen wurde, schien es, als wäre seine Vision einer besseren Zukunft für immer von der eskalierenden Gewalt in Amerika zerstört worden. Aber die Geschichte war noch nicht vorbei. Kennedys Erbe inspiriert bis heute Millionen, die immer noch an das Versprechen von menschlicher Kreativität und Mitgefühl glauben. Seine Arbeit lebt in denen weiter, die immer noch Veränderung herbeiführen wollen, wie auch durch das Robert Kennedy Memorial, das sich für eine friedliche und gerechte Welt einsetzt mit Programmen, die den Benachteiligten und Unterdrückten Hilfe zusichern, die sich den schwersten Problemen annehmen, die unsere Gesellschaft im Moment beschäftigen.