Am Anfang stand der Comic-Roman 30 DAYS OF NIGHT: Die berühmte Graphic Novel von Steve Niles und Ben Templesmith wurde im Jahre 2002 erstmalig veröffentlicht. Obwohl es nur drei Bände von dieser Reihe gibt, wirkte sich die Veröffentlichung sehr positiv auf die Karriere der beiden Autoren aus. Ihr Ansatz, Vampir-Geschichten zu erzählen war ebenso neu wie deren Look und so läutete die Arbeit der beiden Comic-Enthusiasten ein Comeback des Horror-Comics ein.
„Wir waren von der Idee begeistert, dass Vampire die Stadt Barrow in Alaska heimsuchen, sobald die einmonatige Sonnenfinsternis eingetreten ist“, meint Rob Tapert. Gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner Sam Raimi gründete er Ghost House Productions, um diese Geschichte für die große Leinwand zu adaptieren. „Wir mochten das Projekt deshalb so gerne, weil es uns an die Horrorfilme unserer Jugend erinnerte, die wir auch heute noch sehr lieben. Für Sam und mich bedeutet 30 DAYS OF NIGHT eine Art Rückkehr zu unseren TANZ DER TEUFEL-Wurzeln.“
Für die Regie bei diesem Projekt konnten sie David Slade gewinnen, dessen erster Film HARD CANDY die beiden Produzenten unglaublich beeindruckt hatte. „Davids Stil ist einzigartig”, sagt Tapert. “Er weiß genau, was er will und findet auch stets Wege, wie er es erreichen kann. Danach überlegt er sich, wie er seine Ziele gemeinsam mit den Schauspielern realisieren kann. Seine Einstellungen sind sehr dicht, er dreht viele Nahaufnahmen und hat ein phantastisches Gespür für Details. Das wertet seine Filme unglaublich auf.“
“Ich habe mir damals die Erstausgabe von 30 DAYS OF NIGHT gekauft – lange bevor ich von den Verfilmungsplänen erfahren habe“, gesteht David Slade. „Ich liebe Ben Templesmiths Illustrationen – besonders das Bild von Eben, als er die Vampire zum ersten Mal sieht. Nachdem ich die Arbeit an meinem ersten Film abgeschlossen hatte, gab es ein Treffen bei Columbia Pictures, wo ich erfuhr, dass sie die Verfilmungsrechte besaßen. Daraufhin meinte ich wohl nur: ‚Ich würde mir einen Arm ausreißen, um diesen Film zu machen.’“
Als es darum ging, den Look des Films zu entwickeln, besann sich Slade auf den Ursprung der Geschichte: „Ich wollte ganz nahe an den Illustrationen von Ben Temlesmith bleiben, da ich sie einfach großartig finde“, verrät er. Die Maskenbildner arbeiteten zwar mit Gummi und Prothesen, dennoch wurde das Ganze auf ein Minimum reduziert. „Ich wollte an den Gesichtern der Vampire nur soviel ändern, dass sie weniger menschlich wirken. Trotzdem sollten sie echt erscheinen. Sie sind menschlich genug, um als Menschen wiedererkannt zu werden, dennoch unterscheiden sie sich deutlich von uns.“
Auf die Frage, worauf es ihm bei der Gestaltung der Vampire ankam, antwortet Ben Templesmith, dass ihm ein radikaler Bruch mit der Tradition vorschwebte: „Es ging mir um die reine Wildheit, gepaart mit einer Spur Fremdartigkeit. Der klassische Vampir hat ja immer etwas von einem Grufti oder auch einem romantischen Zuhälter. Mir schwebten dagegen Fressmaschinen vor.“
Um ihre Visionen auf der Leinwand lebendig werden zu lassen, wandten sich die Filmemacher an die neuseeländischen Effektkünstler von Weta Workshop, die bereits Meisterwerke wie „Der Herr der Ringe“ oder „Die Chroniken von Narnia“ veredelten und dafür mit dem Oscar® ausgezeichnet wurden. „Wir wollten die Illustrationen aus der Graphic Novel möglichst werkgetreu wiedergeben, gleichzeitig schwebte uns auch eine Neudefinition der „Nosferatu“-Figur vor: sozusagen ein schockierender Originalentwurf für eine neue Generation von Vampir-Liebhabern“, umschreibt Tapert das selbsternannte Ziel. „David Slade setzte sich mit Gino Acevedo von Weta und dem Konzeptkünstler Aaron Sims zusammen, um den endgültigen Look zu definieren.
Dann arbeiteten David und Aaron in Los Angeles weiter an den Entwürfen. Gino setzte diese zweidimensionalen Skizzen am Rechner in dreidimensionale Lebewesen um. Gemeinsam mit einem Team von hoch spezialisierten Technikern übernahm Gino auch das Modellieren, die Herstellung, die Einfärbung und das Auftragen der Prothesen. Sie hielten sich genauestens an die Ästhetik, die David und mir für die Vampire vorschwebte.“ Zum Markenzeichen seiner filmischen Neuinterpretation des Vampir-Mythos meint David Slade: “Es wird viel Rot zu sehen sein.”
Josh Hartnett, der die Rolle von Eben, dem Sheriff von Barrow übernommen hat, war beeindruckt, wie es das Original-Comicbuch schafft, die verschiedenen Perspektiven des Genres zu vereinen. „Es ist lustig und gruselig gleichzeitig – und dennoch eine klare und einfache Geschichte. Mir als Schauspieler gefiel natürlich besonders, dass sie sich stark an den Charakteren orientiert. Wenn die Figuren einer Geschichte interessant angelegt sind, kann man ihr einfach besser folgen. Dann fällt auch der Sprung ins Übernatürliche nicht mehr schwer.“
Vor der Vertragsunterzeichnung traf sich Hartnett mit Regisseur David Slade, um mit ihm über seine Vorstellungen zu sprechen. „Wir waren in einer Bar, in die ich seit meinem 21. Geburtstag gehe. Ich kenne diesen Ort also sehr gut. Als wir wieder gingen, machte er ein paar Bilder von der Bar und schickte sie mir ein paar Tage später in einer E-Mail. So wie er sie belichtet hatte, wirkten sie unglaublich gespenstisch. Ich habe sie auf den ersten Blick gar nicht wieder erkannt“, erzählt der Schauspieler. „Da wusste ich, dass David etwas richtig Gruseliges hinbekommen würde.“
Die im Horror-Fach erfahrene Schauspielerin Melissa George (THE AMITYVILLE HORROR) übernahm die Rolle von Hartnetts Filmehefrau Stella. Die beiden haben sich während ihrer Ehe voneinander entfremdet. „Stella ist eine sehr starke Frau“, erzählt George. „Sie ist hart im Nehmen, gleichzeitig aber auch sehr verletzlich. Diese Kombination hat mir sehr gefallen. Die drei wichtigsten Dinge in ihrem Leben sind die Menschen ihrer Stadt, ihr Ehemann Eben und ihre Waffe.“
Der vielseitige Schauspieler Danny Huston spielt Marlow, den Anführer der Vampirgang. „30 DAYS OF NIGHT repräsentiert eine bestimmte und sehr eigene Art des Filmemachens. Er wird dem Publikum Angst einjagen“, ist sich Huston sicher. „Da der Film auf einer visuell außergewöhnlichen Graphic Novel basiert, sieht er unglaublich stilvoll aus. Die Vampire sind keine Allerweltsblutsauger – falls es solche überhaupt gibt“.
“Ich habe ziemlich viel Mitleid mit Marlow”, witzelt Huston weiter. „Da wir jede Nacht durcharbeiteten, durchlebte ich selbst eine Art Vampir-Dasein. Auf der Heimfahrt vom Drehort fühlte ich mich im frühen Sonnenlicht sichtlich unwohl. All die Prothesen, die ich für die Rolle tragen musste – die Fingernägel, die Zähne oder auch die Augen – waren auf Dauer etwas unbehaglich. Das Vampirdasein ist eher ein ziemlich hartes Leben.“