Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:47 Uhr
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    Thriller, Drama, Romanze | Deutschland / Frankreich / Italien / Rumänien / USA 2007
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      • | Produktion: Die Sprache

      • Die vielen Sprachen, die mit Unterbrechungen in JUGEND OHNE JUGEND zu hören sind, sind authentisch, einige von ihnen so alt, dass sie in historischen Texten und Handschriften erforscht werden mussten. In einem Fall wurde die Sprache künstlich „entwickelt“ – aber mit einer solchen Vollständigkeit, dass sie ansatzweise die Basis einer neuen Sprache sein könnte.

        Sprache selbst ist der Lebenssaft von JUGEND OHNE JUGEND. Dominic hat Sprachen sein Leben lang studiert, denn er glaubt, dass in ihnen der Schlüssel für das Verständnis der Bewusstseinsbildung liegt. Sein letztes Ziel ist die Entdeckung der „Proto-Sprache“ – der ersten menschlichen Äußerungen, die dazu dienten, einen Gedanken, eine Idee oder ein Gefühl zu vermitteln.
        Die Sprachen mussten ernst genommen werden, nicht nur wegen ihrer äußerst wichtigen Stellung innerhalb der Erzählung, sondern praktisch gesehen auch deshalb, weil die Schauspieler sie korrekt und überzeugend sprechen mussten. Während der frühen Phase der Vorproduktion bat Coppola seinen Regieassistenten Anatol Reghintovschi dieses Thema zu recherchieren. Als die Schauspieler zu den Proben eintrafen, hatte Reghintovschi ein Team von Linguistik-Experten organisiert. Jeder hatte seinen eigenen Spezialbereich; als Einheit machten sie Übersetzungen, schlugen Quellen vor und brachten den Schauspielern Sanskrit, Altbabylonisch, Ägyptisch, Chinesisch und anderes bei. Zu den Lehrern gehörten Dr. Radu Bercea aus Rumänien, Prof. Dr. Harry Falk von der Freien Universität Berlin, Dr. Wendy Doniger von der Universität von Chicago und Professor Fabio Scialpi vom Orientalischen Institut Rom. Mehr moderne Sprachen wurden von Lehrern ortsansässiger Schulen wie Bukarests Institut für Östliche Studien gelehrt.

        „Das Studium alter Sprachen klärt uns über unsere Kultur auf“, so Reghintovschi. „Der Ursprung der Sprache – wie das Skript, die Erzählung und tausend andere großartige Bücher feststellen – ist der Ursprung der Menschheit. Jede Sprache, einschließlich Englisch, hat bis heute im Laufe ihrer Entwicklung Botschaften aus unserer fernen Vergangenheit angesammelt. Diese versteckten Botschaften findet man in ihren tiefen Strukturen, Intonationen oder Rhythmen; die Musik der Sprache, Eigenheiten, Struktur von Wörtern – das alles kommt direkt aus prähistorischen Zeiten zu uns, geformt von unermesslich vielen Generationen.“
        Sanskrit ist die dominierende Sprache, denn sie ist die große klassische Sprache Indiens. „Es ist eine wundervolle alte Sprache, in der die allerbesten Geschichten der Welt erzählt werden, Geschichten, die die Quelle der Fabeln von Äsop, Tausendundeiner Nacht und vielen anderen sind“, so Dr. Doniger. Sanskrit-Literatur umfasst wissenschaftliche, technische, philosophische und religiöse Texte. Alles andere als „tot“ lebt Sanskrit stückweise in zahlreichen indischen Dialekten und in vielen veröffentlichten Büchern Jahr für Jahr weiter. Es gibt eine tägliche Nachrichtensendung in Sanskrit an jedem Ort in Indien.

        Sanskrit war Dr. Berceas wichtigste Aufgabe, aber er brachte Tim Roth, der den Linguistik-Professor Dominic spielt, auch lateinische Verse aus Virgils Aeneid bei.

        Als die Figur der Veronica (Alexandra Maria Lara) in und aus verschiedenen Realitäten gleitet, spricht sie Sanskrit, Altägyptisch und Babylonisch. Entscheidend beim Klang der anderen Stimmen war tatsächlich die „beste Einschätzung“ der Lehrer, die die Wurzeln, Phoneme und die „Sprach-Genitrix“ (ererbte Muster) untersuchten. Sie studierten außerdem Hieroglyphen und Inschriften. Für alle Sprachen in der Story gibt es ein Alphabet und Texte aus der Antike.
        Der Bedarf einer künstlichen Sprache ergibt sich am Ende der Story. Bis dahin hat Dominic viele Jahre im Exil verbracht, von neutralem Boden aus hat er den Aufstieg des Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus beobachtet. Die Kriegsjahre waren tragisch und schrecklich, noch schlimmer für Dominic ist das Atomzeitalter. Überzeugt, dass die Welt sich selbst zerstören wird, beschließt er, seine Notizen in einer selbst erfundenen Sprache zu verfassen, die nur ein Computer in ferner Zukunft entschlüsseln kann. Er lagert diese Notizen in einem sicheren Schließfach in einer Genfer Bank, relativ zuversichtlich, dass sie eine atomare oder nukleare Explosion überleben werden.

        Die Sprache wurde von David Shulman erschaffen, Professor der Human- und indischen Wissenschaften an der Hebrew University von Jerusalem. „Es dauerte nicht lange“, sagt er, „nur ein paar Stunden. Alles, was ich brauchte, war eine grammatikalische Grundlage und genügend Wortstämme, um tatsächlich etwas ausdrücken zu können. Ich musste verschiedene Abstraktionen auf der Basis weniger Wörter erfinden. Ich wollte etwas Spielerisches und Originelles machen, mit interessanten und ungewöhnlichen Klängen.“
        Geboren in Iowa zog Shulman im Alter von 18 Jahren nach Israel, unter anderem deshalb, weil er Hebräisch sprechen wollte. Er machte sein Diplom in Islamwissenschaften und spricht fließend Arabisch, unterrichtet aber nur Sanskrit und einige indische Dialekte. „Das verbale System ist immer das Herz der sprachlichen Organisation der ,Realität‘ – was zählt ist Zeit, Prozess, Ereignis und so weiter“, erklärt er. Aus diesem Grund besteht die Sprache, die er erfunden hat, nur aus zwei Klassen von Verben, die eine gehört in die Welt der Vorstellungskraft (inneres Befinden, Träume, Gefühle) und die andere in die objektive Realität.

        Shulmans künstliche Sprache ist „gegenwartsorientiert“ – das heißt, sie macht keinen Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft, nur zwischen a) laufenden Handlungen und b) in diesem Moment abgeschlossenen Handlungen. Diese Unterscheidung nennen Linguisten „Aspekt“.
        Die Produktion schickte Shulman die Zeilen, die in die neue Sprache übersetzt werden mussten, und er sandte sie mit den erfundenen Wörtern darunter zurück. Er schickte Grundregeln für die Aussprache mit, nachdem er diese selbst in einem Studio an der Hebrew University aufgenommen hatte. Außerdem stellte er die Struktur der Sprache grafisch da. Shulmans Diagramme sind im Film zu sehen, auf einer Tafel neben Tim Roth, in der Szene, in der er die Sprache vorträgt.

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