Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:47 Uhr
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  • Jugend ohne Jugend

    Thriller, Drama, Romanze | Deutschland / Frankreich / Italien / Rumänien / USA 2007
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      • | Interview mit Francis Ford Coppola

      • Wie verstehen Sie das menschliche Bewusstsein – verstehen Sie wirklich dessen Grundlagen? Womöglich kommt eines Tages ein Marsmensch auf die Erde und sagt „Ihr Menschen habt da diese Sache, die ihr Bewusstsein nennt. Wir glauben nicht, dass wir so etwas auch haben. Könntet ihr uns erklären, was es ist, wie es sich anfühlt?“ Und was würden Sie sagen? Sie würden sagen. „Naja, es ist eine Art Wissen, bei dem die Kenntnis über sich selbst mit einbezogen wird. So ist der Prozess meines Wissens mit einer Persönlichkeit verbunden, die ich tatsächlich als mein Ich empfinde. Das heißt, ich bin mir meines Denkens bewusst.“


        Also bedeutet das: Wenn Sie denken, denken Sie zugleich, dass Sie denken?

        Ja, in gewisser Weise schon. Es bedeutet, dass ich mit einer Identität denke – einer emotionalen Identität. Also bin ich mir bewusst, dass ich denke. Ich bin mir meines Ichs bewusst.


        Herzlichen Dank für diese Erklärung des Gewissens. Wir, die wir von einem anderen Planeten kommen, haben Intelligenz. Das bedeutet, dass wir denken können. Wir können Probleme verstehen, aber wir haben das Gefühl, dass Menschen einen geheimnisvolleren Zugang zu ihrem Innersten besitzen, den wir wohl nicht haben. Könnten Sie diesen Zugang beschreiben?

        Nun, ich kann es versuchen. Es ist so, wie ich es gesagt habe: Wenn man ein Wesen mit nur einem Auge ist, sieht man nur Länge und Weite ohne jeglichen Sinn für Tiefe. Jetzt fügen sie ein zweites Auge hinzu und dieser Unterschied – diese neue Tiefenperspektive – ist eine Art Bewusstsein. Dennoch ist menschliches Bewusstsein nicht einfach die dritte Dimension. Es ist eine vielfache Dimension und diese existiert in den Gedanken, im Argumentieren, in Gefühlen, in Bildern, denn sie stützt sich auf Erinnerungen.


        Das ist sehr interessant. Ich verstehe, was Sie mit der dritten Dimension meinen. Aber eine Person mit nur einem Auge, die niemals drei Dimensionen wahrnehmen würde, könnte dieses Konzept nicht verstehen. Vielleicht kann ich deshalb das Bewusstsein nicht begreifen.

        Das stimmt genau. Das ist genau das, was ich zu sagen versuche. Es ist eine Ganzheit, die vielfältig ist, aber nicht vielfältig im Sinne von verschiedenen kleinen Kategorien. Sie ist vielfältig im Sinne ihres Potenzials, drei Dimensionen für ein größeres Bild und einen größeren Zugang zum eigenen Ich erleuchten zu können. Ich denke, das ist das Bewusstsein.


        Oh. Sehr interessant. Ich verstehe gar nichts.

        Nun, deshalb habe ich ja beschlossen, diesen Film, JUGEND OHNE JUGEND, zu drehen, um selbst diese Vorstellung besser begreifen zu können.


        War das der Fall? Verstehen Sie diese Ideen und sich selbst jetzt besser, nachdem Sie diesen Film gedreht haben?

        Ich denke schon. Ich habe immer gesagt, dass ich mich für das Bewusstsein und für die Zeit interessiere, denn Film funktioniert erfahrungsgemäß gut auf diesen beiden Ebenen. Aber jetzt glaube ich, dass ich vor allem vom Bewusstsein fasziniert bin, denn Zeit ist ja eine Erfindung des Bewusstseins. Genau davon handelt diese Geschichte. Die Realität, in der wir leben, geht weit über unsere unmittelbaren Wahrnehmungen hinaus. Schon als Kind wusste ich, dass die Sterne keine kleinen Feuerbälle am Himmel sind.


        Was ist denn dann das wahre Wesen der Realität?

        Es ist eine Art wechselnde Dekoration der Illusionen. Genau das ist auch dieser Film: eine Dekoration der Illusion.


        Interessieren sich die Menschen für solche Filme?

        Naja, der Film hat auch eine wunderschöne Liebesgeschichte und ein einzigartiges Geheimnis. Ich habe versucht, die Story so aufzubauen, dass sich die Zuschauer nicht sofort mit der Erforschung des Bewusstseins auseinandersetzen müssen. Aber später, wenn sie den Film erneut sehen, wenn sie ihn aus dieser Perspektive betrachten wollen, können sie das, und sie werden weitere Dimensionen der Story entdecken. Das ist die Art von Filmen, die ich am liebsten mache: Filme, die mehr geben, als die Menschen von sich aus geben.

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