Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:47 Uhr
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  • Jugend ohne Jugend

    Thriller, Drama, Romanze | Deutschland / Frankreich / Italien / Rumänien / USA 2007
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      • | Vorwort des Regisseurs Coppola

      • ch wurde erstmals von Wendy Doniger, einer Freundin aus der High School, auf „Youth Without Youth“ aufmerksam gemacht. Sie tat mir den Gefallen, ein Drehbuch zu lesen, „Megalopolis“, an dem ich seit Jahren gearbeitet hatte und das ich einfach nicht zu Ende bringen konnte. Ich hatte so eine Vorahnung, dass mir Wendy, mittlerweile eine hervorragende Professorin für Südasienkunde an der Universität von Chicago, Aufschluss über einige der schwierigen Konzepte innerhalb der Story geben könnte – und das tat sie. Wir diskutierten über die zwei Bereiche der Filmsprache, die mich schon immer interessiert hatten, Zeit und Unterbewusstsein.

        Ihre Reaktion auf das Drehbuch war ermutigend. Noch wichtiger aber war, dass sie ein paar faszinierende Zeilen aus „Youth Without Youth“, einer Erzählung ihres Mentors Mircea Eliade einfließen ließ. Ich beschloss, die Geschichte selbst zu lesen. Kurz nachdem ich angefangen hatte, dachte ich plötzlich: „Ich kann aus dieser Story einen Film machen. Ich werde es niemandem sagen. Ich werde einfach damit anfangen.“
        Die Geschichte berührte mein Leben. Wie die Hauptfigur Dominic war ich gequält und verblüfft von meiner Unfähigkeit, ein bedeutendes Werk abzuschließen. Mit 66 Jahren war ich frustriert. Ich hatte seit acht Jahren keinen Film mehr gemacht. Meine Geschäfte liefen gut, aber mein kreatives Leben war unerfüllt.

        „Youth Without Youth“ war in gewisser Weise wie „The Twilight Zone“ – ein alter Mann, ein Professor, wird wieder jung. Er verwendet die Extrazeit dafür, seine Forschungen über den Ursprung der Sprache fortzusetzen. Ich wollte zum persönlichen Filmemachen zurück. Das hieß: niedrige Budgets. Die Story war in Rumänien angesiedelt. Rumänien! Es gefiel mir immer schon, aus dem Zentrum der Dinge herauszukommen; von L.A. nach San Francisco zu ziehen war genau dasselbe. Also begann ich heimlich damit, über die Rechte an der Erzählung zu verhandeln. Ich fing an, darüber nachzudenken, wie ich diesen Film drehen würde, obwohl ich – noch – keinen Film zu drehen hatte. Ich nahm ein Notebook und fing an, die Story herunterzuschreiben. Plötzlich gab es Hoffnung.

        Ich hatte schon die Kamera und hatte kurz zuvor ein Set mit hochempfindlichen Linsen gekauft, ich hatte aber immer noch keinen Film zu drehen. Ich begann, Theorien über den Stil anzustellen. Wie der große japanische Regisseur Ozu würde ich die Kamera nicht bewegen. Das war kein originärer Einfall und nur ein Anfang für einen Stil, aber vielleicht könnten meine Erforschungen von Zeit und Unterbewusstsein dem Vokabular des Kinos ein paar neue Wörter hinzufügen. Das war etwas, was ich schon lange machen wollte.

        Meine Lebensgeister waren erwacht. Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden ausging, fühlte ich mich gut, weil ich ein Geheimnis hatte, von dem niemand wusste – ein in mir brodelnder Film. Als ich das Drehbuch fertig hatte, reiste ich mit meiner Enkelin Gia nach Rumänien. Wir übernachteten im Haus eines amerikanischen Freunds, der eine alte, riesige Arzneimittelfirma übernommen hatte und die er in ein EU-kompatibles Unternehmen verwandeln wollte.

        Das gab mir Deckung: Ich war ängstlich darauf bedacht, nicht als berühmter Filmregisseur mit einem großen Budget umgarnt zu werden. Gia und ich reisten durch Rumänien, besuchten all die wirklich existierenden Adressen aus der Erzählung. Es war ein Spaß und ein Abenteuer. Nach und nach bastelte ich den Entwurf für einen Film zusammen, den ich selbst finanzieren konnte. Es war eine Befreiung, nicht mit dem Hut in der Hand zu den Finanzmenschen und Studiobossen gehen zu müssen.
        Ich ließ alles ganz simpel. Als ich mir sicher war, dass es funktionieren würde, holte ich zwei vertrauenswürdige Kollegen hinzu, Anahid Nazarian und Masa Tsuyuki – und die Kamera. Ich fing damit an, Schauspieler in einem Büro der Arzneimittelfabrik meines Gastgebers zu testen. Es gibt über fünfzig Rollen in „Youth Without Youth“ – wie viele davon konnte ich wohl vor Ort casten?
        Aber ich hatte einen noch ein viel aufwendigeren Plan: Jedes Mal, wenn ich einen Test mit einem Schauspieler machte, ließ ich einen anderen Kameramann drehen. Sie waren alle gut, aber ich wählte Mihai Malaimare, Jr. Der Film handelt davon, wieder jung zu werden. Mir gefiel es, dass Mihai so jung war, freundlich und unglaublich talentiert. Als ich ihm sagte, die Kamera würde während des ganzen Drehs nicht bewegt werden, sagte er: „Das ist ja großartig!“

        Schritt für Schritt verstand ich die Dinge. Anahid hatte ein paar Low-Budget-Filme produziert und einen großartigen Job gemacht. Ich wollte die Crew klein halten. Wir würden Doppelfunktionen übernehmen. Anahid würde als Produzentin als auch für die Skript-Überwachung verantwortlich sein. Was die Ausrüstung angeht, wollte ich nur verwenden, was absolut notwendig war. Masa flog zurück nach Napa und kaufte einen Dodge Sprinter, den er in ein Studio auf Rädern verwandelte – einen Van, der das ganze Equipment transportieren würde. Wir verschifften ihn nach Rumänien. Dann war ich bereit, ins kalte Wasser zu springen – und vollendete Tatsachen zu schaffen.

        Wir begannen im Oktober 2005 mit den Dreharbeiten und filmten 85 Tage mit einer Crew und Schauspielern, die vorrangig aus Rumänien kamen. Ich lernte viel über Mircea Eliade, indem ich einfach in seine Fußstapfen trat. Ich hatte immer das Gefühl, dass die eigentliche Arbeit an einem Film, dessen Themen einen interessieren, dafür sorgt, dass man dazulernt. Als ich die Story las, wusste ich, dass ich im Fall, dass ich den Film drehen würde, lernen würde, wie man Zeit und Träume auf der Leinwand ausdrückt. Einen Film zu drehen, ist wie eine Frage zu stellen, und wenn man fertig ist, ist der Film selbst die Antwort.

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