In „Get Smart“ trifft Maxwell Smart vertraute Gesichter wieder, bekommt es aber auch mit etlichen neuen Figuren zu tun.
„Die fantastische Interaktion der Helden steht und fällt mit der Besetzung“, berichtet Gartner. „Wir erleben, wie sich die Rivalen Max und 99 zusammenraufen, wie Siegfried und sein Assistent aufeinander reagieren, wie sich die Beziehung von Max zum Chef fast zu einer Vater-Sohn-Beziehung entwickelt.“
Die fähige Agentin 99 wird von Anne Hathaway gespielt. Ebenso wie Serienstar Barbara Feldon als Verkörperung der emanzipierten Frau ihrer Zeit für die Fans Vorbildcharakter hatte, zeigt Hathaway die Agentin als selbstbewussten Vollblut-Profi und geht dann auch noch einen logischen Schritt weiter.
„Sie war eine Frau, die es mit den Jungs aufnehmen konnte“, bestätigt Hathaway. „Heute bestimmt sie ebenso oft selbst das Tempo. Wobei sie nie ihre Weiblichkeit unterdrückt – auch das übernehmen wir aus der Serie, genau wie ihre Chanel-Obsession. Begeistert füllt sie die Rolle einer Frau aus, die in hochhackigen Pumps laufen und kämpfen kann, die sich nicht dafür entschuldigen muss, dass sie eine Frau ist, und auch keinerlei Sonderbehandlung erwartet.“
Segal engagierte die Oscar-preisgekrönte Kostümbildnerin Deborah Scott („Titanic“), um für 99 einen Look zu kreieren, den Hathaway so beschreibt: „Sie kann es darin mit Ninjas aufnehmen, während sie über den Laufsteg schreitet: Lustig, aber trotzdem klassisch elegant, modern mit einem Hauch 60er-Jahre, praktisch, aber unverkennbar feminin“ – genau wie die Lady selbst.
Dazu Lazar: „Ein Spion darf per Definition niemandem trauen, und 99 hat sicher nicht Karriere gemacht, indem sie anderen ihr Herz ausschüttet. Trotzdem ist sie eine Frau mit persönlichem Hintergrund, sie hat Probleme, die jedermann nachvollziehen kann, und Anne gelingt es, diese Aspekte deutlich zu machen. Das schwingt in ihrem verbalen Schlagabtausch mit Max ständig mit, so verschieden sie auch sind.“
Hathaway behauptet, sie habe die Rolle ergattert, weil „es mir gelang, beim Casting mit Steve fünf Sekunden länger ernst zu bleiben als die anderen Schauspielerinnen. Es ist gar nicht so einfach, mit Steve mitzuhalten. Aber ich habe eine Menge Comedy- und Improvisations-Tricks von ihm gelernt – er und Peter schaffen vor und hinter der Kamera eine sehr angenehme, lockere Atmosphäre, in der man sich geborgen fühlt.“
Die neu erfundene Rolle des unüberwindlichen, unglaublich charismatischen Agenten 23, dessen Partner Max unbedingt werden möchte, besetzten die Filmemacher mit Dwayne Johnson, denn sie wussten sehr wohl, dass der Humor des Schauspielers dem unangefochtenen CONTROL-Superstar hundertprozentig entspricht. Gemeinsam entwickelten sie 23 als Max’ Mentor und Vorbild.
„Dwayne ist nicht nur ein hervorragender Action-Darsteller, sondern auch urkomisch, wobei er gleichzeitig sehr warmherzig und menschlich wirken kann – das ist das Wunderbare an ihm. Denn all das kann er in diese Rolle einbringen“, sagt Roven. „Agent 23 ist nicht nur der Inbegriff des coolen Typen, der allen als Vorbild dient, sondern gleichzeitig auch eine Art lieber älterer Bruder, der Max ermutigt, seinen Traum von der Agentenkarriere nicht aufzugeben.“
Laut Johnson ist 23 „einfach der beste Agent der Welt, der Quarterback-Star, der in jeder Situation Spitzenleistungen zeigt. Er ist gern Agent, sehr von sich überzeugt und lässt das andere durchaus spüren… er bleibt dabei aber stets freundlich, was ihn nur noch sympathischer macht. Sein Protegé Max liegt ihm sehr am Herzen, und er nimmt ihn immer in Schutz, wenn ihn die Büro-Rüpel aufs Korn nehmen.“
Dass die Büro-Rüpel und der Rest des CONTROL-Teams nicht über die Stränge schlagen, dafür ist der Chef zuständig. Alan Arkin beschreibt seine Rolle als „eine Art Schuldirektor in einem Problemviertel der Stadt. Ein ernsthafter Mensch, der unter enormem Druck steht und oft frustriert ist. Aber insgesamt ist er ein guter und fähiger Boss. Er mag Max zwar sehr, aber seine Verantwortung für die Agentur geht natürlich vor.“
Carell persönlich schlug Arkin für diese Rolle vor, denn die beiden hatten bereits 2006 in der gefeierten Komödie „Little Miss Sunshine“ (Little Miss Sunshine) zusammengearbeitet, für die Arkin mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.
Arkin war Gründungsmitglied des berühmten Chicagoer Improvisationsensembles Second City, er ist ein Pionier jener Bühnentradition, in der sich heute auch Carell und seine „Get Smart“-Kollegen Masi Oka, Nate Torrence und David Koechner bewähren. „Die Improvisation liegt mir im Blut“, sagt er. „Selbst bei einem guten Skript beginnt man nach etlichen Szenenwiederholungen zu variieren, und Peter hat uns das auch gerne erlaubt.“
Ewing bestätigt, dass Arkin seinen eigenen, unverwechselbaren Rhythmus in die Rolle einbringt: „Der Chef hat eine zupackende, imposante Persönlichkeit – wir glauben ihm gern, dass er die Agentur seit 30 Jahren leitet, aber trotzdem noch fit ist und im Spitzenteam mithalten kann.“
Dazu Segal: „Alan ist nicht nur Comedian, sondern auch ein hervorragender dramatischer Schauspieler. Er kann so ernsthaft wirken, als ob die Welt wirklich am Rand des Abgrunds stände – dadurch wird alles nur noch viel komischer.“
Das größte Problem des Chefs ist der notorische KAOS-Erzgegner Siegfried, gespielt von Oscar-Kandidat Terence Stamp.
„Terence spielt ihn mit absolut trockenem Humor“, sagt Segal. „Wir nehmen ihm durchaus ab, dass er sich als Herrscher der Welt sehr wohl fühlen würde.“
Aber sogar Siegfried wirkt in gewisser Weise sympathisch, weil er zwar zweifellos korrupt, aber trotzdem ein Profi ist, der gute Arbeit abliefern will, woran er von allen Seiten gehindert wird – nicht nur von CONTROL, sondern auch durch die Inkompetenz seines eigenen Teams. „In dieser Hinsicht hat jeder, der in einem Büroteam arbeitet, durchaus Verständnis für ihn“, stellt der Regisseur fest.
Stamp ließ sich von Malvolio in Shakespeares „Twelfth Night“ (Was ihr wollt) inspirieren und spielt Siegfried „als eitlen Popanz, der auf jedermann arrogant herabsieht: Er ist nur von Untermenschen umgeben. Wir alle kennen solche Leute, die leider wichtige Positionen bekleiden und sich nicht leisten können, andere Menschen als Individuen wahrzunehmen. Mir machen Komödienrollen immer ganz besonderen Spaß. Die wurden mir erst im späteren Teil meiner Filmkarriere angeboten, während ich auf der Bühne immer schon Komödien gespielt habe. Pete gefiel die Art, wie ich den Zod in den ,Superman‘-Filmen dargestellt habe – also bemühe ich mich, Siegfried ähnlich lakonisch anzulegen.“
Sein schwer geprüfter Assistent Shtarker wird vom aus „Borat“ (Borat) bekannten und berüchtigten Ken Davitian gespielt. Carell meint augenzwinkernd: „Zur ersten Drehbuchlesung erschien Ken völlig nackt.“
Na ja, vielleicht nicht ganz. Dennoch war Davitians Auftritt eine Überraschung. Segal erinnert sich: „Beim Vorsprechen sprach er mit starkem Akzent und tat so, als ob er mich kaum verstehen könnte.“ Der aus Kalifornien stammende Schauspieler sprach zunächst für eine andere Rolle vor, bevor er endlich wieder seine normale Stimme benutzte und sich nach der Shtarker-Rolle erkundigte.
Segal sagt: „In der Rolle konnte ich ihn mir nur deshalb nicht vorstellen, weil er den Eindruck machte, er könnte kaum Englisch. Als Shtarker ist er aber die absolute Idealbesetzung, und im Team mit Terence ergeben die beiden ein optisch höchst komisches Gespann. Nachdem ich ihn in der Rolle besetzt hatte, bat ich ihn natürlich, wieder mit Akzent zu sprechen, weil KAOS ein internationales Unternehmen ist, das jedem Mitarbeiter die gleichen Chancen zugesteht.“ Da ist es umso schöner, dass sich sein Akzent von Siegfrieds völlig unterscheidet.
Als Siegfrieds willenloser Sklave führt Shtarker blindlings auch die irrwitzigsten Befehle aus. Doch wenn man genau aufpasst, spürt man durchaus, dass er seinen Boss am liebsten unter den nächsten Bus schubsen würde, wenn er auch nur den Hauch einer Chance verspürte, damit durchzukommen. „Er wartet schon ewig auf eine Aufstiegschance, die sich aber nie ergibt“, sagt Davitian. „Deshalb bleibt er weiterhin Siegfrieds Mann fürs Grobe – er killt Leute, wäscht ihm den Wagen, tut alles, was er verlangt. Ein schrecklicher Job. Mir tut der Mann richtig leid.“
Unterdessen will der US-Präsident einfach nicht zur Kenntnis nehmen, welche Bedrohung KAOS darstellt – Oscar-Kandidat James Caan übernimmt diese Rolle, und er ist der einzige Darsteller im „Get Smart“-Team, der mit Fug und Recht behaupten kann, als Gaststar auch in der Serie mitgewirkt zu haben.
Caan spielt den Staatschef als liebenswerten, aber nicht gerade kompetenten Mann, der die Bedrohung durch KAOS einfach nicht ernst nimmt – der CONTROL-Chef ist deswegen total frustriert und kann das nur mühsam verbergen. „Was den Chef allerdings total verrückt macht, ist die nachlässige Redeweise des Präsidenten“, berichtet Segal.
Während die Uhr abläuft und Max mit 99 durch die Welt düst, um das KAOS-Netzwerk auszuschalten, bleiben die CONTROL-Teammitglieder Bruce und Lloyd vor Ort in ihrem High-Tech-Waffenlabor mit den übrigen Agenten 91 und Larabee, um die reibungslose Arbeit im Hauptquartier weiterhin zu gewährleisten.
Emmy-Kandidat Masi Oka („Heroes“) und Nate Torrence („Studio 60 on the Sunset Strip“) spielen Bruce und Lloyd – zwei geniale Ingenieure, die mit ihrer Loyalität, Dynamik und Kreativität wettmachen, was ihnen im Umgang mit dem restlichen Team abgeht.
Dazu Oka: „Sie sind die Tüftler, das Pendant zu Q in den Bond-Filmen. Bruce und Lloyd basteln leidenschaftlich an ihren Erfindungen und sind stolz darauf, ihrem Land dienen zu dürfen. Natürlich werden sie von den anderen Agenten nicht für voll genommen, aber die beiden kennen die Wahrheit: Im Grunde bilden sie das Herzstück der Organisation. Ohne ihr technisches Know-how würden die schnieken Agenten ganz schön alt aussehen.“
„Die beiden sind Fachidioten“, gibt Torrence zu. „Zudem kann Lloyd Blut, bedrohliche oder gefährliche Situationen absolut nicht ertragen – wenn ihm etwas zu viel wird, fällt er gern in Ohnmacht.“
Auch Oka und Torrence haben sich ihre Sporen im Second-City-Team verdient, kannten sich aber vor „Get Smart“ nicht persönlich. Doch sie verstanden sich vor und hinter der Kamera sofort blendend und feilten während der Arbeit gemeinsam weiter an ihren Darstellungen. „Ursprünglich kehrte Bruce eher den Boss heraus und wirkte sarkastischer, während Lloyd der Mitläufer war. Aber im Lauf der Dreharbeiten entwickelten wir unseren eigenen Rhythmus, und die Unterschiede glichen sich aus. Jetzt zanken sie sich ständig wie Brüder“, berichtet Torrence, und Oka fügt hinzu: „Wie in der Serie ,Männerwirtschaft‘.“
Die Agenten 91 und Larabee werden von Terry Crews und David Koechner gespielt. Auch sie bilden eine Art Team, aber kaum jemand würde wünschen, sie auf seiner Seite zu haben. Um im Schuljargon zu bleiben: Wenn die Agenten 23 und 99 die Sport-Asse und Bruce und Lloyd die Streber sind, dann sind Larabee und 91 laut Segal „die Rüpel“.
Weil CONTROL durch den überraschenden Angriff durch KAOS praktisch lahmgelegt wird, macht Max eine steile Agentenkarriere, während 91 und Larabee Innendienst schieben müssen und das gar nicht lustig finden. Weil Max als ihr üblicher Sündenbock plötzlich nicht mehr da ist und auch Agent 23 nicht mehr ständig nach dem Rechten sehen kann, schießen sich die beiden Rüpel entsprechend auf die bedauernswerten Bruce und Lloyd ein.
Im gegnerischen Lager werden Siegfried und Shtarker von dem ebenso charmanten wie gefährlichen KAOS-Agenten Krstic unterstützt: Der hervorragende Tänzer wird von David S. Lee dargestellt. Die Rolle ihres stoischen Bodyguard/Killer/Chauffeurs Dalip übernimmt der turmhohe Koloss Dalip Singh.