Das „Get Smart“-Team reiste von Washington/DC nach Moskau, um an Originalschauplätzen zu drehen, darunter auch stimmungsvolle Nachtaufnahmen auf dem Roten Platz.
Über die richtige Action in dieser Action-Komödie sagt Dwayne Johnson: „Ich will nicht zu viel verraten, aber es gibt eine Schlüsselszene mit einem Helikopter, einem Traktor, Golfschlägern, einem Zug, Leuten, die an einer Fahne unter dem Flugzeug baumeln… ach ja, und einem Schwertfisch. Ein Schwertfisch ist auch dabei.“
Aber eigentlich bemühen sich die Filmemacher, mit den Action-Sequenzen ernsthaft Eindruck zu machen.
„Wenn es wirklich gefährlich und überzeugend aussieht, fiebert man ganz anders mit den Helden mit – entsprechend bissiger wirkt der Humor“, weiß Segal. „Die Schauspieler sollten gar nicht erst den Eindruck bekommen, dass sie eine Komödie spielen, denn der Witz entsteht erst durch ihre Ernsthaftigkeit. Alle Szenen müssen ganz normal gespielt werden – auch die Action-Sequenzen.“
Der erfahrene Stunt Coordinator Doug Coleman („The Longest Yard“/Spiel ohne Regeln) arbeitet bereits zum dritten Mal mit Regisseur Segal zusammen. Wie es der Zufall will, wurde er 1980 in die Screen Actors Guild (US-Gewerkschaft der Film- und TV-Schauspieler) aufgenommen, als er in „The Nude Bomb, the Return of Maxwell Smart“ (Die nackte Bombe) als Don Adams’ Double eingesetzt wurde – jetzt schließt sich der Kreis. Er sagt: „In der Serie kamen gelegentlich auch Kämpfe und Stunts vor, aber dieser Film eröffnet dem Stoff eine ganz neue Dimension. Da geht es pausenlos rund. Es knallt und kracht von vorn bis hinten, und zwischendrin kommen alle Facetten der Stunt-Arbeit zum Einsatz: Feuer, Kämpfe, Luftakrobatik an Drahtseilen, Autos, Flugszenen, sogar Unterwassersequenzen.“
Über eine Sequenz, deren Ausarbeitung und Umsetzung sechs Wochen in Anspruch nahm, sagt Coleman: „Max stürzt aus einem Flugzeug, landet auf einem fahrenden Auto und beginnt einen Ringkampf mit dem Fahrer. Während des Kampfes lenkt niemand den Wagen, deshalb mussten wir Tempo 120 simulieren, das Auto schleudert gegen die Leitplanke und andere Wagen, während die beiden hinein- und herausklettern, sich gegenseitig abmurksen wollen und dabei auch noch irgendwie festhalten müssen. Habe ich schon erwähnt, dass der Wagen auf einem Eisenbahngleis Bruchlandung macht und das Armaturenbrett Feuer fängt, während der Zug heranbraust?“
Mitten in diesem Chaos blieb Carell laut Gartner „stets der Fels in der Brandung. Physisch übertreibt er nie. Egal wie bizarr die Situationen sind – immer bleibt er irgendwie in der Realität verwurzelt und reduziert die Szene auf das komische Grundelement. Wahrscheinlich kann man sich genau deshalb so gut mit ihm identifizieren – die Zuschauer reagieren ganz spontan und unmittelbar auf ihn.“
Für den Nahkampf engagierte Coleman den berühmten Kampfexperten James Lew („Pirates of the Caribbean: At World’s End“/Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt), der sich nach eigener Aussage dadurch einen Namen machte, dass er sich „von jedermann in Hollywood vermöbeln ließ“. Lew brachte die Hauptdarsteller in Form, unterwies sie im Umgang mit der Drahtseil-Korsettaufhängung und schnitt die Bewegungschoreografie präzise auf die verschiedenen Rollen zu.
„Max ist wie der unermüdliche Hase aus der Batteriewerbung“, sagt Lew. „Darin liegt sein Charme – seine Leidenschaft für den Agentenjob. Er würde niemals aufgeben. Egal, wie oft er zu Boden geht – immer steht er wieder auf und versucht es noch mal nach dem Motto: Jetzt erst recht!“
Segal legte Wert darauf, dass die Schauspieler möglichst viele Stunts selbst ausführen. Er erinnert sich an seine und Carells Planung der Schlüsselszenen zu Beginn der Dreharbeiten: „Ich sage: ,Also, Steve, du springst aus dem Flugzeug, landest auf einem rasenden Auto und beginnst den Kampf. Das kriegst du doch hin, oder?‘ Er nickt nur, und wir passen ihm ein Korsett an, wobei er sich allmählich fragt, worauf er sich da eingelassen hat. Und als er dann Dalip Singh vorgestellt wurde, mit dem er eine wichtige Kampfszene bestreiten muss, wurde er sichtlich blass.“
Carell erzählt seine eigene Version von der Begegnung mit seinem Gegner, dem 2,18 Meter großen Gewichtheber-Champion und zweifachen Gewinner des Bodybuilder-Titels Mr. India, der in Profi-Wrestler-Kreisen als „der Große Khali“ bekannt ist. „Dalip ist mindestens 2,50 Meter groß, sein Bizeps ist dicker als meine beiden Oberschenkel zusammen. Seine Faust sieht wie ein Katenrauchschinken aus. Einmal schlugen wir beide gleichzeitig zu. Er bewegte sich rückwärts, aber seine Faust kam mir bereits so nahe, dass ich glaubte, sie würde anstelle meines Kopfes in meinem Hals steckenbleiben. Von mir würde nur der Torso übrigblieben, auf dem seine Faust saß. Ja, er ist eine Urgewalt – ein unglaublich umgänglicher Typ, wenn ich ehrlich bin, aber verärgern möchte ich ihn lieber nie.“
Wie Carell gibt auch Anne Hathaway in „Get Smart“ ihr Action-Debüt – sie bewährte sich ebenso schnell auf dem ungewohnten Terrain und vergleicht diese Erfahrung mit „einem Ballettabend auf dem Fußballplatz. Steve und ich sind sicher die unwahrscheinlichsten Action-Helden, die es je gab, aber mit Unterstützung der Stuntleute und des wunderbaren Teams und nach der harten Ausbildung gelang es uns tatsächlich, die wesentlichen Stunts selbst auszuführen. Ich war richtig verblüfft, wie viel Spaß mir das brachte. Ironischerweise gelingt mir nur das Hinfallen richtig gut – aber gerade das ist gar nicht so einfach, wenn man auf Kommando reagieren muss. Und die Fahrt auf dem Geländewagen kam mir vor wie eine Achterbahnfahrt.“
Hathaways Schwierigkeitsgrad erhöhte sich buchstäblich durch den Umstand, dass Agentin 99 gern hohe Absätze trägt. Die dürfen ihr bei ihren Alpha-Tier-Kampfkünsten natürlich nie im Wege sein. Dazu Coleman: „Anne muss mit ihren Fußtritten höher als gewöhnlich zielen, um den Goliath Singh überhaupt zu erreichen, aber dabei muss sie im gleichen Tempo und mit derselben Kraft wie sonst auch zutreten.“
Apropos Kraft und Tempo: Man darf mit Recht voraussetzen, dass Dwayne Johnson als einziger Darsteller voll auf seine Kampfszenen als Agent 23 vorbereitet war. Doch in Wahrheit ist es laut Lew gerade für einen erfahrenen Sportler besonders schwierig, die Schlagkraft für die Filmszenen abzumindern. Johnson erwies sich aber als Ausnahme von der Regel. Lew kannte ihn bereits von der gemeinsamen Arbeit an einer Episode der Serie „Star Trek: Voyager“ (Star Trek – Raumschiff Voyager) im Jahr 2000. Er sagt: „Mit Dwayne brauchte ich praktisch gar nicht zu üben. Was wir auch ausprobieren, was auch immer erforderlich ist – es gelingt ihm fehlerfrei. Außerdem nimmt er es mit der Sicherheit sehr genau. Er weiß, wie er den Eindruck vermittelt, als ob er mir gerade den Hals umgedreht hat, aber tatsächlich versetzt er mir nur einen harmlosen Klaps.“
Damit Agent 23 seinem Image als praktisch unüberwindlicher Superspion gerecht wird, verfolgte Lew die Strategie, seine ihm unterlegenen Gegner – also praktisch die gesamte Besetzung – zurückhaltend auftreten zu lassen, ohne diesen Umstand zu forcieren. Ob in seinen Kämpfen oder beim Training im CONTROL-Hauptquartier – immer wirkt Johnson so, als trüge er eine unsichtbare Rüstung: Lakonisch wehrt er Schläge ab, als ob er sich einen Fussel vom Hemd wischt.
Bei der Kombination des komödiantischen Timings mit der Action war äußerste Präzision erforderlich.
Immer kommt es auf den Rhythmus an, wie Lew illustriert: „Wenn wir eine Kampfsequenz als rhythmische Abfolge von Schlägen choreografieren, geht das ,Bäng, bäng, bumm‘ oder ,Bäng, bäng, krach‘, wobei der verbale Schlag den K.O. signalisiert oder einen Gag, dem sofort ein konkreter Schlag folgt, der die Unterhaltung dann nachdrücklich beendet.“
Verständlicherweise hörten an diesem Punkt die Improvisationslust und andere impulsive Solopartien der unverbesserlichen Improvisationsfans unter den Darstellern auf – wenn auch nur für einen kurzen Moment.
Dazu Carell: „Wir haben zwar die Freiheit sehr genossen, die Peter uns am Set zugestand. Aber in einer solchen Situation gab es kein Vertun – Experimente waren jetzt nicht mehr angesagt. Wenn ich mich auf einem fahrenden Auto prügele und drei Sprüche bringen muss, bevor ein schwingender Kran mir in die Parade fährt, dann siegt die Technik, dann halte ich mich strikt ans Drehbuch!“