„Eine Spionagestory ohne technische Spielerein ist einfach undenkbar“, sagt Roven.
„Die technischen Tüfteleien der Serie sind legendär, und natürlich bauen auch wir jede Menge ein“, verspricht Segal. Dabei kommen bestimmte klassische Requisiten alter Schule ebenso zum Einsatz wie ein neues Arsenal ebenso unwahrscheinlicher Apparaturen, die den Helden bei ihren modernen Überwachungsmethoden, bei der Kommunikation oder schlicht bei der Zerstörung von Gegenständen helfen sollen – wenn auch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
„Das Telefon im Schuh ist ebenso wieder dabei wie der Kegel des Schweigens, aber im neuen Design von 2008. Dazu gibt es eine Ausrüstung auf dem neuesten Stand der Technik, wie Max und 99 sie brauchen“, sagt er. „Heute im Zeitalter des Handys ist das nur noch schwer nachzuvollziehen, aber in den 1960er-Jahre war das Schuh-Telefon ein verblüffendes Konzept – allein die Vorstellung schnurloser Kommunikation war ihrer Zeit weit voraus. Heute wirkt es nicht mehr unbedingt innovativ, den Schuh auszuziehen, um ihn ans Ohr zu halten, aber ist ein ,Get Smart‘-Film ohne dieses Detail überhaupt vorstellbar? Dieses Bild hat sich derart eingebrannt, dass wir dafür ein sehr lustiges Konzept entwickelt haben.“
Auch mehrere unverwechselbare Sportwagen aus der Serie übernehmen im neuen Film vorüberfahrende Gastauftritte. Fans werden den roten Sunbeam Tiger, den goldenen Opel GT und den blauen Karmann Ghia wiedererkennen.
Requisiteur Tim Wiles setzte sich mit dem berühmten Hollywood-Sammler Danny Biederman zusammen, um etliche Originalrequisiten der Serie wie das Schuh-Telefon genauer zu prüfen: Sie gelten inzwischen als Ikonen der amerikanischen Pop-Kultur und waren kürzlich in der Ausstellung „Treasures of Hollywood“ im Internationalen Spionagemuseum in Washington/DC zu sehen.
So wie sich Kinder gegenseitig um ihre Spielsachen beneiden, gibt es unterschwellige Rivalitäten unter den Agenten, wenn es um den Einsatz ihres technischen Geräts geht – jeder will die anderen mit den neuesten Spielereien ausstechen und ganz beiläufig fallen lassen: „Was? Das hast du noch nicht?!“ Sobald Max sein Strahlungsmessgerät in der Armbanduhr demonstriert hat, präsentiert 99 ganz cool eine Rolle explosiver Zahnseide. Später stellt 99 ihr in der Zahnfüllung verstecktes Radio vor, woraufhin Max mit seinen Manschettenknopf-Bomben auftrumpft.
Neuzugänge im fantastischen Arsenal der CONTROL-Kriminaltechnik sind ein künstlicher Nebelschleier im Taschenformat und Max’ Spezialanfertigung eines Schweizer Klappmessers, das neben den üblichen Funktionen einen Flammenwerfer, ein Blasrohr und einen kleinen Enterhaken aus Titan enthält.
Angesichts all dieser superaktuellen technischen Entwicklungen würde es den altgedienten Produzenten Leonard Stern nicht überraschen, wenn das FBI bei ihm anklopfen würde – es wäre nämlich nicht das erste Mal. Noch immer scheint er es kaum glauben zu können, als er berichtet, dass er und sein Team während der Produktion der Serie tatsächlich vom FBI kontaktiert wurden – man wollte wissen, wie sie bestimmte Geräte für die Serie entwickelt hätten. „Offenbar kamen wir mit einigen unserer Erfindungen der Realität empfindlich nahe, und sie empfanden die Vorstellung wohl als sehr unangenehm, dass sich Comedy-Autoren so etwas einfach ausdenken können.“
Doch die alten und neuen Fans werden sich schließlich auch darüber freuen, dass sich manche Dinge nie ändern. Dazu Wiles: „Der Kegel des Schweigens ist jetzt komplett digital und besteht aus einem ausgeklügelten Aktivierungssystem, das man in die Hand nehmen kann und das mehrere Anschlüsse erlaubt.“ Doch selbst nach 40 Jahren Entwicklungsarbeit wären die Fans wohl schwer enttäuscht, wenn diese Vorrichtung tatsächlich funktionieren würde.
Die Verwendung beliebter Versatzstücke in Kombination mit der Spionagetechnik eines neuen Jahrhunderts ist ein gutes Beispiel für die Ausgewogenheit, mit der Segal und sein Team „Get Smart“ auf die große Leinwand bringen.
„Als Filmemacher möchte man immer etwas ganz Neues präsentieren“, sagt er. „Doch bei einem so berühmten Stoff stellt sich die Frage: Wie sehr halten wir uns an die Vorlage und wie selbstständig suchen wir uns einen eigenen Weg? In jeder Phase stelle ich mir vor, wie die Zuschauer wohl reagieren werden. Sowohl neue Zuschauer als auch die langjährigen Fans sollen zunächst einmal einfach ihren Spaß haben. Und außerdem sollen die Fans das deutliche Gefühl bekommen, dass die Serie mit Respekt behandelt wird.“