Thriller,
Action
| Frankreich / Großbritannien / USA 2006
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| Produktion: Mord und Totschlag
Im Jahre 2002, als der Autor und Regisseur Joe Carnaham auf dem Sundance Film Festival der Independent-Filmbranche sein ernüchterndes und drastisches Polizistendrama „Narc“ präsentierte, schockierte er sein Publikum. Das äußerst komplexe Drama, für das Carnahan in der Kategorie „Bester Regisseur“ für den Independent Spirit Award nominiert wurde, gilt als Film, der das Genre nicht mit den üblichen Mustern bedient. Die Presse bezeichnete ihn als „explosiven Stoff mit brodelnder Leidenschaft“ (Susan Stark, The Detroit News), als „einen ambitionierten Streifen, der keine Grenzen kennt“ (David Denby, The New Yorker) und mit „der Geschwindigkeit einer abgefeuerten Gewehrkugel“ (Elvis Mitchell, The New York Times).
Während Journalisten noch über Carnahans Folgeprojekt spekulierten, plante er bereits die Umsetzung eines seiner selbst verfassten Drehbücher, bei dem er wieder die Regie übernehmen sollte. Dank der bereitwilligen Unterstützung des Teams von Working Title Films, sich auf das Spiel mit einem unberechenbaren Mix aus exzentrischen Charakteren, schwarzem Humor, einem ungewöhnlichen Stil, purer Gewalt und einer puzzleartigen und verstrickten Handlung einzulassen, gab es schließlich grünes Licht für das Projekt „Smokin’ Aces“.
Eric Fellner, Produzent und einer der Vorsitzenden der Produktionsgesellschaft Working Title Films, bekennt: „Ich wollte schon immer einen Film wie diesen machen. Einen, in dem es um Mord und Totschlag geht. Besser kann ich das nicht umschreiben.“
Der Ausführenden Produzentin Liza Chasin, die in ihrer Eigenschaft als Produktionspräsidentin von Working Title Films für die Entwicklung des Projekts verantwortlich war, wird das erste Dinner mit Carnahan für ewig in Erinnerung bleiben: „Ich traf Joe, nachdem er ‚Narc’ gemacht hatte. Er überreichte mir 30 Seiten von ‚Smokin’ Aces’ - das war alles. Er sagte einfach: ‚Lesen Sie das und sagen Sie mir anschließend, was Sie davon halten.’ Natürlich war es das beste Lockmittel, das er jemandem geben konnte. Denn es handelte sich um die Einführung all dieser unglaublich interessanten Charaktere in einer total verrückten Welt, die er sich ausgedacht hatte.“
Chasin weiter: „Ich rief ihn an und sagte: ‚Das ist richtig gemein.’ Er erwiderte nur: ‚Nun ja, kaufen Sie es und ich werde es zu Ende schreiben.’“ Daraufhin schickte Chasin die bereits geschriebenen Seiten zu Fellner nach London. „Ich las sie und war sofort begeistert“, so Fellner. „Also beauftragten wir ihn damit, es weiter zu entwickeln und ein Jahr später erhielten wir ein 186-seitiges Drehbuch, das einfach großartig war.“ Fellner führt weiter aus: „Es war von einer solch komplexen Struktur, voll schillernder, lebendiger Figuren, unmöglicher Ereignisse und grandioser Ausstattung, dass wir dachten: ‚Wow, das ist einfach erstklassig, aber es ist ein Roman und kein Film.’“ Chasin kann da nur zustimmen: „Obwohl das Buch fantastisch war, hatten wir das Gefühl, es nicht umsetzen zu können. Es handelte sich wahrlich um den außergewöhnlichsten Text, den wir seit langer Zeit zu lesen bekamen.“
Dazu Carnahan: „Ich dachte, es wäre gut, etwas zu schreiben, was man gerne liest. Bei dem Versuch, die äußerst disparaten Ereignisse und Figuren so zusammenzubringen, dass eine Einheit entsteht und man spürt, dass sie miteinander in Verbindung stehen, ging es mir vor allem darum, es so aufzuschreiben wie es später im Film geschnitten werde würde. Es sollte den richtigen Biss und das entsprechende Tempo haben, um nicht zu langweilen. Außerdem ist es doch eine ziemlich schwarze Komödie.“
Danach ging Carnahan seinen Text noch einmal genau durch und lieferte schließlich eine Version ab, die, wie Fellner es ausdrückt, „plötzlich einem Film zu gleichen schien“, obwohl sie immer noch mehr als 135 Seiten umfasste. „Es waren immer noch ausgesprochen viele Seiten“, gibt der Ausführende Produzent Robert Graf zu. „Das lag vor allem daran, dass Joe die Angewohnheit hat, wie ein Schriftsteller zu arbeiten. Er beschreibt die Dinge sehr detailliert und kann in Passagen mit blühender Fantasie von Blut und durch die Luft fliegenden Körperteilen erzählen. Einiges davon ist wörtlich zu verstehen, anderes hingegen dient nur dazu, dem Leser einen möglichst authentischen Eindruck des Films zu verschaffen.“
Vor dem Hintergrund von Chaos und Zerstörung entwarf Carnahan in seinem Drehbuch das Bild einer übertriebenen, hyperrealen Welt, die geradezu voll gestopft ist mit menschlichen Schicksalen und starken Gefühlen und zudem keine klaren Grenzen hat. Zu den Ausgeburten seiner Fantasie gehören so skurrile Figuren wie verklemmte FBI-Agenten und gescheiterte Zauberkünstler, aber auch klassische Gangster, schmierige Informanten, in Verruf geratene Cops von der Sitte, Meuchelmörder, Folterexperten, Anwälte, die sich auf Kosten anderer bereichern und drei beschränkte Auftragskiller, die allesamt in der Penthouse Suite des Nomad Casinos am Lake Tahoe aufeinander treffen. Und das alles passiert auf den ersten 30 Seiten.
„Diese Bandbreite an Figuren sowie die absonderlichen Ereignisse, in die sie auf ihrem Weg verstrickt werden, bilden die Basis für ‚Smokin’ Aces’“, lässt uns Carnahan wissen. „Seine Geschichte beginnt drei Tage bevor die Hauptfigur, Buddy „Aces“ Israel mit ein paar Bundesanwälten zusammentrifft und sein betrügerisches Leben aufgeben wird. Das FBI verspricht sich davon, auch den Rest der verbrecherischen Brut aus der Gegend auffliegen zu lassen. Aces scheint am Tiefpunkt seiner Verbrecherkarriere angelangt zu sein. Er ist im Begriff, am Zeugen-Schutz-Programm teilzunehmen und für immer zu verschwinden.“
Fellner betont: „Bei Working Title ist man nun mal nicht an gängigen Themen interessiert. Es ist nicht wichtig, ob es eine Komödie, eine Romanze oder ein Drama ist. Worauf es ankommt, sind überzeugende Figuren, ein spannender Erzählstil und ein interessantes Drehbuch. Das Geniale an Joes Schreibstil ist seine Fähigkeit, auf kleinstem Raum gewaltige Bilder zu erschaffen. Sie geben jedem Schauspieler die Möglichkeit, etwas ganz Besonderes aus seiner Rolle zu machen.“
Als das Produktionsteam mit dem Umfang des Drehbuchs einverstanden und von den Ideen des Regisseurs (absolut) überzeugt war, wurde es Zeit, die Rollen aus Carnahans durchgeknallter Welt zu besetzen.