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  • Das perfekte Verbrechen

    Thriller, Drama, Krimi | Deutschland / USA 2007
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      • | Über die Produktion - 1

      • Die Entstehung eines atemberaubenden Thrillers ist immer schwierig. Von der ersten Idee über das Drehbuch bis zur Produktion ist es normalerweise ein langer, umständlicher Weg. „Das perfekte Verbrechen“ bildet da keine Ausnahme.

        „Einen Thriller zu drehen ist wirklich verdammt hart“, sagt Produzent Charles Weinstock. „Und wenn er dann auch noch, wie unserer, mit einer gelungenen Überraschung beginnt, wird es besonders schwierig – schließlich muss man die am Schluss nochmal toppen. Wir wollten nicht mit irgendeiner sinnlosen Autoverfolgungsjagd enden oder mit einem Kampf auf Leben und Tod an einem verlassenen Pier. Wir haben eine Story konstruiert, die auf den Hauptfiguren basiert, denn das ist immer die beste Lösung: zeichne glaubwürdige Figuren, dann liefern sie dir die nächste Überraschung früher oder später ganz automatisch.“

        Der lange Entstehungsprozess von „Das perfekte Verbrechen“ begann bei Castle Rock Entertainment, wo Weinstock freie Hand hatte und mit der Produktionsleiterin Liz Glotzer zusammenarbeitete. Schon seit Jahren wollte Weinstock mit dem Autor Daniel Pyne ins Geschäft kommen, und als sie sich schließlich trafen, erzählte ihm Pyne von einer Story-Idee. „Daniel wollte einen Film über jemanden machen, der sich vor Gericht selbst verteidigt“, sagt Weinstock, „aber die Sache sollte einen Haken haben: Der Film sollte gar nicht viel im Gerichtssaal spielen.“

        Sechs Jahre arbeitete Weinstock bereits an der Story, als das Projekt durch die Teilnahme des Drehbuchautors Glenn Gers, Regisseur Gregory Hoblit und New Line Cinema endlich Gestalt annahm. Gemeinsam mit Weinstock verfeinerten sie die Story in einem mühsamen Arbeitsprozess bis zur Produktionsreife.

        „Mich hat die Idee begeistert, dass Chuck Weinstock und Greg Hoblit einen Gerichts-Thriller drehen wollten, in dem die meisten Kämpfe der beiden Gegenspieler außerhalb des Saals ausgefochten werden“, sagt Gers.

        „Am härtesten war für mich, aus dem perfekten Verbrechen rauszukommen, denn Dan Pyne hat es ein wenig zu perfekt konstruiert“, lacht Gers, „und diesen Kniff wollten wir unter keinen Umständen aufgeben, während wir die Figuren und den Plot weiterentwickelten. Dans Dreiecksgeschichte mit Crawford, Jennifer und Nunally – das clevere Set-up, das Verbrechen, dieses knifflige Puzzle, das die Story in Gang setzt – waren für mich die Gründe, warum ich an diesem Film mitarbeiten wollte.“

        Für Gers war es eine glückliche Fügung, dass seine Schwester als Anwältin im Büro des Bezirksstaatsanwalts von Kansas City arbeitete, als er mit dem Projekt begann. Und ein Jahr später imitierte das Leben die Kunst, als auch sie wie Willy im Film einen Job im Privatsektor einer Kanzlei für Körperschaftsrecht annahm. So konnte Gers seine Schwester wunderbar als Informationsquelle ausschöpfen und ihre Story-Ideen durchspielen.

        „Das gewährte mir einen Seitenblick auf Willys moralisches Dilemma“, sagt Gers, „ich versuchte zu verstehen, was es eigentlich bedeutet, ins privatrechtliche Feld zu wechseln. Willy ist dermaßen abgelenkt und begeistert, weil er diesen Job, von dem er schon immer geträumt hat, unbedingt haben will, dass er sich mit Crawford gar nicht richtig beschäftigt. Crawford nutzt diese Schwäche aus und stellt seine Fallen.“

        Regisseur Gregory Hoblit ist bekannt dafür, dass er die Drehbuchautoren während der Produktion immer in Reichweite braucht, und Gers war keine Ausnahme. Er verbrachte mit den Schauspielern und der Crew Monate am Set.

        „Das Drehbuch ist die Blaupause für einen Film“, erklärt Hoblit. „Sobald es von begabten Schauspielern umgesetzt wird, entwickelt es so etwas wie ein Eigenleben. Ist die Blaupause gut, versucht man, ihren Intentionen möglichst gerecht zu werden und sicherzustellen, dass man alles Wichtige abdeckt.“

        Weiter fügt Hoblit an: „Dieses Skript ist außerdem wie ein Puzzle-Stück, was das Gefühlsleben der Figuren angeht. Deshalb mussten wir sehr vorsichtig sein, aber den Schauspielern trotzdem genügend Raum lassen. Glenn hat das wunderbar verstanden. Ich glaube, er konnte nicht absehen, wohin sich manche Szene entwickeln würde. Aber er hat sehr schnell erkannt, dass eine Story viele magische Momente entwickeln kann, wenn man gute Schauspieler hat. Unsere Blaupause war wirklich erstklassig.“

        Hoblit hat über hundert Drehbücher gelesen, bevor er einwilligte, „Das perfekte Verbrechen“ zu inszenieren. Auf die Frage, was dieses Skript von den anderen unterschieden hat, antwortet er kurz und knapp: „Die vielen Überraschungen, die man nicht kommen sieht. Außerdem wusste ich, wie ich es umsetzen musste und dass es Spaß bringen würde.“

        Außerdem wusste ich, wie ich es umsetzen musste und dass es Spaß bringen würde.“
        Ebenso wie seinen Debütfilm „Primal Fear“ (Zwielicht) vergleicht er „Das perfekte Verbrechen“ mit vertrackten Mordgeschichten wie „Jagged Edge“ (Das Messer) von Richard Marquand oder Sidney Lumets „The Verdict“ (The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit) und bezeichnet sie als „Popcorn-Thriller mit Hirn“.

        Die Personen von „Das perfekte Verbrechen“ haben sich beim Lesen des Drehbuchs sofort in Hoblits Bewusstsein gedrängt, besonders bei der Szene, in der Crawford und Willy zum ersten Mal aufeinandertreffen. Crawford hat den Mord an seiner Frau gestanden, und Willy, als Assistent des Bezirksstaatsanwalts seiner Macht voll bewusst, befragt Crawford in dem Glauben, der Fall sei ein belangloser Selbstgänger. „Als ich diese Szene las, konnte ich es kaum erwarten, sie zu drehen“, erinnert sich Hoblit. „Alles andere in diesem Film hängt von der Konfrontation zwischen den beiden ab. Der Drehtag dieser Szene mit all ihrer Dynamik war in etwa der aufregendste Tag meiner 25-jährigen Berufslaufbahn.“

        Anthony Hopkins spielt Ted Crawford, einen Ingenieur und Wissenschaftler, der sich auf die Wirkweise von Rissen und Brüchen spezialisiert hat und Flugzeugabstürze und aeronautische Fehlfunktionen analysiert. Er brüstet sich damit, dass er in der Lage sei, selbst den kleinsten Defekt oder die minimalste Schwäche in einem System zu finden, einem mechanischen und jedem anderen.

        Hopkins las das Drehbuch nur einmal, bevor er zusagte. „Es ist ein smartes, anspruchsvolles und sehr gut geschriebenes Skript“, erklärt Hopkins. „Davon bekommt man heutzutage nicht mehr viele zugeschickt. Dass man mich um meine Teilnahme bat, war wirklich ein Glücksfall.“

        Doch man sollte Hopkins nicht zu den Motiven seiner Figur befragen – da verweist er prompt an andere. „Ich bin kein Filmwissenschaftler, analysiere nie, was einen guten Film ausmacht, und untersuche auch nie den Subtext einer Figur“, sagt er. „Fragen Sie den Drehbuchautor, warum jemand etwas Bestimmtes tut. Ich lasse es nur geschehen.“

        Produzent Charles Weinstock muss lachen, mit welcher Lockerheit Hopkins jeglichen Versuch einer Psychoanalyse seiner Figur ablehnt. „Tony taucht einfach mitten in die Rolle ein“, beschreibt er Hopkins’ Schauspielstil.

        „Ich habe mich bei Dreharbeiten schon lange nicht mehr so amüsiert“, sagt Hopkins. „Die Rolle ist sehr scharfsinnig geschrieben. Crawford ist wie Jago, er hat jede Menge Asse im Ärmel. Wenn so etwas gut geschrieben ist, kann man’s leicht spielen.“

        „Ich habe bis jetzt zwei Verbrecher in meinem Leben dargestellt“, fügt er an, „Hannibal Lecter und diesen Typen. Er ist ein Kontrollfreak. Präzision fasziniert ihn, aber genau das ist sein Fehler. Er spielt gern mit Menschen, bewegt sich auf des Messers Schneide, und er hält sich für ein bisschen zu gewitzt, was ihn schließlich auch zu Fall bringt.“

        „Aus der Schauspielerei wird immer so eine große Sache gemacht“, sagt Hopkins weiter, „aber für mich war sie nie kompliziert wie etwa eine mathematische Formel. Die Figur ist Ingenieur – okay, bin ich eben ein intelligenter Krimineller; sie stecken mich in gediegene Klamotten und lassen mich in einem teuren Wagen fahren – okay, bin ich eben auch noch ein reicher Krimineller. So einfach ist das.“

        „Crawford hat viele Facetten“, sagt Gregory Hoblit. „Er ist ein eiskalter Soziopath, ein Charmeur und jemand, der gern Spielchen spielt, er ist so witzig wie lebensgefährlich. Es gibt nicht viele Darsteller, die diese Bandbreite mit Leichtigkeit abdecken können. Anthony ist ein interessanter Typ; ihm macht es nichts aus, seinen düsteren Kern anzuzapfen, den er sicher weggeschlossen hat. Und er ist in der Lage, Verbitterung eleganter auszudrücken als jeder andere Schauspieler, den ich kenne.“

        Trotz der Tatsache, dass Hopkins nur rund sechs oder sieben Szenen hat, die kaum mehr als 25 Minuten ausmachen, sind „die Auswirkungen absolut zwingend“, erklärt Hoblit den Einfluss des Schauspielers. „Was er aus den Szenen herausholt, trägt den ganzen Film.“

        Dabei war es den Filmemachern immens wichtig, dass er nicht als roboterhafter, eindimensionaler Gegenspieler wirkt. „Ted Crawford hätte schnell zu einem simplen, herzlosen Bösewicht verkommen können“, sagt Hoblit. „Aber weil Tony nun mal Tony ist – jemand von unermesslicher Tiefe, bei dem man noch nicht einmal weiß, was direkt unter der Oberfläche lauert, ein Schauspieler, der mit solcher Intelligenz und außergewöhnlichem Talent gesegnet ist –, gelingt es ihm spielend, Ted Crawfords Dilemma nachvollziehbar zu machen: nämlich, dass er sich nach einer ganz normalen Beziehung sehnt, aber dazu total unfähig ist. Crawford ist blockiert und reagiert auf seine Weise: mit einem kühlen, mechanischen Blick auf die Welt um ihn herum und dem Zwang, anderen zu schaden. Selbst als er seine Frau erschießt, so unbarmherzig dieser Moment auch sein mag, vermittelt er den Eindruck, innerlich zerrissen und verwirrt zu sein. Er ist eine tragische, traurige Figur.“

        Produzent Charles Weinstock stimmt dem zu. „Ted ist schwer verwundet, doch weil er so intelligent und kompliziert ist, gelingt es ihm, diese Wunden zu verbergen.“

        „Er ist eine dieser klassischen, tragischen Figuren“, findet auch Drehbuchautor Glenn Gers. „Er glaubt, für ihn gelten weder Recht und Ordnung noch anständiges Verhalten, und für einen Moment kommt er damit sogar durch. Doch dann verfolgt ihn sein Verbrechen, und schließlich bringt ihn die eigene Arroganz zu Fall.“

        „Ich habe ein paar Bemerkungen geschrieben, die sehr an Hannibal Lecter erinnerten“, fügt Gers an, „und Tony antwortete, dass er die Rolle bereits gespielt habe und diese Figur anders anlegen wolle. Weil er sie um Menschlichkeit und Würde ergänzt hat, ist Ted viel mehr als ein gewissenloser, kalter Verbrecher.“

        Ryan Gosling erzählt, dass es sehr davon abhängt, in welchem mentalen Zustand ein Schauspieler ein Drehbuch liest, um zu entscheiden, wie es ihm gefällt. „Ich lebte gerade für zwei Monate in einem Zelt, und als ich mit Greg Hoblit von meinem Zelt aus sprach, war ich definitiv interessiert“, lacht Gosling. „Aber ehrlich, ich wusste gar nicht genau, was ich zu dem Projekt beitragen konnte“, ergänzt er ernster. „Ich ahnte nur, dass ich die Rolle annehmen sollte. Ich fand’s spannend und mochte, dass ich beim ersten Lesen nicht dahinterstieg. Und mir gefiel es, dass Anthony Hopkins Crawford spielen würde. Schließlich arbeitet man nicht alle Tage mit einem seiner Vorbilder zusammen.“

        Hoblit glaubt, dass die Sterne den Casting-Prozess positiv beeinflusst haben. „Wir hatten wirklich Glück“, sagt er. „In dem Film gibt es keine einzige Rolle, die ich anders besetzen wollte.“ Ein Glücksfall für die Filmemacher, denn den Schauspielern ging es genau wie Hoblit, der sich gern an die Begeisterung erinnert, die sie dem Regisseur von „Primal Fear“ (Zwielicht) entgegenbrachten.

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