Mittwoch | 30. Mai 2012 | 18:23 Uhr
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  • Das perfekte Verbrechen

    Thriller, Drama, Krimi | Deutschland / USA 2007
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      • | Über die Produktion - 4

      • „Wir baten ihn, uns einige Kleinteile zu schicken, Ringe, Kugeln, alles, was als Vorlage dienen konnte“, erinnert sich Weinstock, „Er hat uns während des ganzen Fertigungsprozesses beraten. Immer wenn wir Fragen hatten, war er sofort da, um zu helfen.“

        Die Filmemacher kamen mit Bischoff überein, dass er die Produktion mit seinen Designs ausrüsten sollte, indem er eine kleinere Version seiner vielbewunderten Maschine konstruierte. Der Künstler lieh ihnen sogar ein kleines Modell für den Schreibtisch.

        Executive Producer Hawk Koch engagierte Spezialeffekt-Koordinator Larz Anderson, um Bischoffs Designs nachzubauen. Anderson und sein Team freuten sich über die Abwechslung von ihrem Arbeitsalltag, der üblicherweise aus Explosionen, pyrotechnischen und mechanischen Effekten besteht. Sie schufen ein etwa 2,5 Meter großes Objekt und ein entsprechendes „Stunt-Double“. Gemeinsam mit Eads designten sie den Messingaufbau und sein Holzfundament so, dass es zur Architektur von Crawfords Luxusanwesen passte.

        Das große Modell ist etwa 2,5 Meter hoch, 2,5 Meter breit und 60 Zentimeter tief und benötigt zwei 12-Volt-Motoren, die sich per Fernbedienung steuern lassen. Die Tischversion ist etwa 35x80x30 Zentimeter groß.

        „Bei diesem Projekt fühlte man sich wieder in die Kindheit versetzt“, berichtet Anderson. „Jeder wollte seine Ideen beisteuern. Man wird ja nicht oft gefragt, ob man ein gigantisches Puzzle austüfteln möchte. Der Transport des zusammengebauten Teils war nicht einfach, weil es fast 120 Kilogramm wog. Aber das schwierigste war, die Leute am Set davon abzuhalten, alles anzufassen, damit zu spielen oder die Kugeln rauszunehmen.“

        Während langer Umbaupausen beobachteten Hoblit, die Schauspieler und das Team immer wieder gebannt, wie die Kugeln durch die komplexe Vorrichtung rollten.

        „Sobald Greg vor einer dieser Dinger hängenblieb und dem Mechanismus zusah, ging nichts mehr“, lacht Executive Producer Hawk Koch. „Ich sagte dann, ,komm, wir haben zu arbeiten‘, aber er war wie erstarrt. Diese Geräte haben einen meditativen Rhythmus, der einen völlig einlullt. Ziemlich erstaunlich.“

        Als Hoblit Gers’ Beschreibung der Apparatur zum ersten Mal gelesen hatte, stellte er sich eine gigantische Lafette vor, doch die tatsächliche Schönheit von Andersons Maschine hat ihn völlig umgehauen.

        Hoblit sagt, dass er sich mit „Das perfekte Verbrechen“ weit aus dem Fenster lehnt. Statt auf Nummer sicher zu gehen, verpasste er dem Film ein gewagteres Erzähltempo und einen zwingenderen Erzählton, der sich von seinen früheren Filmen unterscheidet, und hat einen zeitgenössischen Film noir geschaffen.

        „Das war so gar nicht geplant“, sagt Hoblit über den düsteren, geheimnisvollen Stil des Films. „Während der Entwicklungsphase wurden meine Ideen immer konkreter, doch an etwas komplett düsterem war ich gar nicht interessiert. Mir schwebte etwas Elegantes vor mit gebrochenem Licht und einer besonderen Farbgebung.

        Hoblit erweist in „Das perfekte Verbrechen“ einigen seiner Lieblingsfotografen seine Reverenz, beispielsweise Bruce Davidson mit seinen stillen Hintergründen, den ausdruckslosen Gesichtern und seinen ungewöhnlichen Farbsprengseln, die er in jedem Bild verwendet. Davidsons Bildband „Subway“ hat den Regisseur sehr beeinflusst.

        Als Hoblit nach einem geeigneten Kameramann suchte, brauchte er jemanden, der über den Tellerrand hinausschauen konnte, aber auch nicht so weit, dass Hoblit zu sehr damit beschäftigt gewesen wäre, ihn zu bremsen. Da stolperte er über Kramer Morgenthau, ein junges, ehrgeiziges Talent, das sich bereits mit Werbespots und Low-Budget-Filmen einen Namen gemacht hatte. Hoblit stellte bei Morgenthau eine gewisse berufliche Frustration fest, von der er sicher war, dass sie dem Film nutzen könnte.

        „Wie er mit Farben umging, war sensationell“, sagt Hoblit über Morgenthaus Arbeit, „so etwas Kühnes hatte ich lange nicht gesehen. Außerdem gefiel es mir, dass er unbedingt aus der Schublade heraus wollte, in die man ihn gesteckt hatte. Das ist ihm jetzt wirklich gelungen“, sagt Hoblit stolz.

        „Der Look von ,Das perfekte Verbrechen‘ sollte deutlich machen, dass es hier um Klassenunterschiede geht“, sagt Morgenthau. „Willys Welt ist aufs Wesentliche beschränkt, schmucklos – in gewisser Weise wie das Büro des Bezirksstaatsanwalts oder der Gerichtssaal. Crawford lebt im Wohlstand und hat viel Platz, große, wunderschöne Räume. Wir haben versucht, den Kontrast zwischen den beiden zu betonen, indem wir die eine Seite bunt und die andere eher in unterschiedlichen Grautönen gehalten haben.“

        Sobald Morgenthau und Hoblit sich mit dem Production Designer Paul Eads, der Ausstatterin Nancy Nye und der Kostümbildnerin Elisabetta Beraldo getroffen hatten, entwickelten sie den generellen Look des Films.

        Überwiegend besteht der Film aus schwach ausgeleuchteten Szenen und vielen Nachtszenen, sowohl Innen- als auch Außenaufnahmen, die alle mit unterschiedlichen Farbschattierungen ausgeleuchtet wurden, um die Stimmungen jeder Szene zu unterstreichen.

        „Der Film ist ziemlich düster“, erklärt Hoblit, „obwohl wir auch sehr knallige Farben wie Grün, Orange, Rot und Gelb in verschiedensten Nuancen verwendet haben. Aber die kommen oft völlig unerwartet aus dem Nichts und bringen Licht ins Dunkel. Kramer und ich mussten uns immer gegenseitig bremsen, damit es kein reiner Selbstzweck wird“, witzelt er.

        „Für Greg kommt die Story immer an erster Stelle“, sagt Morgenthau. „Er möchte sie so aufrichtig und logisch wie möglich erzählen. Ich glaube, deshalb ist er so erfolgreich. Er hält es für eine Anmaßung dem Publikum gegenüber, wenn man sich bei einem Film durchmogelt oder sich die Filmrealität zurechtbiegt, so dass sie von der Wirklichkeit völlig abweicht. Das ist mittlerweile zu seinem stilistischen Markenzeichen geworden. Bei der Beleuchtung mag er’s dagegen extrem expressionistisch, genau wie ich.“

        Dass der Dreh so problemlos war, verdankt Hoblit seinem Produzentenpartner Hawk Koch. „Hawk ist ein brillanter Planer, so wird der Dreh zum Kinderspiel“, sagt der Regisseur.

        Den Filmemachern war es sehr wichtig, in Los Angeles zu filmen. Nicht nur, um schnell wieder zu Hause zu sein, sondern, um den Produktionsstandort zu unterstützen. Trotz einiger Pessismisten im Nacken gelang es Koch, dort kostengünstig zu drehen, ohne dabei an der Qualität sparen zu müssen.

        „Der Film sollte nach sechzig bis siebzig Millionen Dollar aussehen, ohne dass mir auch nur ein annäherndes Budget zur Verfügung stand“, sagt Koch. „Ich bin stolz darauf, dass uns das zu einem guten Preis und akzeptablen Arbeitszeiten gelungen ist. Zu einem Großteil verdanken wir das unserem Kameramann Kramer Morgenthau, der Szenen in Windeseile einzurichten versteht und sie trotzdem exquisit aussehen lässt. Ein Ruf als einer der besten Kameramänner des Business ist ihm für die Zukunft sicher.“

        Hoblit ist es immer am liebsten, wenn seine Filme überall in den USA angesiedelt sein könnten, damit sich das Publikum mit den Figuren besser identifizieren kann. Dass das hier geklappt hat, verdankt er Produktionsdesigner Paul Eads und den Location Managern Richard Davis und Mike Fantasia.

        Obwohl die meisten Mitarbeiter des Films aus Südkalifornien stammen, hielt der Dreh in Los Angeles manche Überraschung für sie parat und gewährte Hoblit und seiner Crew einen ganz neuen Blick auf die Stadt.

        „L.A. ist ein fantastischer Ort, sobald man das Vorurteil, dass er flach, endlos ausgebreitet und architektonisch uninteressant ist, erst mal hinter sich lässt“, witzelt Hoblit. „Normalerweise wird L.A. immer in grellem Licht gefilmt, ausgeblichen, aber ich zeige gern ihre dreidimensionale, üppige Vielfalt, die sie selbst in einigen der heruntergekommenen Ecken noch ausstrahlt. L.A. ist so bunt und voller Persönlichkeit.“

        „Momentan hat die Stadt niemand so richtig auf dem Zettel“, sagt Ryan Gosling. „Sie ist runtergekommen, aber es gibt dennoch eine erstaunliche Architektur, wunderschöne Gebäude in manchen Ecken, die lange links liegen gelassen wurden, seit sie um die Jahrhundertwende gebaut wurden. Aber jetzt werden sie nach und nach wieder renoviert und luxussaniert. Deshalb ist es gerade sehr interessant dort, denn so wie jetzt – fast wie in einer Geisterstadt – wird es nie wieder sein.“

        Gosling gefiel es besonders gut, dass auch in der Walt Disney Concert Hall gedreht wurde. Denn seit der Eröffnung hat er sich um Tickets bemüht und nie welche bekommen, weil die Konzerte dort permanent ausverkauft sind. „Ich ging immer mit leeren Händen“, sagt er mit gespielter Verzweiflung, „und diesmal bin ich nicht nur drin, ich konnte sogar auf der Bühne und Backstage herumlaufen, auf den besten Plätzen sitzen und den Blick von ganz oben genießen“, lacht er. „Eine einzigartige Tour, da habe ich wirklich Glück gehabt.“

        „Das perfekte Verbrechen“ ist der erste Spielfilm, der die Hauptbühne und den Zuschauerraum des von Frank Gehry gestalteten Performing Arts Center benutzt hat. Dort filmte Hoblit die Mezzosopranistin Vivica Genaux und ihren Begleiter Paul Floyd. Außerdem entstanden im Foyer einige Szenen der ersten Begegnung zwischen Willy und Nikki.

        Crawfords Haus ist ein weiteres architektonisches Wunder und befindet sich in der Encino-Gegend des San Fernando Valley, wo die Filmcrew einige Wochen auf dem privaten Anwesen gefilmt hat. „Das Haus steht hinter diesen riesigen Toren wie ein Bunker aus Zement und Glas mit einem abgestützten Überhang“, erinnert sich Hoblit. „Das Gebäude muss zu achtzig Prozent aus Glas bestehen, gestützt durch Verstrebungen, dadurch kann man ganz durch das Haus hindurchsehen, von einer Seite zur anderen. Klingt irgendwie beunruhigend, in so einem Haus leben zu müssen, aber es ist zum Glück vor neugierigen Blicken geschützt.“

        Das Sherman-Anwesen wird von allen Seiten durch gigantische Hecken, Mauern, Tore und einen beachtlichen Hügel verdeckt. Der führt zu einem Gasthaus und Tennisplatz, die hoch über dem Pool und dem Hinterland liegen. Es ist außerdem von Orangenbäumen, Rosenbüschen, Lavendel und blühender Pracht umgeben. Das Gebäude wurde zwar schon in anderen Filmen verwendet, aber noch nie in solchem Umfang einbezogen.

        Besonders gefielen Hoblit und Morgenthau die Reflexionen und Doppelbilder, die beim Dreh im Haus durch die zahlreichen Glasebenen entstanden, die man normalerweise eher vermeiden würde. Manchmal filmten sie Szenen, die sich im Haus abspielten, von außen durch das Glas. Für jemanden wie Hoblit, der üblicherweise geradezu am Geschehen klebt, ist das eher ungewöhnlich. Aber in diesem Fall sollte die Kamera wie ein Voyeur wirken.

        Laut Hoblit war das Haus wie für die Kamera geschaffen, kamerafreundlich sozusagen, ein Geschenk. Doch Morgenthau behauptet das Gegenteil, muss aber zugeben, dass das Haus im Film toll aussieht.

        „Es war sehr filmuntauglich, aber alle Mühe und Scherereien wert“, sagt der Kameramann. „Es ist ein klassisches, von Schindlers Architektur beeinflusstes Gebäude mit fließenden Übergängen von drinnen nach draußen, eine harte Nuss“, lacht er.

        Zu den weiteren Drehorten gehören die angesehene Kanzlei Jones Day, die Dachterrasse des Standard Hotel Downtown LA, das Rathaus von Los Angeles und das mittlerweile leerstehende Frauengefängnis Sybil Brand Institute. Außerdem filmte man auf einem privaten Anwesen in Hancock Park, dem RFK Medical Center in Hawthorne, im Fairmont Miramar Hotel von Santa Monica, in Ausstellungsräumen und Büros von Steelcase Furniture, sowie im St. Mary’s Hospital in Long Beach, bei West Coast Aircraft Charters und so weiter.

        Hoblit hofft, dass er mit „Das perfekte Verbrechen“ das Publikum von „Primal Fear“ (Zwielicht) erreichen wird. „Ich glaube, der Film ist sehr breitenwirksam“, sagt er, „er ist unterhaltsam, intelligent und präsentiert viele wunderbare Schauspieler, die neue Fans gewinnen dürften, weil sie völlig neue Facetten von sich zeigen.“

        Da stimmt Anthony Hopkins zu. „Es ist ein ausgezeichneter Film alter Schule“, sagt er. „Man will unbedingt wissen, ob es Willy gelingt, Crawford festzunageln. Aber eigentlich ist es noch viel faszinierender zu beobachten, wie er es anstellt.“

        Obwohl Executive Producer Hawk Koch das Ende kennt, freut er sich: „Ich kann es gar nicht mehr abwarten, mit meinem Popcorn im Kino zu sitzen, den Film zu gucken und für ein paar Stunden dem Alltag zu entfliehen. Hoffentlich geht es den Zuschauern genauso.“

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