„Im Film gibt es Jahreszeiten – Herbst, Winter, Frühling – die mir beim Lesen sehr wichtig schienen“, sagt Reitman, „weil sie die Drittel von Junos Schwangerschaft widerspiegeln.“
Auf die Frage nach dem Einsatz von Farben in seinem Film – dem satten Burgunderrot und Gold der Dancing Elk-Outfits, den Blättern der Bäume, die in den Totalen quasi mit der Wärme des Herbstes oder der Hysterie des Frühlings pulsieren – weist Reitman darauf hin, wie durch Farbgebung Charaktere geformt werden können.
„Ich habe für die wichtigen Figuren in THANK YOU FOR SMOKING viele satte Brauntöne, Tabaktöne, verwendet, um sie mit dem strahlenden Weiß Hollywoods zu kontrastieren, einer Welt, die Nick Naylor sehr fremd ist. Der liberale Senator aus Vermont trägt grün, und so weiter“, erklärt er.
Beim Gespräch über die Farbenpalette, die in den frühen Szenen von JUNO Verwendung findet –„Juno unter ihrer kleinen roten Kapuze auf dem Weg durch eine Welt aus dunklem Grün und Braun“, wie Reitman es beschreibt – gibt der Regisseur eine seltene Unsicherheit zu, die ihn während des Drehs der Szene ereilte, in der Juno anscheinend an Selbstmord denkt.
„Mit dieser Stelle im Drehbuch konnte ich erst nicht viel anfangen. ‚Was soll das hier, am Anfang einer Komödie?’, dachte ich mir, aber als wir beim Drehen waren, wollte ich volles Selbstbewusstsein zeigen. Wir brauchten den richtigen Baum und ein wirklich, wirklich langes Seil aus Lakritze, also wurden diese Dinge gesucht, bzw. hergestellt, aber ich war mir wirklich immer noch nicht sicher. Doch mit einer von Ellens Ideen wurde alles anders: Sie beißt die Lakritze durch, und plötzlich machte alles Sinn. Im ersten Moment denkt Juno, ihr Leben sei vorbei, und dann ist sie auf einmal wieder Kind – das legt den Grundstein für viele ihrer Entscheidungen im Film. Sie spielt ein Mädchen, das vollkommen am Ende ist, und bringt die Leute dann zum Lachen.“
Für Produktionsdesigner Steve Saklad, der mit Reitman schon an THANK YOU FOR SMOKING gearbeitet hatte, bot sich mit JUNO die Chance, „die Zimmer drei unterschiedlicher Sechzehnjähriger zu entwerfen, die Räume von Junos unorthodoxen, bodenständigen Eltern zu gestalten, wo jedes Stück Dekoration eine langjährige Geschichte hat, und die Welt von Vanessa und Mark Loring zu erschaffen – in dem Wissen, dass Vanessa wohl jedes Design-Magazin kennt und versuchen würde, diesen mit der Einrichtung ihres Hauses so nahe wie möglich zu kommen.“
Kostümdesignerin Monique Prudhomme ging mit den gleichen Gedanken an Vanessa und Mark Lorings Garderobe heran, zumal diese den ersten Eindruck mitbestimmt, den Juno, ihr Vater und das Publikum von dem Pärchen bekommt.
„Vanessas Kleidung ist schlicht und sehr geschmackvoll – aber auch ein bisschen zugeknöpft. Sie zieht sich konservativ an, wählt sehr präzise aus, weiße Manschetten, Kragen – sie ist kantig. Jennifer Garner hat einen wunderschönen Kiefer, mit dem man sehr gut arbeiten kann, weil er der Figur ein bisschen Strenge verleiht, vor allem zu Beginn. Darum haben wir Jason Bateman in einen ähnlich konservativen blauen Pullover gesteckt, der Vanessas ergänzt: Ihm wird gesagt, wer er sein soll – jemand, der er nicht sein will. Das ist der Konflikt im Haus der Lorings. Später wird manchem auffallen, dass seine Kleidung sich mehr der Art und Weise annähert, wie sich auch Juno kleidet.“
Wenn die Kamera den Zuschauer nach draußen führt, zum Beispiel auf die Laufstrecke der Dancing Elk High, kann man förmlich die frische, kalte Luft in den Lungen spüren. Wenn Juno sich aber ihren Weg durch die Gänge oder den Speisesaal bahnt, ist die Kamera ihr dicht auf den Fersen und erzeugt so ein Gefühl der Klaustrophobie, je stärker, desto weiter ist ihre Schwangerschaft vorangeschritten.
Die Gewohnheiten echter Teenager hatten bei der Arbeit an JUNO viel Einfluss auf Reitmans Entscheidungen. Als Location-Scout hatte Reitman an einer anderen Schule ein paar Schüler beobachtet, die zwischen den Stunden an einer Vitrine für Trophäen herumhingen und sich unterhielten. Dieses Bild inspirierte Reitman dazu, Juno und Leah ähnlich zu platzieren in einer Szene, die Cody ursprünglich als Gespräch im Laufen geschrieben hatte.
Am Tag, als diese Szene aufgenommen wurde, bemerkte ein Besucher, dass die Vitrine den „Diorama“-Bildern ähnelt, die das Ende von THANK YOU FOR SMOKING markieren.
Eine Beschreibung des Stils von JUNO wäre nicht vollständig, ohne die Eröffnungssequenz zu erwähnen, die von einer Firma namens Shadowplay Studios entworfen wurde. Die Sequenz besteht aus handgemalten Einzelbildern, die jedes für sich aufgenommen und in einer Stop-Motion-Montage zusammengesetzt wurden. Shadowplay entwarf bereits den erinnerungswürdigen Vorspann von THANK YOU FOR SMOKING, der von dem Look alter Zigarettenpackungen inspiriert ist.
„Ich traf die Jungs bei einem Filmfestival in Japan, wo wir Kurzfilme vorstellten“, sagt Reitman. „Ihr fantastischer Film hieß ‘The Sky Is Falling’ und wir sahen uns auf so ziemlich allen Kurzfilm-Festivals wieder. Ich liebe ihre Arbeiten.“
Genauso wichtig wie der Look von JUNO war die Musik. Der Soundtrack zu Junos Leben ist ein wesentlicher Aspekt des Films, ob sie nun zu Mott the Hoople rockt oder sich zu den, ihrer Meinung nach, legendären The Stooges äußert. Um den Sound von JUNO zu entwickeln, arbeiteten Page und Reitman eng zusammen und setzten sich darüber auseinander, welche Musik welchen Charakter verkörpern könnte. „Als Jason mich fragte, welche Musik Juno wohl hören würde, antwortete ich sofort: ‚The Moldy Peaches’, ein Gruppe, von der er noch nie gehört hatte“, sagt Ellen Page. „Also ging ich an seinen Computer und spielte ihm die Moldy Peaches vor. Er verliebte sich in die Musik und wollte den Song für den Film haben“, erinnert sie sich. „Das Lied, das wir am Ende des Films spielen, war ein wichtiger Song in meinem Leben, er hat mich viele Jahre begleitet und ihn jetzt im Film zu hören, war wirklich ein phantastischer Augenblick für mich.“ Für Reitman wuchs sein in Page gesetztes Vertrauen in die Leichtigkeit, mit der sie ihren Charakter entwickelte parallel zur Gestaltung der Musik für den Film. „Ich denke, JUNO ist ein ‚Entdeckungsfilm’. Für viele Leute wird der Film eine Vorstellung von Ellen Page, Diablo Cody und The Moldy Peaches sein, eine Band, die ich an dem Tag entdeckte, als Ellen an meinen Computer ging, mir den Song ‚Anyone Else But You’ vorspielte und sagte, ’das ist die Musik, die Juno hören würde’’’, sagt Reitman. „Ich habe versucht, Kimya Dawson (die Sängerin der Moldy Peaches) zu erwischen und fragte, ob sie weiteres Solo-Material habe. Als Antwort bekam ich ein Paket mit sechs CDs mit über hundert Tracks. Ich kann gar nicht sagen, wie aufregend es ist, einen Brief zu öffnen und ‚den’ Soundtrack zu finden.“
Drehbuchautorin Diablo Cody sagt: „Ich liebe die Musik des Films. Ich glaube, dass Ellen Page eine Menge über Musik und Filme weiß. Sie ist einfach eine interessante Persönlichkeit und ein beeindruckender Mensch und sie drückt einer Sache einfach ihren Stempel auf.“