Als ich zwölf Jahre alt war, entschieden sich meine Eltern ein Kind zu adoptieren. Ich wuchs in einem Haus auf, das dem Anwesen der Lorings sehr ähnelt, mit Räucherstäbchen, Nippes in Plexiglas, und einer Galerie von Familienporträts, auf denen wir alle weiß gekleidet sind (tja, so waren wir!).
Eines Morgens versammelten wir uns alle im Wohnzimmer und meine Schwester und ich wurden darüber informiert, dass uns ein Sozialarbeiter besuchen würde, um herauszufinden, ob wir einem Adoptionskind ein passendes Zuhause bieten könnten. Es war wie ein Vorsprechen, ein Test, um zu zeigen, was für eine gute Familie wir waren.
Rückblickend weiß ich natürlich, dass wir als Kandidaten weit vorne lagen, eine liebevolle, wohlhabende Familie, die aus gutem Grund ein Kind adoptieren wollte. Aber ich erinnere mich an den Druck, den ich damals empfand. Ich verbrachte Stunden unter den Augen dieses Sozialarbeiters und fühlte mich, als ob ich mich in der englischen Romanausgabe meines eigenen Lebens befände: „Hallo Schwester, würdest Du gerne meinen Orangensaft mit mir teilen?“
Junos Geschichte basiert in gewisser Weise auf Diablos Jugenderinnerungen. Eine ihrer besten Freundinnen wurde in der High-School schwanger und entschloss sich, das Baby auszutragen.
Diablo wurde oft gefragt, was sie dazu brachte, aus dieser Geschichte ein Drehbuch zu machen. Die erste Szene, an die sie gedacht hatte – das was JUNO ausmacht – ist das erste Treffen im Haus der Lorings, wenn Juno die potenziellen Eltern ihres Babys kennen lernt.
Diese Szene ist unglaublich komplex in Bezug auf die Dynamik der unterschiedlichen Charaktere:
Da ist dieser Mittelschicht-Vater, der so ein Haus normalerweise nur betreten würde, um die Heizung zu reparieren und nun wie ein König behandelt wird.
Da ist ein 30jähriger Mann, den der Gedanke an eine bevorstehende Elternschaft in Schrecken versetzt. Er muss auf der einen Seite seine Frau beschwichtigen und ist auf der anderen Seite fasziniert von diesem einzigartigen jungen Mädchen.
Da ist eine 30jährige Frau, die selbst keine Kinder haben kann und die sich deshalb einem Teenager zuwendet, den sie in einem Einkaufszentrum einfach ignorieren würde. Sie bewegt sich wie auf rohen Eiern und hofft, das Vertrauen dieses Mädchens zu gewinnen, das seine Schwangerschaft eher als eine Unbequemlichkeit sieht.
Da ist dieses kleine 16 Jahre alte Mädchen, das normalerweise gegen alle gesellschaftlichen Schranken anrennt, das jetzt aber diese Erwachsenen unter die Lupe nimmt.
Letzten Endes ist JUNO nicht nur ein Film über die Schwangerschaft eines Teenagers, er erzählt auch die Geschichte der schwierigen Balance zwischen all diesen Figuren. Irgendwie schafft es Diablos Drehbuch sich all diesen Charakteren auf anspruchsvolle Weise, mit der nötigen Ernsthaftigkeit und dem notwendigen Respekt zu nähern.
Es gibt so viele Dinge, die dazu beitragen, dass ein Film funktioniert. Die Prozesse des Filmemachens sind zu kompliziert, als dass man eine Sache herausnehmen könnte. Aber wenn ich mich an diese erste Szene erinnere, und an die Darstellung dieser Charaktere, dann denke ich, dass Diablo und ich in dieser Szene auf der jeweils entgegengesetzten Seite des Wohnzimmers saßen. Die Kombination dieser Erfahrungen und das Zusammenwirken dieser unterschiedlichen Perspektiven führen dazu, dass in diesem Film nicht nur Humor sondern auch so viel Wärme mitschwingt.“