Mein Name ist Diablo Cody – naja, nicht wirklich. Aber was soll’s? Zu Kunstgriffen wird man in Hollywood ermutigt, sie werden sogar honoriert. Dies ist eine Stadt, in der alle „natürlichen“ Blondinen buchstäblich bis zu den Zähnen wasserstoffblond sind und sich bräunen, bis sie sich eine gegerbte, unzersetzbare Lederhaut zugelegt haben. Es ist ein Ort, an dem Todfeinde ihren Zorn hinunterschlucken und sich in die Arme fallen. An blauen, heißen Nachmittagen wirkt sogar die Luft wie ein Seidenmalerei-Bild, wenn die Wolken so aussehen wie Jayne Mansfields Haar und die Sonne unbeständig funkelt. Es ist alles ziemlich cool, aber es ist ganz sicher nicht real.
Das ist nur ein Grund warum ich immer noch ziemlich von den Socken bin, dass JUNO, ein unkonventioneller kleiner Film, der das Herz auf der Zunge trägt, überhaupt zustande kam.
Ich habe das Buch im fernen Minnesota geschrieben, was logischerweise schon mal gegen mich sprach. Manchmal schrieb ich am Küchentisch, manchmal schrieb ich in der Kneipe, manchmal klaubte ich einige Dialogzeilen während meiner kostbaren 15-Minuten-Pausen bei der Arbeit zusammen. JUNO wurde zu meiner geheimen Leidenschaft und ich erwartete unsere gemeinsame Zeit so sehnsüchtig wie ein Schulmädchen ein Rendezvous. Ich weiß nicht, ob irgendjemand daran glaubte, dass ich wirklich ein Filmdrehbuch schreiben könnte – ich glaubte es nicht.
Im Gegensatz zu den Drehbuchautoren, die ihre Ware im grausamen Burbank anbieten müssen, schrieb ich in einem bequemen Vakuum.
Ironischerweise ist der Mann, der dieses absolute Midwestern-Drehbuch auf die Leinwand brachte, ein totaler Hollywood-Boy. Jason Reitman. Ich meine, er ist der Spross einer verdammten Filmemacher-Dynastie. Dieser Typ kannte in seiner Jugend alle Ghostbusters persönlich (und wenn du in den achtziger Jahren ein Kind warst, dann weißt du, dass das verdammt toll ist).
Und dennoch, als wir uns zum ersten Mal trafen, über einem Waffenladen am Sunset, strahlte er eine Wärme und Authentizität aus, die man nur selten findet. Für den Sohn eines A-Regisseurs wirkte er viel zu cool, viel zu real.
Sagen wir mal so: Ich verbrachte meine College-Jahre damit MTV zu glotzen und mich von meinen Mittelklasse-Eltern abzunabeln. Währenddessen verkaufte Reitman, das so genannte ‚Privilegierten-Kind’, Anzeigen in USC-Kalendern um damit seinen ersten Kurzfilm zu finanzieren. Sein Arbeitsethos täuscht über seine Herkunft hinweg.
Reitman und ich verstanden uns auf Anhieb, obwohl er Anfangs Scherze darüber machte, dass er sich vor meinen Tattoos fürchtete. Ehrlich gesagt hatte ich Angst vor seinem Talent. Ich hatte inzwischen den Mut aufgebracht, mit etwas mehr Selbstvertrauen an das Drehbuch zu gehen, aber ich hatte nicht erwartet, dass jemand wie Jason – der selbst ein wunderbarer Autor ist – seinen eigenen Kram zur Seite packen würde, um bei JUNO Regie zu führen. Aber genau das tat er und nach ein paar Monaten drehten wir in Vancouver. Es war total verrückt.
Ich finde keine Worte, um zu beschreiben, wie es war, Schauspieler wie Ellen Page und Allison Janney dabei zu beobachten, dieses Drehbuch lebendig werden zu lassen. Stundenlang hing ich vor den Monitoren und wurde fast verrückt. Es ist schwer zu sagen, was schöner war, JUNO zu schreiben oder das Drehbuch in die Hände dieser begabten Leute zu geben.
Seit JUNO habe ich weitere Drehbücher geschrieben und ich hoffe, so Gott will, dass ich noch mehr schreiben werde. Aber Jason hat mich oft daran erinnert, dass es auch beim Film nur ein ‚erstes Mal’ gibt. Und wie Juno MacGuff, die (so unwahrscheinlich das auch ist) ihre wahre Liebe mit 16 findet, habe ich das Glück gehabt, filmisch gesehen mein „erstes Mal“ auf eine höchst angenehme Weise zu erleben. Der gesamte Ablauf, vom Schreiben, über die Produktion, bis zur Herausbringung des Films, war so warmherzig, erfreulich und vor allem: so real. In Hollywood ist das viel bemerkenswerter als Sashimi auf einer CAA-Party.