Mittwoch | 30. Mai 2012 | 18:27 Uhr
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    Action, Abenteuer, Komödie, Animation | USA 2008
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      • | Produktion: Die Action-Sequenzen

      • Nachdem die Produktion in Gang gekommen war und alle Abteilungen an die Arbeit gingen, war es an der Zeit, einige der großen Action-Sequenzen in Angriff zu nehmen, die „KUNG FU PANDA“ zu bieten hat. Als erstes: Tai Lungs nahezu unmöglicher Ausbruch aus dem Chorh-Gom-Gefängnis.

        „Wir wussten, dass das etwas Besonderes werden musste“, sagt Osborne, „denn es legt fest, wer Tai Lung ist, dieser legendäre, unaufhaltsame Krieger – der berühmteste und am meisten gefürchtete Kung Fu-Meister der Welt. Diese Sequenz sollte unser Markenzeichen werden und den Leuten zeigen, dass unser Film atemberaubendes Kung Fu zu bieten hat. Es musste also gut werden – und cool und spannend obendrein.“

        Die übermenschliche Art des Gefängnisausbruchs zeigt deutlich, wie Tai Lung jeden Gegner überwältigt und sie alle zugleich besiegt. Jeder Zuschauer würde sich dabei die Frage stellen: Wie wird ein plumper, knuddeliger Panda diesen Kerl zur Strecke bringen? Genau das war mit der Szene auch beabsichtigt: der rachsüchtige Schneeleopard wirft bereits seinen dunklen Schatten auf den zweiten Akt des Films. Er nähert sich bedrohlich, und das müssen die Zuschauer im Kopf behalten, ohne dass die Filmemacher erneut auf ihn verweisen.

        Dafür musste man eine überwältigende Sequenz erschaffen – und akkurate Arbeit an den Storyboards war vorab nötig, um diese atemberaubende Action zu gewährleisten. Daniel D. Gregoire (ein Experte in der Prä-Visualisierung, der bereits an „Krieg der Welten“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ arbeitete) entwickelte eine Vorab-Illustration der Sequenz, die sich als hilfreich erwies, als man die dynamischen Kamerabewegungen festlegte und die Szene von einer animierten Action-Szene zu einem coolen, realistischen Feuerwerk werden ließ. Gregoire meint: „Wir hatten sehr spezifische Vorstellungen für diese Szene. Sie war fast wie ein Videospiel gestaltet, der Schauplatz hat epische Ausmaße. Es war klar, dass es ein Ausbruch aus dem Gefängnis werden sollte. Dann aber dachten wir uns: Wenn es schon ein Ausbruch wird, dann soll es das verrückteste Gefängnis sein, das es jemals gab. Deshalb entwarfen wir ein Gefängnis für nur einen einzigen Insassen – das passt perfekt zu Tai Lung.“

        Dieses Gefängnis wurde in einen Berg in der Äußeren Mongolei hinein gegraben. Das Design bediente sich einer ganzen Mischung von Einflüssen, darunter der italienische Maler Piranesi, der im 18. Jahrhundert mehrere Studien zu Fantasie-Gefängnissen malte, außerdem Anlehnungen an die Wehranlagen der Chinesischen Mauer (die sich im Film jedoch im Inneren des Gefängnisses befinden). Dazu kam die Videospiel-Atmosphäre, indem man das Gefängnis in Sicherheits-Ebenen aufteilte: auf der ersten Ebene die Bogenschützen, auf der zweiten sind Brücken mit ganzen Armeen kämpfender Soldaten, auf der letzten Ebene befindet sich eine Decke, die zusammenbricht – ein letzter Versuch, den Häftling im Gefängnis zu halten.

        Während sich Tai Lung nach oben kämpft, verändert sich mehr als nur die Zusammensetzung der Ebenen – auch die Farbgebung der Szenen wird anders. Im Laufe des Ausbruchs sehen wir den Schneeleoparden gegen unzählige Wachleuten kämpfen – also auch die Farbe Blau gegen die Farbe Rot. Blau, Grau und Violett sind Tai Lungs Farben, die das Gefühl der winterlichen Kälte vermitteln, das zu einem todbringenden Schneeleoparden passt. Rottöne und andere warme Farben werden traditionell – in der östlichen und auch in anderen Kulturen – mit Kraft und Stärke assoziiert, mit der Wärme der Sonne, den Flaggen über den Schlachtfeldern. Sobald die Wachmannschaften des Gefängnisses überwältigt werden, verwandelt sich die Farbe der unterlegenen Ebene von Rot zu Blau (da die Lichter ausgehen). Das ist ein visuelles Signal, das Tai Lungs Vormarsch kennzeichnet, und die winterliche Todeskälte ankündigt, die sich des Tals bemächtigen wird, falls er nicht aufgehalten werden kann.

        Raymond Zibach sagt: „Ursprünglich hatten wir an ein vertikales Gefängnis gedacht. Doch aufgrund des Videospiels musste ich mich fragen: Wie können wir Tai Lungs Ausbruch interessant gestalten? Also entwarfen wir viele Brücken für die Bogenschützen und einen interessanten Parcours. Dann dachte ich, ein Aufzug wäre eine tolle Idee, um die untere Ebene von der darüber liegenden zu trennen und Vachir die Sicherheitsbarriere zu geben, die er braucht, um zu glauben, dass Tai Lung keine Möglichkeit hätte, an diesen spiegelglatten Felswänden empor zu klettern. Meiner Meinung nach waren diese Hürden interessante Lösungen, denn eine solche Sequenz hatte ich noch nie zuvor gemacht. Es erwies sich als sehr erfindungsreich und hat unseren Schurken von Anfang an definiert. Die Szene zeigt, dass er intelligent und talentiert ist.“

        Dieses Talent wird auch im Kampf mit den Furious Five mehr als deutlich. Mark Osborne meint: „Der Kampf auf der Brücke ist meiner Meinung nach eine der coolsten Kung-Fu-Szenen der Filmgeschichte. Es ist wirklich aufregend, das von einem Animationsfilm sagen zu können, denn obwohl ich sicher bin, dass es sehr schwierig ist, einen Kung-Fu-Film mit lebendigen Schauspielern zu drehen, birgt die Animation doch ihre ganz eigenen Herausforderungen. Wir haben großartige Künstler und technische Spezialisten, die diese Figuren auf eine Art und Weise erschaffen haben, die ihnen sämtliche Fähigkeiten verleiht, einen so spektakulären Kampf auszutragen. Diese Sequenz ist aus vielen Gründen hoch kompliziert: unsere Figuren haben Fell, tragen Kleidung, kämpfen Kung Fu auf einer zusammenbrechenden Hängebrücke – jedes einzelne dieser Elemente ist für sich schon höchst kompliziert.“

        Angelina Jolie sagt, sie sei von der Szene sehr beeindruckt gewesen: „Das ist großartige Action. Ich habe unterschätzt, was daraus werden würde. Ich bin nicht nur positiv überrascht, sondern wirklich überwältigt. Jedes Mal wenn ich einen Film gemacht habe, bei dem ein Stunt absolviert werden musste, hat man das einstudiert und versucht, den besten Weg zu finden, um die Szene interessant zu machen. Meiner Meinung nach sind die besten Stunt-Szenen die, bei denen die Zuschauer alles verstehen, was passiert, und den Details folgen können. Gleichzeitig sieht man dabei aber Dinge, die man noch nie zuvor gesehen hat. Und alles wird auf höchst außergewöhnliche Art gemacht. Diese Kampfszene auf der Hängebrücke zu sehen und alles, was sie sich dafür haben einfallen lassen, die unterschiedlichen Kampfstile der Tiere, wie alles so clever zusammengesetzt ist… das war weit mehr, als ich mir davon versprochen hatte, wirklich hervorragend konzipiert, schön ausgearbeitet und außerdem richtig witzig.“

        Auch hier waren die Storyboards von unschätzbarem Wert. Jennifer Yuh Nelson, Head of Story, zeichnete die Sequenz basierend auf dem Input des gesamten Story-Teams. „Wie zeigten ihre Boards dem Effects-Team, und die meinten nur: Das ist unmöglich“, erzählt Melissa Cobb. „Dann zeigten wir sie den Animations-Spezialisten, die ebenfalls meinten: Das ist unmöglich. Also sagten wir: Toll, lasst uns das machen! Der nächste Schritt war dann, es vor einem provisorischen Layout zu drehen, um ein echtes Gefühl für das Set zu bekommen, dafür, wie hoch die Brücke und wie groß das Set und wie klein die Figuren sein mussten. Das war eine spannende Phase. Dann gingen die Animations-Leute ans Werk, um die Action und die Emotionen der Figuren zu animieren, wobei sie einige sehr bewegende Momente kreierten. Es gibt eine Einstellung, in der die Tigerin und Tai Lung aufeinander springen, gedreht in einer wunderbaren Zeitlupe, wie ein Ballet.“

        „Dann ist da noch die Abschlussarbeit“, fährt Cobb fort. „bei der das gesamte Werkt des Produktionsdesigns zusammenläuft und man sich mit der Ausleuchtung beschäftigt. Da kommen die erstaunlichen Texturen der Berge richtig zur Geltung, die fantastischen Details der Seile, der Nebel… und es ist, als würde man die Szene zum ersten Mal betrachten.“

        Jennifer Yuh Nelson erklärt: „Wir begannen mit einem wunderbaren, unterhaltsamen Drehbuch, und da dies sowohl ein verbales wie auch visuelles Medium ist, wollten wir es auch visuell unterhaltsam machen. Viel am Aussehen der Figuren, an ihrem Verhalten und ihren Eigenheiten entwickelt sich erst im Verlauf der Arbeit an der Geschichte. Wir versuchen, das alles auf interessante Weise zu präsentieren, indem wir die Storyboards zeichnen, darüber sprechen, manche Seiten schreiben und diese dann wiederum zeichnen, um sie den Autoren zuzuschicken; während dieses Brainstormings haben wir uns auch immer wieder Kung-Fu-Filme angesehen. Die Action-Filme aus Hongkong machen immer großen Spaß, ich bin mit ihnen aufgewachsen. Dazu kam, dass wir uns von Anfang an einer richtigen Kung-Fu-Gehirnwäsche unterzogen und die ganze Zeit solche Filme angeschaut haben.“

        Dieses Eintauchen in das Genre stattete die Filmemacher und den Stab mit einem immer üppiger sprudelnden Quell von Ideen aus. Um die Dinge auf der Brücke noch brenzliger werden zu lassen, fügten sie immer kompliziertere Elemente hinzu. Das Ergebnis ist eine Non-Stop-Sequenz, wie sie nur selten in einem Animationsfilm zu sehen war – eine idealisierte Ikone, die wohl in Spielfilmen vorkam, aber bisher noch nie im Animationsbereich, und gewiss nicht unter Mitwirkung von sechs Kung-Fu-Meistern, die Dinge tun können, die sogar erfahrene Stuntleute unter Zuhilfenahme sämtlicher Spezialeffekte kaum würden bewerkstelligen können.

        Produktionsdesigner Zibach sagt: „Wir nennen es die Brücke der Unendlichkeit – sie ist über eine Meile lang und spannt sich über eine bodenlose Kluft. Seit Ewigkeiten hängt sie dort und soll die Barriere sein, die Tai Lung vom Tal des Friedens trennt. Es sollte eine epische Brücke sein, die in sich zusammenbricht. Moos überzieht die Planken, damit sie verwittert und gealtert wirkt. Wir haben viel Zeit dafür verwendet, die Oberfläche der Brücke zu gestalten; sie musste aus jeder Perspektive richtig aussehen. Dazu kam, dass wir aus großer Entfernung drehen wollten, also war das Set ziemlich groß. Die Sequenz ging ziemlich schnell in die Produktion und musste von den Abteilungen schnell verwirklicht werden, direkt von den Storyboards ins Rough-Layout, dann die Oberflächenstrukturen und das Modeling. Es gab keine Atempause. Jeder war dermaßen bei der Sache, dass alles schnell klappte. Letztendlich liegt die Herausforderung einer solchen Szene darin, dass man große Entfernungen darstellen kann. Technisch gesehen ist es ziemlich schwierig, ein mattes Gemälde mit einem computergenerierten Set zu verschmelzen. Aber genau das sehen wir hinter dem Nebel in der Entfernung.“

        Und nun vom Sublimen zum möglicherweise Lächerlichen. Nachdem Shifu eine Trainingsmethode entdeckt hat, von der er sich bei Po Erfolg verspricht – basierend auf der Erkenntnis, dass ein Panda alles Erdenkliche tun wird, um an Nahrung zu kommen -, bereitet er das vor, von dem Po glaubt, es sei ein Belohnungs-Dinner mit köstlichen Teigklößchen hoch auf einem Berggipfel. Wenn ein Panda hungrig ist, lässt ihn der Gedanke ans Essen nichts anderes mehr wahrnehmen, so dass sein Körper Dinge leisten kann, die ansonsten niemals möglich wären. John Stevenson erklärt: „Shifus Trick mit dem Essen bringt Po dazu, Kung Fu zu machen, ohne darüber nachzudenken; das ist eines der Prinzipien der Kampfkunst: wenn man zu sehr darüber nachdenkt, bricht die Konzentration zusammen. Deshalb muss man auch unermüdlich üben, um an den Punkt zu gelangen, an dem der Geist gar nicht wahrnimmt, was der Körper da gerade vollbringt – das nennt sich Muskelgedächtnis. Man wird besser, wenn man sich selbst nicht dadurch im Weg steht, dass man zu lange grübelt. So vollbringt man Höchstleistungen. In sämtlichen Kung-Fu-Filmen greift man auf das „Chi“, also auf die innere Kraft zurück, indem man an gar nichts denkt und nur handelt. Also ist der Kampf mit den Essstäbchen Pos der Gipfelpunkt in Pos Training. Dabei ist er endlich in der Lage, sein wahres Kung-Fu-Potential zu entfalten.“

        Als Po schließlich das letzte Klößchen erwischt, ist er so zufrieden mit seiner Leistung, dass er gar keinen Hunger mehr verspürt. Zum wahrscheinlich ersten Mal in seinem Leben ist er nicht hungrig – und das ist für einen Panda, der an den andauernden Konsum von Futter gewöhnt ist, eine immense Verwandlung… es ist der Wendepunkt für den auserwählten Dragon Warrior.

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