Mr. Ping ist Pos Gänse-Vater und hegt keinerlei Kung-Fu-Ambitionen. Er ist zufrieden als Besitzer und Koch im beliebtesten Nudel-Restaurant des Tals – ein Geschäft, von dem er hofft, es eines Tages seinem Sohn Po vermachen zu können. Mr. Ping wird im Original von James Hong gesprochen; als Schauspieler hat er in über 600 Filmen eine Vielzahl unterschiedlichster Rollen im Kino (von „Blade Runner“ bis „Mulan“) sowie im Fernsehen (von „Seinfeld“ bis „Law & Order“) gespielt. In der Rolle von Pos Vater hat er die Gelegenheit, einen umtriebigen und interessanten Charakter zu gestalten, der so damit beschäftigt ist Nudeln herzustellen, dass er kaum etwas anderes mitbekommt. Wahrscheinlich erkennt er noch nicht einmal, dass Po ein Panda-Bär ist.
Tatsächlich ist Hong selbst der Sohn eines Nudelmachers. Osborne erzählt: „Bei unserem ersten Treffen mit James Hong erzählte er uns, dass sein Vater selbst Nudeln herstellte und ein Restaurant hatte. Als Kind hat er also selbst damit gearbeitet und verstand vollkommen die Erfahrung, die Po durchmacht – Hongs Familie wollte, dass er Architekt wurde -, ebenso wie die Rolle von Pos Vater – denn er hatte aus erster Hand Erfahrungen mit der Nudelherstellung gesammelt.“
Auf dem Papier hätte Mr. Ping kühl, vielleicht sogar etwas gemein wirken können. Er treibt Po streng an und nimmt sich nie die Zeit, um wahrzunehmen, dass sein erfolgreicher Nudeltraum nicht der Sehnsucht seines Sohnes entspricht. Er liebt seinen Sohn zwar, kann das jedoch nicht wirklich zeigen. Regisseur Stevenson sagt: „James hat der Figur viel Wärme verliehen. Po liebt seinen Dad und möchte sich um ihn kümmern, also bleibt er in dem Nudelgeschäft und arbeitet in einem Beruf, der ihm nicht liegt. Er beugt sich dem Traum seines Vaters, weil er noch nicht genügend Mut gefasst hat, seinem eigenen Traum zu folgen. Das gelingt ihm erst später. Sein Vater ist tatsächlich am Ende der Geschichte eine sehr bedeutsame Figur, obwohl es zu Beginn so wirkt, als würde er Po an seiner Entfaltung hindern.“
Po und Hong haben eine ähnliche Entwicklungsgeschichte: „Ich habe meinem Vater gehorcht. Ich habe meine Arbeit gemacht. Ich bin aufs College gegangen und habe meinen Abschluss in Ingenieurswissenschaften gemacht. Und dann wurde ich Schauspieler. Aber die Rebellion begann noch während meiner Studienzeit. Während ich am College war, nahm ich Schauspielunterricht. Da ich aber meinen Eltern gefallen wollte, wählte ich den Ingenieurberuf, denn das war etwas Handfestes. Meinen Abschluss machte ich dann als Architekt an der USC, um Brücken zu bauen. Doch dann kam meine wahre Sehnsucht zum tragen, genau wie bei Po. Ich begann, nebenbei zu Schauspielern, als ich noch auf der USC war. Als ich mein Studium abschloss, wurde ich bereits für Rollen engagiert, also habe ich die Architektur einfach für die Schauspielerei aufgegeben. Was für ein Architekt wäre ich wohl geworden? Ich weiß es nicht. Als Schauspieler habe ich es aber wohl ganz gut hingekriegt.“
Auch Oogway hatte eine lange und produktive Karriere – er ist die uralte Schildkröte und hat das Kung Fu zur Verteidigung der Hilflosen erfunden. Der ehemalige Krieger, jetzt das spirituelle Oberhaupt der Kämpfer, widmete sein Leben dem Schutz derjenigen, die sich nicht selbst schützen können. Er hat buchstäblich alles gesehen (und überwunden) und weiß, ganz tief in seiner Seele, dass es keine Zufälle gibt… trotz der Tatsache, dass er die gesamte Hoffnung des Tals in die Panda-Pfoten eines aus der Form geratenen Kung-Fu-Neulings legt.
Meister Oogway wird im Original von Randall Duk Kim gesprochen; er hat sich am Theater sowie in Film und Fernsehen einen Namen gemacht und mit seiner Rolle als Keymaker im zweiten Teil der Blockbuster-Trilogie „Matrix“ viele Fans gewonnen. Die Filmemacher waren davon überzeugt, dass er sich auch gegen Dustin Hoffman würde behaupten können, wobei er sich dennoch die Gewichtigkeit und innere Ruhe bewahren würde, die einem 1.000 Jahre alten Prophet und spirituellem Oberhaupt gebührt.
Kim erklärt: „Oogway gehört der Tradition der alten, wissenden Weisen an, die dem jungen Helden helfen – genau wie Merlin in der Artus-Sage. An Oogway gefiel mir seine unermessliche Weisheit, sein hohes Alter, sein Mitgefühl, seine Freundlichkeit und sein sanfter Humor. Da er eine Kampfkunst entwickelt hat, mit dessen Hilfe sich die Hilflosen selbst verteidigen konnten, wurde er zum Beschützer der Kleinen und Verletzlichen. Eine solche Rolle ist immer attraktiv. Oogway ist jemand, dem ich nur nacheifern kann. Indem ich älter werde, wünsche ich mir, so wie er sein zu können – mitfühlend, geduldig, verständnisvoll und freundlich. In unserer Welt sind das Tugenden, nach denen jedermann streben sollte.“
Obwohl er im Tal des Friedens wie ein Heiliger verehrt wird, verfügt Oogway dennoch über eine humorvolle Seite, und angesichts einiger seiner Taten könnten sich die Zuschauer fragen, ob er wohl noch ganz bei Trost ist: Ist er nun senil oder einfach völlig verrückt? War seine Wahl des Panda ein katastrophaler Fehler, oder weiß er wirklich mehr über das Universum, als er offenbart? Osborne meint dazu: „Oogway würde niemals versuchen seine Methoden zu erklären, denn wir würden es niemals verstehen. Randall hat das gut verinnerlicht. Er hat sehr dabei geholfen, Oogway große Bedeutung zu verleihen. Er ist eine wichtige Figur, eine Art zentraler Anker.“
„Es gab diesen einen Satz, der mich an die Zeit erinnerte, als ich Tai Chi praktizierte, und unser Lehrer ihn immer sagte, wenn wir meditierten. Es geht darum, dass der Geist getrübt und man nicht in der Lage ist, die Dinge klar zu sehen“, erinnert sich Kim. „Wenn man seinem Geist gestattet, Ruhe zu finden, still zu sein, dann wird alles klarer und das eigene Bewusstsein wird geschärft. Vielleicht kann man die Antworten auf schwierige Fragen in sich selbst finden. Dieser Satz rief mir das in Erinnerung und brachte mich zum Nachdenken.“
Oogway steht ganz oben in der Rangordnung des Jade-Palasts; der nervöse Gänserich Zeng rangiert in der Hackordnung ganz unten. Zeng ist der stets erschöpfte persönliche Assistent von Meister Shifu, den man durchaus als anspruchsvollen Boss bezeichnen könnte. Dies macht Zengs neue Aufgabe nur noch nervenaufreibender: er muss so schnell wie möglich ins Chorh-Gom-Gefängnis fliegen, um Kommandant Vachir davon in Kenntnis zu setzen, dass Oogway eine Vision hatte – Tai Lung wird ausbrechen. Dan Fogler verleiht Zeng seine gestresste, „hör-mir-zu-der-Himmel-wird-auf-unsere-Köpfe-fallen“-Stimme.
Fogler genoss seinen meist komödiantischen Einsatz und bezog seine Inspiration aus einigen sehr alten Geschichten: „Was mir an Zeng gefiel? Wie viele Figuren in diesem Film ist er sehr klassisch. Sie scheinen zu einer alternativen Version von Äsops Fabeln zu gehören, der Kung Fu beigemischt wurde. Viele basieren auf Archetypen – Zeng ist der klassische Diener aus der Commedia dell’Arte, der ständig herumgestoßen und mit Aufträgen betraut in der Gegend herumgeschickt wird. Er ist immer sehr nervös und gestresst und versucht, jedem zu gefallen. Hinter verschlossenen Türen aber hasst er sein Dasein, und das macht großen Spaß zu spielen. Außerdem gehört er zur Gattung des Geflügels - und ich bin mit Daffy Duck und Donald Duck und all dem anderen verwandten Federvieh aufgewachsen. Auf gewisse Weise steht mir Zeng also sehr nahe.“
Eine so hochkarätige Besetzung schürte das Feuer der Kreativität in den Filmemachern – und vice versa. Mark Osborne sagt: „Sowohl Jack als auch Dustin und Jackie und Angelina, genau wie jeder andere der wunderbaren Schauspieler, sie alle trugen mit ihrer Energie dazu bei und inspirierten uns immer wieder aufs Neue, durch ihr Engagement bei der Darstellung und ihr so breit gefächertes Talent.“
John Stevenson fügt hinzu: „Sämtliche Schauspieler in unserer Besetzung sind großartig. Wie haben wundervolle Erfahrungen mit ihnen gemacht. Und es war wirklich gut, das wir uns in einer schallisolierten Kabine getrennt von ihnen aufhielten, während sie die Aufnahmen einsprachen - denn wir konnten einfach nicht aufhören zu lachen. Wir hatten die Witze zwar schon viele Male gehört, aber oft haben die Schauspieler dann improvisiert und mit dem Stoff herumgealbert, so dass sie unser Konzept komplett veränderten. Das war eine tolle Brise frischer Wind für den Film. Eines der schwierigsten Unterfangen bei Animationsfilmen ist es, irgendwann spontan agieren zu können. Es müssen schon großartige Schauspieler sein, die die Filmemacher inspirieren, genau wie es großartige Animations-Spezialisten sein müssen, um die Lichteffekte zu inspirieren, und es tolle Lichteffekte braucht, um die Endbearbeitung zu inspirieren.“
Melissa Cobb fügt hinzu: „Es wäre zu schwierig, einen einzigen Schauspieler zu benennen, der uns am meisten inspiriert hat. Bei allen gab es Momente, in denen die sie uns überraschten – und emotional an einen Punkt führten, den wir nicht erwartet hätten, oder das gewisse Etwas, die Extraportion Humor zu einer Passage beitrugen, die wir so noch nicht wahrgenommen hatten. Das sind wirklich große Geschenke, die uns die Schauspieler gemacht haben – damit konnten wir nachher intensiv spielen und die beste Darstellung zur Geltung bringen.“
Nicht nur die Filmemacher waren voll des Lobes für ihre Schauspieler; auch die Darsteller waren von den Fähigkeiten ihrer Regisseure und Produzenten beeindruckt. Lucy Liu fasst es am besten zusammen: „Sie hatten die unglaubliche Fähigkeit, uns in diese Welt einzuladen, die sie gerade erschufen – und sie uns vor Augen zu führen, während man einfach auf einem Stuhl saß oder vor dem Mikrophon stand. Mehr war da nicht: ein Raum, ein Mikrophon, ein Stuhl, ein Kopfhörer, ein Glas. Sie schilderten uns diese Welt in allen Farben, durch ihre Vorstellungskraft nahmen ihre Worte Form an. Sie haben das Talent, dich in dem Film wirklich leben zu lassen, in der Umgebung, die sie erschaffen haben. Es war etwas Besonderes, daran Teil zu haben, denn man tauchte immer tiefer in diese Welt ein. Wenn die Aufnahmen im Kasten waren, hatte man immer das Gefühl: Oh nein! Jetzt muss ich nach Hause gehen und weiß gar nicht, was ich mit mir anfangen soll!“