Für den Drehbuchautor Bill Kelly begann der Film VERWÜNSCHT mit der Idee, eine naive, unschuldige Figur zu schaffen, die sich mit staunenden Augen in einer modernen, zynischen Welt zurechtfinden muss. „Es war eine von diesen „Was wäre, wenn…“-Ideen“, sagt Kelly. „Wir haben daran gearbeitet, hatten aber anfangs Schwierigkeiten, diese Figur glaubhaft zu gestalten. Und eines Tages dann fiel die Entscheidung, dass wir es deutlich leichter haben würden, wenn unsere Heldin eine Zeichentrickfigur wäre. Das war dann die zündende Idee für diesen Film.“ Das erste Drehbuch-Exposé landete bei den Produzenten Barry Josephson und Barry Sonnenfeld. „Diesem Exposé von Bill Kelly merkte man bereits an, dass er einen fantastischen Job machen würde – indem er diese Disney-Märchenprinzessin aus einer handgezeichneten Welt ins wahre Leben verfrachtet“, bemerkt Josephson. „Und genau das hat mich an diesem Projekt so gereizt.“
Auf dem Weg der Entwicklung weckte VERWÜNSCHT auch die Aufmerksamkeit von Disney-Regisseur Kevin Lima, der Filme wie A GOOFY MOVIE („Der Goofy Film“, 1995), 102 DALMATIANS („102 Dalmatiner“, 2000) und TARZAN („Tarzan“, 1999) inszeniert hatte. Diese erfolgreichen Filme hatten bewiesen, dass Lima nicht nur sein ganzes Leben lang ein echter Fan des Genres, sondern auch imstande war, mit der klassischen Sensibilität des Materials zu spielen – und zwar respektvoll, aber nicht in Ehrfurcht erstarrt.
Schon bald trafen sich Josephson und Lima, um das Projekt zu diskutieren. Josephson erinnert sich: „Vom ersten Moment an wusste ich, dass Kevin eine großartige Vision für diesen Film hatte, und dass er unglaublich viel Input und Perspektiven einbringen würde.“ Und Lima sagt: „Ich habe das Skript gelesen und gedacht: ,Das ist perfekt für mich – und ich bin wie gemacht für diesen Film!‘ Ich habe meine Karriere als Zeichner und Designer begonnen und wurde dann Regisseur von Zeichentrickfilmen. Ich kenne diese Welt in- und auswendig, und ich liebe sie!“
Die endgültige Vision von VERWÜNSCHT wurde geboren, als sich Lima und Bill Kelly trafen und dank einer famosen Chemie zwischen ihnen die perfekte Version der Geschichte herausarbeiteten. Ein Schlüsselbeitrag war der Vorschlag von Kevin, dass man die beiden Welten des Drehbuchs – die gezeichnete und die reale – enger miteinander verknüpfen könne, wenn man die Ikonografie der Märchenexistenzen an einem Ort wie New York stärker in den Vordergrund rücken würde, an dem Menschen nicht unbedingt aus heiterem Himmel anfangen zu singen oder glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben. Für den ausführenden Produzenten Chris Chase steht fest: „Ich bin mir sicher, dass nur jemand mit Kevins Erfahrung als visueller Künstler, der das Vermächtnis von Disney so präzise versteht, diese beiden Welten so natürlich miteinander verschmelzen konnte.“
Es war genau diese Nebeneinanderstellung der beiden Welten, die Limas kreative Ader so beflügelte. „Der Film beginnt in einer typischen Disney-Zeichentrickwelt“, erklärt er. „Für mich ist das wie eine Dose kondensiertes Disney – ganz dick und komprimiert. Man öffnet die Dose, und heraus kommen all diese Disney-Ikonen innerhalb einer zehnminütigen Eröffnungssequenz, nach der der Film erst richtig in Fahrt kommt. Im Grunde ist VERWÜNSCHT natürlich ein Live-Action-Film. Die Charaktere aus der animierten Eröffnungsszene werden zu echten Menschen, und diese Transformation ist der Kern der Geschichte. In Disney-Filmen geschehen Dinge, die im wahren Leben nie passieren würden, und genau damit spielt der Film auf ganz großartige Weise.“
„Bei der Arbeit mit Kevin Lima wurde uns bewusst, dass wir einen sehr liebevollen Zugang zu den Disney-Charakteren erzielen wollten“, sagt Bill Kelly. „Wir sind alle Fans vom Vermächtnis und der Geschichte von Disney-Animationen, und diese ikonischen Figuren, Ideen und Themen zu nehmen und sie – mit all ihrer dreisten Unschuld – auf den Zynismus der modernen Welt prallen zu lassen … danach haben wir gestrebt. Aber natürlich durfte die Balance nicht zu sehr Richtung Zynismus kippen.
„Und der Zynismus sollte sich an dieser Unschuld reiben“, ergänzt Lima. „Ich meine: Giselle tritt in unsere Welt mit großen Augen und voller Unschuld. Sie akzeptiert alles, wie es ist, und nimmt die Freuden des Lebens an. Ihre Freude wirkt sich auf jede einzelne Person aus, mit der sie in Kontakt kommt… und am Ende verzaubert sie jeden.“
Giselle ist ein Konglomerat aus Charakteren wie Schneewittchen, Aschenputtel, Dornröschen, Belle und Arielle, der Meerjungfrau. Und wie bei all diesen jungen Damen brechen auch aus ihr Lieder hervor, wenn Worte keine angemessene Form der Kommunikation mehr zu sein scheinen. Zu Beginn des Films versucht Giselle, sich ein Bild von ihrem Traumprinzen zu machen – jenem Mann, den das Schicksal dazu bestimmt hat, ihr das teuerste Geschenk zu machen, dass eine Jungfrau erhalten kann: den Kuss der wahren Liebe. Als Giselle ihren Freunden, den Tieren des Waldes, von dem heldenhaften Mann und dem lange erwarteten Kuss erzählen will, singt sie ... und dieses Lied ist es, das Prinz Edward in ihr Leben treten lässt.
In Andalasien singen selbst die Prinzen. Besonders, wenn sie nach jemandem suchen, mit dem sie ein Duett bilden können. Also reitet Edward in den Wald und folgt dieser wunderschönen Stimme. „Er sucht nach der Jungfrau, mit der er ein Duett singen kann, und er hört weit entfernt die Stimme von Giselle“, sagt Lima. „Also springt er wie jeder anständige Disney-Prinz auf sein Pferd und reitet los. Dummerweise kommt ihm dieser Troll zuvor, und Edward muss erst mal mit ihm kämpfen, um zur Prinzessin zu kommen. Aber er ist siegreich, und als sich die beiden in die Augen sehen, fangen sie natürlich an zu singen. Und sie entscheiden sich, gleich am nächsten Morgen zu heiraten!“
Aber der Pfad der wahren Liebe ist auch hier gepflastert mit Hindernissen – in diesem Fall in Gestalt der bösen Königin Narissa, die eine Hochzeit von Edward verhindern will, weil sie nach den Regeln des Königreiches dann ihre Krone verliert. Narissa verwandelt sich in eine alte Bettlerin, die Giselle mit einem Trick an einen verzauberten Brunnen lockt – und die Braut hineinstößt. Und so fällt Giselle in einen magischen Wirbel aus Wolken und Feenstaub, der sie in eine Frau aus Fleisch und Blut verwandelt und sie aus einem Gully im Herzen von Manhattan wieder herausklettern lässt.
Nach einem schwierigen Tag und dem vergeblichen Versuch, den Weg nach Hause zu finden (oder wenigstens jemanden, der in Manhattan einer Dame in Not helfen würde), wird Giselle von dem gestressten New Yorker Scheidungsanwalt und allein erziehenden Vater Robert Phillip und seiner scheuen Tochter Morgan entdeckt. Morgan besteht darauf, dass Giselle die Nacht in ihrer Wohnung verbringen darf. Und dies ist der Ausgangspunkt von Giselles Reise in die reale Welt – und von Roberts Reise, in deren Verlauf er bemerkt, dass Unschuld und Freude sogar in unserer abgestumpften Welt existieren können.
„Robert glaubt einfach nicht daran, dass die Disney-Ideale von ,sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende‘ oder ,wahrer Liebe‘ wirklich existieren“, erläutert Lima. „Er ist ein Mann, den seine Frau vor Jahren verlassen hat und der versucht, seine Tochter für das wahre Leben zu rüsten. Also lebt er ein praktisches, bodenständiges Leben. Jedenfalls bis er Giselle trifft und von ihrer Lebensfreude und Naivität überwältigt wird. Giselle glaubt fest daran, dass der Kuss der wahren Liebe auf jeden wartet und dass man, wenn man seinen Geliebten gefunden hat, Hals über Kopf zu singen und zu tanzen anfängt und am Ende diesen einzigartigen Kuss austauscht. Dieser Glaube und diese unschuldigen Ideale treiben den Film an - und das Drama von VERWÜNSCHT ist, dass Robert und Giselle dies jeweils ganz anders sehen.“