Die Idee zu „Von Frau zu Frau“ ergab sich bei einem Zahnarzttermin: Co-Autorin Karen Leigh Hopkins saß im Wartezimmer und hörte zufällig, wie eine stolze Mutter berichtete, sie besorge ihrer Tochter Dates mit passenden Ehekandidaten.
„Das Konzept faszinierte mich“, erinnert sich Hopkins. „Diese Mutter setzte alles daran, ihre Tochter unter die Haube zu bringen, musste aber immer wieder mit ansehen, dass diese ständig die falschen Männer aussuchte. Im Namen der Liebe nahm sie die Sache selbst in die Hand und suchte im Internet ganz offen geeignete Partner – ohne dass die Tochter davon etwas ahnte. Ich überlegte sofort: ,In einem Film ergäbe das unbegrenzte Möglichkeiten.‘“
Damals arbeitete Hopkins mit ihrer Co-Autorin (und der Produzentin des Films) Jessie Nelson an einem anderen Projekt. Nelson hat übrigens wie die Wilder-Töchter zwei Schwestern. Doch sobald die beiden sich über das Konzept einer sich ständig einmischenden Glucke einig geworden waren, konzentrierten sie sich ganz auf diese neue Storyidee.
Dazu Nelson: „Mütter haben wir alle. Natürlich ist jede Mutter-Kind-Beziehung einzigartig, aber zweifellos wünscht sich jede Mutter auf dieser Welt, dass ihre Kinder gesund und glücklich sind und den richtigen Lebenspartner finden. Wenn sich die Mutter ständig einmischt, ergibt das jede Menge komischer Situationen, die aber alle einen realen Hintergrund haben. Darin erkennen wir uns alle wieder, und deswegen entwickelte das Projekt von Anfang an eine mitreißende Dynamik.“
Beim Schreiben ging es den Autorinnen darum, den Zuschauern einen Spiegel vorzuhalten. Nelson weiter: „In unserem Film stehen durchaus keine perfekten Persönlichkeiten im Mittelpunkt, aber sie lernen immerhin dazu, während sie sich gegenseitig auf die Zehen treten. Und unterm Strich lieben sie sich heiß und innig. In der Familienkonstellation steckt jedenfalls ein urkomisches Potenzial. Wenn man die äußeren Schichten einer Kleinfamilie abschält, ergibt sich zwangsläufig eine schwarze Komödie. Letztlich geht es darum, welcher Wahnsinn die Liebe dominiert – die Mutterliebe, die Schwesternliebe oder die romantische Liebe. Immer ergibt sich ein unmögliches Chaos, was die Sache nur noch irrwitziger macht.“
Als Paul Brooks Nelsons und Hopkins’ Drehbuch gelesen hatte, kam er mit seiner Firma Gold Circle Films an Bord, um „Von Frau zu Frau“ zu entwickeln, zu finanzieren und zu produzieren. Den Verleih übernahm Universal Pictures. „Das Skript ist sehr komisch, warmherzig, und jeder erkennt sich darin wieder“, stellt Brooks fest. „Ich habe selbst Frau und Tochter und bin immer wieder fasziniert von ihrer Beziehung zueinander. Die verläuft völlig anders als zwischen Männern. Ganz sicher finden sich Frauen in den Filmfiguren sofort wieder. Und Typen wie ich, die Frauen, Mütter und Töchter haben, werden vieles wiedererkennen, was sie selbst miterlebt haben… vielleicht entwickeln sie sogar ein gewisses Verständnis!“
Nachdem ein Produktionspartner gefunden war, begann das Team die Suche nach einem Regisseur, der die Story mit feinem Gespür umsetzen würde. Auftritt Michael Lehmann: In der Filmografie des Regisseurs finden sich der gefeierte Kultklassiker „Heathers“ (Lethal Attraction) sowie die Liebeskomödien „40 Days and 40 Nights“ (40 Tage und 40 Nächte) und „The Truth About Cats & Dogs“ (Lügen haben lange Beine). Wie Brooks begeisterte sich auch Lehmann für die Darstellung der komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung. „Natürlich habe ich eine solche Beziehung nie direkt erlebt“, stellt er fest. „Aber ich habe zwei Schwestern, eine Ehefrau und eine Tochter, habe in meinem Leben also einiges mitgemacht. Ich weiß, wie intensiv diese Beziehung ist. Und ich merkte, wie lebensnah die Umsetzung im Drehbuch gelungen ist.“
Nach der Zusage des Regisseurs konnte sich Gold Circle nun auf die Besetzung konzentrieren. Man brauchte nur drei bildhübsche, begabte Töchter und eine ebenso liebenswerte und attraktive wie unausstehliche Mom.
Keaton und ihre neuen Töchter: Die Besetzung
Glücklicherweise spielten Töchter schon bei der Besetzung eine wesentliche Rolle: Die Tochter von Jessie Nelson, Co-Autorin und Produzentin des Films, besuchte in Los Angeles dieselbe Vorschule wie Diane Keatons Tochter. „Wir freundeten uns an, weil wir beide Mütter sind“, erinnert sich Nelson. „Unsere Töchter brachten uns zusammen – die Kunst imitiert eben das Leben. Meine Freundschaft zu Diane beruht auf unserer intensiven Kinderliebe.
Umso schöner ist es, dass wir jetzt einen gemeinsamen Film über dieses Thema machen dürfen.“
Nelson erzählte Keaton von dem Skript, das sie mit ihrer Schreibpartnerin verfasst hatte, und die Schauspielerin bat um ein Exemplar. Nachdem sie es gelesen hatte, sagte Keaton zu und übernahm die Rolle der Ur-Mutter Daphne Wilder.
Nelson und Hopkins hielten Keaton von vornherein für die vollkommene Verkörperung der Daphne. Und glücklicherweise fanden sie in ihr auch eine versierte Mitarbeiterin. Über Keatons Amerkungen zum Drehbuch sagt Hopkins: „Verblüffend, was Diane zum Skript beitrug, weil sie sich völlig in die Story hineinversetzte. In jede Diskussion bringt sie sich als außergewöhnlich faszinierende Persönlichkeit mit breit gestreuten Interessen ein. Sie ist Mitglied der Los Angeles Conservancy (Organisation zum Erhalt historischer Kultur- und Baudenkmäler in der Stadt), arbeitet als Fotografin und inszeniert selbst hervorragende Filme. Natürlich ist sie auch Mutter. Ihre Beiträge waren äußerst durchdacht, und sie weiß genau, was sie tut und was sie kann.“
Keaton erkannte sich ihrerseits sofort in Daphne wieder. Als sie das Drehbuch las, ließ sie sich von Daphnes Höllenfahrt in den komischen Wahnsinn mitreißen, der sich konsequent aus ihrer ständigen Einmischung in das Leben ihrer Kinder ergibt. Keaton ist dafür bekannt, ihre Rollen nach dem komödiantischen Potenzial und ihren dramatischen Möglichkeiten auszusuchen – also war klar, dass sie den Part mit Bravour meistern würde.
Regisseur Lehmann war dankbar dafür, wie blitzartig sich sein Star in Daphne hineinversetzte. „Schon vom Konzept des Skripts und von der Charakterisierung der Daphne war offensichtlich, dass Diane sich mit ihrem Humor, ihrem Stil darin wiederfinden würde“, berichtet er. „Diane ist die perfekte Wahl. Als wir uns zusammensetzten und sie die Dialoge erstmals laut las, merkten wir alle, wie genau sie unseren Vorstellungen bei der ersten Lektüre des Drehbuchs entsprach – und sie sogar noch übertraf.“
Als Keaton zugesagt hatte, war es natürlich einfach, jede Menge junger Schauspielerinnen zu interessieren, die mit dem Oscar-preisgekrönten Star arbeiten wollten. Als nächstes stand also die Auswahl der drei jungen Frauen auf der Tagesordnung, die als Daphnes Töchter Milly, Maggie und Mae auftreten. Angesichts der sehr überzeugend geschriebenen Rolle der Daphne war es gar nicht so einfach, drei attraktive Persönlichkeiten zu finden, mit denen sich die Zuschauer leicht identifizieren können, die aber auch in ihrer Beziehung als Schwestern und Daphnes Töchter überzeugen.
„Mandy wurde als Erste besetzt“, berichtet Nelson. „Denn wir wollten uns nicht für die anderen Schwestern entscheiden, ohne eine Milly unter Dach und Fach zu haben. Mandy zeigte beim Vorsprechen eine erstaunliche Leistung – die erfand Milly ganz neu. Sie wirkt so wunderbar rein und verletzlich – genau das schwebte uns bei der Charakterisierung ihrer Figur vor.“
Moore gesteht, dass sie die Rolle vor allem wegen Keaton spielen wollte: „Es ist einfach unfassbar, mit ihr arbeiten zu dürfen – ganz egal in welcher Funktion. Man braucht sich gar nicht vorzunehmen, bei der Arbeit mit ihr das Beste zu geben – das macht man nämlich ganz automatisch. Ich würde auch in der Kantine arbeiten oder im Makeup, nur um einen Film mit ihr zu drehen.“
Aber auch die ehrliche Analyse der Mutter-Tochter-Beziehung im Drehbuch überzeugte die Schauspielerin. „Daphnes Beziehung zu Milly erinnert mich sehr stark an meine Mutter und mich“, erzählt Moore. „Manchmal könnte ich an die Decke gehen, aber letztlich ist sie meine beste Freundin – wir lieben uns sehr.“
Nachdem Moore als Milly feststand, suchten die Filmemacher eine geeignete Darstellerin der ältesten Wilder-Tochter Maggie. Dazu Nelson: „Als Lauren Graham an Bord kam, merkten wir sofort, wie wunderbar sie Mandys Rolle ergänzt, die ja ihr Herz auf der Zunge trägt. Maggie klopft ständig Sprüche – sie kann und weiß alles, lässt sich nicht unterkriegen. Ganz klar die perfekte Rolle für Lauren.“
Graham war in den letzten sieben Jahren vor allem als Lorelai Gilmore in der von der Kritik gefeierten TV-Serie „Gilmore Girls“ (Gilmore Girls) zu sehen – sie kennt sich also im Bereich komplexer Familienverhältnisse bestens aus. Genau wie Moore wollte sie unbedingt mit Keaton arbeiten. Dazu die Schauspielerin: „Einer derart klugen und begabten Frau möchte man unbedingt eine gute Tochter sein. Diane ist quicklebendig, immer konzentriert; alles, was sie anpackt, ist von Anfang bis Ende durchdacht.“
Dann wurde die vielseitige Piper Perabo in der Rolle der aufmüpfigen mittleren Tochter Mae besetzt. „Piper bringt ganz andere Qualitäten in diese Frauenkonstellation ein – ganz offensichtlich passt sie perfekt in diesen Kreis“, sagt Nelson. „Und als sie an Bord kam, verfügten wir über eine traumhafte, interessante Familie, die die Leinwand zum Leuchten bringt.“
Perabo zeigt sich überrascht über die enge Kameradschaft, die sich beim Dreh zwischen ihr und ihren Partnerinnen Moore und Graham entwickelte. „Wir alberten und quasselten immer bis zum letzten Moment, bevor es ,Action!‘ hieß“, erzählt sie. „Wenn Michael dann ,Action!‘ rief, lachten wir immer noch über unsere privaten Witze – wir verhielten uns eben genauso wie Schwestern.“
Die von Hopkins und Nelson geschriebenen Dialoge empfanden die frisch gecasteten Wilder-Frauen als echte Herausforderung: In „Von Frau zu Frau“ reden die Girls immer wieder ganz offen über Sex, Ehemänner, Partner, Shoppen und Frauenpower. Weil die Schauspielerinnen sich auch privat so gut verstanden, wirken diese Szenen umso echter und überzeugender.
Vor allem Moore gingen bei manch unverblümtem Dialogsatz die Augen über: „Normalerweise würde ich mit meiner Mom oder meinen Freundinnen nie so offen über anatomische Details und ähnliches reden… zumindest nicht so wie diese Frauen. Aber es macht Spaß mitzuerleben, worüber und wie andere Frauen offenbar miteinander sprechen.“
Nachdem die Frauenrollen besetzt waren, kümmerten sich die Filmemacher um das Casting der männlichen Hauptrollen Johnny und Jason, die so völlig gegensätzlichen Bewerber um Millys Gunst – sie sind der Gegenstand von Daphnes nicht enden wollenden Kommentaren Milly gegenüber. Das Filmteam wünschte sich Darsteller, die sich auf den Rhythmus ihrer starken Partnerinnen einlassen, sie ergänzen, dabei aber selbst ihren Mann stehen.
Dazu Regisseur Lehmann: „Als ich zum Filmteam stieß, merkte ich gleich, dass die größte Schwierigkeit in der Besetzung der Männer liegt.
Die Rollen sind sehr gut ausgearbeitet. Die Männer spielen recht umfangreiche Rollen, haben an der Story einen entscheidenden Anteil. Dennoch müssen sie sich in etlichen Szenen den Mädchen unterordnen. Deshalb legte ich größten Wert auf die Auswahl von Schauspielern, die diesen Rollen den entsprechenden Nachdruck verleihen.“
Gabriel Macht übernahm die Rolle des Bohemiens und Schürzenjägers Johnny, den Daphne so definiert: „Dem steht doch ins Gesicht geschrieben, dass er dir das Herz bricht.“ Bei Machts Scharmützeln mit Diane Keaton vor der Kamera fiel den Filmemachern auf, wie sehr sich Keaton überwinden musste, ihn grausam abzukanzeln, denn zunächst ist Daphne überzeugt, dass er als Partner für ihre Tochter völlig ungeeignet ist.
„Gabriel hat als Erster für die Rolle vorgesprochen“, sagt Lehmann. „Und sofort entschied er die Sache eindeutig für sich.“ Macht freute sich auf die Arbeit mit Lehmann. „Michael hat einen meiner Lieblingsfilme inszeniert,,Lethal Attraction‘, und außerdem etliche Episoden der genialen ,Larry Sanders Show‘“, erklärt der Schauspieler. „Er hat das Gespür für Komödien, für die Vorbereitung einer Pointe. Ich komme mit seinem Regiestil bestens zurecht.“
Bei der Suche nach dem prüden, konservativen Jason hatten die Filmemacher keine vorgefasste Meinung – sie wollten sich von den Interpretationen der Kandidaten inspirieren lassen. „Tom Everett Scott war zwar nicht der Erste beim Vorsprechen“, erinnert sich Lehmann. „Aber ihm allein gelang es, die Figur für uns auf Anhieb zu definieren. Mir lag sehr viel daran, Jason nicht einfach als Bösewicht abzustempeln. Das wäre zu simpel gewesen und entspricht nicht der Wirklichkeit. Wären wir so vorgegangen, dann hätte Milly gar keine echte Wahl treffen müssen. Tom soll Jason als im Grunde durchaus sympathischen Typen spielen, selbst wenn er für Milly nicht der Richtige ist. Das gelingt Tom ganz hervorragend; er hat sich nie zu dem ,inneren Bösewicht‘ hinreißen lassen.“
Ähnlich wie Lehmann beschreibt auch Scott seine Rolle: „Wahrscheinlich ist die Wahl auf mich gefallen, weil die Zuschauer mich als möglichen Partner für Milly akzeptieren können. Man ist dann also schon überrascht, dass er doch nicht Mr. Perfect ist.“
Schließlich engagierten die Filmemacher Stephen Collins als Jasons robusten, gut aussehenden Vater Joe, in den sich Daphne verliebt. Seine bekannteste Rolle spielte Collins als Pastor Eric Camden in der langjährigen TV-Serie „7th Heaven“ (Eine himmlische Familie), und kürzlich ist er neben Leonardo DiCaprio in dem Thriller „Blood Diamond“ (Blood Diamond) aufgetreten. Doch Diane-Keaton-Fans werden sich auch erinnern, dass er in „The First Wives Club“ (Der Club der Teufelinnen) den scharfzüngigen, treulosen Mann von Annie Paridis (Keaton) gespielt hat. Über seinen Entschluss, die Rolle anzunehmen, sagt Collins: „Na warum wohl? Ich würde mir doch nie entgehen lassen, Diane ein zweites Mal küssen zu dürfen und sogar dafür bezahlt zu werden!“