Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:49 Uhr
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  • Wanted

    Thriller, Action | USA 2008
    WERBUNG
      • | Produktion: Kamera, Action

      • In Prag zu drehen bot noch einen weiteren Vorteil: dort steht eine große Bandbreite architektonischer Stile zur Verfügung, von Jugendstil bis zum kommunistischen Industrialismus, die man als Kulisse einsetzen konnte. Dieses breite Angebot an Gebäuden barg das Potential, unterschiedliche Stile für jede Phase des Films zu wählen, die sich in dem Maße verändern, indem Wes aus der „realen“ Welt in die Welt der Bruderschaft eintaucht.

        Zusätzlich zur brachliegenden Zuckerfabrik bot Prag noch mehr: das berühmte Strahov-Stadium, mit Platz für bis zu 220.000 Zuschauer; die Krivoklát-Burg, 40 Kilometer westlich der Stadt, bereits im 13. Jahrhundert zum ersten Mal errichtet und danach etliche Male wieder aufgebaut, in ihrer jetzigen Form dank einer im 19. Jahrhundert durchgeführten Restaurierung; außerdem etliche andere Schauplätze wie unbenutzte Bahngleise und eine alte Weinkellerei.

        Eine der spektakulärsten Sequenzen – das Zugunglück und der Sturz eines der Waggons in eine Schlucht – wurde tatsächlich in Rumänien gedreht. Locations Supervisor Sharp berichtet: „Von Norwegen bis Chile haben wir nach der geeigneten Schlucht gefahndet, die in Farbe und Ausmaß passen würde. Die Beschaffenheit der Felsen im Abgrund und im Tunnel musste der europäischen Geologie entsprechen. Wir mussten deutlich machen, wo wir uns befinden, um Wesleys Reise nachvollziehbar zu machen und zu belegen, dass er sich weiterentwickelt hat, damit alle anderen Puzzleteile zusammenpassen.“

        Da der Film in Chicago spielt, zog die Produktion nach Abschluss der Hauptdreharbeiten von Prag in die „Windy City“, wo die Außenaufnahmen und Actiondrehs gefilmt wurden. Die Main Unit drehte zwei Wochen lang, darunter den Großteil der Auto-Verfolgungsjagden – Wes und Fox in einer blitzschnellen roten Viper gegen die Polizei und andere Autos -; hier setzten die Filmemacher den berühmten „Wacker Drive“ und den „Lower Wacker“ ein. Täglich waren in den Regionalnachrichten und im Internet Bilder der Dreharbeiten zu sehen, in denen Jolie, McAvoy und Kretschmann am Steuer dieser Boliden saßen.

        Doch an welchem Drehort auch immer man sich befand, der Blick auf die Welt von „WANTED“ ist immer der gleiche – man sieht alles durch Wesleys Augen. Also mussten auch seine Gedanken, seine Gefühle… und ein ganz besonderes Problem sichtbar gemacht werden.

        In seinem ehemaligen Leben litt Wes, wie viele andere Menschen, unter Unsicherheit und Angstgefühlen. Das äußerte sich in so extremer Weise, dass sein Herz anfing zu rasen und er physische und psychische Probleme hatte; er glaubt, alles wäre auf eine Panikattacke zurückzuführen.

        Nachdem er aber von Fox in die Bruderschaft eingeführt wird, erfährt Wes, dass sein Zustand genetisch bedingt ist – ein Erbe seines Vaters, das kein Fluch, sondern in Wahrheit eine besondere Gabe ist. Wenn sein Herz schneller schlägt, strömen gigantische Mengen Adrenalin durch seinen Körper, und wenn sein Inneres rast, scheint sich die Außenwelt in Zeitlupe abzuspielen. Willkommen im Killer-Modus!

        Diese Merkmale zeichnen alle Mitglieder der Bruderschaft aus. Auf diese Weise können sie die Dinge klarer erkennen als der Durchschnittsmensch. In einer Welt, die im Schneckentempo abläuft, verfügt der Killer über mehr Zeit, um nachzudenken, Entscheidungen zu treffen und zu handeln. In diesem Aktionsmodus kann der Kämpfer mit der Präzision eines Edelsteinschleifers in jedem Augenblick genau erkennen, was gerade geschieht – und so mit Leichtigkeit und Selbstsicherheit entscheidende Veränderungen herbeiführen.

        Die visuelle Darstellung dieses Killer-Modus’ war ein komplexes Unterfangen. Bekmambetov wollte ihn in die für „WANTED“ umrissenen Gegebenheiten einfügen: jeder Effekt sollte auf einer emotionalen Grundlage basieren. Wenn Wesley also im Killer-Modus war, mussten auch die Zuschauer in diesen Zustand gebracht werden, und nicht nur als Beobachter von Außen darauf blicken. Und obschon alle Mitglieder der Bruderschaft auf Killer-Modus umschalten können, würde das Publikum alles nur aus Wesleys Blickwinkel sehen.

        McAvoy erklärt: „In der Mythologie des Films werden die Sinne der Killer der Bruderschaft geschärft, wenn ihre Herzen bis zu 400 Mal pro Minute schlagen. Sie sind nicht übermenschlich, haben auch keine Superkräfte, aber sie können alles schneller und deutlicher erfassen. So schnelle Entscheidungen zu treffen könnte allerdings, im Vergleich mit allen anderen um sie herum, sehr wohl als übermenschlich angesehen werden.“

        Bekmambetov überschreitet gerne gegebene Grenzen – wie wäre es also damit, die Gesetze der Physik zu durchbrechen? Warum nicht? Gemeinsam mit Kameramann Amundsen entwickelte er eine Schusstechnik, die nur die Bruderschaft beherrscht: sie können Kugeln eine Kurve fliegen lassen (was wiederum mithilfe von Spezialeffekten gewährleistet wurde). McAvoy erläutert das Konzept dahinter: „Die Mitglieder der Bruderschaft können die Kugeln in einer Kurve fliegen lassen, weil die Läufe ihrer Waffen anders sind – die Innenseiten sind nicht bearbeitet, deshalb geraten die Kugeln nicht in Spiralumdrehungen. In unserer Theorie bedeutet das, dass wenn ich mein Handgelenk schwingen lasse - als wäre die Waffe ein Tennisschläger -, die Kugel dann ihr Ziel trifft, die Flugbahn aber eine Kurve beschreibt und nicht nur in gerade Linie verläuft. Man kann also um Dinge herumschießen. Anstatt eine andere Position einnehmen zu müssen, um ein Zielobjekt ins Visier nehmen zu können, braucht man stattdessen nur den Arm richtig zu bewegen.“

        McAvoy und Bekmambetov verbrachten recht viel Zeit damit, die Choreographie festzulegen, mit der man diese Schusstechnik dann auf die Leinwand bannen konnte. Das Ziel war, eine „cool wirkende, aber dennoch funktionale Action zu erschaffen… die mühelos statt angestrengt aussieht“. Etliche Mitarbeiter des Stabs (sowohl aus Amundsens als auch aus Farhats Team) waren auch mit Recherchen befasst, um Bewegungen zu erzeugen, die – sowohl vor der Kamera als auch für die Spezialeffekte - nachvollziehbar und realistisch sind. (Man sollte jedoch davon absehen, bei einem Wissenschaftler oder Physikprofessor um eine Bestätigung dieser „Tatsachen“ zu bitten…)

        Jolie meint: „Ich bin wahrscheinlich die Einzige, der diese Schießbewegungen im Film so schwer fielen. Es ist schon komisch, das ernsthaft zu besprechen und auszuprobieren, aber wenn der von Morgan Freeman gespielte Sloan erklärt, wie es funktioniert, dann beginnt man selbst daran zu glauben.“

        Um den Mythos (vollständig) aus der Welt zu schaffen, fügt McAvoy hinzu: „Also bitte… leider ist das alles nur frei erfunden. Kinder, macht das zuhause bloß nicht nach!“

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