Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:49 Uhr
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  • Wanted

    Thriller, Action | USA 2008
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      • | Produktion: Effekte

      • Regisseur Bekmambetov findet die Vorstellung, etwas „in der Postproduktion zu korrigieren“, einfach abscheulich. Visuelle Effekte sind seiner Ansicht nach dazu da, eine Einstellung nach dem Dreh zu überhöhen, und nicht, um etwas vollständig Neues zu erschaffen, das es am Set gar nicht gab. Er erklärt: „Für mich sind die Emotionen ausschlaggebend, nicht der Spezialeffekt an sich. Das mag altmodisch klingen, aber so bekomme ich von meinen Schauspielern und dem Stab das, was ich brauche. Ich setze die Spezialeffekte nicht dazu ein, Fehlendes zu kompensieren. Nur das, was eine Figur mit ihren Emotionen ausdrücken kann, wird auf der Leinwand zu sehen sein.“

        Cutter Dmitri Kiselev, der bei „WANTED“ als Second-Unit-Regisseur fungierte, arbeitete in Russland in den letzten zehn Jahren bereits mit Bekmambetov zusammen und beginnt erst jetzt, die Filmvisionen seines Freundes vollständig zu erfassen. Kiselev sagt: „Timur bricht mit so vielen Regeln, ist dabei aber in jeder Einstellung immer auf der Suche nach etwas Natürlichem, Realem, bevor er auch nur in Erwägung zieht, etwas per Computer generieren zu lassen. Seine visuellen Effekte werden immer um einen realen Dreh herum entstehen.“

        Produzent Lemley fügt hinzu: „Als wir das Drehbuch durchgingen und die Sequenzen festlegten, zog sich Bekmambetov in sein „Wissenschafts-Labor“ zurück und kam dann mit vorab visualisierten Sequenzen wieder heraus, die ganz genau illustrierten, welche Einstellungen er wollte und worauf der Fokus der Szene gerichtet sein sollte. Dieser Fokus entsprach immer den spezifischen Emotionen, die von den Figuren vermittelt werden sollten, und den Auswirkungen davon, die mit den visuellen Effekten unterstrichen werden sollten, um die Szene zu vervollständigen.“

        Visual Effects-Produzent Farhat sagt: „Er setzt seine Vorab-Visualisierung als Werkzeug ein – um im Gespräch mit den Verantwortlichen für die Action Klarheit zu schaffen. Aber er schränkt deren Kreativität nicht im Mindesten ein.“

        „Bei Bekmambetov gibt es keine schlechten Ideen“, fährt Farhat fort. „Er weiß, dass es mehr als nur einen Weg gibt, etwas Bestimmtes zu tun, und ist für neue Vorschläge immer offen. Da er aber über viel Erfahrung verfügt, weiß er aber auch, dass es wirklich neue Vorschläge sein müssen.“

        Der Regisseur hat in Moskau seine eigene Spezialeffekte-Firma: Bazelev ist eine auf die Produktion und Postproduktion spezialisierte Einrichtung und fungierte für die Effekte in „WANTED“ als Kontrollstelle. Obwohl nicht alle Effekte unter dem Dach von Bazelev realisiert wurden, überwachte man von dort aus sämtliche außer Haus durchgeführten Arbeiten.

        Farhat sagt: „Wenn man für einen Spielfilm unterschiedliche Einrichtungen beschäftigt, liegt eine der größten Herausforderungen darin, die Kontinuität zu wahren, damit der Look und der Stil umfassend konsistent bleiben. Bazelev arbeitet nicht nur überall in Russland, sondern weltweit. Die visuellen Effekte wurden an verschiedenen Standorten erarbeitet; manche übernahmen die Modellage, andere die Texturen, wieder andere die Animation und so weiter. Bazelev hat eine digitale Pipeline erschaffen, ein digitales Management-System, mit dessen Hilfe man die Entwicklung jeder Einstellung verfolgen und sie mit anderen Sequenzen des Films vergleichen kann. Die unterschiedlichen Abteilungen arbeiten wie eine Einheit – es ist ein virtuelles Unternehmen unter einem Dach.“

        Aber ein Effekt blieb wirklich unter dem Dach von Bazelev: die Erschaffung von computergenerierten Stunt-Doubles. Obwohl Bekmambetov darauf beharrte, so viel Material wie möglich in der wirklichen Welt zu drehen, gab es dennoch einige Dinge – der Killer-Modus in Reinform und die hochriskanten Actionszenen auf dem Dach der fahrenden Züge –, die einfach nicht per Kamera eingefangen werden konnten, noch nicht einmal mithilfe der besten Stunt-Darsteller oder fortschrittlichsten Wireworks-Techniken. Um diese Szenen zu vervollständigen, erschuf man mithilfe von Cyber-Scanning die digitalen Stunt-Doubles.

        Cyber-Scanning muss man sich vorstellen wie eine riesige, dreidimensionale Kopiermaschine, die sich um den jeweiligen Schauspieler dreht (etwa 15 Sekunden lang) und ein 3-D-Modell der Person erstellt. Dieses Modell wird in den Computer übertragen; dann muss man es „riggen“ (man fügt Skelett- und Muskelstrukturen ein und gibt der Oberfläche eine Textur) und einkleiden (mit ebenfalls eingescannter Garderobe). Das daraus entstandene „rig“ muss dann lernen, sich wie der Schauspieler – und das echte Stunt-Double – zu bewegen. Das Ergebnis ist ein digitales Double, das auch vor den riskantesten Stunts nicht zurückschreckt.

        Bekmambetov setzte nicht nur allermodernste Kameratechnik der neuesten Generation ein, sondern in etlichen Szenen auch eine Still-Technik, besonders bei der Verfolgungsjagd auf der Hochbahn. Gemeinsam mit Kameramann Amundsen benutzte der Regisseur sechs synchronisierte 35-mm-Kameras, die auf einer speziellen Plattform montiert waren, die sich um 180 Grad drehen kann. Die Kameralinsen fokussierten die horizontale Oberfläche der Zugdächer, während die Bahn durch Chicago fährt; darüber wurden die Bilder gelegt, um gleichzeitig ein Rundum-Panorama einzufangen. Nachdem alles zusammengesetzt und mit den Green-Screen-Aufnahmen der Schauspieler kombiniert war, entstand im Ergebnis eine Szene mit zylindrischer oder sphärischer Textur sowie einem vollständigen 180 Grad-Überblick auf die Nonstop-Action auf dem Dach der fahrenden Hochbahn.

        Farhat sagt: „Diese Technik hat uns wirklich sehr viel Freiraum gegeben. Wir haben doch alle schon Aufnahmen gesehen, bei denen man eine Reihe von Stills nimmt und sie dann sphärisch zusammensetzt, wobei man eigentlich die Action einfriert und den Blickwinkel verschiebt. In diesem Fall aber tun wir das mit bewegten Bildern. Ich würde sagen, es gehörte zu den schwierigsten Szenen des Films, denn wir setzten wirkliche Schauspieler in eine Welt, die so nicht wirklich existiert.“

        Man kann schon sagen, dass die Erschaffung einer glaubwürdigen Welt, die eigentlich nicht wirklich existiert, die Spezialität von Timur Bekmambetov ist – obwohl er schnell darauf hinweisen würde, dass jene Welt – trotz der ihr eigenen Drehs und Überhöhungen - durchaus Ähnlichkeiten mit der unsrigen aufweist.

        Produzent Marc Platt sagt: „Die Zuschauer werden den Film hoffentlich genießen, sich großartig amüsieren und etwas Originelles zu sehen bekommen. Man sollte schon einen guten Grund haben, um freitags abends ins Kino zu gehen – eine spannende Abenteuerfahrt mit tollen Figuren zu erleben, alles aus der Meisterhand eines wahrhaft visionären Filmemachers. Und genau das haben wir zu bieten.“

        Angelina Jolie meint: „Besonders cool finde ich die Tatsache, dass man sich mit James als Actionheld – er ist ja nicht der typische Action-Darsteller – sehr gut mit der Figur identifizieren kann... Man denkt sich: ‚Wenn ich das wäre, der da in meinem Büro-Schuhkarton schuftete und mein Leben so hassen würde – aber ich hätte Fähigkeiten und wüsste gar nicht, was ich wirklich wert bin… Würde ich das auch schaffen?’ James hat mich sehr überrascht. In diesem Film wird es mehr um Wesleys Geschichte und nicht so sehr um einen idealen Action-Helden gehen. James repräsentiert den Durchschnittstypen, und das ist toll anzuschauen.“

        Aber wie fühlt sich nun der heldenhafte Durchschnittstyp? James McAvoy sinniert: „Ich glaube nicht, dass ich so bald wieder einen Action-Film drehen werde. Der 14jährige Junge in mir war total begeistert von der Arbeit an „WANTED“, und ich weiß die Chance, Wesley darstellen zu können, sehr wohl zu schätzen. Aber um vollkommen ehrlich zu sein: Seit meinem 14. Lebensjahr hatte ich auch nicht so viele Schmerzen wie jetzt. Vielleicht sind Heranwachsende deshalb so heiß darauf, solche Dinge zu tun… Aber es hat mir großen Spaß gemacht.“

        Timur Bekmambetov sagt abschließend: „Der Film „WANTED“ erzählt die Geschichte eines ganz normalen Mannes, der diese vollkommen andere Welt entdeckt… die eigentlich die ganze Zeit über direkt vor seinen Augen lag. Das ist so, als gäbe es das direkt in deiner Nachbarschaft, nur zwei Blocks weiter, aber du bist in deinem ganzen Leben noch nie dort gewesen. Und eines Tages nimmst du einen anderen Weg und findest es. Er wusste einfach nicht, dass es das gibt. Jetzt ist er aber dort – und was wird er tun?“

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