Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:50 Uhr
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  • Wanted

    Thriller, Action | USA 2008
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      • | Produktionsnotizen

      • „Höllisch cool“, „einzigartig“, „experimentell“, „ironisch“ und „kreatives Genie“ sind nur einige der Superlative, mit denen Regisseur Timur Bekmambetov, gebürtiger Russe – er stammt aus der Stadt Guryev in Kasachstan – beschrieben wird. Bekmambetovs Visionen bescherten ihm die Regie an seinem ersten englischsprachigen Spielfilm, in Zusammenarbeit mit scharfsichtigen Produzenten und einem preisgekrönten Ensemble und Stab, alles unter der Ägide eines großen US-amerikanischen Filmstudios.

        Wie kam es dazu? Hier etwas Hintergrundinformation…

        2004 kam Bekmambetovs Film „Wächter der Nacht - Night Watch“ in die Kinos. Er entstand mit einem Budget von nur 1,8 Millionen Dollar, spielte aber allein in Russland über 16 Millionen Dollar ein – und wurde so in seinem Heimatland zu einem größeren Erfolg als „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“. Die Fortsetzung von „Wächter der Nacht – Night Watch“ (dem ersten Teil der Trilogie), „Wächter des Tages - Day Watch“, kam Anfang 2006 in die russischen Kinos. Auch dieser Film wurde (mit einem Budget von nur 2,4 Millionen Dollar) als Low-Budget-Produktion eingestuft und entwickelte sich zu einem Riesenhit: in Bekmambetovs Heimat spülte dieser zweite Teil der Trilogie fast 40 Millionen Dollar in die Kinokassen.

        Ungefähr zu dieser Zeit waren die Verantwortlichen bei Marc Platt Productions auf die Erstausgabe von Mark Millars und J.G. Jones’ Comicbuch-Serie „Wanted“ gestoßen; sofort erkannte man das darin enthaltene große Spielfilmpotential… doch das behandelte Thema (eine im Untergrund agierende Bande von Superschurken, welche die Welt in zwei Gruppen aufgespalten haben) verlangte nach einem ungewöhnlichen, neuen Dreh. Also suchte man nach einem neuen, aufregenden und kreativen Filmemacher, der über die vorgezeichneten Grenzen hinaus neue Visionen entwickeln könnte – und nachdem die Produzenten „Night Watch“ gesehen hatten, wussten sie, dass sie ihren Mann gefunden hatten. Wenn Bekmambetov bereits mit einem so eingeschränkten Budget solch einen beeindruckenden Film realisieren konnte, gäbe es kein Halten mehr, wenn der der dynamische Blickwinkel und das düstere Einfühlungsvermögen des Filmemachers erst einmal mit einem großen Budget und den umfassenden Ressourcen einer Studioproduktion ausgestattet wären.

        Produzent Marc Platt meint: „Die visuelle Erfahrung sowie die Filmsprache in Timurs Arbeit sind einzigartig und ungewöhnlich; man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich war davon überzeugt, dass man seine Stimme einfach einem großen Publikum zu Gehör bringen musste. Indem man ihn und seine Fähigkeiten einsetzt, um aus diesem Stoff eine vollständig neue Welt zu erschaffen, konnten wir etwas wirklich aufregendes, experimentelles entstehen lassen, das dennoch für Zuschauer auf der ganzen Welt zugänglich ist.“

        Bekmambetovs Produktionspartner Jim Lemley fügt hinzu: „Vom ersten Entwurf des Drehbuchs bis zum Beginn der Dreharbeiten benötigten wir zwei Jahre. Es war für uns wichtig, die Grenzen dessen zu überschreiten, was bisher auf der Leinwand zu sehen gewesen ist, und mit neuen Ideen aufzuwarten – ganz egal wie überzogen sie auf dem Papier auch zu wirken schienen -, die das Publikum durch die visuelle Kraft der Bilder einfach umhauen sollten.“

        Hinsichtlich seines Vertrauens in die einzigartige Vision des Regisseurs sagt Lemley: „Man könnte drei Leute in einen Raum bringen, ihnen jeweils die gleiche Kamera in die Hand drücken und sie bitten, die gleiche Einstellung zu drehen; Timurs Bilder würden dabei auf jeden Fall herausstechen und beeindrucken.“

        Zu seinem visuellen Konzept meint Bekmambetov: „Ich habe das Gefühl, dass 100 Ideen in meinem Kopf herumschwirren und untereinander wetteifern, welche von ihnen sich durchsetzen kann. Das führt dazu, dass ein neuer Stil entsteht, etwas, das vielleicht niemand zuvor je gesehen hat. Ich möchte das Publikum in die Action einbeziehen, hautnah; der Zuschauer soll nicht nur dasitzen und gucken, sondern gemeinsam mit der Filmfigur auf die Reise gehen.“

        Das Mantra des Regisseurs scheint bei jedem seiner Projekte der fantastische Realismus zu sein. Seiner Meinung nach sollte es für jede Actionszene, für jede Gefühlsregung, immer eine realistische Basis geben, ganz egal, wie abgefahren die jeweiligen Umstände auch sein mögen. Als Regisseur richtet er sein Augenmerk auf die Details; das bietet für jede Szene einen soliden Einstieg.

        „Die Arbeit an meinem ersten englischsprachigen Film ist gar nicht so anders als bei meinen vorherigen Filmen“, meint Bekmambetov. „Ich versuche einfach mit den Zuschauern zu kommunizieren, mich auf gewisse Weise in sie zu verlieben, und einen guten Film zu machen – also für das Publikum ein guter Geschichtenerzähler zu sein.“

        Weder die Herangehensweise noch der schräge Ton des Regisseurs veränderten sich durch die Arbeit an einem englischsprachigen Film in einem großen US-amerikanischen Filmstudio. Platt fügt hinzu: „Bekmambetov lässt einen sehr sardonischen Ton in seine Arbeit einfließen, der auch in all seinen vorherigen Filmen vorhanden war. Und zwar nicht auf dümmliche, grobe Art, sondern mit einer düsteren, komödiantischen Nuance, die ständig die Ernsthaftigkeit der Ereignisse konterkariert. Genau diese Ironie auf narrativer und visueller Ebene verleiht „WANTED“ seinen absolut einzigartigen Ton.“

        Der schwarze Humor ist ebenfalls in der Vorlage zum Filmstoff enthalten, dem gleichnamigen Comicbuch von Millar und Jones, der ursprünglich als limitierte, sechsbändige Ausgabe ediert wurde. Die Produzenten wollten sich hierbei nicht nur die Filmrechte an einem der meistverkauften Independent-Comics der letzten zehn Jahre sichern, sie hofften auch inständig auf den Segen der Autoren für die Filmversion.

        Als Millar die Filmrechte an Universal veräußerte, hatten er und Jones erst den zweiten Band der Serie herausgebracht. Während sie also noch an der Vervollständigung der Reihe arbeiteten, hatte das Studio bereits den ersten Drehbuchentwurf verfasst.

        Da zwei Gruppen unabhängig voneinander daran schrieben, schlug jedes der Projekte einen eigenen Kurs ein. Millar meint: „Ich habe das ganz entspannt gesehen, denn das Comic-Buch und der Film sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Unabhängig davon, was man für den Film ändert, bleibt mein Buch doch unangetastet. Dennoch war ich glücklich darüber, dass sie immer wieder auf die Comic-Vorlagen zurückgriffen, und als sie dann mein vollständiges Werk vorliegen hatten, wurde durch weitere Drehbuchentwürfe anderer Autoren praktisch das gesamte Material mit aufgenommen. Sie haben zwar die Superschurken-Geschichte abgeändert, die ich im Originalbuch vorgesehen hatte, aber alles andere funktioniert hervorragend.“

        Bevor sie ihre jeweils eigenen Wege gehen, starten also sowohl das Comicbuch als auch die Leinwandversion von „WANTED“ vom selben Ausgangspunkt (das erste Drittel des Spielfilms entspricht den ersten zwei Bänden der Comic-Serie; von da ab wird ein neuer Kurs eingeschlagen). Der Comic-Autor ist der Meinung, dass obwohl die Geschichten an ganz unterschiedlichen Orten spielen, dennoch der Ton, die Figuren und die Erzählweise in beiden Medien auf der gleichen Linie liegen.

        Millar sagt: „Die ersten 40 Minuten des Films sind, Szene für Szene, mit dem Buch praktisch identisch, und das hat mir sehr gefallen. In der ersten Drehbuchfassung war das nicht der Fall gewesen, aber nachdem Timur an Bord gekommen war, begeisterte er sich für viele der eher düsteren Aspekte des Stoffs. Ich hatte mir schon gedacht, dass man wohl die eher abgefahreneren Teile des Comics unter den Tisch fallen lassen würde, aber Überschriften, Voice-Overs, Dialoge und ganze Sequenzen wurden unverändert direkt aus dem Buch übernommen. Das hat mir große Freude bereitet. Eines dieser Direkt-Transplantate ist eine meiner Lieblingsszenen, die Eröffnungssequenz, in der ein Typ plötzlich einen Punkt auf seiner Stirn sieht, seine Waffen zieht, aus dem Fenster springt und diesen Mördern hinterher jagt. Es ist wirklich wunderbar, dass auch im Film Einstellung für Einstellung dem Comic gleicht.“

        Der Comic-Autor war nicht nur von der Liebe der Filmemacher zum Detail beeindruckt, sondern auch davon, wie die Drehbuchautoren und Bekmambetov bestimmte Schlüsselszenen aus den ersten beiden Bänden seiner Comicreihe ausweiteten. Millar erklärt: „Es gab einige Szenen, bei denen ich nur wenige Bilder zur Verfügung hatte, denn in einem Comicbuch hat man nicht wirklich viel Platz, um sich auszutoben. Timur und seine Jungs haben diese Szenen angereichert und zu sehr coolen Sequenzen mit tollen Verfolgungsjagden gemacht.“ In Anerkennung der eingefleischten „WANTED“-Comic-Fans sagt Millar: „Im Film gibt es viele dieser kleinen „Ostereier“, die von den Fans des Comics sofort aufgespürt werden können. Der zweite Teil heißt zum Beispiel „F…k You“, und Timur machte sich daraus einen kleinen Spaß, indem er die Worte auf einer Computertastatur zeigte, die auf uns zufliegt, wenn die Hauptszene auf der Leinwand entsteht.“

        Produzent Platt fügt hinzu: „Mark hat Timur wirklich begeistert willkommen geheißen. Das Comicbuch ist fantastisch und gewagt und hat einen ganz besonderen Dreh; genau das wollten wir auch in unser Drehbuch einbauen. Allerdings wollten wir nichts von der Stange… sondern ebenfalls etwas wagen und etwas Besonderes versuchen. Da, wo das Drehbuch sich an die Comicvorlage hält, haben wir kein einziges Wort verändert. Dennoch ist ein Spielfilm natürlich etwas ganz eigenes. Millar steht hinter der Verfilmung, und das bedeutet uns Filmemachern sehr viel.“

        Nicht nur für den Regisseur war es wichtig, dem Erfindungsreichtum der Vorlage gerecht zu werden – er wollte auch Wesleys Suche nach der Wahrheit in einer Welt des Verrats respektieren. „Diese Geschichte handelt eigentlich von der Wahrheit“, fasst Bekmambetov zusammen. „Wesley versucht, einer Welt zu entrinnen, in der die Menschen lügen, und möchte zu den Menschen finden, die die Wahrheit sagen. Auf dieser Reise entdeckt er, dass man sich seinem Schicksal nicht entziehen kann, es aber dennoch zu bestimmen vermag. Man muss selbst entscheiden und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das ist etwas, das jeder von uns zu tun versucht.“

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