Zu den herausragenden Sets in „WANTED“ gehört der Webstuhl des Schicksals. Im Kern ist der Webstuhl eine sehr einfache Struktur, doch die Fäden, die er webt, entscheiden über Wohl und Wehe der Bewohner des Planeten.
Bekmambetov und die Drehbuchautoren erschufen eine Mythologie als Background für die Killertruppe und ihre Tätigkeit; dabei bedienten sie sich verschiedener Sagen und Mythen, die Symbole aus der Welt des Webens enthalten. In der Welt von „WANTED“ hatten – Jahrhunderte bevor wir Wes und die Bruderschaft treffen – Stoffweber begonnen, aus ihrer Arbeit einen Code zu entschlüsseln, der Botschaften über die Lage der Welt enthielt. Ein Makel im gewebten Stoff war das Zeichen für einen Makel in der Welt. Dann wurden diese Botschaften zu Befehlen für das erste Mitglied der Bruderschaft. Das Schicksal bestimmte, dass ein Mensch getötet werden müsse, damit die Welt im Gleichgewicht bliebe; ein Killer wird ausgewählt, der den Befehl des Webstuhls ausführen muss, um so theoretisch den Lauf der Welt wieder ins rechte Lot zu bringen.
Stoffe werden mit sich kreuzenden Fäden gewebt: die vertikal verlaufenden Kettfäden und die horizontal verlaufenden Schussfäden, die mit einem Weberschiffchen, dem so genannten Schützen, hin- und her geschossen werden. Die Makel im gewebten Stoff entstehen durch einen unterbrochenen Faden; die Fehlstellen werden gezählt und ergeben einen binären Code, der zu einem Text entziffert werden kann, aus dem ein Todesurteil gelesen wird.
Produktionsdesigner Myhre gibt zu: „Ich liebe es, immer wieder etwas Neues zu lernen, und die ganze Welt der Textilfabriken und Webmaschinen war mir anfangs völlig unbekannt. Die Art und Weise, wie man mit Garn und Fäden umgeht, um zahllose verschiedene Stoffe herzustellen, ist einfach beeindruckend.“
Der Webstuhl des Schicksals spielt im Film eine so zentrale Rolle, dass Myhre sich dafür entschied, das Thema des „Webens“ auf subtile Weise in das gesamte Produktionsdesign aufzunehmen: „Die Grundidee lautet, dass von Anfang an alles miteinander verwoben ist. Wesleys Büro ist z.B. einer dieser grässlichen Orte mit zig klitzekleinen Schuhschachtel-Büros und gewebten Stoffen an den Wänden. Außerhalb der Bruderschaft gibt es Telefonleitungen, die untereinander und übereinander verlaufen und sich kreuzen, wie ein Spinnennetz. Solche unaufdringlichen Bilder finden sich im gesamten Film.“
Platt meint: „Im Alten Testament gibt es ein ganzes System der Nummerologie, in dem Worten bestimmte Zahlen zugeschrieben werden, die wiederum einen Code ergeben. In vielerlei Hinsicht sind die Mythen, die für diesen Film kreiert wurden, ganz ähnlich.“
Die Filmemacher inspirierten sich an den über 100 verschiedenen Textilfabriken, die im Umkreis von zwei Stunden Fahrt außerhalb von Prag angesiedelt sind. Für Recherchen besuchten sie die dort funktionierenden Webmaschinen und studierten den Produktionsablauf. Visuelle Eindrücke aus verschiedenen Textilwerken wurden miteinander kombiniert, und der Webstuhl des Schicksals entstand aus der Mischung unterschiedlicher der dort eingesetzten Maschinen.
Der große Film-Webstuhl selbst wurde aus geliehenen und neu erbauten Teilen zusammengesetzt; die Kombination aus schwarzem Stahl, abgewetztem Holz und Kupfer-Bronze-Elementen erinnert entfernt an eine Maschine aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts (was sehr angemessen war, da der im Film gezeigte Sitz der Bruderschaft genau zu jener Zeit in Chicago erbaut worden sein soll). Im Einklang mit dem subtilen und allumfassenden Mix aus Altem und Neuen entschied sich das Art Department dafür, auch einige ungewöhnliche, moderne Elemente einzufügen, wie Vergrößerungsgläser am Rande des Webstuhls, durch die das Licht auf die darunter stehenden Tische gebrochen wird.
Weitere Webstühle – im kleineren Maßstab – wurden für das Design der Produktionshalle der Bruderschaft eingesetzt, denn dort befindet sich ja nicht nur das Hauptquartier des Geheimbundes, sondern auch eine funktionierende Textilfabrik. Myhre sagt: „Die Webstühle in der Werkstatt werden teilweise von der darüber liegenden Decke des Raums mit Garn versorgt, und das bildet riesige, fantastische Formen – stellt man einige davon nebeneinander, entsteht ein fast gotisch anmutender Bogen. Es wirkt wie eine alte Kirche oder eine Burg, und dieses Gefühl einer Festung wird in der Bruderschaft in Chicago ganz deutlich. Das Gebäude hat zwei riesige Holzportale an der Front; um hineinzukommen, muss man eine Brücke über einen kleinen Graben überqueren.“