Der Weg des Nomaden Mustapha und seiner Tochter Zaïna führt durch unendliche Wüsten, über gefährliche, verschneite Bergpässe und unwegsame Gebirgspfade. Hintergrund der Reise von Tochter und Vater, die sie am Ende einander näher bringen wird, bildet das grandiose Atlasgebirge, das seit Jahrhunderten Abenteurer anzieht, Geographen fasziniert und Künstler inspiriert. Als den Atlas bezeichnet man das Hochgebirge im Nordwesten Afrikas, das sich rund 2300 Kilometer breit über die Staaten Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt. Der Atlas bildet eine Grenze zwischen dem feuchten Klima im nördlichen Westafrika und der trockenen Saharawüste.
Die antiken griechischen Dichter Herodot und Homer betrachteten das Gebirge als die westliche Grenze der damals bekannten Welt. Während der Zeit der islamischen Expansion sahen Arabische Geographen in dem gebirgigen Nordwestvorsprung, der nördlich vom Meer und südlich durch die Wüste abgeschnitten wurde, eine Insel, die sich nach ihren Vorstellungen gegenüber dem andalusischen Gebirgsland im heutigen Spanien erhob - der äußerste Westen ihrer Welt.
Für Regisseur Bourlem Guerdjou war es keine Frage, wie der Film aussehen musste: „Ich wollte die großartige Landschaft des Atlasgebirges so authentisch wie möglich zur Geltung bringen und habe daher das Cinemascope gewählt. Bei der Bildgestaltung ging es mir vor allem darum, dem Bild eine irreale und metaphysische Dimension zu verleihen.“
Die Schauspieler fühlten sich durch die Umgebung ungewöhnlich stark inspiriert. Mustapha-Darsteller Sami Bouajila schwärmt: „Wir befanden uns in einer derart atemberaubenden Umgebung, dass es schon fast genügte, sich von der ewigen Schönheit der Landschaft und den Kostümen tragen zu lassen, um auf ganz natürliche Weise in eine andere Zeit, eine andere Welt versetzt zu werden. Allein der Umstand, von einer wilden und grandiosen Landschaft umgeben zu sein und dann irgendwo die Silhouette eines Reiters mit wehenden Gewändern zu sehen, beeinflusste unsere Darstellung. Man sitzt im Sand herum und dann steht man auf, steigt auf ein Pferd und in der nächsten Sekunde fliegt man im rasenden Galopp davon – man musste einfach nur seinem Instinkt folgen!“
Die Suche nach einmaligen Schauplätzen stellte die Filmemacher vor große Herausforderungen, schließlich wollte Kamera-Routinier Bruno de Keyzer spektakuläre Bilder auf die Kinoleinwand bringen. Für die Produzenten bedeutete das eine aufwändige Suche, an deren Ende oft hinreißende Locations wie der traumhafte Zedernwald von Ifrane, aber auch große Schwierigkeiten standen. So erzählt Jean-Michel Rey: „Wir mussten in 3600 Meter Höhe filmen, um Hochgebirgslandschaften und Schnee zu finden – eine Arbeit in absoluter Abgeschiedenheit des unendlichen Atlasgebirges, die jedoch das unter einem hohen Druck arbeitende Team auf magische Weise zusammenschweißte.“
Auch Sami Bouajila (Mustapha) erinnert sich gern an das menschliche Miteinander und die kollegiale Stimmung am Set: „Die Begegnung mit den Menschen in Marokko war eine großartige menschliche Erfahrung. Die Pferdepfleger zum Beispiel, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, haben mir viel gegeben. Trotz all der Schwierigkeiten eines harten Lebens verfügen sie über einen außerordentlichen kulturellen Reichtum und über sehr viel Weisheit. Ich finde sie geradezu schön! Und was für einen Empfang uns die Berber im Süden Marokkos bereitet haben. Welche Reinheit in ihren Herzen, welche Großzügigkeit und welche Würde!“
Den mitunter fast dokumentarischen Realismus, mit dem de Keyzer unprätentiös die Nomaden und ihre Geschichte begleitete, konterkarierte Regisseur Guerdjou mit einem ausgefeilten Lichtkonzept: „Um die Härte der menschlichen Beziehungen zu mildern, gab ich einigen Nachtszenen durch Kunstlicht und digitale Effekte eine feenhafte, zauberhafte Atmosphäre.“
Natürlich profitierte die Filmproduktion von der Geschicklichkeit der marokkanischen Mitarbeiter, wie Produzent Rey betont: „Für sie war es eine echte Herausforderung, an einer europäischen Produktion mit einem viel bescheidenerem Budget mitzuwirken, als sie es von Hollywood-Produktionen wie „Alexander“ oder „Gladiator“ kennen, die in Marokko gedreht wurden.“