Die herrlichen Vollblüter, die im Maghreb wie Götter verehrt werden, sind ein zentrales Thema des Films. Der Hengst Zingal wird zum Mittler zwischen Vater und Tochter, und über den Umgang mit den Pferden tastet sich das Mädchen langsam an seine Kultur heran. Mustapha-Darsteller Sami Bouajila sah darin einen besonderen Clou des Drehbuchs: „Indem Zaïna zur Pferdeliebhaberin wird, kommt sie natürlich ihrem Vater näher, aber unbewusst auch der verstorbenen Mutter.“ Man sagt im Maghreb, dass die Schönheit, Reinheit und Schnelligkeit der Pferde Männer den Verstand verlieren, Freunde verraten und Familien verkaufen lässt. Diese Pferde sind für ihre Treue berühmt. Man erzählt sich, dass sie sich sogar für ihre Besitzer opfern und ins Schlachtengetümmel stürzen, um sie zu retten. Die Produzenten Jean Michel Rey und Philippe Liégeois verbrachten mehrere Jahre mit ethnologischen Forschungen und Recherchen – sowohl in Marokko als auch in Pariser Bibliotheken, schließlich sollte die Schilderung des Nomaden Mustapha und seines Stammes und der Umgang mit den für diesen Kulturkreis so bedeutsamen Pferden bei aller Märchenhaftigkeit des Stoffes realitätsgetreu im Film dargestellt werden. Im Zuge ihrer Recherchen lernten sie Joël Proust kennen, einen in Marokko lebenden Pferdezüchter, der seit Jahren große US-Filmproduktionen mit Pferden beliefert. So war dieser an der Entstehung von „Gladiator“, „Alexander“ und „Kingdom of Heaven“ beteiligt.
Produzent Philippe Liégeois erinnert sich: „Proust war begeistert von der Idee, dass in unserem Film den Pferden Hauptrollen zufallen würden. Sonst müssen sie ja lediglich als Verkehrsmittel in einer bestimmten Epoche herhalten.“ Proust war als Kenner der Drehorte und der Pferde von unschätzbarem Wert für die Logistik dieser ungewöhnlichen Filmproduktion, denn es gab ja kaum Szenen ohne Pferde. Liégeois: “Ein Pferd trinkt ungefähr 40 Liter Wasser pro Tag. Und für jedes Pferd und jeden Reiter gab es eine Zweitbesetzung. Folglich war stets eine lange Kolonne von Lastwagen unterwegs, beladen mit Stallburschen, Hafer und Stroh, die Marokko von Fes nach Meknès, von den Bergen des Atlas bis in die Gebiete von Quarzazate und Oukaimeden durchquerten.“
Großartige Pferde erfordern natürlich gute Reiter. Selbst Mustapha-Darsteller Sami Bouajila, ein begeisterter Reiter, unterzog sich dafür einem intensiven sechsmonatigen Training vor Beginn der Dreharbeiten. Im Gegensatz zu Sami Bouajila hatte Simon Abkarian (Omar) noch nie auf einem Pferd gesessen und musste es unter Anleitung des französischen Reitlehrers Fred Mouquet erst lernen. Abkarian: „Ein Pferd ist ein idealer Partner für einen Schauspieler. Es lässt sich nicht manipulieren, daher ist man gezwungen, mit Unvorhergesehenem zu rechnen.“ Sami Bouajila ergänzt: „Es ging darum, zu den echten Gefühlen zurückzufinden. Der Kontakt zu den Pferden erleichterte diese Herangehensweise, denn die Tiere lügen nicht: In Gegenwart von Pferden vergisst man alles, was die schauspielerische Arbeit befrachten oder verderben kann. Im Grunde spielt man dann gar nicht mehr, man lebt seine Handlungen und Gesten.“