FILMDETAILS | Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia
Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia
Abenteuer,
Familie,
Fantasy
| USA 2008
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| Die Kreaturen
Howard Berger und seine preisgekrönten Make-up-Künstler hatten zwei Jahre gewartet, um nach Narnia zurückzukehren. “Wir konnten den zweiten Film und das Wiedersehen mit den Bewohnern von Narnia, die wir für den ersten Film mit geschaffen hatten, kaum erwarten”, so Berger.
Berger war darauf versessen, einen wilderen Look für die Kreaturen Narnias zu entwickeln, die zu Beginn des Films seit Jahrhunderten im Versteck lebten. “In DIE CHRONIKEN VON NARNIA: PRINZ KASPIAN VON NARNIA haben wir korpulente Faune, altertümliche Faune, weibliche Zwerge, afro-narnianische Zentauren und ihre Familien. Die
Minotauren stehen jetzt auf der Seite des Guten. Wir haben eine neue Hexe, einen Werwolf und auch die Satyre sind zurück, aber alle haben jetzt ein tierähnlicheres Aussehen.”
Dazu war ein großes Team von Experten nötig, von Konzeptkünstlern über Haar-Designer bis zu Herstellern für die Kreatur-Anzüge und Latex-Teile. “Wir dachten, wir würden knapp 3.000 Make-ups brauchen. Damit war die Schaumstoff-Abteilung die nächsten neun Monate ausgelastet, fast sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag. Letztlich wurden 4.600 Make-ups daraus, was, glaube ich, einen Weltrekord darstellt. Howard Berger und ein Team von 40 Special-Make-up-Künstlern erweckten die fantastischen Wesen des Films zum Leben. “Meine liebsten Narnianer sind die Zwerge”, meint Berger. “Wir hatten zwei großartige Exemplare in diesem Film: Trumpkin, gespielt von Peter Dinklage, und Nikabrik, den Warwick Davis darstellte. Wir bastelten einige sehr komplizierte Make-up-Applikationen, um sie in Narnianer zu verwandeln.”
Als die Rolle des Trumpkin entwickelt wurde, war Dinklage für Regisseur Adamson sofort die erste Wahl: “Als ich THE STATION AGENT sah, wusste ich sofort, dass ich ihn wollte.” “Peter Dinklage war der erste Schauspieler, den wir für diesen Film besetzten”, erklärt Mark Johnson. “Er ist einfach phänomenal.” Sobald der Vertrag perfekt war, vertiefte sich Dinklage in die Bücher, die er in seiner Jugend nicht gelesen hatte, zu Recherchezwecken und um sich inspirieren zu lassen. Er beschreibt seine Figur als “Brummbär” und fügt hinzu: “ Sagen wir einfach, dass ihm die Pevensies auf die Nerven gehen und er viel lieber ein Glas Wein in seinem Baum trinken würde.”
Bevor er für die Rolle zusagte, warf Dinklage bei einem Einstimmungstreffen mit Adamson in Los Angeles einen Blick auf den voraussichtlichen Look Trumpkins. Der Filmemacher zeigte ihm einige Materialien aus der Prävisualisierung. “Einige digitale Animationen – offenbar von den großen Schlachten”, erinnert sich der Schauspieler. “Ich saß also in diesem Zimmer, das mit Computern vollgestopft war, und sah zu, wie mein Ebenbild unter diesen Animationen auftauchte.”
Selbst nach diesem unerwarteten Blick auf Trumpkins Aussehen hatte Dinklage keine Ahnung, auf welche Weise ihn Berger und sein Team in ein Lebewesen Narnias verwandeln würden. Berger und Tami Lane, die beide für den ersten Film einen Oscar® gewannen, machten ihn völlig unkenntlich, mit Ausnahme seiner eindringlichen blauen Augen. Berger hatte für die Figur eine Konzeptzeichnung erstellt. Auf dieser Grundlage verwandelte Lane den Schauspieler jeden Tag zweieinhalb Stunden lang. Sie rasierte Dinklages Kopf und bemalte ihn, sie färbte seine Augenbrauen und klebte Gesichtspartien aus Latex an. Zu guter Letzt befestigte sie das elaborierte Haar-Design, das Dinklage endgültig zu einer fantastischen Kreatur aus einer anderen Welt machte. “Zum Schluss kamen immer dieser sehr lange rote Bart und die Perücke aus Yak-Haar”, so Dinklage. “Nun leben Yaks irgendwo auf der Spitze eines Berges, wo es sehr kalt ist. Leider filmten wir aber im Sommer von Prag, und so war das nicht unbedingt das kühlste Make-up meiner Karriere.” “Mit sehr vielen Make-up-Schichten kannst du den Schauspieler darunter nicht mehr erkennen”, so Dinklage weiter. “Howard und Tami ließen mich zwar völlig anders aussehen, aber trotzdem kamen mein Ausdruck und meine Emotionen durch.”
“Peter hat dieser Figur so viel Seele verliehen”, so Berger. “Wenn wir unseren Job gut machen, dann ist ein Makeup nur halbwegs erfolgreich. Aber zusammen mit seiner darstellerischen Leistung wurde Trumpkin wirkungsvoll und glaubhaft zum Leben erweckt. Wir haben Trumpkin nur seinen Look gegeben, Peter gab ihm sein Herz.”
Während sich Lane täglich auf Peter Dinklage konzentrierte, hatte ihre Kollegin Sarah Rubano die Aufgabe, aus Warwick Davis einen Charakter zu machen, den der Schauspieler als “aus tiefster Seele sauertöpfisch” beschreibt.
“Howards Make-up half mir enorm, diese Figur zu verstehen”, so Davis. “Dann fand ich ihre Stimme. Als Nächstes kam Isis’ Kostüm, das ein so makelloses Stück Maßarbeit war. Die ganzen Details sind vielleicht nicht für das Publikum sichtbar, aber unterbewusst ist das alles vorhanden. Mit seiner Hilfe kannst du dich in einer Rolle richtig zuhause fühlen. Ich habe in diesen Kleidern gelebt, gearbeitet und gekämpft. Und wenn du dich dann auch noch an die Drehorte und die Sets begibst, dann landest du auf magische Weise in Narnia.”
“Warwick hat alle seine Figuren unterschiedlich gestaltet”, so Produzent Johnson. “Das schätze ich an einem Schauspieler am meisten – Überraschungen. Sein Nikabrik steckt ebenfalls voller Überraschungen, denn er ist reizbar und doch macht er völlig logische Aussagen. Nikabrik hat dafür bezahlt, dass Narnia von den Telmarern unterdrückt wird. Deshalb hat er einige echte Tricks auf Lager.”
Davis war fasziniert, als er eine überaus durchdachte Illustration seiner Figur sah, die John Wheaton, einer von Bergers Kollegen bei KNB, angefertigt hatte. “Sie war brillant, denn sie zeigte mich, aber als alten Mann. Er hatte mein Foto genommen und den Entwurf meiner Figur darüber gemalt. Damit hatte er Nikabrik perfekt eingefangen.” Wenn Davis nach den Marathon-Make-up-Sitzungen in den Spiegel schaute, sah er “den Charakter in drei Dimensionen, den Howards Künstler in zwei Dimensionen porträtiert hatte. Es war erstaunlich.”
Ein weiterer täglicher Besucher in Bergers Wohnwagencamp war der englische Musicalstar Cornell S. John. Er spielt den mächtigen afro-narnianischen Zentauren Talsturm, der Prinz Kaspian und die Pevensies bei ihrem Kampf gegen Miraz unterstützt.
“Für Talsturm wollte Andrew einen großen, imposanten Schauspieler afrikanischer Herkunft”, erinnert sich die Besetzungsagentin Stevens. “Talsturm ist weise und spirituell, aber auch ein großer Krieger. Deshalb musste er sich mit Eleganz und Würde bewegen können. Wir gingen auf eine weltweite Suche, die uns bis nach Afrika führte, aber letztlich fanden wir Cornell in London. Wir kannten und bewunderten ihn wegen seiner vielen Hauptrollen in Musical und Oper, vom ‘König der Löwen’ bis zu ‘Porgy and Bess’.”
John ließ eine langwierige Make-up-Prozedur über sich ergehen, die ihn in eines der bekanntesten Wesen der Mythologie verwandelte – den Zentauren, eine Kreatur, die halb Mensch, halb Pferd ist. Er erhielt dafür nicht nur Latex-Applikationen für das Gesicht, sondern auch Greenscreen-Strümpfe. Auf diese Weise konnten die Effektkünstler Pferdekörper- und -beine darüberlegen und aus dem liebenswürdigen Schauspieler eine der imposantesten Kreationen des Films machen.
“Ich bestehe zu 160 Prozent aus Mike Fields – dem Mann, der mein Make-up gemacht hat”, meint John. “Anfangs hatte ich keine Ahnung, wie ich aussehen sollte. Ich hoffte auf etwas, das Ehre, Stolz und Tradition ausdrückte. Denn Zentauren können Hunderte von Jahren alt werden; da gibt es kein Limit. Ich wählte für mich selbst ein Alter von 170 Erdenjahren. Talsturms Gesicht ist das Gesicht der Zeit.”
Wie schon beim ersten Film schuf KNB für den computergenerierten Aslan lebensgroße animatronische Puppen und Anzüge, die während der Dreharbeiten eingesetzt wurden. “Andrew wollte, dass er 15 Prozent größer ist”, so Berger. “Wir konnten die Daten der digitalen Scans aus dem ersten Film nutzen. Damit fertigte Cyper FX die neue größere Skulptur an. So hatten wir einen sehr großen Löwen in unserer Werkstatt stehen.” Das Gesicht der schwertschwingenden Maus Flitzeflink wurde nicht mit den Strichen eines Pinsels, sondern einer Keyboard-Maus geschaffen. Um die entsprechende Software kümmerte sich Wendy Rogers, Ko-Supervisor für die visuellen Effekte.
“Ich wurde mit den NARNIA-Büchern groß und Flitzeflink war definitiv eine meiner Lieblingsfiguren”, meint Regisseur Adamson über den ritterlichen, ehrenwerten und noblen Mäuserich, der nach C. S. Lewis’ Beschreibung mit einem “winzigen Rapier” kämpft. “Er war regelrecht in meine Vorstellungskraft eingeprägt. Das Kunststück bestand darin, für ihn die richtige Stimme zu finden. Das war schwierig, aber letztlich besetzten wir Eddie Izzard für diese Rolle.”
Laut Mark Johnson hörten sich die Filmemacher über 100 verschiedene Stimmen an, um den Schauspieler zu finden, der diese Figur zum Leben erwecken konnte. “Eddie Izzards Stimme vermittelte die Ernsthaftigkeit des Charakters am besten. Sie hatte nichts Unangenehmes, und gleichzeitig weckte sie nicht gleich große Sympathien für Flitzeflink.”
Sobald Izzard ausgewählt war, konzentrierte sich Rogers darauf, das Aussehen der Figur zu gestalten: “Flitzeflink ist eine große Maus, über einen halben Meter groß. Davon müssen wir das Publikum erst einmal überzeugen. Trotz dieser Größe muss er so wirken, als sei er tatsächlich eine Maus. So war es notwendig, ihn einerseits bis zu einem gewissen Grad menschenähnlich zu machen und ihn andererseits als reales Tier zu zeigen.”
“Der Sprecher spielt bei der Gestaltung dieser Figur eine ganz große Rolle”, so Rogers weiter. “Dabei geht es nicht darum, dass der Charakter dem Schauspieler ähnelt. Aber dieser kann Manierismen zeigen oder Gebärden machen, zum Beispiel ein Schwert schwingen. Wir verwenden bei den Aufnahme-Sitzungen Lipstick-Kameras, die so etwas einfangen. Das hilft uns dabei, die Figur noch detaillierter zu entwickeln.”
Von allen narnianischen Charakteren, die die Londoner Effektfirma The Moving Picture Company (MPC) für DIE CHRONIKEN VON NARNIA: PRINZ KASPIAN VON NARNIA schuf, erforderte Flitzeflink die intensivste Designarbeit und die größte Detailtreue. “Eine unserer ersten Herausforderungen bestand darin, dass eine sehr große Maus nicht gerade ‘maushaft’ aussah”, so Greg Butler. “Wir wollten sicherstellen, dass Flitzeflink nicht zu einer Ratte mutierte. Daher mussten wir einen Körperbau ausarbeiten, der auf dem einer Maus basierte, aber trotzdem zuließ, dass er mit dem Schwert kämpfte, eine Rüstung trug und sowohl auf zwei wie auf vier Beinen gehen konnte.”
“Diese Geschichte führt Flitzeflink ein”, so Adamson. “ DIE CHRONIKEN VON NARNIA: DIE REISE AUF DER MORGENRÖTE wird dann seine Geschichte sein. Wir haben ihn damit für das nächste NARNIA-Abenteuer etabliert. Ich kam leider nicht dazu, so viel mit ihm zu arbeiten wie mit vielen anderen Charakteren, dabei ist er unglaublich interessant.”