„Ocean’s 13“ ist wieder in dem Milieu angesiedelt, das Glücksspieler in- und auswendig kennen: Las Vegas. „Wir wollten unbedingt an den Schauplatz von ,Ocean’s 11‘ zurückkehren“, berichtet Weintraub. „Denn Vegas genießt den einmaligen Ruf als Entertainment-Hauptstadt der Welt – es ist mit nichts zu vergleichen.“
Einige Außenaufnahmen entstanden vor Ort in Las Vegas, doch von der Logistik her war es unmöglich, ein neues Casino zu finden und es für die gesamten Dreharbeiten mit Beschlag zu belegen – deshalb sahen sich die Filmemacher gezwungen, die meisten Szenen in dem kontrollierbaren Umfeld der Studios auf dem Warner-Bros.-Gelände zu drehen.
Soderbergh bestätigt: „Wenn wir den Film komplett an Originalschauplätzen in Vegas gedreht hätten, wären doppelt so viele Drehtage nötig gewesen. Und um die Einstellungen zu bekommen, die mir vorschwebten, musste ich den Drehort völlig kontrollieren können. Unterm Strich war es also vernünftig, alles im Studio zu bauen.“
Soderberghs langjähriger Mitarbeiter, der Produktionsdesigner Philip Messina, kam an Bord, um die Verwandlung einer Studiohalle in das luxuriöse Hotel und Casino in Las Vegas zu dirigieren. „Ich verlangte von Phil einen wunderschönen Set, der sogar ein bisschen irre wirken soll“, sagt der Regisseur. „Der Gedanke dahinter: Willy Bank hat sein Casino komplett nach seinen eigenen verrückten Vorstellungen entworfen.“
„Meine Reaktion: ,Vielleicht bekomme ich nie wieder die Chance, ein Projekt dieser Größenordnung zu entwerfen und zu bauen – das lasse ich mir nicht entgehen“, grinst Messina. Messina gab selbst das Konzept für das Bank-Casino und Hotel vor: „Ästhetisch ist das Hotel einem eher asiatischen Stil verpflichtet. Dabei mussten wir dick auftragen, denn in Vegas ist alles spektakulär – das mussten wir nachempfinden. Vegas finde ich optisch einfach überwältigend – für einen Designer ist die Stadt sehr spannend, weil stilistisch einfach alles möglich ist.“
Der Designer erklärt: „Die erste wichtige Regel, an die wir uns nicht hielten: Wir legten den Spielsaal auf mehreren Ebenen an. Alle hielten uns vor: ,In Vegas macht man das nicht.‘ Meine Antwort: ,Genau deswegen will ich das machen.‘ Die meisten Casinos haben eine ungeheure Grundfläche. So viel Platz hatten wir nicht – also beschloss ich, in die Höhe zu bauen und auf diese Weise mehr Eindruck zu schinden.“
Das mehrstöckige Casino entstand in der Halle 16, einer der größten Studiohallen in Los Angeles. Allein schon ihre Größe war die perfekte Voraussetzung für den riesigen Set. Doch unter dem Fußboden befindet sich ein gigantisches Wasserbecken, und das erwies sich als Problem für Messina und sein Team. „Weil der Boden nicht auf einem soliden Fundament steht und unser gewaltiger Set ein ungeheures Gewicht hat, mussten wir zunächst eine belastbare Basiskonstruktion einziehen“, erklärt Messina. „In vielerlei Hinsicht mussten wir die Halle erst vorbereiten, bevor wir mit dem eigentlichen Bau überhaupt beginnen konnten.“
Zu den größten Elementen des Sets gehört der Casino-Aufzug, der allein schon 17 Tonnen wog. Eine der Fahrstuhlkabinen war voll funktionsfähig – mir ihr konnte man jedes der Casino-Stockwerke erreichen. Messinas Crew musste zunächst das Fundament der Studiohalle freilegen, um auf ihm die spezielle Trägerkonstruktion zu verankern. Kaum ein Setbau brachte derart knifflige Probleme mit sich.
Auch die Ausleuchtung des Casinos war eine monumentale Aufgabe. Alle Scheinwerfer wurden in den Set eingebaut, so dass keine zusätzlichen Scheinwerfer mehr nötig waren, als der Regisseur mit seinen Darstellern und Statisten am Set erschien. Alle Spieltische stattete Messina mit Spezialleuchten aus, „was sehr gut funktionierte, um die Leute drumherum im richtigen Licht zu zeigen. Es war klar, dass die Deckenbeleuchtung für das allgemeine Licht ausreichen würde – es ging hier also nur darum, bestimmte Flächen auszuleuchten, damit nicht alle Casinobereiche von dem flachen allgemeinen Licht abhängig waren.“
Soderbergh und Messina verwendeten außerdem etliche riesige, auffällige Kronleuchter, um die Sets auszuleuchten. Über den Würfeltischen hängt ein vier Tonnen schwerer Lüster aus handgeblasenem österreichischem Kristall, der verpackt in zehn Kisten im Studio angeliefert wurde. Jedes Glaselement war nummeriert, und ein fünfköpfiges Team brauchte eine ganze Woche, um den Leuchter zusammenzusetzen, denn jedes Kristallstück musste einzeln aufgehängt werden. Unter dem Dach der Studiohalle musste man extra Träger einziehen, die diesem Gewicht standhielten. Der Leuchter bietet einen prachtvollen Anblick – aber noch wichtiger war dem Regisseur seine Funktion bei der Ausleuchtung des Saals.
Im Foyer hängt ein Kronleuchter, den der bekannte Konzeptkünstler Jacob Hashimoto entwarf – er kam persönlich aus Italien angereist, um die Installation zu überwachen. Der Leuchter besteht aus Tausenden von Einzelteilen, die Stück für Stück an der Decke des Sets angebracht werden mussten.
Ein noch spektakulärerer Lüster befindet sich im Diamantenraum, wo Willy Bank seine fünf Diamantenhalsketten aufbewahrt. Der „Kaskade“ genannte Kronleuchter ist eine Leihgabe der Swarovski Crystal Company. Er ist sechs Meter hoch und 60 Zentimeter breit – jedes Kristallstück musste einzeln an der Trägerkonstruktion angebracht werden, die von der Decke hing.
Die Leuchtkörper über dem Hauptsaal des Casinos entwarfen Messina und seine Frau, die Innenrequisiteurin Kristen Toscano Messina. Sie wurden aus Fiberglasharz gefertigt, in der Ausstattungsabteilung modelliert und in Formen gegossen. In den Leuchtkörpern befinden sich Filmscheinwerfer mit breiter Streuung. „Im Grunde verstecken wir damit die Filmscheinwerfer, aber gleichzeitig fügen wir dem Set ein gestalterisches Element hinzu.“
Im Casino stehen die unterschiedlichsten Spielautomaten, die von der Firma Aristocrat Technologies, Inc. zur Verfügung gestellt wurden – alle funktionieren, auch wenn kein echtes Geld verwendet wurde. Hinzu kommen 32 Spieltische: Roulette, Würfel, Blackjack, Pai Gow und natürlich das neue Spiel „Genug gesagt“. Jeder Tisch trägt das Emblem „Der Bank“ – genau wie Tausende von Chips und sogar die Würfel. „Das größte Problem bestand darin, die Statisten und Crewmitglieder in den Drehpausen vom Spielen abzuhalten“, sagt Messina augenzwinkernd. „Ich bin sicher, dass unter der Hand während der Dreharbeiten etliche Spiele gelaufen sind.“
Weintraub sagt: „Phil hat einen so überzeugenden Set geschaffen, wie ich es in meinem Leben nur selten gesehen habe. Als wir das Casino mit Statisten bevölkerten, vergaßen die völlig, dass sie sich in einem Studio befanden. Phil hat alles derart detailgetreu gestaltet, dass wir sofort den Spielbetrieb hätten aufnehmen können… wenn ich nur herausbekommen hätte, wie das zu machen wäre“, lacht er.
Soderbergh stimmt ihm zu: „Keiner von uns wird in absehbarer Zeit auf einem derartigen Set arbeiten dürfen… vielleicht sogar nie wieder. Nur selten bekommt man die Chance, etwas so Außergewöhnliches zu kreieren – und dafür war Phil genau der richtige Mann.“
Im Süden von Kalifornien filmte man auch an Außenschauplätzen, vor allem in der Wüstenstadt Rosamond, die als Drehort für die mexikanische Würfelfabrik diente. Außerdem drehte das Team eine Reihe von wichtigen Sequenzen in Las Vegas selbst. Terry Benedicts Büro befindet sich im Verwaltungstrakt des Bellagio Hotels, und die Fontana Bar dieses Hotels verwendete man als Kongresszentrum, in dem Frank Catton sein Spiel „Genug gesagt“ präsentiert. Außerdem nutzten die Filmemacher die Gelegenheit und drehten in einem im Bau befindlichen neuen Flügel des Venetian Hotel: Hier entstand die Szene auf der Baustelle „Der Bank“, in der Danny Ocean Bank den Billy Martin anbietet.
Ein weiterer Originalschauplatz war der Abfertigungsbereich der Southwest Airlines auf dem McCarran International Airport in Las Vegas, wo George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon zum Einsatz kamen.