Regisseur und Drehbuchautor Florian Henckel von Donnersmarck hat fast vier Jahre intensiv recherchiert und geschrieben, ehe am 26. Oktober 2004 die Dreharbeiten zu DAS LEBEN DER ANDEREN in Berlin begannen. Gedreht wurde an 37 Drehtagen bis zum 17. Dezember 2004.
Neben der intensiven Lektüre einschlägiger Literatur verbrachte der Autor viel Zeit in Gesprächen mit Zeitzeugen, ehemaligen Stasi-Angehörigen und ihren Opfern. Zu den zahlreichen Beratern auf historischer Seite, die Henckel von Donnersmarck unterstützten, zählen u.a. der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat, Prof. Manfred Wilke; der Leiter der Forschungs- und Gedenkstätte in der Normannenstraße, Jörg Drieselmann; der ehemalige Oberst der Staatssicherheit Wolfgang Schmidt sowie der Chef-Bühnenbildner der Berliner Volksbühne, Bert Neumann. Auch im Filmteam gab es Betroffene, die mit ihren persönlichen Erfahrungen dazu beigetragen haben, dass der Film bis ins kleinste Detail authentisch wurde. So z.B. der Requisiteur des Filmes, der zu DDR-Zeiten selbst in Stasi-Untersuchungshaft saß.
Originalschauplätze sind bei einem historisch gefärbten Stoff von entscheidender Bedeutung. Gedreht wurde u.a. im ehemaligen Stasi-Hauptquartier in der Normannenstraße – eine düstere Adresse zu DDR-Zeiten. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte. Dort entstanden die Aufnahmen mit Ulrich Tukur als Oberstleutnant Anton Grubitz. Sein Büro liegt direkt neben dem ehemaligen Amtszimmer von Minister Mielke. Die Patina war noch erhalten. Diese Büros mit ihren Holzvertäfelungen haben ihren sehr eigenen „Charme“ und sind klar einer Zeit und einem bestimmten Stil zuzuordnen – spannend und beklemmend zugleich.
Um eine möglichst große Authentizität zu gewährleisten, sollte so viel wie möglich an Originalschauplätzen gedreht werden. Doch obwohl der Film eine Zeit erzählt, die gerade einmal 15 Jahre zurückliegt, hat sich seitdem sehr viel verändert. „Es ist letzten Endes vom Aufwand her kein großer Unterschied, ob man Berlin, 1930, oder Berlin, 1984, dreht“, so Produzent Max Wiedemann. Um die Kulisse der DDR wieder auferstehen zu lassen, wurde ein großer Ausstattungsaufwand betrieben, so z.B. an dem großen Außenset vor dem Haus von Georg Dreyman (Sebastian Koch) in der Wedekindstraße. Moderne Zeichen wie Werbebanner, Bushaltestellen, Litfaßsäulen und Schilder wurden entfernt, aktuelle Autos durch zeitgerechte Fabrikate ersetzt. Besonders die Übermalung von inzwischen überall anzutreffenden Graffiti stellte sich als sehr mühselig heraus. Kaum waren sie beseitigt, entstanden teilweise bereits über Nacht neue Kunstwerke an den Wänden.
Darüber hinaus wurde in der Hufelandstraße am Prenzlauer Berg gedreht, insbesondere die Innenaufnahmen von Dreymans Wohnung und Wieslers (Ulrich Mühe) Dachboden. In der Linienstraße wird Christa-Maria (Martina Gedeck) von Minister Hempf in seine Limousine genötigt. Im Hintergrund sieht man kurz Haus Nr. 20: Dort, in einer kleinen Wohnung ohne warmes Wasser, lebte Florian Henckel von Donnersmarck zeitweise, dort sind weite Teile des Drehbuchs entstanden.
Außerdem gelang es der Produktion als erstem und einzigem Spielfilmteam, mit Genehmigung von Marianne Birthler, der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“, im Original-Karteikartenarchiv der ehemaligen Stasi-Hauptzentrale in der Normannenstraße zu drehen. In dem riesigen maschinellen Aufbewahrungssystem entstanden Bilder mit einmaligem Zeitzeugencharakter. Nach Beendigung der Dreharbeiten wurde dieses Archiv umstrukturiert und digitalisiert. Die Daten blieben erhalten, aber die Aktenlagerstätte ist in der im Film gezeigten Form nicht mehr existent.
Die aufwändigen Dreharbeiten erforderten viel Vorbereitungszeit. Produzent Max Wiedemann: „Für dieses sehr subtile Thema muss man den absolut richtigen Ton treffen und in allen Details authentisch arbeiten.“
Quirin Berg, Max Wiedemann und Florian Henckel von Donnersmarck kannten sich bereits seit dem Studium an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen und hatten bereits gemeinsam den Kurzfilm „Der Templer“ realisiert. Produzent Quirin Berg: „Mein Partner Max Wiedemann, Florian und ich sind zwar keine gebürtigen Ostdeutschen und haben diese Zeit nicht in der DDR, sondern in der BRD erlebt. Aber jeder hat einen besonderen Bezug dazu – Verwandtschaft in Ost-Berlin, lange Fahrten auf der Transitautobahn, Grenzkontrollen. Das sind prägende Erlebnisse.“
Die Finanzierung für den Erstlingsfilm war nicht einfach zu bewerkstelligen, konnte doch erst der fertige Film viele Fragen beantworten. „Die Realisierung war letztlich nur möglich, weil die Finanzierungspartner, die Darsteller, das Team und alle Beteiligten von unserem Vorhaben überzeugt waren und uns viel Vertrauen entgegengebracht haben“, so Berg. Der Bayerische Rundfunk und ARTE sind als Sender und Buena Vista International ist als Verleiher beteiligt, außerdem hat das Projekt Filmförderung durch den FilmFernsehFonds Bayern, die FFA und das Medienboard Berlin-Brandenburg erhalten.
Ausgesprochen sorgfältig gingen die Filmemacher auch beim Casting vor, das Simone Bär übernahm. Der Erfolg: Eine Riege der besten Darsteller konnte gewonnen werden.
Agentin Erna Baumbauer, die die drei männlichen Hauptdarsteller vertritt, glaubte bereits früh an das Projekt. Die Grande Dame der Branche sprach sich klar für den Film aus und half bei der Besetzung der Rollen mit den Wunschkandidaten des Regisseurs. Ihre Klienten Ulrich Mühe, Sebastian Koch und Ulrich Tukur waren vom Drehbuch ebenso begeistert wie Martina Gedeck.
Die technischen Credits zeugen ebenfalls vom hohen Qualitätsanspruch der Produktion: Kameramann Hagen Bogdanski („Die Unberührbare“) schätzten Produzenten und Regisseur bereits von der gemeinsamen Arbeit an „Der Templer“. Gabriele Binder („Irren ist männlich“) konnte für das Kostümbild und Patricia Rommel („Nirgendwo in Afrika“, „Jenseits der Stille“) für den Schnitt verpflichtet werden.
Einen Oscar-Preisträger und Golden-Globe-Gewinner als Komponisten zu gewinnen, erforderte allerdings intensive Überzeugungsarbeit und eine Portion Glück. Für einen deutschen Film ist es ungewöhnlich, bei der Musik besondere Wege zu gehen und sich international zu orientieren. Wiedemann: „Wir waren davon überzeugt, dass der Film das rechtfertigt und eine solche Musik tragen wird.“
Für Gabriel Yared („Der talentierte Mr. Ripley“), muttersprachlich Franzose, wurde das Drehbuch in einer sehr frühen Phase übersetzt und das Projekt in vielen Gesprächen in Paris und London dargestellt. Die Größenordnung des Projektes ist sehr untypisch für den Musiker von Weltrang, hat er doch sonst oft mit Filmbudgets in dreistelliger Millionenhöhe zu tun. Aber Yared schätzte das Engagement der Filmemacher und entschied sich aufgrund des Drehbuchs, das ihn überzeugt hatte.
Die Orchesteraufnahmen wurden in Prag mit dem Prager Symphonieorchester eingespielt – einem der besten Filmmusik-Orchester der Welt.
Mit einem Komponisten, der in London und Paris lebt und arbeitet, Regisseur und Team in Berlin und dem Kopierwerk in München galt es für die Produktion, viele logistische Herausforderungen zu meistern.
Die Postproduktion – der Film hat eine Länge von 137 Minuten – dauerte ca. ein Jahr. Gedreht wurde auf 35 mm Cinemascope, mit einer ARRI-Kamera und Kodak-Filmmaterial.
Die Möglichkeit, nicht auf Film, sondern kostengünstiger digital zu drehen, wurde nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Berg: „Es gibt wenige Drehbücher, die dem Kinoanspruch gerecht werden. Diese Qualität muss man dann auch ausreizen. Dieser Stoff braucht eine Kinoästhetik. Alles andere wäre Verschwendung.“