Die Geschichte des Bobsports begann 1888, als der US-Diplomat Townsend zwei Rodelschlitten verband und das Gefährt als “Bob” auf die Reise schickte. Der Name stammt von den Anfeuerungsrufen der Zuschauer beim Start (to bob: hin und her bewegen). Kurz darauf konstruierte der Hufschmied Christian Mathis den ersten echten “bobsleigh”. Der vordere (drehbare) Schlitten wurde vom Steuermann mit Stricken gelenkt. Der hinter ihm sitzende Bremser drosselte das Tempo – in der Regel mit einem Gartenrechen. Inzwischen unterstützen Stahlkrallen die Bremsarbeit. Auch für unsere vier Helden in Gamsers Viererbob ist der Bremsweg oftmals der längste…
Bobsportler lebten damals gefährlich, weil auch Straßen und Wege als Trainingsstrecken und Rennbahnen dienten – Unfälle waren vorprogrammiert. Die erste echte deutsche Bobbahn wurde bereits 1906 in Oberhof/Thüringen in Betrieb genommen, der Sport erfuhr regen Zulauf. Für die Olympischen Spiele in Norwegen wurde 1952 die erste Bobbahn des Landes errichtet. Die Veranstaltung, an der zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder eine deutsche und eine japanische Mannschaft teilnahmen, stieß bei der Bevölkerung auf große Begeisterung und verzeichnete einen Zuschauerrekord. Es herrschte Volksfest-Stimmung in Norwegen, das als erstes skandinavisches Land die Olympischen Winterspiele beherbergte. Befürchtungen, die Norweger würden den ehemaligen Besatzern mit Ressentiments entgegentreten, erwiesen sich als unbegründet. Begeisterung und Fairness der Zuschauer prägten die Atmosphäre. An den Langlaufloipen fiel die Unterscheidung zwischen Zuschauern und Aktiven schwer, denn auch die Mehrzahl der Besucher war auf Skiern gekommen!
Die Bobwettbewerbe waren damals so etwas wie die Sumo-Disziplin des Wintersports, die von gewichtigen Mannsbildern in Zweier und Vierer-Wettbewerben ausgetragen wurde. Die Fahrer sausten in abenteuerlichen Gefährten zu Tal, deren Konstruktion heute als lebensgefährlich gelten dürfte. Der deutsche Steuermann Anderl Ostler und sein Bremser Lorenz Nieberl traten gar mit dem ältesten Schlitten im Wettbewerb an. Das Gefährt namens „Cognac“ trug sie, trotz notdürftig reparierter Kufe im letzten Lauf, bis auf den Goldrang. Ostler steuerte seinen Bob kaltblütig durch den Eisparcours und sein Bremser Niederl bewährte sich als Starter. Angesichts von Niederls zweieinhalb Zentnern Lebendgewicht, war seine Spurtstärke erstaunlich. Die Beiden waren in den Vorläufen des Zweierbobs so erfolgreich, dass anonym Protest gegen die Deutschen eingelegt wurde. Man vermutete versteckte Bleiplatten an Schlitten oder Fahrern, die Vorwürfe erwiesen sich allerdings als haltlos. Doch im Viererbob schienen andere Mannschaften sowohl dem Team von Anderl Ostler als auch Bob Deutschland II um Steuermann Franz Kemser immer voraus zu sein. Ostler erkannte, dass nur größeres Gewicht seinen Bob noch schneller machen würde und trat zu den Finalläufen mit einem gemischten Team an: Außer ihm und Nieberl saßen die gewichtigen Hünen Kuhn und Kemser vom Bob Deutschland II im Schlitten. Dessen Steuermann hatte auf seine Startberechtigung verzichtet. Wie Anderl Ostler ihn dazu überredete, bleibt sein Geheimnis. Fest steht nur, dass nach den Olympischen Spielen eine Gesamtge¬wichtsbegrenzung von 630 Kilo pro Bob eingeführt wurde, die noch heute gilt.