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    Drama, Fantasy | Frankreich 2005
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      • | Produktionsnotizen

      • Der Anfang dieses Projekts, so Michel Gondry, hat ungefähr so ausgesehen, wie das Fantasie-Fernsehstudio von Stéphane: eine Werkstatt, ein Ideenlabor, ein Speicher mit abgelegtem, fast vergessenem Kram, ein unsystematisches Archiv. Für Manche vielleicht noch keine Traumwelt, aber für Gondry der freieste Platz, den die Welt zu bieten hat. Freiheit bedeutet für ihn, sich nicht verbindlich zwischen Animation, Science Fiction, Märchen und Romantic Comedy entscheiden zu müssen. Obwohl Gondry diese Genres einzeln bereits virtuos bespielt hat, in seinen Hollywoodfilmen ebenso, wie bei seinen frühen Experimentalfilmen und den unzähligen Videoclips oder Werbespots seit Beginn der neunziger Jahre.

        Der Keim für die Geschichte von SCIENCE OF SLEEP liegt in einem absurden Geistesblitz, auf den ihn sein Sohn bei einem der vielen Streifzüge durch das Pariser „Cité des Sciences et de l’industrie“ brachte: Das Gehirn ist zwar das am meisten komplizierte Ding im Universum - es liegt aber gleich hinter der Nase. Das Einfache harmoniert problemlos mit dem Komplizierten. Aber wenn nicht, wird es dann noch interessanter? „Mit dieser Haltung ist Alice im Wunderland entstanden, so wie Godzilla und King-Kong, aber auch die Arbeiten der tschechischen Avantgarde“, erklärt Michel Gondry. Seine eigene Version dieser Idee strahlt etwas aus, das fast schon vergessen war: Der Charme einer generellen Unfertigkeit, die Poesie einer Illusion, in der man die Fäden und das Eingreifen der Hand noch sieht.

        Genau das hat Gael Garcia Bernal sofort an Gondrys Vorhaben interessiert. „Arbeit mit Seele“ nennt es der mexikanische Schauspieler und war erstaunt, dass die Figur des Stéphane so viel Ähnlichkeit mit ihm selbst hat.

        Zugleich überraschte Bernal, wie unbekümmert der Autor und Regisseur das Verträumte der Geschichte von Stéphane und Stéphanie mit etwas verband, was ihm fast wie eine Utopie des Filmemachens erscheint: „Seine Kunst lädt zum Mitmachen ein. Er will, so scheint es mir, das Publikum retten vor einem bloß noch passiven Bestaunen immer ausgefeilterer CGIs (Computer Generated Images). Der ursprüngliche King Kong hat zu 20.000 Meilen unter dem Meer und unzähligen Super-8-Monster-Homemovies geführt. Herr der Ringe und der neue King Kong hingegen lösen lediglich den Impuls aus, die Trailer downloaden zu wollen.“

        Das endgültige Drehbuch für SCIENCE OF SLEEP schrieb Gondry, wie bei all seinen bisherigen Projekten, innerhalb weniger Tage. Im Winter 2003/2004 machte er sich schließlich auf die Suche nach der Schauspielerin für Stéphanie. Charlotte Gainsbourg stand für ihn bald als Wunschkandidatin fest, weil von ihr eine große Anziehungskraft ausgeht, die jedoch nicht auf rein äußerer Schönheit beruht: „Das seltsame an ihr ist, dass sie von Männern zuerst nicht in Erwägung gezogen wird. Sie ist niemand für eine Liebe auf den ersten Blick. Erst nach und nach entdeckt man ihre Vorzüge, aber wenn man sie entdeckt hat, ist auch schon der Moment verstrichen, da man sich noch hätte zurückziehen können.“

        Für Gondry war es wichtig, Charlotte Gainsbourg nicht darüber aufzuklären, ob er selbst glaube, dass Stéphanie in Stéphane verliebt sei oder nicht. Entsprechend hatte sie gar keine andere Möglichkeit, als Stéphanies Empfinden in schwankendes Verhalten zu übersetzen, was wiederum als Katalysator für Stéphanes Unsicherheit diente – denn schließlich betrachtet man SCIENCE OF SLEEP tatsächlich so, als würde man aus Stéphanes Augen schauen. „Es gibt anfangs keine Plattform, auf der sich zwischen den beiden eine gemeinsame Sichtweise entwickeln könnte. Das ist ja der Kampf gegen Windmühlen, den er auszufechten hat, quer durch den ganzen Film.“

        SCIENCE OF SLEEP entstand in zwei Etappen, im Sommer 2004 und im Februar 2005. In vielen Sequenzen gibt es, entsprechend der Story, Überlagerungen zwischen Trick-Szenen und Live-Action. Die Tricks sind alle in Handarbeit entstanden. Very old fashioned. „Alles, was Sie im Film sehen, war auch tatsächlich so vor der Kamera existent. Wir haben unsere kleine ‚Metropolis’ real gebaut und jedes einzelne Bild mit der Kamera aufgenommen. Drei Wochen haben wir dafür mein Haus in Villemagne zum Trickatelier umfunktioniert, und als wir mit den Schauspielern drehten, war es ebenfalls so: nach Drehschluss gab es eine kurze Pause. Dann ging die Nachtschicht los: Wir haben die Animationskamera eingerichtet und dann jene Tricks gedreht, die im Zimmer von Stéphane oder Stéphanie stattfanden. Im gleichen Set und mit dem gleichen Licht. Das ist, aus der Sicht eines Produktionsleiters vielleicht nicht sehr praktisch oder effektiv, aber ich denke, es braucht diesen tatsächlichen Zusammenhang, auch die Energie, um diesen Zauber, der mir so wichtig ist, wirklich herzustellen.“

        Die Handlung von SCIENCE OF SLEEP war für Gondry, der nach seinem fünfjährigen Ausflug nach Amerika und in den amerikanischen Film (Human Nature, Eternal Sunshine of the Spotless Mind) erstmals einen Spielfilm in Frankreich drehte, ganz selbstverständlich in Paris angesiedelt: „Es war keine bewusste Entscheidung. Aber in diese Arbeit mischten sich so viele persönliche Erinnerungen an Personen, Orte und Situationen, dass mir alles andere als falsch und unnötig erschienen wäre. So haben wir auch genau in dem Haus gedreht, in dem ich mit meinem Sohn und dessen Mutter gelebt habe. Auch habe ich damals als Kalender-Designer in einem Copy-Shop in der Nähe gearbeitet. Ich kannte die Wege, das Empfinden und Denken von Leuten dieser Art. Das vereinfachte es erheblich, schnell zum Wesentlichen zu kommen, also zur Liebesgeschichte zwischen diesen beiden Menschen.“

        Gondrys Sohn und dessen Mutter, Florance Fontaine, leben auch heute noch in dem Haus, in dem die Dreharbeiten von SCIENCE OF SLEEP stattfanden – zwei Etagen über den Filmwohnungen von Stéphane und Stéphanie. Florance Fontaine war auch für die Kostüme des Films verantwortlich.

        Endgültig fertig gestellt hat Gondry SCIENCE OF SLEEP im Dezember 2005. Im Januar 2006 hatte der Film beim Sundance Festival Premiere und wurde im Februar 2006 auch im Hauptprogramm der Berlinale (Außer Konkurrenz) bejubelt – zum Beispiel von der Berliner Zeitung, in der Jens Balzer am 13.02.2006 schrieb: „Schade, dass dieser Film nur außer Konkurrenz läuft, wir hätten ihm gern so viele Goldene Bären aufgebunden, wie sich in den Bärenwäldern um den Potsdamer Platz einfangen lassen.“

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