In der finsteren Welt globaler Spionage geht es heutzutage um hohe Einsätze: Macht wird jedoch nicht aufgrund von Waffen und Technologie beurteilt, sondern anhand entscheidender Informationen, die man beschaffen und kontrollieren kann – oder man gibt es zumindest vor.
„Alles steht und fällt mit den Informationen“, berichtet Ridley Scott, der „Body of Lies“ (Der Mann, der niemals lebte) inszeniert. „Was letztlich bedeutet, dass man niemandem mehr trauen kann, nicht einmal dem besten Freund. Wer auch nur einen Moment unachtsam ist, wird übers Ohr gehauen. Und wer eine für die nationale Sicherheit entscheidende Organisation leitet, ist ohne eine solche Überzeugung schwach und angreifbar. Das bringt der Beruf mit sich.“
„Der Mann, der niemals lebte“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Ignatius. Der erfahrene Journalist war zehn Jahre lang beim Wall Street Journal für die Bereiche CIA und Naher Osten zuständig, bevor er zur Washington Post wechselte, für die er heute als Mitherausgeber und Kolumnist tätig ist. Scott las das Buch bereits vor Drucklegung – er berichtet: „Im Roman wird außergewöhnlich prägnant beschrieben, was bei solchen Einsätzen tatsächlich vor sich geht und welche Leute dort das Sagen haben.“
Dazu Produzent Donald De Line: „David beschreibt in seinem cleveren Spionage-Thriller sehr gekonnt, welche Leute und welche Täuschungsmanöver man braucht, um ein Land, eine Kultur und letztlich den Feind zu infiltrieren. Alles, was zu einer hervorragenden Filmhandlung gehört, ist darin enthalten.“
Scott arbeitete eng mit dem Oscar-preisgekrönten Drehbuchautor William Monahan zusammen, um die schnörkellose Unmittelbarkeit und aggressive Dynamik des Romans direkt auf die Leinwand zu übersetzen. Der Regisseur stellt fest: „Die Story hat jede Menge interessanter Dimensionen: die Entwicklung der Handlung, die Figuren, die sich anpassen müssen und sich verändern. Ein sehr spannendes Konzept.“
Leonardo DiCaprio hatte mit William Monahan bereits an „The Departed“ (Departed – Unter Feinden) gearbeitet. Er sagt dazu: „Monahan lieferte eine fantastische Filmfassung. Sein besonderes Augenmerk gilt dem Spannungsfeld zwischen Information und Desinformation, dem Katz-und-Maus-Dilemma der Hauptfiguren.“
„Die Story ist echt packend, man konzentriert sich voll auf all die unerwarteten Wendungen“, sagt De Line. „Und es gibt auch all die spannenden Action-Sequenzen, die Ridleys Spezialgebiet sind und die er wie immer mit seiner ganz persönlichen Handschrift versieht.“
DiCaprio bestätigt: „Der Film enthält umfangreiche Action-Elemente, aber gleichzeitig ist die Handlung sehr komplex. Letztlich interessierte uns, wie fortschrittlich das Konzept der CIA eigentlich ist und wie es in der Story dargestellt wird. Bei der Arbeit am Film faszinierte uns zunehmend, wie eine solche Organisation gegen einen Feind vorgeht, der in einer für die Agenten so fremden Welt extrem schwer aufzuspüren ist.“
DiCaprio übernimmt die Hauptrolle des CIA-Agenten Roger Ferris, der einen kühnen Plan entwickelt, um den hochrangigen Terroristen Al-Saleem aus der Reserve zu locken, indem er so tut, als ob eine rivalisierende – von A bis Z vorgetäuschte – Organisation Al-Saleems eigenem Team genauso effektiv und tödlich den Rang abläuft. Aber die Verschleierungsmanöver und Spiegelfechtereien, die der Agent so geschickt inszeniert, werden gleichzeitig von seinem Vorgesetzten Ed Hoffman durch andere, weitreichende Täuschungsstrategien vernebelt: Der skrupellose Stratege Hoffman lässt sich im Namen der nationalen Sicherheit von nichts und niemandem aufhalten – er riskiert sogar, dass bei diesem Einsatz sein bester Mann über die Klinge springt.
Während Ferris’ Komplott, das sich nicht zurückverfolgen lässt, Eigendynamik entwickelt, kommt es zu Konflikten mit seinen beiden engsten Verbündeten. Gleichzeitig verspürt er Gewissenbisse, die eine gefährliche Angriffsfläche bieten. Wird Hoffman Ferris wie so viele vor ihm verraten? Und wenn der Chef des jordanischen Geheimdienstes erfährt, dass Ferris eine Geheimorganisation leitet, um Al-Saleem eine Falle zu stellen, dann kann man Ferris’ Lebenserwartung in Jordanien nur noch nach Minuten bemessen. Letztlich hängen Ferris’ Leben und der Erfolg seines Auftrags einzig von dem Mann ab, dem er wirklich vertrauen kann: sich selbst.
Russell Crowe, der die Rolle des Ed Hoffman übernimmt, kommentiert: „Natürlich handelt es sich um einen Spielfilm, den man nicht mit einem Tatsachenbericht verwechseln sollte, aber mir ist dabei sehr wichtig, den Zuschauern einen Eindruck von der Funktion der CIA zu vermitteln: Wie geht man bei solchen Täuschungsmanövern vor, vor allem in einer Situation, wo die Kulturen aufeinanderprallen. Man muss schon sehr großen Abstand halten, um zu erkennen, wie der Hase läuft.“
„Die Begleitumstände von Täuschungsmanövern interessieren mich als Autor: Wie funktioniert das, wenn wir unseren Gegnern etwas vormachen“, sagt Ignatius. „Ich überlegte mir zunächst, wie man sich in eine Organisation einschleusen könnte, die praktisch undurchdringlich ist. Wenn man schon nicht hineinkommt, könnte man vielleicht so tun, als ob man bereits drin wäre? Das Spionagegeschäft läuft ähnlich wie der Journalismus: Man muss Informanten aufspüren, ihr Vertrauen erwerben und sie dann aus der Reserve locken – sie müssen Einzelheiten preisgeben, die sie zunächst für sich behalten wollten.“
Vor allem diese unmittelbare, schonungslose Analyse des Lebens echter Geheimdienstagenten faszinierte Scott: „Mir machte es Spaß, die Unterschiede zwischen dem Mann im Einsatz und dem Einsatzleiter herauszuarbeiten.“
Dazu Monahan: „Die Story zeigt die Welt der Geheimdienste mehr oder weniger so, wie sie wirklich ist – vielleicht sogar pragmatischer und politisch weniger befrachtet als in der tatsächlichen CIA. Ed Hoffmans Schwächen fand ich sympathisch… solche Menschen kennen wir alle. Und an Ferris’ Story reizte mich sein individueller Gewissenskonflikt.“
Wer im 21. Jahrhundert als Spion in einer der gefährlichsten Regionen der Welt eingesetzt wird, muss sich auf jede nur erdenkliche Art Informationen beschaffen. Vor allem setzt er sein Leben aufs Spiel, denn in dieser Welt kommt alles nur darauf an, was man weiß – doch genau das kann auch zum tödlichen Verhängnis werden.