Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:57 Uhr
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  • Der Mann, der niemals lebte

    Thriller | USA 2008
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      • | Produktion: Wie zum Teufel soll ich meinen Einsatz

      • Ridley Scott engagiert sich kompromisslos für seine Filmarbeit – so fiel es ihm offenbar leicht, als Regisseur alle Aspekte eines umfangreichen internationalen Projekts wie „Der Mann, der niemals lebte“ in den Griff zu bekommen. „Es ist ein großes Vergnügen, einem Meister wie Ridley bei der Arbeit zuzuschauen“, sagt Donald De Line. „Er vertraut auf seinen Instinkt, er ist ein Teamarbeiter und verfügt über die seltene Gabe, den gesamten Film bereits fertig im Kopf zu haben. Er bringt mehr Energie, Stehvermögen und Konzentration mit als seine Mitarbeiter, und er inspiriert sie alle zu Höchstleistungen.“

        Als ehemaliger Produktionsdesigner zeichnet Scott seine eigenen Storyboards und liefert Skizzen für alle Abteilungen mit genauen Angaben zu bestimmten Sets, Kostümen oder Spezialeffekten. „Mit einem Regisseur wie Ridley fällt die Arbeit leicht, denn er kann sich mit seinen Zeichnungen so gut ausdrücken“, sagt Scotts langjähriger Produktionsdesigner Arthur Max.

        Scotts eigener Drehstil – er verwendet für jede Szene vier bis acht Kameras gleichzeitig – erlaubt ihm die Inszenierung aus allen erdenklichen Kamerawinkeln bei einem Minimum an Wiederholungen. „Ich staunte nicht schlecht, wie er so viele Kameras für die verschiedenen Einstellungen koordiniert und gleichzeitig drehen lässt“, sagt DiCaprio anerkennend. „In einer Szene gibt es im Hintergrund 20 Explosionen, und irgendwo einen Kilometer weiter sitzt ein Mann auf einem Baum und filmt mich mit dem Zoom, ohne dass ich das überhaupt mitbekomme. Zwei Helikopter warten in Bereitschaft, um über die Szene zu fliegen – Ridley greift einfach zum Walkie-Talkie, und schon sind sie da. Gleichzeitig beobachtet er all die verschiedenen Monitore und schneidet die Szene bereits im Kopf. Ich glaube, er hat eine direkte Verbindung zum Auge des Zuschauers. Deshalb leistet Ridley so hervorragende Arbeit: Er behält immer den Überblick.“

        Indem Scott zahlreiche gleichzeitig laufende Kameras choreografiert, wirkt seine filmische Erzählweise so atemberaubend und unmittelbar. „Ich arbeite sehr schnell – so schnell wie möglich, denn nur so merkt man, dass man lebt“, erklärt der Regisseur. „Ich habe die Aufgabe, die Schauspieler nie ganz zur Ruhe kommen zu lassen, denn dann bleiben sie stets konzentriert, was entsprechend spontan und energiegeladen wirkt.“
        „Mich haut sein Drehstil einfach um“, sagt Mark Strong. „Für einen Schauspieler ist das traumhaft, weil man schwierige Szenen nicht ständig wiederholen muss, und auch Anschlussfehler werden so vermieden – alles passiert absolut unmittelbar.“

        Weil Crowe bereits das vierte Mal mit Scott drehte, war er wie keiner seiner Kollegen mit Scotts Regiestil vertraut. Ganz offensichtlich arbeiten die beiden sehr gern zusammen, aber trotzdem stellt Crowe fest: „Die Leute glauben oft, dass wir immer einer Meinung sind. Das ist natürlich lächerlich. Im Durchschnitt streiten wir uns intuitiv bei 70 Prozent der Themen. Doch im Lauf der Zeit haben wir die Kunst des wortlosen Streits perfektioniert – uns bringt es Spaß, Probleme zu lösen. Ich höre Ridley jedenfalls sehr genau zu – was ihn manchmal aus der Fassung bringt“, lacht Crowe. „Aber er weiß das zu schätzen, denn manchmal sagt er mir schon sehr früh bei der Vorbereitung etwas und kümmert sich dann wochenlang um all die anderen Einzelheiten. Aber er weiß genau: Ich achte darauf, dass sein ursprüngliches Konzept erhalten bleibt, wenn wir uns auf den Spannungsbogen der Geschichte konzentrieren.“

        DiCaprio beschreibt sich selbst als „der Neue“ – er gewöhnte sich schnell an die Scott/Crowe-Drehmethode. „Sie verständigen sich ohne viele Worte, bekommen Probleme sofort in den Griff. Ich bewundere diese Art Energie. Mich begeistert und erfüllt die Zusammenarbeit mit solchen Leuten. Nachdem die Szene geprobt ist und der Ablauf bis zum Zielpunkt klar ist, lässt Ridley alle Kameras laufen, und schon geht es los. Und Russell hat eine sehr intensive, reale Leinwandpräsenz“, fügt DiCaprio hinzu, der Crowe bereits von den Dreharbeiten zum Western „The Quick and the Dead“ (Schneller als der Tod; 1995) kennt. „Ich halte ihn ganz einfach für einen der großen Schauspieler der Gegenwart, und ich freute mich darauf, es wieder mit ihm aufzunehmen. Wir spielen in diesem Film einige sehr dynamische, kämpferische Szenen zusammen. Ein tolles Gefühl, wenn man einem Schauspieler gegenüber sitzt, der alles parieren kann, was ich biete, und mir noch mehr zurückgibt. Ein echter Adrenalinschub.“
        Als die beiden „Schneller als der Tod“ drehten, war DiCaprio noch Teenager. Dazu Crowe: „Leo hat es seitdem weit gebracht. Es freut mich sehr, dass er trotz seines riesigen Erfolgs der gleiche nette Typ geblieben ist, der er war. Wir haben uns prächtig amüsiert.“

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