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Realismus stand bei der Gestaltung der fast 100 Schauplätze an erster Stelle – der Film spielt in einem knappen Dutzend Ländern, in denen Ferris seine Falle für den schwer zu fassenden Terroristen Al-Saleem vorbereitet. Weil die Dreharbeiten in den verschiedenen Ländern unpraktisch gewesen wäre, entschied man sich für Marokko als Double für die meisten Locations.
„Ich kenne mich in Marokko gut aus – ich drehe jetzt bereits zum vierten Mal in Nordafrika“, berichtet Scott, der „Gladiator“, „Black Hawk Down“ und „Kingdom of Heaven“ (Das Königreich der Himmel) in der Hauptstadt Rabat und in der Wüste bei Ouarzazate gefilmt hat. „Die Gegend bietet eine unermessliche optische Auswahl – immer wieder entdecke ich etwas Neues. Ich schätze die Marokkaner sehr. Es gibt dort hervorragende Handwerker, die uns bei diesem Film unterstützt haben.“
„Ridley kennt sich in diesem Teil der Welt wahrscheinlich besser aus als jeder andere Hollywood-Regisseur“, kommentiert De Line. „Ihm liegen Land und Leute sehr am Herzen. Und daher gelingt es ihm so wunderbar, die Atmosphäre, das Ambiente auf die Leinwand zu übertragen.“
Weil die Stadtviertel höchst unterschiedlich sind, fand man eine große Bandbreite von Schauplätzen. „Wir haben keinerlei große Sets gebaut, wie es bei Filmepen sonst die Regel ist, aber der Aufwand, den wir in den Straßenszenen treiben, hat epische Ausmaße“, sagt Arthur Max, der mit seinen Ausstattern die vorhandenen Locations durch eigene Bauten ergänzte. „Jeden Drehort versuchten wir so einzurichten, dass die Kamera alles im kompletten 360-Grad-Radius filmen kann – das gibt den Schauspielern die Möglichkeit, voll in die Szene einzutauchen.“
In enger Absprache mit Kameramann Alexander Witt inszenierte Scott eine hektische Jagd durch die Menschenmenge auf einem Marktplatz, wobei die Kameras Ferris von oben aufnehmen, um ihn so zu zeigen, wie er vom Predator-System überwacht wird.
„Das Predator-System ist praktisch der ständig präsente Große Bruder“, sagt Scott, der diese Kamerawinkel simulierte, indem er mit einer HD-Kamera filmte, die an einen in 3000 Meter Höhe schwebenden Helikopter montiert war.
Max’ Team musste die Sets weiträumig ausstatten, damit sie in diesen sehr detaillierten Luftaufnahmen realistisch wirkten. Außerdem galt es, die leuchtenden Farben der marokkanischen Landschaft zu neutralisieren, damit die Brauntöne der Erdfärbung vorherrschten. „Es gehörte zu meinen Aufgaben, die Farben auf den Sets zu dämpfen, damit sie nicht zu auffällig wirken – die Zuschauer wären sonst leicht abgelenkt“, sagt Max.
Wie schwierig es ist, Filmsetelemente nahtlos in vorhandene Schauplätze einzufügen, wurde überdeutlich, als die Requisiteurin Sonja Klaus einen Gärtner engagierte, der einen Teil des Stadions in Rabat in den gepflegten Garten der US-Botschaft in Jordanien verwandeln sollte. Weil der Set nicht eingezäunt war, ließen die Anwohner ihre Schafe nach Drehschluss darauf weiden. „Als ich die Büsche am nächsten Morgen inspizierte, waren nur noch ein paar Stümpfe übrig“, erinnert sich Klaus.
Manchmal arbeitete Klaus derart überzeugend, dass die Darsteller gar nicht merkten, dass sie sich auf einem gebauten Set befanden. Eine entscheidende Konfrontation zwischen Ferris und Hani findet auf einer riesigen Müllhalde statt – zu diesem Zwecke wurde ein steiler, bisher makelloser Abhang mit Tonnen von „sauberem“ Müll ausgestattet. „Das sah so echt aus, dass ich gar nicht auf die Idee kam, die Halde als eingerichteten Filmset wahrzunehmen“, sagt Strong.
„Marokko interessiert mich sehr. Dreharbeiten dort bringen Probleme mit sich, aber ich habe meinen Aufenthalt sehr genossen“, sagt DiCaprio. „Ich mag die Leute und ihre Kultur. Den Markt in Marrakesch sollte man mindestens einmal im Leben gesehen haben, vor allem diejenigen, die gern reisen. Ein phänomenales Erlebnis.“
Eine besonders schwierige Aufgabe hatten Kostümbildnerin Janty Yates und ihr Team zu bewältigen, denn es galt nicht nur die große Anzahl von unterschiedlichen Hauptfiguren akkurat einzukleiden, sondern auch etwa 3000 Statisten, die etliche verschiedene Kulturen repräsentieren sollten: „Alles musste bis in Detail geplant werden, und die Kleider mussten außerdem behandelt werden, damit sie gebraucht aussahen.“
Yates gestaltete Ferris’ Kleidung so, dass sich der Agent jeder Kultur, jeder Situation anpassen kann, in der er sich tarnen muss. „Leo half mir sehr bei der Arbeit“, sagt sie. „Unglaublich, wie intensiv er sich für jedes Detail interessiert. Wenn wir uns ein neues Kostüm vornehmen, will er genau die Umstände wissen, in denen es zum Einsatz kommt: Was war vorher los? Was passiert anschließend?“
Bei dem CIA-Chef Ed Hoffman richtete Yates sich nach dem Motto: „Hoffman interessiert sich nicht für seine Kleidung, sondern nur für die Rettung der Welt.“
Im Gegensatz dazu legte Ridley Scott größten Wert auf die Garderobe des jordanischen Geheimdienstchefs Hani Salaam. „Für mich soll Hani besonders elegant wirken – wie ein echter Gentleman“, bestätigt der Regisseur.
Yates wandte sich an die exklusive Firma Huntsman in der Londoner Savile Row – eine der besten Schneidereien der Welt –, dort entstanden Hanis von Hand gefertigte Maßanzüge. Üblicherweise dauert die Anfertigung eines Huntsman-Anzugs etwa vier bis fünf Monate, doch Yates hatte vor Drehbeginn nur drei Wochen Zeit, um Schauspieler Mark Strong einzukleiden. Geschäftsführer Johnny Allen zeigte sich sehr hilfsbereit und kam auf die glorreiche Idee, mit Yates etwa 20 fertige Anzüge zu inspizieren, die nie abgeholt worden waren. Strong erschien zur Anprobe, und überraschenderweise „passten sie ihm wie angegossen“, sagt Yates. „Als ob sie ihm auf den Leib geschneidert worden wären.“
„Der Stoff und die Ausführung sind einfach atemberaubend“, sagt Strong über die Huntsman-Qualität. „Hani ist sicher der bestgekleidete Mann, den ich je gespielt habe.“
Aisha, die zurückhaltende, beeindruckende iranische Krankenschwester, die sich während seines Geheimeinsatzes in Amman mit Ferris anfreundet, trägt Kostüme, die sich an der heute in Jordanien üblichen Frauenmode orientieren. „Obwohl sie immer eine Kopfbedeckung und Hemden mit langen Ärmeln und hohen Kragen tragen, bevorzugen sie darunter enge Jeans und hohe Absätze“, berichtet Yates. „Solch ein moderater Reiz soll auch von Aisha ausgehen.“