Weil Scott auf Realismus Wert legt, wurden auch die meisten Spezialeffekte des Films real inszeniert und gefilmt, wobei Scott eng mit dem für die Effekte zuständigen Experten Paul Corbould zusammenarbeitete. Wenn nötig, wurden sie bei der Endfertigung durch ein Minimum an im Computer generierten visuellen Effekten ergänzt.
Genauso verfuhr man bei der sorgfältigen Orchestrierung der Stunts und Action-Sequenzen: Authentizität und natürlich die Sicherheit wurden groß geschrieben. „Ridley will, dass es echt wirkt“, sagt Stunt Coordinator G.A. Aguilar. „Er lehnt alles ab, was künstlich aussieht oder auch nur künstlich riecht.“
Mit Ausnahme einer großen Explosion und dem Angriff wütender Hunde auf seine Beine führte DiCaprio alle seine Stunts selbst aus. „Es gab einige sehr intensive, sehr komplizierte Action-Sequenzen“, gibt er zu. „Die Flucht durch Rabat mit tollwütigen Hunden an den Fersen, der Messerkampf… das war sehr schwierig, vor allem bei der Hitze in der Wüste. Aber Ridley bereitet sich derart gut auf solche Szenen vor, dass man sich dabei völlig locker fühlt – also ein Drehtag wie jeder andere.“
„Bei sportlichem Einsatz ist er voll in seinem Element“, sagt Aguilar über DiCaprio, mit dem er bereits an „Gangs of New York“ und „Departed“ gearbeitet hat. „Wir proben eine Sequenz, und er ändert Details, wenn er das aus Sicht seiner Figur für nötig hält. Er weiß ganz genau, was Ferris tun und lassen würde. Wir geben ihm also ein Muster vor, und das füllt er dann mit seiner eigenen Version aus.“
Der geforderte Realismus bedeutete auch, dass DiCaprio Arabisch lernen musste, und zwar mehrere verschiedene arabische Dialekte – eine schwierige Aufgabe selbst für einen Schauspieler, der sich beim Imitieren von Sprachfärbungen bereits als sehr talentiert erwiesen hat. „Selten musste ich mich als Schauspieler derart ins Zeug legen“, gibt er zu. „Mein Sprachlehrer Sam Sako war mir dabei eine unschätzbare Hilfe. Er hat die verschiedenen Dialekte für mich analysiert, und schon vor Beginn der Dreharbeiten haben wir wochenlang geprobt.“
„Für Nicht-Araber ist das Arabische eine sehr komplizierte Sprache, weil sie aus vielen Kehllauten besteht“, erklärt Sako, der aus dem Irak stammt und seit vielen Jahren in Hollywood arbeitet. „Amerikaner sprechen eher oben im Mund, sind es also nicht gewohnt, die Vokal-Muskeln in der Kehle zu benutzen. Aber Leo ist ein hervorragender Schüler.“
In manchen Fällen musste Sako auf Scotts Anweisung vor Ort neue Dialoge für DiCaprio formulieren. „Ich habe ihm den Text vorgesprochen, und er machte sich Notizen. Zwei Minuten später liefen die Kameras, und es sprach die Dialoge perfekt. Eine wirklich erstaunliche Aussprache.“
Physisch und psychologisch eine besondere Herausforderung war für DiCaprio die entscheidende Verhörszene der Story, die zwei Drehtage lang in den Ruinen einer alten portugiesischen Festung gefilmt wurde. „Ich hatte mich schon Monate im Voraus auf diese Szene vorbereitet“, verrät DiCaprio. „Man bringt sich in Stimmung und überlegt intensiv, was Ferris in dieser Situation tun und sagen würde, und dieser Input an Energie führt zu körperlicher Erschöpfung, macht mich fertig. Das ist derart real, dass der Körper nachher praktisch zusammenklappt. Aber ohne diese Intensität könnte man diese Emotion, diese Authentizität nicht erreichen.“
„Alle Schauspieler haben sich mit großem Engagement für ihre Rollen eingesetzt“, sagt Ridley Scott. „Darsteller und Filmteam haben von Anfang an ihr Bestes gegeben. Vom ersten Drehtag an gab es kaum Luft zum Atemholen, aber meiner Meinung nach beflügelt das die Leistung. Ich arbeite gern schnell, aber Spaß muss es mir auch immer bringen – erst dadurch lohnt sich die ganze Sache.“